August Borsig


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August Borsig: August Borsig, Lokomotivfabrik: Werk Tegel August Borsig: Anzeige f├╝r K├Ąltemaschinen und Dampfanlagen (1927)


Allgemeines

FirmennameAugust Borsig
OrtssitzBerlin
OrtsteilMoabit
Stra├čeChausseestr. 1
Postleitzahl10115
Art des UnternehmensLokomotiv- und Maschinenfabrik
AnmerkungenGegr. 1837 in der Chausseestra├če, unter Albert Borsig (ab 1858): Werk in Moabit und Schlie├čung der Lokomotivfabrik vor dem Oranienburger Tor. Besitzer (um 1892): A. Borsig's Erben und zu dieser Zeit in der Kirchstr. 6 (Moabit). Ab 1898 in Tegel. Um 1925: "A. Borsig GmbH". Lokomotivbau 1931 von der AEG ├╝bernommen; bis dahin knapp 14.000 Lokomotiven gebaut. Seit Dez. 1935: "Rheinmetall-Borsig" und L├Âschung von "A. Borsig". Seit 1933: "A. Borsig Maschinenbau A.-G."; um 1943: "A. Borsig Maschinenfabrik". Hatte um 1885 eine von Ph. O. Oechelh├Ąuser erbaute Privat-Gasanstalt von etwa 1000 Flammen.
Quellenangaben[Eisenbahnwesen der Gegw (1911) II, 134] [Metzeltin: Lokomotive (1971) 28] [Adrb El.-Branche (1892) 26] [Handb. Dt. Akt.-Ges. (1943)] [Kutschik: Lokomotvfabr Borsig (1985)]
HinweiseFirmenschrift "Stehende schnellaufende Kapseldampfmaschinen" (1924/25), 138 Bl., mit Referenzen, im Stadtarchiv Leuna, Signatur (neu) SCI S3, Nr. 0835, Signatur (alt): SCI 5001 [http://www.chemie-merseburg.de]




Unternehmensgeschichte

Zeit Ereignis
07.10.1836 Genehmigung durch das K├Ânigliche Polizeipr├Ąsidium f├╝r den Bau eines H├╝ttengeb├Ąudes auf dem von August Borsig erworbenen Grund an der Chausseestra├če am Oranienburger Tor
1837 J. F. L. W├Âhlert folgt Borsig in seine neugegr├╝ndete Fabrik [vmtl. gleich ab Gr├╝ndung]
22.07.1837 Gr├╝ndung der "A. Borsig'schen Eisengie├čerei- und Maschinenbau-Anstalt". Das Gr├╝ndungsdatum wird auf den 22. Juli 1837 festgelegt ÔÇô dem Tag, an dem der erste Gu├č (gu├čeiserne Schienenst├╝hle f├╝r den Bau der Eisenbahn Berlin - Potsdam) gelingt. (Andere Quellen nennen f├╝r die Gr├╝ndung den Juni 1837). - In der Anfangszeit baut Borsig Dampfmaschinen f├╝r den eigenen Bedarf und Maschinen f├╝r andere Unternehmen, daneben Kunst- und Baugu├č-Teile
1838 Die erste Dampfmaschine wird hergestellt.
1839 Gruson beginnt nach Abschlu├č der Gewerbe- und Handelsschule (1839), nach Ableistung eines einj├Ąhrigen Milit├Ąrdienstes und dem Besuch der Universit├Ąt in Berlin f├╝r 5 Jahre in der Maschinenfabrik von Wilhelm Borsig, der mit seinem Vater befreundet ist und lernt so den Maschinenbau kennen. Neben dem eigentlichen Maschinenbau befa├čt er sich auch mit Fragen des Gie├čereiwesens, besonders des Eisengusses. Mit dem "Lokomotivk├Ânig" verbindet ihn ein pers├Ânliches Verh├Ąltnis, das auf die zwischen diesem und seinem Vater Louis Abraham Gruson bestehenden freundschaftlichen Beziehungen zur├╝ckgeht. Gruson verkehrt in der Villa von Borsig und empf├Ąngt dort manche Anregung. So entsteht auch seine Leidenschaft f├╝r die tropische und subtropische Botanik. - Am Ende seiner T├Ątigkeit in der Maschinenfabrik stellt ihm Borsig ein gl├Ąnzendes Zeugnis aus, in dem er Gruson sehr gute theoretische Kenntnisse und praktisches K├Ânnen bescheinigt und als eine besondere Leistung die eigenverantwortliche Montage einer Lokomotive anf├╝hrt.
1840 Die erste Lokomotive wird in den am Oranienburger Tor befindlichen Werkst├Ątten hergestellt.
1840 August W├Âhler beginnt bei Borsig als Zeichner (T├Ątigkeit bis 1843)
1840 Hermann Franck beginnt bei Borsig als Maschinenbau-Eleve (bis 1843), wo er die ersten Borsig'schen Lokomotiven entstehen sieht.
24.07.1841 Erste Fahrt der Borsig-Lokomotive; sie wird am 24.08. an die Berlin-Anhaltische Bahn geliefert
24.07.1841 Die erste deutsche Lokomotive, die in der Borsigschen Maschinenbauanstalt hergestellt und auf den Namen "Borsig" getauft worden war, gewinnt eine Wettfahrt mit einer englischen Stephenson-Lokomotive auf der Strecke Berlin - J├╝terbog.
1842 Fertigstellung von acht Dampflokomotiven nach amerikanischen Vorbildern f├╝r die preu├čischen Bahnen
1843 In diesem Jahr werden 10 Dampflokomotiven f├╝r die preu├čischen Bahnen fertiggestellt
1844 Auf der allgemeinen Ausstellung deutscher Gewerbeerzeugnisse wird die von Borsig erbaute Lokomotive "Beuth" (seine 24. Lokomotive) ganz besonders bewundert.
1845-1847 Zweij├Ąhriges Praktikum von Louis Schwartzkopff bei Borsig, er wird dann Maschinenmeister der Magdeburg-Wittenberger Eisenbahn
1846 Bis 1846 wurden bereits 90 Lokomotiven gebaut
1847 Baubeginn eines bedeutenden Eisenwerks in Moabit
26.09.1847 Die 100. Lokomotive wird in der Maschinenbau-Anstalt und Eisengie├čerei August Borsig fertiggestellt.
1849 Inbetriebnahme des Eisenwerks in Moabit
1849 Das "Eisenwerk der Preu├čischen Seehandlung" wird dazu erworben.
1850 Borsig kauft eine der Kgl. Seehandlung geh├Ârende Maschinenfabrik in Berlin und gliedert sie seinem Eisenwerk an.
1853-1854 Borsig kann 1853 und 1854 zum ersten Mal Lokomotiven ins Ausland liefern.
1854 Von den 69 Lokomotiven, die 1854 von den preu├čischen Eisenbahnen beschafft werden, baut Borsig allein 67
1854 Borsig erwirbt eigene Kohlengruben in Oberschlesien und errichtet dort Hochofenanlagen
1. H├Ąlfte 1854 Fertigstellung der 500. Lokomotive in der ersten Jahresh├Ąlfte.
Fr├╝hjahr 1854 Borsig kauft vom Grafen Ballestrem in Oberschlesien einen drei Felder unfassenden Grubenkomplex
25.03.1854 Die 500. Lokomotive wird in der Maschinenbauanstalt August Borsig fertiggestellt und zum Berlin-Hamburger Bahnhof transportiert.
06.07.1854 Tod von August Borsig durch einen Schlaganfall. Sein Sohn Albert ├╝bernimmt die Leitung der Firma
1858 Leitung durch Albert Borsig nach dem Tod August Borsigs
21.08.1858 Mit einer Feier begeht die Firma Borsig auf dem Hof des Fabrikgel├Ąndes an der Chausseestra├če die Fertigstellung der 1 000. Lokomotive. Sie wurde im Auftrag der K├Âln-Mindener Eisenbahn gebaut und auf den Namen "Borussia" getauft.
1862 Inbetriebnahme der Steinkohlengrube Hedwigswunsch bei Biskupitz
1862-1863 Bau der Neuen Halleschen Zuckerraffinierie in unmittelbarer N├Ąhe des Bahnhofs in feuerfester Stahlkonstruktion. Sie ist weltweit die gr├Â├čte Zuckerraffinerie und ist wegweisend f├╝r den Bau moderner Zuckerraffinieren. Bau und Einrichtung mit Dampfmaschinen, Dampfkesseln, der Siedeeinrichtung, dem Filterturm und den Feinzuckerm├╝hlen werden von A. Borsig in Berlin ausgef├╝hrt.
1862 Emil Rathenau findet eine Anstellung als Zeichner im Konstruktionsb├╝ro der Firma Borsig. Die Stelle ist schlecht bezahlt und entspricht nicht seiner Ausbildung. - Er geht mit einem Empfehlungsschreiben Borsigs nach England, um dort f├╝r zwei Jahre seine Fachkenntnisse zu vertiefen.
1865 2 Hoch├Âfen in Betrieb [vmtl. in Biskupitz]
01.08.1865 Carl von Linde beginnt als Ingenieur bei Borsig in Berlin
1868 Inbetriebnahme des Puddel-, Hammer- und Walzwerks [vmtl. in Biskupitz]
1872 Das Stahlwerk und die Stahlformgie├čerei in Borsigwerk (OS) gehen in Betrieb
1873 Die 3000. Lokomotive wird fertiggestellt; unter diesen Maschinen waren 600 an das Ausland verkauft, und zwar an Holland, D├Ąnemark, ├ľsterreich, Italien, Ru├čland und Schweden.
1878 Bis 1878: 4190 Lokomotiven abgeliefert
10.04.1878 Tod von Albert Borsig. Bis zur Gro├čj├Ąhrigkeit seiner S├Âhne f├╝hrt ein Nachla├čkuratorium die Leitung der Werke weiter.
1879 Die Firma befa├čt sich mit dem Bau von Wasserrohrkesseln
1879 Die Firma ├╝bernimmt Patente von Heine-Wasserrohrkesseln
1886 Aufl├Âsung der Lokomotivfabrik am Oranienburger Tor
23.04.1894 Beginn der Leitung durch die Br├╝der Arnold, Ernst und Conrad Borsig. Seit dem Tod Albert Borsigs ├╝bernahm ein Nachla├č-Kuratorium unter der Leitung des Justizrates Riem die F├╝hrung der Gesch├Ąfte
23.04.1894 Arnold Borsig tritt an die Spitze der Borsigwerker Verwaltung und beginnt dort mit gro├čer Energie und Umsicht eine durchgreifende Verbesserung und Erweiterung zun├Ąchst der Grubenbetriebe und teilweise von Neuanlagen in den H├╝ttenwerken
Fr├╝hjahr 1896 Baubeginn des Tegeler Werks im Fr├╝hjahr
01.04.1897 Arnold Borsig kommt bei einer Gasexplosion in der Hedwigswunschgrube zusammen mit f├╝nf Beamten ums Leben
1898 Vollendung der Fabrikanlage in Tegel
1898 Lieferung von 4 Dampfmaschinen durch A. Borsig
Herbst 1898 Das Tegeler Werk kommt im Herbst voll in Betrieb
1899 Ein komplettes ┬╗Elektrisches Geh├Âft┬ź wird auf der Wanderausstellung der DLG vorgef├╝hrt. Dazu geh├Âren auch Elektropfl├╝ge von den Firmen Borsig und F├Ârster (Berlin)
08.10.1899 Besichtigung des neuen Werks in Tegel durch den Verein Deutscher Maschineningenieure
1902 Fertigstellung der 5000. Lokomotive
1902 Die Firma beteiligt sich am Bau von Gro├čgasmaschinen (Zweitaktmaschinen nach den Patenten von W. v. Oechelh├Ąuser)
1903 Lieferung einer Dampfmaschine durch A. Borsig
1905 Bis Ende 1905 wurden ├╝ber 20.000 Dampfkessel geliefert
1905 Bis Ende 1905 wurden 5230 Dampfmaschinen geliefert
1906 Fertigstellung der 6000. Lokomotive
1909 Fertigstellung der 7000. Lokomotive
21.06.1909 Die 7000. von der Firma Borsig gebaute Lokomotive wird in Berlin-Tegel im Rahmen einer feierlichen Zeremonie franz├Âsischen Staatsvertretern ├╝bergeben.
1910 Fertigstellung der 8000. Lokomotive
1910 Im deutschen Bergbau sind um 1910 4 dampfbetriebene (1 Verbund und 3 einfachwirkende) und 5 elektrisch betriebene Luftkompressoren (Gesamtleistung: 808 bzw. 381 PS) in Betrieb.
bis Mitte 1914 Bis zum Ausbruch des Ersen Weltkrieges waren 9000 Lokomotiven hergestellt.
1. Weltkrieg W├Ąhrend des Ersten Weltkrieges ist das Werk in der Hauptsache mit Lieferungen f├╝r Heer und Marine besch├Ąftigt: alle Arten von Geschossen, von 7.8- bis 42-cm-Granaten, werden hergestellt. Daneben Torpedoaussto├črohre, Unterseebootsruder, Schiffssteven usw.
12.10.1918 Die Borsigschen Maschinenfabriken liefern die 10000. Lokomotive (eine preu├čische G12) an die Heeresverwaltung ab.
1919 Nach dem Ersten Weltkriege nimmt die als G. m. b. H. neugegr├╝ndete Firma ihre Fabrikation im allgemeinen Maschinenbau, neben dem Lokomotivbau, in vollem Umfange wieder auf: Dampfmaschinen und Kompressoren, Eis- und K├Ąltemaschinen, Pumpen und Kessel werden nach allen Erdteilen wieder versandt.
1920 Kurt Pierson beginnt seine Ausbildung bei A. Borsig im Lokomotivbau. - Anschlie├čend studiert er an der Technischen Hochschule Charlottenburg.
04.03.1920 Erste Probefahrt der von A. Meister bei Borsig entworfenen f├╝nffach gekuppelten Tenderlokomotive "Mammut" auf der R├╝belandbahn. Sie vermag auf der Steigung von 60 o/oo 240 t Last zu ziehen. Ihr Erfolg ist der Anla├č zum Bau der Baureihe 95 (auch unter Meister) und der Beendigung des Zahnradbetriebs auch auf den DR-Strecken in Th├╝ringen, am Mittelrhein und im Schwarzwald.
1922 Die 11 000. Lokomotive wird fertiggestellt.
1925 Im Siemens-Kraftwerk Berlin entsteht 1925 eines der ersten Hochdruckkraftwerke mit Dampfturbinen (90 bar, 400 ├ŞC), allerdings mit der geringen Leistung von 1000 kW.
06.04.1925 Infolge des am vergangenen Montag begonnenen Metallarbeiterstreiks in Berlin haben die Firmen "Schwartzkopff" und "Orenstein & Koppel" ihre Betriebe geschlossen; bei AEG, in der Lokomotivfabrik Hennigsdorf sowie bei Borsig wurden etwa 4000 Arbeiter entlassen.
01.10.1925 bis 31.12.1925 Indienststellung der ersten Einheits-Dampflokomotiven mit den Betriebsnummern 02 001 (2'C1'h4v) von Henschel & Sohn, Kassel im Oktober und 01 001 (2'C1'h2) von Borsig, Berlin im Dezember.
1928 Kemna ├╝bernimmt die Dampfpflug-Produktion von Borsig
22.02.1929 Ernst von Borsig ├╝berreicht der Reichsregierung im Auftrag der deutschen Lokomotivindustrie eine Denkschrift zur Lage der deutschen Eisenbahnwirtschaft, in der u.a. ein Reichsauftrag ├╝ber 100 Lokomotiven gefordert wird.
1931 Vereinigung der AEG-Lokomotivfabrik mit dem Lokomotivbau der Firma Borsig unter dem Namen "Borsig-Lokomotivwerke G. m. b. H.".
1932-1933 Von der in Abwicklung befindlichen "A. Borsig G. m. b. H.", Berlin-Tegel, ├╝bernimmt die "Rheinmetall" zum Weiterbetrieb des Gesch├Ąfts dieser Firma deren Werksanlagen und Beteiligungen sowie einen Teil der Vorr├Ąte und Halbfabrikate k├Ąuflich.
1933-1934 Im Laufe des Jahres erfolgt die Kapitalvollzahlung bei der "Rheinmetall"-Tochtergesellschaft, der "A. Borsig Maschinenbau A.-G.", Berlin-Tegel, in H├Âhe von RM 4.500.000,00.
28.04.1933 Zur Erhaltung des Namens Borsig wird die "A. Borsig Maschinenbau A.-G.", Berlin-Tegel, mit einem Stammkapital von RM 6.000.000,00 gegr├╝ndet und in diese die ├╝bernommenen Anlagen der in Abwicklung befindlichen "A. Borsig G. m. b. H." eingebracht. Das gesamte Kapital wird von der Gesellschaft ├╝bernommen. Der Kaufpreis f├╝r das Objekt betr├Ągt Reichsmark 3.600.000,00 und ist in vier gleichen Jahresraten zu tilgen.
09.1934 Das Kapital der "A. Borsig Maschinenbau A.-G." wird um RM 2.000.000,00 auf RM 8.000.000,00 erh├Âht und von Rheinmetall ├╝bernommen und voll bezahlt.
18.12.1935 Laut Generalversammlungsbeschlu├č vom 18. Dezember 1935 Umwandlung der Gesellschaft durch Verm├Âgens├╝bertragung ohne Liquidation (Gesetz vom 5. Juli 1934) auf den alleinigen Gesellschafter, die Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik, D├╝sseldorf.
18.12.1935 Änderung der Firma aus "A. Borsig Maschinenbau A.-G." in "Rheinmetall-Borsig Aktiengesellschaft" nach Vereinigung mit der "Rheinmetall, Rheinische Metallwaaren- und Maschinenfabrik" mit Sitz in Düsseldorf zur Erhaltung des Borsig-Firmennamens
18.12.1935 Die Generalversammlung vom 18. Dezember 1935 beschlie├čt die ├ťbernahme des gesamten Verm├Âgens der "A. Borsig Maschinenbau A.-G.", Berlin-Tegel, durch die "Rheinmetall-Borsig Aktiengesellschaft", D├╝sseldorf (sp├Ąter in Berlin)
30.12.1935 Die Firma ist erloschen
1950 Das Unternehmen entsteht neu
1956 ├ťbernahme durch Salzgitter AG
1956 Aufstellung einer Dampfmaschine mit einer Leistung von 880 PS und mit BBC- Generator mit 600 KVA in das Dampfkessel- und Maschinenhaus der Matth. Hohner AG, Trossingen, (gebaut 1913)
1972 Pierson ver├Âffentlicht das Buch "Borsig - ein Name geht um die Welt"
1989 Publikation des Aufsatzes "Erinnerung an August Meister bei Borsig" im LOK-Magazin [Stuttgart] 28 (1989) Nr. 157, S. 266-278
1999 Babcock nimmt den traditionsreichen Namen "Borsig" in seine Firmierung auf




Produkte

Produkt ab Bem. bis Bem. Kommentar
Dampfh├Ąmmer 1844 Beginn erfolgreich 1844 [Matscho├č: Ent Dampfmaschine (1908) I, 584]  
Dampfkessel 1892 [Adressb. Elektr.-Branche (1892)] 1892 [Adressb. Elektr.-Branche (1892)]  
Dampflokomotiven 1841 Beginn 1931 ├ťbergang auf Borsig-Lokomotivwerke GmbH (=AEG)  
Dampfmaschinen 1889 Ausstellung Berlin 1955 bei Renner, Stuttgart Baut um 1889 auch verbesserte Corliss-Steuerungen nach J. R. Frikart (D.R.P. 31242)
Dampfpfluglokomotiven 1897 Beginn (nach Ventzki'schem Patent) 1928 Ende (Produktion an Kemna)  
Dampftriebwagen 1883 Fabr.-Nr. 3891-93, f├╝r Schleswig-Angeln     Bauart "Rowan"
Gro├čgasmotoren         Gegenkolben-Gro├čgasmaschinen nach Lizenz Oechelh├Ąuser und Junkers (Lizenz der Berlin-Anhaltische Maschinenbau AG, Dessau). Sp├Ąter auch Junkers-Gegenkolben-Schiffsdiesel und gro├če Zweitakt-Schiffsmotoren nach FIAT-Lizenz.
Gu├čeisen 1837 Beginn (1. Gu├č) 1916 bekannt  
komplette Dampfanlagen 1911 [Adre├čbuch der Zuckerindustrie (1911/12) Anh.] 1911 [Adre├čbuch der Zuckerindustrie (1911/12) Anh.]  
Kolbenpumpen 1911 [Adre├čbuch der Zuckerindustrie (1911/12) Anh.] 1911 [Adre├čbuch der Zuckerindustrie (1911/12) Anh.]  
Kreiselpumpen 1911 [Adre├čbuch der Zuckerindustrie (1911/12) Anh.] 1911 [Adre├čbuch der Zuckerindustrie (1911/12) Anh.]  
Lokomobilen 1892 [Adressb. Elektr.-Branche (1892)] 1892 [Adressb. Elektr.-Branche (1892)]  
Mammut-Pumpen 1911 [Eisenbahnwesen der Gegenwart (1911) II, 137] 1911 [Eisenbahnwesen der Gegenwart (1911) II, 137]  
├ľlm├╝hleneinrichtungen 1914 Beginn vor dem 1. WK 1925 [Deutsche ├ľlm├╝hlen-Industrie (1925) 245]  
Transmissions-Anlagen 1892 [Adressb. Elektr.-Branche (1892)] 1892 [Adressb. Elektr.-Branche (1892)]  
Trockenanlagen f├╝r landw. Erzeugnisse 1916 bekannt 1916 bekannt  
zentrale Hausentstaubungsanlagen 1906 Beginn 1924 Ende f├╝r Villen, Gesch├Ąftsh├Ąuser, ├Âffentliche Geb├Ąude; darunter zwei f├╝r das Reichstagsbeb├Ąude




Betriebene Dampfmaschinen

Bezeichnung Bauzeit Hersteller
Dampfmaschine 1859 August Borsig
Walzenzug-Dampfmaschine 1867 August Borsig
Dampfmaschine 1898 August Borsig
Dampfmaschine 1898 August Borsig
Dampfmaschine 1898 August Borsig
Dampfmaschine 1898 August Borsig
Dampfmaschine 1903 August Borsig




Maschinelle Ausstattung

Zeit Objekt Anz. Betriebsteil Hersteller Kennwert Wert [...] Beschreibung Verwendung
1844 Dampfmaschinen 3   unbekannt       Eine zum Antrieb von Arbeitsmaschinen und dem Kupolofen-Gebl├Ąse; eine Wanddampfmaschine f├╝r Hebezeuge und Bohrmaschinen; eine Hochdruckmaschine f├╝r Schmiede-Ventilator und -H├Ąmmer  




Betriebsanlagen

Zeit Betr.-Teil Fl├Ąche bebaut Gleis Whs Betr. in Kommentar
1898 Tegel 280030 67820        




Produktionszahlen

von bis Produkt im Jahr am Tag Einheit
1841 1931 Dampflokomotiven 14000   St├╝ck




Firmen-Änderungen, Zusammenschüsse, Teilungen, Beteiligungen


Zeit = 1: Zeitpunkt unbekannt

Zeit Bezug Abfolge andere Firma Kommentar
1935 L├Âsung (Tochter neuer Name) danach Rheinmetall-Borsig AG Borsig + Rh. Metallw. Dssdf = Rheinmetall-Borsig
1931 Trennung, Namensverlust danach Borsig Lokomotivwerke GmbH Borsig --> Borsig GmbH (= AEG-Tochter) [Messerschmidt: Dt. Lokomotivfabriken (1977)]




Allgemeines

ZEIT1900
THEMAWerksbeschreibung
TEXTDie Firma A. Borsig in Berlin ist im Jahre 1837 von August Borsig begr├╝ndet worden und zwar als Maschinenbau-Anstalt und Eisengie├čerei am Oranienburger Tor. Im Jahre 1850 wurde das Unternehmen erweitert durch Er├Âffnung eines Eisenwalz- und Hammerwerkes in Moabit und durch ├ťbernahme der der Seehandlungs-Societ├Ąt geh├Ârigen Maschinenbauanstalt und Eisengie├čerei in der Kirchstra├če.
Bei dem Tode dos Begr├╝nders im Jahre 1854 ├╝bernahm dessen einziger Sohn Albert Borsig die Leitung der Firma und entwickelte deren Unternehmungen in gro├čartigster Weise. Unter ihm wurden im Jahre 1859 die bedeutenden Kohlenbergwerke und 1869 ein grosses Eisenh├╝ttenwerk zu Borsigwerk O./S. in Betrieb gesetzt, welches letztere ein Hochofenwerk, Puddelwerk, Stahlwerk, Stabeisen-, Blechwalzwerk und eine gro├če Reihe von Verfeinerungs-Betrieben umfa├čt und im Laufe der Zeit nicht nur den eigenen Bedarf der Berliner Maschinenfabrik deckte, sondern in ausgedehntem Ma├če seine Erzeugnisse auch im In- und Auslande an den Markt brachte. Albert Borsig starb am 10. April 1878. Durch die Verf├╝gungen seines Testamentes wurde die Leitung der Gesch├Ąfte einem Kuratorium ├╝bertragen, welches bis zum 1. April 1894 in T├Ątigkeit blieb. Von diesem Termine ab ├╝bernahmen die drei Br├╝der Arnold, Ernst und Conrad Borsig die selbst├Ąndige Leitung der Firma. Am 1. April 1897 fand Arnold Borsig in seinem Bergmannsberuf traurigerweise einen fr├╝hen Tod und wurde hierdurch seiner mit gr├Â├čter Begeisterung und vielversprechenden Erfolgen aufgenommenen Lebensarbeit entrissen. Gleich bei ├ťbernahme der Gesch├Ąfte hatten die drei Br├╝der Borsig den
Entschlu├č gefa├čt, ihre in Moabit belegenen Betriebe, den gesteigerten Anforderungen der Zeit entsprechend, neu auszubauen und an einer einzigen Stelle ausserhalb der Stadt zu vereinigen. Auf diese Weise entstanden die unter Ernst Borsigs spezieller Leitung ausgearbeiteten Pl├Ąne der mit den modernsten Einrichtungen der Neuzeit ausger├╝steten Maschinenfabrik in Tegel. Die Eisenkonstruktionen, sowie die Pl├Ąne der Gesamtanordnung wurden
von dem Oberingenieur Metzmacher bearbeitet, die letzteren naturgem├Ą├č unter Mitwirkung der Direktoren der einzelnen Betriebsabteilungen; die architektonischen Entw├╝rfe r├╝hren von den Baumeistern Reimer und K├Ârte in Berlin her. Der gewaltige Neubau wurde im Fr├╝hjahr 1896 begonnen und bereits im Herbst 1898 mit s├Ąmmtlichen Maschinenanlagen dem Betriebe ├╝bergeben. Gegenw├Ąrtig arbeiten dort 2500 Mann und es ist die Zahl der Besch├Ąftigten in stetiger Zunahme begriffen. Zu der Gesamtfirma A. Borsig geh├Ârt au├čerdem die mit etwa 5000 Mann arbeitende Berg- und H├╝ttenverwaltung zu Borsigwerk O./S., deren Leitung dem Generaldirektor M├Ąrklin ├╝bertragen ist, w├Ąhrend die Br├╝der Ernst und Conrad Borsig gemeinschaftlich die Oberleitung ihrer s├Ąmtlichen Unternehmungen im In- und Auslande und insbesondere die der Tegeler Maschinenbauanstalt in H├Ąnden haben. Die Hauptgegenst├Ąnde der Tegeler Maschinenfabrik sind, wie seit langen
Jahrzehnten, Lokomotiven, liegende und stehende Dampfmaschinen von 30 - 3000 PS f├╝r die verschiedensten Betriebszwecke, speciell auch f├╝r elektrische Zentralen, Pumpmaschinen aller Art, insbesondere auch f├╝r st├Ądtische
Wasserwerke und Kanalisationsanlagen; als erste in Europa hat die Firma Borsig in der "Mammut-Pumpe" auch den Druckluft-Betrieb f├╝r Wasserhebungszwecke eingef├╝hrt; sie baut ferner Eis- und K├Ąltemaschinen, Gas-Kraftmaschinen von 300 - 1000 PS, Maschinen f├╝r die Zement- und Gummifabrikation, hydraulische Anlagen, Schmiedepressen und ├Ąhnliche Einrichtungen und betreibt in grossem Stile die Herstellung von Schmiedest├╝cken und dergleichen f├╝r fremde Rechnung.
Das Fabrik-Grundst├╝ck umfa├čt eine Gesamtfl├Ąche von 140.750 qm, wovon gegenw├Ąrtig 59.150 qm bebaut sind. Die Ostfront liegt an der Berlin-Tegeler Chaussee, im Westen bildet der Tegeler See mit einem Bollwerk von 150 m L├Ąnge die Grenze. Die Besichtigung der Werkst├Ątten nahm ihren Anfang in der gro├čen Kesselschmiede, welche allein einen Raum von 12.000 qm ├╝berdeckt. In den einzelnen Abteilungen dieses Betriebes werden station├Ąre Kessel und zwar haupts├Ąchlich Ein- und Zweiflammrohrkessel, sowie Wasserrohr-Kessel nach dem System Heine und in einer weiteren Abteilung Lokomotiv-Kessel gebaut. Jedes einzelne Feld ist mit einer entsprechenden Anzahl von elektrisch
betriebenen Laufkranen von 5 - 50 t Tragf├Ąhigkeit sowie mit einer gro├čen Anzahl von Drehkranen versehen. In dem ersten Feld ist die Blechschwei├čerei haupts├Ąchlich f├╝r das Schwei├čen von Wasserkammern, Flammrohrsch├╝ssen, Dampfdomen und ├Ąhnlichen Teilen untergebracht. Die Nietung der Kessel erfolgt mit Ausnahme derjenigen Teile, wo dies
technisch nicht durchf├╝hrbar ist, hydraulisch. F├╝r das Verstemmen der N├Ąhte und Nietk├Âpfc sind in ausgedehntem Ma├če Pre├čluftwerkzeuge in Betrieb. An den eigentlichen Kesselbau organisch sich anschlie├čend ist in dieser Werkstatt auch die Bearbeitung der Rahmenplatten fUr Lokomotiven und Tender untergebracht, f├╝r welche unter anderem elektrisch betriebene Bohr-, Sto├č- und Fr├Ąsmaschinen neuester Konstruktion vorhanden sind, Maschinen auf welchen Rahmenplatten bis zu den gr├Â├čten Abmessungen in Paketen bis zu 200 mm H├Âhe ├╝bereinander gelegt, zu gleicher Zeit mit sechs Werkzeugen bearbeitet werden.
Auf die Kesselschmiede folgt die Dreherei und Maschinen-Montage, welche eine Grundfl├Ąche von 12.450 qm bedeckt.
Gaskraftmaschinen werden gegenw├Ąrtig in Gr├Â├čen von 300 - 1000 PS nach den Oechelh├Ąuser'schen Patenten gebaut. An den W├Ąnden dieser Werkst├Ątten l├Ąuft in etwa 3 m H├Âhe eine breite Galerie entlang, auf welcher die Garderoben-Schr├Ąnke und Waschr├Ąume f├╝r die Arbeiter untergebracht sind. Diese Galerie ist von allen Teilen des Arbeitsraumes bequem zug├Ąnglich und so angeordnet, da├č jeder Mann von seinem Arbeitsplatze aus seinen Schrank unter Augen hat und bei Beginn und zu Ende der Arbeitsstunden keine unn├╝tze Zeit f├╝r den Weg zum Aus- und Ankleideraum verliert. Als eine besondere Spezialit├Ąt werden auch Eis- und K├Ąltemaschinen gebaut und zwar nach dem Schwefeligs├Ąure-Kompressionssystem. Es wurde bei Gelegenheit der Besichtigung eine horizontal angeordnete Maschine, wie solche f├╝r den Schiffsbetrieb besonders geeignet ist, in einem hierf├╝r zweckentsprechend hergerichteten R├Ąume im Betriebe vorgef├Âhrt. Dieses System von K├Ąltemaschinen ist f├╝r den Gebrauch an Bord hervorragend geeignet, weil dasselbe mit unbedingter Sicherheit auch bei hohen K├╝hlwasser-Temperaturen ├╝ber 30 ┬░, bei welchen die Eiserzeugung bei anderen Systemen bereits in Frage gestellt ist, noch tadellos funktioniert. Es ist ferner hervorzuheben, dass dieses System nur mit einem Druck von 2?3 Atmosph├Ąren arbeitet, die Rohrleitungen also viel leichter zuverl├Ąssig dicht zu halten sind, als bei anderen K├Ąlte-Medien, welche bekanntlich auf 12 ? 14, bei Kohlens├Ąure sogar bis 80 Atmosph├Ąren komprimiert werden. Da ferner bei der Verwendung von schwefeliger S├Ąure jede ├ľlschmierung an Kolben und Kolbenstangen der Kompressoren wegf├Ąllt, so werden hierbei auch die komplizierten ├ľlabscheide-Apparate anderer
Systeme ├╝berfl├╝ssig und eine Verschmierung der Rohrleitungen, wodurch in hohem Grade die K├Ąlteleistungen anderer Maschinenanlagen beeintr├Ąchtigt werden, erscheint hierbei vollst├Ąndig ausgeschlossen. Das Schwefeligs├Ąure-System ist f├╝r Anlagen gr├Â├čter und kleinster Leistungen zu verwenden. Eine der gr├Â├čten station├Ąren Anlagen in Europa ist die von A. Borsig erbaute K├╝hlanlage des Schlachthofes zu Berlin, welche eine Leistungsf├Ąhigkeit von 640.000 W├Ąrmeeinheiten pro Stunde aufweist.
Aus der Dreherei und Maschinenmontage f├╝hrte der Rundgang weiter in die Hammerschmiede, welche ├╝ber 46 doppelte Schmiedefeuer, 4 Schwei├č- und Gl├╝h├Âfen und ├╝ber Dampfh├Ąmmer bis aufw├Ąrts zu 40, 60 und 125 Ztr. verf├╝gt. Alle schwereren Schmiedearbeiten, welche die Fabrik ben├Âtigt, werden von dem oberschlesischen H├╝ttenwerke Borsigwerk geliefert, welches mit wesentlich schwereren H├Ąmmern und Schmiedepressen versorgt ist und in ganz hervorragendem Ma├če besonders schwere Schmiedest├╝cke f├╝r den Schiffsmaschinenbau liefert. Auf Borsigwerk hat im Jahre 1894 Arnold Borsig in gleicher Weise, wie es hier in Berlin geschehen ist, eine Erneuerung und gleichzeitige Erweiterung
s├Ąnuntlicher Betriebsanlagen des Berg- und H├╝ttenbetriebes begonnen, und diese Reorganisationsarbeiten sind nach seinem Tode durch Generaldirektor M├Ąrklin fortgesetzt worden. F├╝r schiffbautechnische Kreise kommen f├╝r diese Neuanlagen haupts├Ąchlich in Betracht: ein mit den modernsten Einrichtungen versehenes Siemens-Martin-Stahlwerk mit 4 ├ľfen zu 25 t Einsatz, welches unter Beibehaltung des bisherigen Stahlwerkes im Jahre 1900 in Betrieb gesetzt wurde. Hervorragende Leistungen hat das Borsig'sche Stahlwerk in neuerer Zeit ganz besonders auch auf dem Gebiete der Nickelstahlfabrikation aufzuweisen. Auch in der Stahlgie├čerei, welche auf Borsigwerk seit langen Jahren f├╝r eigenen und fremden Bedarf betrieben wird, sind wesentliche Vergr├Â├čerungen und Verbesserungen durchgef├╝hrt worden. W├Ąhrend man bis jetzt sich auf Teile bis zu 12 t St├╝ckgewicht beschr├Ąnkte, werden demn├Ąchst solche bis zu 30 t Einzelgewicht geliefert werden. Eine vollst├Ąndig neu eingerichtete mechanische Werkstatt, in welcher unter anderem Wellen bis zu 24 m L├Ąnge gedreht und gebohrt werden k├Ânnen, und welche insbesondere f├╝r die Bearbeitung von Schmiede- und
Stahlgu├čteilen f├╝r den Schiffbau bestimmt ist, wurde im Sommer 1900 in Betrieb genommen. Das Blechwalzwerk, welches seit 30 Jahren sich eines hervorragenden Rufes namentlich in der Herstellung von Qualit├Ątskesselblechen erfreut, hat
in neuerer Zeit auch in grossem Ma├čstabe die Fabrikation von Schiffsblechen sowie von Deckpanzerplatten aufgenommen, welche letzteren bei der offiziellen Beschu├čprobe ausgezeichnete Resultate ergeben haben. Auch die mit dem Blechwalzwerke verbundenen Nebenbetriebe, wie Schwei├čerei, B├Ârdelwerk, Wellrohrfabrikation und dergleichen mehr, haben in den letzten 6 Jahren umfassende Erweiterungen und durchgreifende Verbesserungen erfahren. Verschiedene Fabrikate des Borsigwerkes, welche f├╝r die Mitglieder der Schiffbautechnischen Gesellschaft von besonderem Interesse waren, wie beschossene Panzerdeckplatten, Blechschwei├čarbeiten, Wellrohre und dergleichen, wurden bei Gelegenheit des Rundganges ebenfalls besichtigt.
Aus der Hammerschmiede wandten sich die Besucher zun├Ąchst nach dem Kesselhaus, in welchem 13 Wasserrohrkessel mit zusammen 2140 qm Heizfl├Ąche den Betriebsdampf von 10 Atm. Spannung erzeugen. Daneben liegt die Kraftzentrale mit 3 Dampf-Nebenschlu├č-Dynamomaschinen mit einer Leistung von je 440 Kilowatt bei 230 Volt Spannung und 150 Umdrehungen in der Minute oder rund 650 PSe. Ferner eine kleinere Dampfdynamomaschine derselben Konstruktion von etwa 160 PS. und eine Akkumulatorenbatterie mit einer Kapazit├Ąt von 1700 Amp├Ęrestunden. F├╝r die ebenfalls von hier aus betriebene elektrische Beleuchtung des Werkes dienen im ganzen 275 Bogenlampen von 6 - 12 Ampere und 1500 Gl├╝hlampen.
Es wurde nunmehr der Rundgang durch die auf der s├╝dlichen Seite gelegenen Betriebe fortgesetzt zun├Ąchst in die Eisengie├čerei, welche mit 4 Kupol├Âfen, den erforderlichen Lauf- und Drehkr├Ąnen und den sonstigen der Neuzeit entsprechenden Anlagen auf eine j├Ąhrliche Produktion von 7000 t eingerichtet ist. Es wurden im Beisein der Besucher mehrere grosse St├╝cke: Gebl├Ąsezylinder und dergleichen abgegossen, wobei das vortreffliche Funktionieren der Krananlagen und der Bedienungsmannschaften allseitige Anerkennung fand. Unmittelbar neben der Giesserei befindet sich das grosse Modelllager, die mit mehreren Sandstrahlgebl├Ąsen ausger├╝stete Gussputzerei und die Metallgie├čerei. Ferner schlie├čt sich hieran die Tischlerei, in welcher nicht nur s├Ąmtliche Arbeitsmaschinen, sondern auch die Trocken- und Leimkochapparate elektrisch betrieben werden.
Hierauf folgte eine Besichtigung der Kantine, welche f├╝r die Arbeiter des Werkes zu au├čerordentlich billigen Preisen ein gutes und reichliches Mittagessen sowie auch Kaffee bereitet. Nach einem kurzen Einblick in die Kupferschmiederei und die Lackierwerkst├Ątte wurde das Zentralmagazin mit seinen besonderen Einrichtungen und hiernach die Werkzeugmacherei besichtigt; in letzterer werden die s├Ąmtlicben von dem ganzen Betriebe ben├Âtigten Werkzeuge, insbesondere auch Spiralbohrer, Gewindebohrer, Lehren aller Art usw. mit hervorragender Pr├Ązision angefertigt, geh├Ąrtet und geschliffen.
Hiernach schlo├č dann die Besichtigung in der mit den neuesten Verbesserungen ausger├╝steten Lokomotiv- Montage, also in einem Betriebe, welcher so recht eigentlich als die alte Dom├Ąne der Firma Borsig zu betrachten ist. Wenn auch leider in der Zeit nach Albert Borsigs Tode in Folge eines l├Ąngere Zeit andauernden schlechten Gesch├Ąftsganges, die Kuratoren zu dem Entschlu├č gekommen waren, den Lokomotivbau einzuschr├Ąnken, so haben die gegenw├Ąrtigen Besitzer des Werkes sofort bei Beginn ihrer Berufst├Ątigkeit, die Wiederherstellung des in aller Welt hochgeachteten Rufes der Firma Borsig speziell auf dem Gebiete des Lokomotivbaues als eine ihrer ersten Pflichten betrachtet. Sie haben in den 6 Jahren ihre Produktion an Lokomotiven auf das Dreifache von dem gesteigert, was sie im Jahre 1894 vorfanden, und zwar insbesondere auch durch eine energische Wiederaufnahme und Erweiterung ihrer Beziehungen zum Ausland. Von den nahezu 5000 Lokomotiven, welche die Firma Borsig bisher gebaut hat, sind nicht weniger als 700 St├╝ck nach Ru├čland gegangen, woselbst noch heute auf verschiedenen Linien Borsig'sche Lokomotiven im Betriebe sind, welche vor 30 und mehr Jahren dorthin geliefert wurden und trotzdem jetzt noch zu den besten vorhandenen gerechnet werden. Mit gleich guten Erfolgen wurden seit langen Jahrzehnten Borsig'sche Lokomotiven auch nach Schweden, Norwegen, D├Ąnemark, Frankreich, Spanien, Italien, China, S├╝d-Afrika, Niederl├Ąndisch Indien und anderen Auslands-Gebieten exportiert. Die gegenw├Ąrtigen Betriebsanlagen des Borsig'schen Lokomotivbaues sind eingerichtet f├╝r eine j├Ąhrliche Produktion von 300 St├╝ck. Hoffentlich f├╝gt es ein g├╝nstiges Schicksal, dass diese Produktion bald und andauernd erreicht wird!
F├╝r die in Zukunft nothwendig werdende Erweiterung der Betriebsanlagen ist ein gr├Â├čeres Terrain zwischen der westlichen Begrenzungsmauer des bisher benutzten Grundst├╝ckes und dem Tegeler See vorhanden. Wenn in absehbarer Zeit auch dieser Teil des Grundst├╝ckes bebaut ist, wird die jetzt am n├Ârdlichen Ende stehende Kraftzentrale genau in der Mitte des Werkes, wie es sich endg├╝ltig gestalten soll, gelegen sein.
├ľstlich von der Tegeler Chaussee liegt ein grosses Beamtenwohnhaus, welches die Firma insbesondere f├╝r Betriebsbeamte des Werkes eingerichtet hat. Daran grenzt die ebenfalls von der Firma Borsig errichtete Gasanstalt, die auch gleichzeitig zur Beleuchtung des Tegeler Ortsschaftsgebietes dient. Um denjenigen Arbeitern, welche es vorziehen nicht in der Stadt, sondern in m├Âglichster N├Ąhe des Werkes und in freier, gesunder Luft zu wohnen, die Gelegenheit hierzu zu bieten, hat die Firma Borsig in Gemeinschaft mit einer Terrain- und Baugenossenschaft die Errichtung einer neuen Ortschaft "Borsigwalde" in die Hand genommen. Dieselbe umfa├čt ein Gebiet von 150 Hektar, welches ├Âstlich von der Berlin-Tegeler Chaussee in n├Ąchster Nachbarschaft des Werkes und am Rande der Tegeler Haide gelegen ist.
Auf der R├╝ckfahrt nach Berlin, f├╝r welche fast s├Ąmmtliche Besucher die elektrische Stra├čenbahn benutzten, bot sich noch die Gelegenheit, im Vorbeifahren das in der Chausseestrasse No. 6 auf dem alten Borsig'schen Grund und Boden gelegene Zentralb├╝ro der Firma zu besichtigen.
QUELLE[Jahrbuch der Schiffbautechnischen Gesellschaft 2 (1901) 489]