R. Wolf Aktiengesellschaft

Allgemeines

FirmennameR. Wolf Aktiengesellschaft
OrtssitzMagdeburg
OrtsteilBuckau
StraßeFeldstr. 9/13
Postleitzahl39104
Art des UnternehmensLokomobilenfabrik
Anmerkungen1892: ZweiggeschĂ€ft in Berlin NW., Schiffbauerdamm 1; Besitzer: Kgl. Kommerzienrat Rud. Wolf; Prokurist: Ferd. Wolff; Dampf- u. Elektromotorbetrieb. SpezialitĂ€t (um 1892): Lokomobilen mit ausziehbaren Röhrenkesseln. Um 1910 BĂŒros in BrĂŒssel: 230 Rue Royale; Paris: 44 Rue Fafayette; Lille: G. Hallez, 11 Place Simon Volland; Nancy: Ch. Milan, 164 Rue Jeanne d'Arc; Sedan; Lyon: E. Bourdet; Bordeaux: F. Carrier, L. Poutaix & Cie; Marseille: B. DĂ©genemont [?]. 1928 durch Fusion: "Maschinenfabrik Buckau R. Wolf" (s.d.). Feldstraße spĂ€ter --> Karl-Schmidt-Straße (die GebĂ€ude dienten nach 1945 als Betriebsberufsschule). Neues Werk in Alt Salbke 6-10; dort zu DDR-Zeiten das Stammwerk des Kombinates fĂŒr Dieselmotoren und Industrieanlagen, "VEB Schwermaschinenbau 'Karl Liebknecht'", er entwickelte sich zur wichtigsten Schiffsdieselmotorenfabrik der DDR.
Quellenangaben[VDI 56 (1912) 977] [125 Jahre Mf Buckau-Wolf (1963)] [Masch-Ind. (1939/40)] [Adressbuch Elektr.-Branche (1892) 229] [VDI 50 (1906) 313+446] [Industriearchitektur in Magdeburg (1999) 65ff]
HinweiseGebĂ€ude an der Feldstr./Karl-Schmidt-St.: Modellhaus: Haus-Nr. 9: Erbaut 1894, viergeschossig, mit drei breiten Arkaden, im EG seitlich breite Stichbogenfenster, im 1. OG schmale gekuppelte Bogenfelster, im 2. OG urspr. auch; urspr. Mansarddach, spĂ€ter drei Gauben. Haus-Nr. 10: VerwaltungsgebĂ€ude: Dreigeschossiger gelber Ziegelbau mit Flachdach, Attika und Uhr (1891). Zahlreiche Kataloge im Archiv des DTM Berlin; darunter Fotos vom PrĂŒffeld (u.a.: Lokomobilen auf dem PrĂŒfstande, 9 Lokomobilen von 210-290 PS bis 500-680 PS fĂŒr EmpfĂ€nger in Deutschland, Rußland, Chile, Philippinen und Australien.




Unternehmensgeschichte

Zeit Ereignis
26.07.1831 Geburt von Rudolf Ernst Wolf als siebtes von neun Kindern. Sein Vater (aus einer Professorenfamilie) ist Lehrer fĂŒr Mathematik, Geschichte und Griechisch am Domgymnasium in Magdeburg. Die Schulzeit von Rudolf beginnt ebenfalls an dieser humanistischen Bildungseinrichtung, aber ein Kindheitserlebnis, eine Dampferfahrt auf der Elbe, weckt in ihm Interesse fĂŒr den noch jungen Maschinenbau und wird zum Grund fĂŒr einen Schulwechsel zum Realgymnasium.
1862 Im Jahre 1862 gehen AuftrÀge von 4 Lokomobilen ein
1862 FĂŒr die Einzylinderlokomobile fĂŒr Sattdampf werden von Hand verstellbare Flachschiebersteuerungen und Drosselregulierungen gebaut.
13.03.1862 Kauf eines FabrikgrundstĂŒcks an der Feldstraße in Buckau fĂŒr 2900 Taler vom Provinzial-Schulkollegium verwalteten Vermögen des ehemaligen Kloster Berge. Wolf muß zunĂ€chst die Verpachtung an einen Meister der Feilenfabrik von Watson fĂŒr 500 Taler ablösen.
18.03.1862 Nur fĂŒnf Tage nach dem GrundstĂŒckskauf beginnt der Bau des FabrikgebĂ€udes, eines Wohnhauses und eines kleinen Verwaltungsbaus. Von der Firma G. Kuhn in Stuttgart-Berg bezieht Wolf eine 8-PS-Lokomobile, von verschiedenen Maschinenfabriken einige Werkzeugmaschinen, u. a. eine selbsttĂ€tige Zylinder- und Schraubendrehbank, eine Kurzhobelmaschine mit Parallelschraubstock und eine kleine handbetriebene Drehbank.
17.04.1862 Lieferung einer Lokomobile durch G. Kuhn, Stuttgart-Berg, wo R. Wolf vorher gearbeitet hatte.
26.04.1862 Das Richtfest des FabrikgebÀudes wird gefeiert.
28.04.1862 Das Wohnhaus und das VerwaltungsgebÀude feiern Richtfest.
15.06.1862 Der erste Arbeiter der Firma, Herr Wilhelm Hosse wird eingestellt.
16.06.1862 GrĂŒndung einer Maschinenfabrik durch Rudolf Ernst Wolf mit sechs Arbeitern (ein Werkmeister, zwei Schlosser, ein tischler, zwei Hilfsarbeiter und ein WĂ€chter). Wolf bemĂŒht sich erfolgreich um AuftrĂ€ge fĂŒr seine junge Firma. Die erste von ihm gebaute Lokomobile ist eine Einzylindermaschine fĂŒr Sattdampf mit vier PS Leistung, sie besitzt eine Planrostfeuerung und einen ausziehbaren Röhrenkessel mit 44 Heizröhren. Die konstruktive AusfĂŒhrung der ersten Lokomobile gewĂ€hrleistet einen vergleichsweise niedrigen Dampfverbrauch. - Diese erste Lokomobile arbeitet zweieinhalb Jahrzehnte zur vollen Zufriedenheit des Betreibers.
16.06.1862 Es wird zum erstenmal in der neuerbauten Fabrik gearbeitet.
30.12.1862 Bau der ersten fahrbaren Lokomobile
1862 Die Firma zÀhlt 25 BeschÀftigte (5 Tischler, 2 Schmiede, 1 Helfer, 2 Dreher, 1 Zeugschmied, 6 Schlosser, 1 Hobler, 1 Bohrer, 1 Maschinist, 2 Arbeiter, 1 WÀchter und 2 Lehrlinge).
1863 Das GeschÀftsjahr bringt nur sehr wenig neue Arbeit, doch die Firma ist mit der Fertigstellung der bereits bestellten Lokomobilen noch gut beschÀftigt.
1864 Das zunÀchst nur einstöckige FabrikgebÀude wird aufgestockt.
1865 Die Firma nimmt in Merseburg an einer ersten Ausstellung teil und erhĂ€lt den Preußischen Staatspreis in Silber.
1867 R. Wolf baut eine 20pferdige Lokomobile.
1867 Das Wohnhaus Wolfs wird nach nur fĂŒnf Jahren abgerissen und durch einen großzĂŒgigen Neubau ersetzt. - Hier lebt Wolf bis 1889.
1868 Es wird eine Kesselschmiede eingerichtet. - Die Kessel fĂŒr die ersten Lokomobilen bezog Wolf aus Köln-Deutz von der Firma Van der Zypern & Charlier.
1869 In den Katalogen der Firma werden ortsfeste Dampfmaschinen in 14 GrĂ¶ĂŸen, und zwar fĂŒr Leistungen zwischen 2 und 60 PS angeboten.
01.11.1870 bis 31.12.1870 R. Wolf liefert fĂŒr die Magdeburger Kasematten, in denen die französischen Gefangenen untergebracht sind, 11 Heizkessel.
1871 Die Firma zÀhlt 87 BeschÀftigte.
1871 R. Wolf liefert die erste Lokomobile ins Ausland.
1872 Ingenieur Gottfried Wegener tritt in die Firma R. Wolf ein.
1872 Ein neues Maschinenhaus und eine neue Montagehalle werden gebaut.
1872 Seither werden in Zusammenarbeit mit dem Bohrinspektor Karl Köbrich Bohranlagen nach dem Körbrich'schen Verfahren geliefert. Mit Hilfe der von Wolf gebauten Anlagen entstehen die zu dieser Zeit tiefsten Bohlöcher der Erde in Schladebach mit 1748,4 m und spÀter in Paruschowitz in Oberschlesien mit 2002 m.
1872 Erweiterung des GrundstĂŒcks. - Der dort fĂŒr Wolf zunĂ€chst geschaffene Garten wird jedoch nach und nach fĂŒr Zwecke der Produktion genutzt.
1873 R. Wolf verwendet bei seinen Lokomobilen eiserne RÀder, statt wie bisher HolzrÀder.
1873 Der erste Dampfhammer wird in der Schmiede des Buckauer Werkes aufgestellt.
1873 R. Wolf stellt einen besonderen Maschinenkalkulator, den Kaufmann albert Ballewski, ein, um eine genaue Selbstkostenberechnung zu erhalten. - Ballewski erweist sich als ausgezeichneter Fachmann. Er verfaßt, basierend auf seinen gewonnenen Erfahrungen, das 1905 veröffentlichte Buch "Der Fabrikbetrieb", das mehrfach aufgelegt wird.
1873 Auszeichnung durch einen Ehrenpreis auf der Weltausstellung in Wien
1874 Anwendung der Expansionsschiebersteuerung bei Lokomobilen
1874 R. Wolf baut in seine Lokomobilen die erste Rider-Steuerung ein.
1874 FĂŒr die Einzylinderlokomobile fĂŒr Sattdampf wird die von Hand verstellbare Meyersche Expansionssteuerung mit Drosselregulierung gebaut.
1874 Fertigstellung der 500. Lokomobile von R. Wolf.
1874 R. Wolf bietet die Herstellung von Zentrifugalpumpen an.
1874 Geburt des Àltesten Sohnes Rudolf. - Er tritt spÀter in die Firma ein.
01.11.1874 Die Drucksachen R. Wolfs heben Dampfkesselanlagen nach dem "Dreikesselsystem" hervor.
1876 Der Reeder Andreae, der die Fluß- und Kanalschiffahrt nach Stettin betreibt, bittet R. Wolf, ihm auch Schiffsschrauben zu liefern.
1880 R. Wolf erziehlt mit einer 10-PS-Lokomobile bei dem ersten in Deutschland abgehaltenen internationalen Lokomobilenwettbewerb in Magdeburg die gĂŒnstigsten Ergebnisse und gewinnt damit den ersten Preis.
1880 Verleihung der Kgl. Preußischen großen silbernen Staatsmedaille in Magdeburg
01.04.1880 Herr Ferdinand Wolff tritt in die Firma R. Wolf ein.
1881 Fertigstellung der 1000. Lokomobile von R. Wolf.
1881 Eine Pensions-, Witwen- und Waisenkasse wird von R. Wolf gegrĂŒndet.
1881 Der Architekt C. A. Schmidt errichtet ein KontorgebÀude an der Feldstr. 12. - Das GebÀude wird 1885 - 1919 als WerkstattgebÀude genutzt
1882-1912 Adolf Mertz arbeitet von 1882 bis 1912 als verdienstvoller Konstrukteur fĂŒr die Firma R. Wolf.
1883 Versuche mit der ersten Wolf'schen Verbundlokomobilen auf dem internationalen Lokomobilenwettbewerb 1883
1883 R. Wolf fĂŒhrt seine erste Verbundlokomobile auf dem internationalen Lokomobilenwettbewerb in Berlin vor.
1883 Eine neue Halle wird gebaut, die als Reparaturwerkstatt dient.
01.02.1883 Es wird Ferdinand Wolff zusammen mit Ingenieur Arnold Weese Prokura erteilt.
1885 Umbau und Erweiterung des 1881 errichteten KontorgebĂ€udes an der Feldstr. 12 durch C. A. Schmidt. Der dreigeschossige, gelb-rote Ziegelbau hat sieben Blendarkaden und in den Obergeschossen gekuppelte Rundbogenfenster. In der Attika ĂŒber der Mittel-Arkade ist der Name des Unternehmens.
1886 Heinrich Storck stellt sein wertvolles Können in den Dienst der Firma R. Wolf.
1887 R. Wolf feiert in der neuen Montagehalle das 25jÀhrige Bestehen der Firma.
1887 Eine besonders große Werkstatt, die fĂŒr die Montierung der Lokomobilen bestimmt ist, wird eingeweiht.
1887 Wolf kauft die Lokomobile Nr. 1 zurĂŒck. Sie dient weitere 15 Jahre als Antriebsmaschine in der Tischlerei der Maschinenfabrik und wird 1904 dem Deutschen Museum gestiftet.
1888 Rudolf Wolf erleidet einen Schlaganfall, worunter seine ArbeitsfĂ€higkeit stark leidet, so daß er an der Entwicklung seines Unternehmens persönich nur noch eingeschrĂ€nkt teilnehmen kann. Große Teile der Leitungsfunktion werden von den leitenden Angestellten des Unternehmens, Ferdinand Wolff, der auch Direktor der Firma wird, und Arnold Weese, ĂŒbernommen. Im technischen Bereich tun sich Arminius Rauschenbach und der leitende Konstrukteur Gottfried Wegener hervor.
1888 Fertigstellung der 2000. Lokomobile von R. Wolf.
ab ca. 1888 Es entstehen BĂŒros im deutschsprachigen Raum: in Berlin, Breslau, Frankfurt am Main und Köln
1889 R. Wolf fĂŒhrt die hydraulische Nietung in den WerkstĂ€tten ein.
1889 Lieferung von drei ortsfesten Dampfmaschinen zur Erzeugung elektrischen Stroms fĂŒr das Königliche Schloß in Berlin
1889 Bau der hydraulischen Nieterei durch C. A. Schmidt. Der zweigeschossige rote Klinkerbau ist zur Bahnlinie hin fensterlos und hat dort in gelben Ziegeln den Unternehmer-Namen
1891 Bau einer neuen Schmiede.
1891 Die WerkstÀtten werden nach Westen bis zur Eisenbahnlinie Magdeburg-Leipzig erweitert.
1891 Bau eines neuen VerwaltungsgebÀudes
1891 Beteiligung an der Internationalen Elektrotechnischen Ausstellung in Frankfurt am Main
1891 Bau des VerwaltungebÀudes nach den PlÀnen von C. A. Schmidt. Der dreigeschossige Bau besteht aus gelben Klinkern, senkrecht gegliedert durch flache Eck- und Mittelrisalite sowie waagerecht durch Zierfriese aus Mauerwerk. Hinter der Balustraden-Attika ist das Flachdach
1892 Bau einer neuen, großen Maschinenhalle an der nördlichen GrundstĂŒcksgrenze
1892 Beteiligung an der Ausstellung in Plovdiv, wo sich das Unternehmen erstmals im Ausland prÀsentiert.
1893 Beteiligung an der Weltausstellung in Chicago und Auszeichnung durch zwei Ehrendiplome mit Medaillen
01.04.1893 Die BĂŒros im deutschsprachigen Raum werden seither als Filialen gefĂŒhrt.
1894 Bau des Modellhauses nach dem Entwurf von C. A. Schmidt (Feldstr. 9). Ein gelb-roter Ziegelbau mit derei Haupt- und einem Mansadgeschoß. Fassadengliederung durch drei weite Bögen. Das Innere hat einen hohen Lichthof ĂŒber die gesamte GebĂ€udehöhe und beiderseits Galerien mit Regalen zur Lagerung der Gußmodelle.
1894 Errichtung eines gerÀumigen Modellhauses.
ab 1894 R. Wolf beginnt, Vertretungen im nichtdeutschsprachigen Ausland zu eröffnen, die zum Teil spĂ€ter (wie die in Deutschland) als Fialen gefĂŒhrt werden. BĂŒros entstehen in Moskau, London, Mailand, Sankt Petersburg, Madrid, Kiew, BrĂŒssel, Lodz, Warschau, Charkow und weiteren europĂ€ischen und nordafrikanischen LĂ€ndern.
1894 Ehrendiplom und Medaille in Santiago de Chile als höchste Auszeichnung
1895 R. Wolf baut Verbundlokomobile mit Kondensation auf TragfĂŒĂŸen.
1895 Fertigstellung der 5000. Lokomobile von R. Wolf.
1895 Die Firma pachtet ein GelĂ€nde von 16.000 qm an der Elbuferbahn in Buckau. Dort werden mehrere große Lagerhallen gebaut, in denen fertiggestellte Lokomobilen und Holz gelagert werden.
1895 FĂŒr Beamte und Arbeiter von R. Wolf, Magdeburg, werden Kur- und ErholungshĂ€user in Braunlage im Harz gegrĂŒndet.
1896 Es werden erstmals Verbund-Lokomobilen fĂŒr 10 at und 125 U/min ausgefĂŒhrt
1896 Bau einer Versuchsanlage fĂŒr hochĂŒberhitzen Dampf
1896 Es werden die ersten Versuche mit ĂŒberhitztem Dampf vorgenommen.
1896 VergrĂ¶ĂŸerung des 1872 erbauten Maschinenhauses.
1896 Auf der Berliner Gewerbeausstellung erhĂ€lt Wolf die nur selten verliehene Auszeichnung der Königlich Preußischen goldenen Staatsmedaille fĂŒr gewerbliche Leistungen.
1896 Verleihung der Kgl. Preußischen goldenen Staatsmedaille in Berlin
1897 Errichtung eines vierstöckigen FabrikgebĂ€udes fĂŒr die verschiedensten BearbeitungswerkstĂ€tten und Schlossereien.
1897 Verleihung der Königlich SÀchsischen Staatsmedaille in Leipzig
1898 Es erfolgt die betriebssichere Anwendung von hochĂŒberhitzem Dampf bei Lokomobilen
1898 Die erste Einzylinderlokomobile fĂŒr Heißdampf wird gebaut.
1898 Verleihung der Kgl. bayerischen Staatsmedaille in MĂŒnchen
1899 Kauf eines 7 ha großen AckergrundstĂŒcks sĂŒdlich von Magdeburg in der Salbker Feldmark, 145.169 qm fĂŒr die Bebauung ausnutzbar
1899 GrĂŒndung einer ArbeiterunterstĂŒtzungskasse.
1899 Auszeichnung durch eine Goldmedaille in St. Petersburg
1899 Verleihung eines Ehrendiploms (als höchste Auszeichnung) in Como
12.01.1899 Der Kreisausschuß Wanzleben gewĂ€hrt eine Konzession zum Bau einer Maschinenfabrik, Kesselschmiede und Eisengießerei auf der Gemarkung Salbke. - Die schlechte Konjunktur zur Jahrhundertwende verzögert den Bau bis 1905.
12.1899 Da die Bauzeit fĂŒr das Wasserkraftwerk der Firma "Gebr. Mayer & Comp., Altbach" auf mehrere Jahre veranschlagt ist, wird auf Dampfkraft zurĂŒckgegriffen. Eine Compound-Halblokomobile, System Wolf, mit einem Drehstromgenerator von 140 kW wird angeschafft und Ende 1899 in den LagerrĂ€umen der Papierfabrik aufgestellt.
1900 Abschluß der wesentlichen Bauten auf dem Buckauer GelĂ€nde
1900 Ferdinand Wolff wird zum Direktor der Firma R. Wolf ernannt.
1900 R. Wolf stellt auf der Pariser Weltausstellung die Verbundlokomobile mit Kondensation auf TragfĂŒĂŸen aus. Das Unernehmen erhĂ€t den Grand Prix als höchste Auszeichnung.
1900 Es wird ein neuer Katalog ĂŒber ortsfeste Dampfmaschinen bei Leistungen zwischen 4 bis 300 PS herausgegeben.
1900 Die Vertretungen von R. Wolf, Magdeburg, in Deutschland werden durch das Zweigbureau in Leipzig ausgebaut.
1900 Auszeichnung durch eine Goldmedaille in Rußland
1901 Es wird die erste Heißdampflokomobile, eine Verbundmaschine, die mit einer Kesselspannung von 12 at arbeitet verkauft.
1903 R. Wolf baut Heißdampf-Tandemlokomobile mit zweifacher Überhitzung und mit normalen Leistungen von 20 bis 70 PS.
1903 R. Wolf fĂŒhrt die ersten Druckluftwerkzeuge ein.
1904 Es wird ein Bauplan aufgestellt, bei dem besonders auf die TransportverhĂ€ltnisse fĂŒr die Rohstoffe und die Fertigprodukte RĂŒcksicht genommen wird.
1904 GrĂŒndung einer BeamtenunterstĂŒtzungskasse.
1904 Auszeichnung durch eine Goldmedaille in DĂŒsseldorf
1905 Fertigstellung der 10 000. Lokomobile von R. Wolf.
1905 Die Vertretungen von R. Wolf, Magdeburg, in Deutschland werden durch das Zweigbureau in Hamburg weiter ausgebaut.
1905 Verleihung des Ehrendiploms mit Medaille in Moskau (als höchste Auszeichnung)
1905 Auszeichnung durch eine Goldmedaille fĂŒr Patent-Heißdampf-Lokomobilen) in Kassel
1905 Verleihung der Großherzoglich Oldenburgischen Staatsmedaille in Oldenburg
01.03.1905 Beginn des Baues neuer Fabrikanlagen zum Bau von Landmaschinen in Salbke. Es entsteht zunĂ€chst eine PrĂŒfhalle fĂŒr Lokomobile und eine Lagerhalle. Die in der PrĂŒfhalle von den Lokomobilen erbrachte Leistung wird zur Gewinnung elektrischen Stroms genutzt. - Planungen zum Werksneubau liefen bereits seit 1899, wurden aber durch die schlechte wirtschaftliche Entwicklung um die Jahrhundertwende nicht begonnen, und die Konzession wurde Jahr fĂŒr Jahr verlĂ€ngert. GrundflĂ€che: 145.000 qm, Reserve: 125.000 qm
um 1905/06 In Salbke (Alt Salbke 6-10) entstehen eine Kesselschmiede, eine Montage fĂŒr große Lokomobilen und eine Werkstatt zur Bearbeitung von Gußteilen. Die Kesselschmiede ist ein langgestreckter, vierschiffiger Hallenbau aus rotem Backstein mit einer Breite von fast 65 m und einer LĂ€nge von 121 m; FlĂ€cheninhalt: 8.140 qm; Ostfassade im Art dĂ©co-Stil mit vier geschwungenen Giebeln. - Es folgen bald das Zentralmagazin und ein VerwaltungsgebĂ€ude mit SpeisesĂ€len.
1906 Überweisung der 1. Lokomobile (zurĂŒckgekauft) an das Deutsche Museum
1906 In Moskau wird eine Filiale von R. Wolf, Magdeburg, eröffnet.
1906 Verleihung des Grand Prix in Mailand als höchste Auszeichnung
1906 Auszeichnung durch eine Goldmedaille in Leeuwarden
1907 Ingenieur Arminimus Rauschenbach stirbt.
1907 R. Wolf baut fĂŒr grĂ¶ĂŸere Leistungen Heißdampf-Tandemlokomoble mit zweifacher Überhitzung und Kondensation.
1907 GrĂŒndung eines Werkvereins.
1907 Die Eisengießerei wird eingerichtet.
1907 In London wird eine Filiale von R. Wolf, Magdeburg, eröffnet.
1907 Verleihung der goldenen Medaille und Ehrenpreis (als höchste Auszeichnung) auf der Deutschen Armee-, Marine- und Kolonialausstellung in Berlin
1908 Der erste Arbeiter der Firma, Herr Wilhelm Hosse wird pensioniert.
1908 In Mailand wird eine Filiale von R. Wolf, Magdeburg, eröffnet.
1908 Auszeichnungen in Bamberg (Ehrenpreis und silberne Medaille) und in Königsberg (Goldene Medaille als höchste Auszeichnung)
26.05.1908 Die Eisengießerei wird in Gegenwart von R. Wolf Betrieb genommen. Sie ist ein dreischiffiger Hallenbau aus rotem Backstein mit einer GrundflĂ€che von 6560 qm (LĂ€nge ca. 120 m, Breite ca. 50 m: Mittelschiff 17,15 m, Seitenschiffe ja 12,3 m) und hat eine KapazitĂ€t von jĂ€hrlich 8000 t.
01.09.1908 bis 31.10.1908 Die Entwicklung des Dreschmaschinen- und Strohpressenbaues macht es nötig, fĂŒr diesen Fabrikationszweig im September/Oktober eine selbstĂ€ndige WerkstĂ€tte zu erbauen.
1909 Die WerkstÀtten des Dreschmaschinen- und Strohpressenbaues werden in Betrieb genommen.
1909 In Wien wird eine Filiale eröffnet.
1909 Die Modelltischlerei wird von Buckau nach Salbke verlegt und hat eine FlÀche von 1425 qm, und das Modelllager hat eine GrundflÀche von 2420 qm.
1909 Auszeichnungen in St. Petersburg (Große goldene Medaille als höchste Auszeichnung), Leipzig (Große silberne DenkmĂŒnze als höchste Auszeichnung), Dorpat (Große silberne Medaille als höchste Auszeichnung), Wiesbaden (Große Medaille und Ehrenpreis aus Staatsmitteln), Linz a.d. Donau (Goldene Medaille), Kasan (Große goldene Medaille) und Taschkent (Ehrendiplom, höchste Auszeichnung)
1910 Die Metallgießerei fĂŒr NE-Metalle wird in Betrieb genommen.
1910 Auszeichnungen in BrĂŒssel (2 Grands Prix und eine goldene Medaille), Buenos Aires (Grand Prix), Odessa (Goldene Medaille des Kaiserlich Russischen Ministeriums fĂŒr Handel und Industrie) und Herford (Goldene Medaille)
20.10.1910 Tod von Rudolf Ernst Wolf in Magdeburg
1911 Es wird eine Verbundlokomobile fĂŒr Heißdampf mit einer Gesamtleistung von 90 000 PS [???] geliefert.
1911 Fertigstellung der 15 000. Lokomobile von R. Wolf.
1911 Auf einem R. Wolf gehörigen GrundstĂŒck auf der dem Werk Buckau gegenĂŒberliegenden Seite der Feldstraße wird eine gerĂ€umige Kraftwagenhalle mit PferdestĂ€llen und Chauffeur- und Kutscherwohnungen erbaut.
1911 Auf dem Gleisanschluß des Salbker Werkes werden durchschnittlich 16 Eisenbahnwagen tĂ€glich befördert, zusammen 4 853 Wagen im Jahr.
1911 Die Firma zÀhlt 3374 BeschÀftigte.
1911 Auszeichnungen in Budapest (Goldene Staatsmedaille), Coburg (silberne Staatsmedaille), Krefeld (Goldene Medaille), Roubaix (Grand Prix), Allahabad (Goldene Medaille), Omsk (2 Goldmedaillen), Dresden (großer Preis), Schweidnitz (Goldene Medaille) und Lemsal/Livland (Goldene Medaille)
1912 Auszeichnungen in Köslin (Goldene Medaille) und Freiberg (SÀchsische Staatsmedaille)
1913 Umwandlung in eine Aktiengesellschaft
1913-1939 R. Wolf bzw. Buckau-Wolf liefern zwischen 1913 und 1939 fĂŒnf Lokomobilen nach Kortrijk: 2 Einzylinder mit 23 und 65 PS und drei Maschinen mit 30, 92 und 100 PS. Drehzahl 180 bis 238 U/min
1913 Auszeichnungen in MĂŒhlberg (Silberne Medalle), Straßburg i.E. (Goldene silberne DenkmĂŒnze als höchste Auszeichnung), Wittmund (Ehrenpreis und goldene Medaille), Komotau (Goldene Ausstellungsmedaille mit besonderer Anerkennung und silberne Staatsmedaille als höchste Auszeichnung), Charbrowsk (Ehrendiplom als höchste Auszeichnung), Wien (Goldene Medaille) und Leipzig (Kgl. SĂ€chsischer Staatspreis)
01.06.1915 bis 31.12.1916 1915/16: Übernahme der Lokomotivfabrik Chr. Hagans, Erfurt
1921 Zusammenschluß mit der "Maschinenfabrik Buckau AG" zu einer Interessengemeinschaft
19.03.1923 Patent Nr. 371753 fĂŒr eine Dreifach-Expansions-Dampfmaschine. Die Vorteile des Schlitzauslasses im Kolbenlauf kommen nur im Niederdruckzylinder zur Geltung, wĂ€hrend dieselben in höheren Druckstufen einer mehrfachen Expansionsmaschine hauptsĂ€chlich deshalb nicht zur Wirkung kommen können, weil hier infolge der Spitzenexpansion auf große Auslaßquerschnitte kein besonderer Wert zu legen ist und weil die RĂŒcksicht auf dien Verlauf der Kompressionslinie die Anwendung kleiner Kompressionsgrade im Gegensatz zu der durch die Lage der Schlitze bedingten großen Kompression
des Gleichstromzylinders von rund 90 Prozent fordert. Im Zusammenhang mit der Anwendung hoher Dampfspannung erweist sich die Anwendung dreistufiger Expansion geboten. Gegenstand der Erfindung ist eine Dreifach-Expansionsmaschine mit nebeneinanderliegenden Zylindern, bei der die eine Maschinenseite durch einen langen Niederdruck-Gleichstromzylinder gebildet wird, wĂ€hrend die andere Maschinenseite in an sich bekannter Weise aus in Tandemanordnung hintereinanderliegenden Hoch- und Mitteldruck-Wechselstromzylindern von normaler BaulĂ€nge besteht. Durch diese Anordnung wird der Vorteil erzielt, daß die Summe der MassenkrĂ€fte des Hoch- und Mitteldruckzylinders annĂ€hernd denjenigen des Niederdruckzylinders mit langem Kolben entspricht. Die BaulĂ€nge des Hoch- und Mitteldruckzylinders ist hierbei entweder genau oder annĂ€hernd gleich derjenigen des Gleichstrom-Niederdruckzylinders, so daß sich bei bester ZugĂ€nglichkeit der annĂ€hernd in eine Ebene gerĂŒckten Zylinderdeckel eine geschlossene Bauform ergibt.
08.1924 Abschluß eines Interessenvertrags zwischen "R. Wolf Aktiengesellschaft" in Magdeburg und der "Heinrich Lanz Aktiengesellschaft" in Mannheim
1928 Erweiterung der Interessengemeinschaft zur Vollfusion mit der "Maschinenfabrik Buckau AG"
1947 Der Betriebsteil "R. Wolf" wird von der "Maschinenfabrik Buckau R. Wolf" abgetrennt als SAG Betriebe (Maschinenfabrik Buckau R. Wolf als "Maschinenfabrik Buckau-Wolf der sowjetischen Maschinenbau AG Magdeburg" Buckau und Salbke)




Produkte

Produkt ab Bem. bis Bem. Kommentar
Dampfkessel 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)] 1905 [Mengebier (1905)]  
Dampfmaschinen 1869 Katalog 1900 noch im Katalog 1869: in GrĂ¶ĂŸen von 2 bis 60 PS, letztere kosteten 5.400 Taler. Bedeutung ging gegenĂŒber Lokomobilen zurĂŒck.
Heißdampf-DreschsĂ€tze 1909 Beginn 1908/09 1911 Letzte ErwĂ€hnung  
landwirtschaftliche Maschinen 1905 Erste ErwĂ€hnung   Letzte ErwĂ€hnung WidersprĂŒchlich: "1902 mit dem Bau des neuen Werkes in Salbke mit der eigenen Dreschmaschinenkonstruktion und -produktion begann." [Magdeburger Biographisches Lexikon (Internet)]
Lokomobilen 1862 Beginn (GrĂŒndung) 1928 Ende (Fusion)  




Betriebene Dampfmaschinen

Bezeichnung Bauzeit Hersteller
Lokomobile 1862 R. Wolf Aktiengesellschaft
Lokomobile 1862 R. Wolf Aktiengesellschaft
Lokomobile 17.04.1862 Maschinen- und Kessel-Fabrik, Eisen- und Gelbgießerei von G. Kuhn
Lokomobile vor 1905 R. Wolf Aktiengesellschaft
Lokomobilen vor 1914 R. Wolf Aktiengesellschaft




Personal

Zeit gesamt Arbeiter Angest. Lehrl. Kommentar
1862   16      
bei Beginn (1862)   6      
Ende 1862 30        
1865 40        
1867 45        
1871 87       auch 95 angegeben [Jahrbuch fĂŒr Wirtschaftsgesch]
1876 4       infolge des GrĂŒnderkrachs
1880 100       nach verbesserter Auftragslage
1884 280        
1886 450       1886/87 wurde mit Nachtschichten gearbeitet
1888 550       1886/87 wurde mit Nachtschichten gearbeitet
1890 770       Mit 770 Arbeitern wurden 336 Lokomobile
1892 1000       in der Quelle als "Arbeiterzahl" bezeichnet
1894 900        
1898 1200        
1910 3100       ĂŒber 3100
1911 3374 2837 537   Im Durchschnitt
1912 3400       fast 3400 Personen, Umsatz 19,5 Millionen Mark
1916         Kriegsbedingt im Buckauer Werk 204 Frauen und in Salbke 510, wobei auch in Nachtschichten gearbeitet wurde




Firmen-Änderungen, ZusammenschĂŒsse, Teilungen, Beteiligungen


Zeit = 1: Zeitpunkt unbekannt

Zeit Bezug Abfolge andere Firma Kommentar
1918 Anschluß (Namensverlust) zuvor Ascherslebener Maschinenbau Act.-Ges., vorm W. Schmidt & Co. im 1. Weltkrieg: Mf Aschersleben zu "R. Wolf"
1928 Zusammenschluß, neuer Name danach Maschinenfabrik Buckau R. Wolf AG Mf Buckau + "R. Wolf"




Allgemeines

THEMAProduktion
TEXTDie Fortschritte im Bau von Lokomobilen vollzogen sich auf den von Wolf geschaffenen Grundlagen. Außer Lokomobilen stellte die Maschinenfabrik von W. auch komplette Einrichtungen fĂŒr Zuckerfabriken und Brauereien her sowie Anlagen fĂŒr Tiefbohrungen, Kreiselpumpen u. a. Er achtete persönlich darauf, daß in den WerkstĂ€tten sorgfĂ€ltig und genau gearbeitete wurde. Darauf bezog sich der hĂ€ufig von ihm geĂ€ußerte Satz: "Sauber, nur sauber, ganz gleich was es kostet!"


ZEIT1922
THEMALeistungsbereiche der Lokomobilen
TEXT- Heißdampf-Einzylinder mit Auspuff (Gruppenbezeichnung EH): Normalleistung: 17 - 30 PS, grĂ¶ĂŸte Dauerleistung: 20 - 165 PS, vorĂŒbergehende Höchstleistung: 25 - 190 PS
- Heißdampf-Tandem mit Kondensation (Gruppenbezeichnung TK): Normalleistung: 30 - 80 PS, grĂ¶ĂŸte Dauerleistung: 38 - 100 PS, vorĂŒbergehende Höchstleistung: 45 - 115 PS
- Heißdampf-Verbund mit Kondensation (Gruppenbezeichnung VK): Normalleistung: 100 - 630 PS, grĂ¶ĂŸte Dauerleistung: 125 - 750 PS, vorĂŒbergehende Höchstleistung: 140 - 850 PS.
Mit Heißdampf-Verbundlokomobilen wurden nach Versuchen von Prof. Gutermuth, Darmstadt ĂŒberraschend gĂŒnstige Betriebsresultate erzielt. Bei einer Tandem-Verbundlokomobile von 100 PS Leistung wurde ein Dampfverbrauch von 3,95 kg/PSh und ein Kohlenverbrauch von 0,474 kg je PSh festgestellt
QUELLE[Wernicke: Projektierung und AusfĂŒhrung elektrischer Licht- und Kraftanlagen (1922) 424]