Franz Clouth, Rheinische Gummiwarenfabrik A.-G.

Allgemeines

FirmennameFranz Clouth, Rheinische Gummiwarenfabrik A.-G.
OrtssitzKöln
OrtsteilNippes
StraßeNiehler Str. 102
Postleitzahl50733
Art des UnternehmensGummiwarenfabrik
AnmerkungenBesitzer (um 1892): Franz Jul. Hub. Clouth u. Carl Vorberg. SĂ€mtliche Artikel aus Hart- u. Weich-Gummi, sowie Guttapercha f. elektrotechnische Zwecke, Guttapercha- u. Balata-Treibriemen. Isolierte LeitungsdrĂ€hte u. Kabel. Siehe auch "Land- und Seekabelwerke" (seit 1898). Unsicher, ob nur Installation von Fernmeldeanlagen oder Bau von GerĂ€ten. 1911: Liegt auf einem FlĂ€chenraum von ca. 25.000 qm, hat eingene technische BĂŒros zur Ausarbeitung von Konstruktions- und KostenvorschlĂ€gen, eine eigene mechanische WerkstĂ€tte zur Herstellung von Maschinen, Formen und Reparaturen; stĂ€ndige Vertretungen in Berlin, Hamburg, BrĂŒssel, London und Paris.
Quellenangaben[Reichs-Adressbuch (1900) 2347] [Kunert: Telegraphen-Landkabel (1940)] [Adressbuch Elektr.-Branche (1892) 34] [Handbuch Akt.-Ges. (1943) 5882] [50 Jahre Kölner Bezirksverein des VDI (1911) 214]
Hinweise[50 Jahre Kölner Bezirksverein des VDI (1911) 216]: Lenkballon Couth; [217]: Kalander; [219]: Vulkanisieranlage; [221]: Tauchapparate




Unternehmensgeschichte

Zeit Ereignis
10.09.1862 Die Firma Franz C1outh wird von Franz Clouth fĂŒr den Vertrieb von Gummiwaren usw. gegrĂŒndet und beginnt mit wenigen Arbeitern
1869 Die Firma beginnt in eigener Fabrik in Köln-Nippes Kautschuk zu verarbeiten und Gummiwaren aller Art herzustellen. (vergl. 1864)
1872 Der bisherige Prokurist Carl Vorberg als Teilhaber in die Firma ein, die eine offene Handelsgesellschaft wird und den Zusatz "Rheinische Gummiwarenfabrik" erhÀlt
1875 Errichtung einer im Vergleich zur bestehenden Fabrik bedeutend grĂ¶ĂŸeren Anlage in Köln-Nippes, die sich nunmehr mit der Fabrikation umnittelbar aus dem Rohgummi, hauptsĂ€chlich von Artikel fĂŒr den Bedarf der Industrie befaßt.
1887 Abschluß eines Vertrags ĂŒber die Lieferung von TiefseetauchgerĂ€ten mit den Kaiserlichen Werften in Danzig, Kiel und Wilhelmshaven
1890 Baubeginn von kompletten Luftballonen und deren gesamten AusrĂŒstungen. - Durch die außeordentlichen Fortschritte der Aeronautik veranlaßt, befaßt sich das Unternehmen von da ab mit diesem Zweig ihrer Fabrikation nachdrĂŒcklicher und liefert bis 1911 eine stattliche Anzahl von kompletten Freiballonen nicht nur in Deutschland, sondern auch nach dem Ausland. FĂŒr sich selbst baut sie fĂŒnf Freiballone, die bekannten "Clouth I" bis "Clouth V". Mit einigen dieser Ballone werden hervorragende und Aufsehen machende Fahrten ausgefĂŒhrt.
1890 Die Firma richtet auf ihrem GelĂ€nde in Köln-Nippes eine Fabrik zur Herstellung von isolierten DrĂ€hten und Kabeln jeder Art ein. Die Mitarbeiter werden von Werken gleicher und Ă€hnlicher Art ĂŒbernommen
1890 Übernahme des Ingenieurs Otto Weiss und der Kabelmeister Lukas von Siemens Brothers, London
14.09.1891 Die Leitung wird dem am 14. September 1891 eingetretenen Elektroingenieur Georg Zapf ĂŒbertragen.
1892 Übernahme des Ingenieurs Georg Bartels von den Hannoverschen Cautchouc-, Guttapercha- und Telegraphenwerken und von Meister MĂŒller von Siemens & Halske, Berlin
1893 Seit 1893 liefert die Firma Guttapercha- und Faserstoff-Telegraphenkabel sowie Fernsprechkabel an die Reichstelegraphenverwaltung, ferner an die beiden sĂŒddeutschen, die schweizerische, belgische, schwedische und andere auslĂ€ndische Telegraphenverwaltungen.
1895 Das Knotengeflechtkabel von Franz Clouth wird als Stadtkabel in Köln verwendet.
1895 Die Reichs-Telegraphenverwaltung fĂŒhrt das Faserstoffkabel allgemein ein; Lieferer Siemens & Halske, Felten & Guilleaume, Franz Clouth.
1895 Es werden Faserstoffkabel nach gĂŒnstigem Ausfall der Versuche allgemein eingefĂŒhrt, an der Lieferung sind außer Siemens & Halske zunĂ€chst Felten & Guilleaume und Franz Clouth beteiligt, nach und nach kommen immer mehr Firmen hinzu. Die Bauart unterscheidet sich bei den einzelnen Lieferern etwas, statt Jute wird Baumwolle oder auch Papier genommen. Einheitlich bleibt aber: feste Umwicklung des Leiters mit Faserstoffen ohne Luftraum, ImprĂ€gnierung, Bleimantel.
07.1895 Seit 1895 werden Faserstoffkabel von der Reichstelegraphenverwaltung allgemein gebraucht; der erste Liefervertrag wird im Juli mit Siemens & Halske, Felten & Guilleaume und Franz Clouth abgeschlossen.
1898 Die Kabelabteilung nimmt durch den Bau von Kabel-Herstellungsmaschinen einen immer grĂ¶ĂŸeren Umfang an, bedeckt 1898 bereits eine FlĂ€che von 20.000 qm und beschĂ€ftigt 600 Arbeiter.
11.05.1898 Als der Betrieb an Umfang zunimmt, wird die Kabelfabrik in eine Aktiengesellschaft unter der Firma "Land- und Seekabelwerke" umgewandelt.
11.05.1898 Die Firma paßt nicht mehr in den Rahmen der Gummiwarenfirma, ihr Betrieb ĂŒbersteigt die Kapitalkraft der Firma. Sie wird daher an die hierfĂŒr gegrĂŒndete A.G. Land- und Seekabelwerke abgetreten.
1899 Carl Vorberg tritt wieder aus.
1899 Eine eigene Drahtzieherei ist fĂŒr 1899 geplant. Die Firma baut auch alle fĂŒr die Kabelherstellung notwendigen Maschinen fĂŒr eigenen Bedarf und fĂŒr auslĂ€ndische Kabelfirmen.
1901 Die Restfirma wird in eine G. m. b. H. umgewandelt, Max Clouth tritt als Teilhaber ein
1907 Lieferung einer Dampfmaschine durch A. Borsig
1909 Bau eines lenkbaren Luftschiffs nach eigenem System, das besonders auf dem Gebiete der Steuerung große VorzĂŒge besitzt. Es wird auf den Namen "Couth" getauft und zeichnet sich durch wiederholte, glĂŒckliche Fahrten aus.
07.09.1910 Tod des GrĂŒnders, Franz Clouth
1910 Max Clouth wird nach dem Tode seines Vaters alleiniger GeschĂ€ftsfĂŒhrer, wĂ€hrend die Firma im Besitz der Witwe und der Kinder von Franz Clouth bleibt.
22.04.1920 Die G.m.b.H. wird in eine Aktiengesellschaft verwandelt mit Wirkung ab 1. Januar 1920 und einem Kapital von 6.500.000 Mark
04.06.1920 Eingetragen
1924-1925 Das Kapital wird lt. Goldmark-Bilanz auf RM 1.060.000,00 umgestellt.
1925 Die Felten & Guilleaume Carlswerk ĂŒbernimmt auch das Kapital der "Rheinische Gummiwarenfabrik A.-G. Franz Clouth", die beide ihren Betrieb weiterfĂŒhrt.
1925 Das Kapital wird von der Felten & Guilleaume Carlswerk A.G., die ihre eigene Gummiwarenfabrik mit den Einrichtungen der Firma Franz Clouth vereinigt, ĂŒbernommen.
07.07.1925 Die Hauptversammlung vom 7. Juli 1925 beschließt die Erhöhung des Kapitals um RM 2.000.000,00.
1932 Beim Übertritt von Dr. Max Clouth in den Aufsichtsrat ĂŒbernimmt der Direktor der Land- und Seekabelwerke C. Overhoff auch die kaufmĂ€nnische Leitung der Firma Clouth
15.06.1932 Die technische Leitung erhÀlt am 15. Juni 1932 der Direktor der Land- und Seekabelwerke Paul Schlag.
22.06.1932 Lt. Hauptversammlung vom 22. Juni 1932 Herabsetzung des Kapitals in erleichterter Form auf RM 2.250.000,00 durch Einbringung von 3250 Stammaktien zu RM-200,00 und 160 Vorzugsaktien zu RM 1.000,00.
01.01.1937 C. Overhoff tritt in den Vorstand der Felten & Guilleaume Carlswerk A.G. ĂŒber.
23.10.1941 Lt. Beschluß des Aufsichtsrats vom 23. Oktober 1941 Kapitalberichtigung gemĂ€ĂŸ DAV vom 12. Juni 1941 um 60 % von Reichsmark 2,25 Mill. auf RM 3.6 Mill. Die zur DurchfĂŒhrung der Berichtigung erforderlichen BetrĂ€ge werden gewonnen aus freien RĂŒcklagen und aus dem Gewinnvortrag Reichsmark 749.000,00, aus Zuschreibungen zum Anlagevermögen RM 165.000,00 und aus sonstigen Bilanzposten RM 571.000,00.
30.06.1943 Letzte ordentliche Hauptversammlung bis 1943/44




Produkte

Produkt ab Bem. bis Bem. Kommentar
Ballone 1897 Beginn 1911 [50 Jahre Kölner Bezirksverein des VDI (1911)]  
Gummiwaren 1864 Beginn in bescheidenen Grenzen 1911 [50 Jahre Kölner Bezirksverein des VDI (1911)]  
Guttapercha 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)] 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)]  
Guttapercha f. elektrotechnische Zwecke 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)] 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)]  
Guttapercha f. elektrotechnische Zwecke 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)] 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)]  
Guttapercha- u. Balata-Treibriemen 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)] 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)]  
Isolierte LeitungsdrĂ€hte u. Kabel 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)] 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)]  
Luftschiffe 1909 Beginn 1911 [50 Jahre Kölner Bezirksverein des VDI (1911)]  
TaucherausrĂŒstungen 1887 Vertrag mit kais. Marine 1911 [50 Jahre Kölner Bezirksverein des VDI (1911)] fĂŒr Tiefseetaucherei, engl. System Skaphander und franz. System Rouquayrol
Telefonanlagen 1900 [Reichs-Adr.-Buch (1900) 2347] 1900 [Reichs-Adr.-Buch (1900) 2347]  
Telegraphenanlagen 1900 [Reichs-Adr.-Buch (1900) 2347] 1900 [Reichs-Adr.-Buch (1900) 2347]  




Betriebene Dampfmaschinen

Bezeichnung Bauzeit Hersteller
Dampfmaschine 1907 August Borsig
Dampfmaschine vmtl. 1875 unbekannt




Maschinelle Ausstattung

Zeit Objekt Anz. Betriebsteil Hersteller Kennwert Wert [...] Beschreibung Verwendung
1888 Dampfkessel 5   unbekannt HeizflĂ€che je 75 qm    
1888 Dampfmaschinen 4   unbekannt          
1888 Gasmotor 1   unbekannt          
1888 Kraftmaschinen     unbekannt Gesamtleistung 200 PS 4 Dampfmaschinen, 1 Gasmotor  
1911 Dampfkessel 8   unbekannt HeizflĂ€che gesamt 1000 qm    
1911 Dampfmaschinen 3   unbekannt Leistung gesamt 1000 PS    
1911 Elektromotoren 25   unbekannt Leistung gesamt 300 PS    




Personal

Zeit gesamt Arbeiter Angest. Lehrl. Kommentar
1875 160        
1888 220 190 30   180 bis 200 Arbeiter
1911 6800 600 80   80 technische und kaufmĂ€nnische Beamte




Firmen-Änderungen, ZusammenschĂŒsse, Teilungen, Beteiligungen


Zeit = 1: Zeitpunkt unbekannt

Zeit Bezug Abfolge andere Firma Kommentar
1898 Nebenwerk danach Land- und Seekabelwerke A.G.  




Allgemeines

ZEIT1943
THEMAOrgane und Kapital der Gesellschaft
TEXTVorstand: Carl Overhoff, Adolf Rohrmann, Walter Lieven, Wilhelm Lohmar, Dr. Ludwig Stoll, Eduard Vossen. Aufsichtsrat: Regierungsbaumeister a. D. Fritz Lehmann, Generaldirektor, Köln, Vorsitzer; Generaldir. Dr.-Ing. e. h. Aloys Meyer, Luxemburg, stellv. Vorsitzer; Dr.-Ing. e. h. Max Clouth, Köln; Direktor Hermann Kramer, Köln; Bankier Waldemar Freiherr von Oppenheim, Köln. Stimmrecht: Je nom. RM 320,00 Aktie 1 Stimme. Gewinn-Verwendung: Der Reingewinn steht innerhalb der gesetzlichen Grenzen zur freien VerfĂŒgung der Hauptversammlung GeschĂ€ftsjahr: Kalenderjahr. Grundkapital: nom. RM 3.600.000,00 Stammaktien in 1250 StĂŒcken zu je RM 320,00 und in 2000 StĂŒcken zu RM 1.600,00. GroßaktionĂ€re: Felten & Guilleaume Carlswerk A.-G., Köln-MĂŒlheim (8S. 5882]: 94%; [S. 5766]: 95,5%), Rest bei Dielektra, frĂŒher: Meirowsky & Co. A.-G. Porz. Dividenden 1934-1942: 0, 4, 8, 10, 10, 10, 6*), 6, 6 %; *) auf das berichtigte Kapital.
QUELLE[Handbuch Akt.-Ges. (1943) 5882]


ZEIT1943
THEMAZweck und Gegenstand des Unternehmens
TEXTZweck: Gegenstand des Unternehmens ist die Fabrikation und der Vertrieb von Gummiwaren aller Art, ferner dar Erwerb und der Betrieb von Unternehmungen, welche mit dem vorangegebenen Zweck zusammenhĂ€ngen oder diesen Zweck zu fördern geeignet erscheinen, sowie die Beteiligung an verwandten Unternehmungen. Haupterzeugnisse: FörderbĂ€nder, Treibriemen, SchlĂ€uche, Dichtungen, Formartikel, Auskleidungen, WalzenbezĂŒge, Vollgummireifen, Durabilit-SchutzbelĂ€ge aus Kautschuk.
QUELLE[Handbuch Akt.-Ges. (1943) 5882]


ZEIT1911
THEMABeschreibung
TEXTUm das Jahr 1860 ĂŒbernahm Franz Clouth, der sich bis dahin zu seiner kaufmĂ€nnischen Ausbildung in Belgien und England aufgehalten, neben anderen Vertretungen, mit denen er sich, nach Köln zurĂŒckgekehrt, beschĂ€ftigte, die Vertretung einer Firma fĂŒr technische Gummifabrikate. Bald erkannte er in diesen die Branche, die ihm Chancen fĂŒr die Zukunft zu bieten schien; er stieß seine ĂŒbrigen Vertretungen ab und widmete vom Jahre 1862 an seine ganze Kraft nur noch diesem einen Artikel, und zwar fĂŒr eigene Rechnung. ZunĂ€chst geschah dieses als ZwischenhĂ€ndler; die junge Firma importierte vorzugsweise Fabrikate französischer und englischer Herkunft. Im Jahre 1864 begann sie selbst in bescheidenen Grenzen zu fabrizieren. HauptsĂ€chlich befaßte sie sich mit der Herstellung von Artikeln aus sogenanntem Patentgummi (fine cut sheet), ein Halbfabrikat, das aus England kam. Die SpezialitĂ€ten dieser Fabrikation waren Artikel zu chirurgischen und Haushaltungszwecken.
Der wirtschaftliche Aufschwung, der nach den großen politischen Ereignissen von 1870/71 in Deutschland eintrat, blieb auch fĂŒr die Firma Franz Clouth nicht ohne gĂŒnstigen Erfolg. Nachdem sie im Jahre 1872 den Zusatz "Rheinische Gummiwarenfabrik" angenommen, schritt sie im Jahre 1875 zur Errichtung einer gegen die bereits bestehende Fabrik bedeutend grĂ¶ĂŸeren Anlage in Nippes, die sich nunmehr mit der Fabrikation unmittelbar aus dem Rohgummi, hauptsĂ€chlich von Artikeln fĂŒr den Bedarf der Industrie, befaßte und es ermöglichte, den bis dahin noch bestehenden Zwischenhandel mit fremden Fabrikaten vollstĂ€ndig auszuschalten. Diese Fabrik erhielt eine Dampfmaschine von 140 HP und beschĂ€ftigte damals ungefĂ€hr 160 Personen. Neben der Herstellung von technischen Artikeln befaßte sie sich auch mit der von wasserdichten Stoffen, Decken und Zelten sowie von vollstĂ€ndigen Apparaten fĂŒr Tiefseetaucherei, und zwar sowohl nach englischem (Skaphander) und französischem (Rouquayroll, wie auch nach eigenem, verbessertem System. Ihre Taucherapparate erhielten wegen ihrer Vollkommenheit bald einen gewissen internationalen Ruf. Nebenbei bemerkt, ist die Firma fĂŒr diese Apparate seit dem Jahre 1887 bis heute alleiniger kontraktlicher Lieferant der Kaiserlichen Werften in Danzig, Kiel und Wilhelmshaven. Um 1890 beschĂ€ftigte sie ungefĂ€hr 400 Arbeiter. Die damals immer weitere Kreise ziehende Entwickelung der Elektrotechnik veranlagte im Jahre 1891 Franz Clouth neben dem bisherigen Fabrik betriebe, jedoch im innigsten Zusammenhang damit, zur Errichtung einer weiteren Fabrik zur Erzeugung von isolierten DrĂ€hten und Kabeln jeder Art. Dieses Unternehmen prosperierte vorzĂŒglich und eroberte sich einen ebenbĂŒrtigen Platz neben den schon bestehenden beiden anderen deutschen Firmen. Die Ausdehnung dieses Kabelwerkes, in welchem nach achtjĂ€hrigem Bestehen fĂŒr sich allein, ohne die Gummiwarenfabrik, ca. 600 Arbeiter beschĂ€ftigt wurden, ließ es indessen wĂŒnschenswert erscheinen, die bis dahin mit der Gummiwarenfabrik gemeinsame Verwaltung unabhĂ€ngig zu gestalten, weshalb die ganze Abteilung Kabelwerk im Jahre 1898 in ein selbstĂ€ndiges Unternehmen unter der Firma "Land- und Seekabelwerke A.-G." mit Franz Clouth als Vorsitzenden des Aufsichtsrates umgewandelt wurde. Eine hauptsĂ€chliche Veranlassung hierzu war auch die Absicht, die Herstellung von Seekabeln in den Bereich der Fabrikation zu ziehen, da die wirtschaftliche, namentlich auch die kolonial politische Entwickelung Deutschlands darauf schliefen ließ, daß sie in absehbarer Zeit auf dem Gebiete der transatlantischen Kabelverbindungen in Wettbewerb mit England wĂŒrde treten mĂŒssen. Diese Notwendigkeit, die der weite Blick von Franz Clouth zeitig erkannte, trat auch tatsĂ€chlich ein und fĂŒhrte zur GrĂŒndung eines Seekabelwerkcs in Nordenliam an der WesermĂŒndung, die Firma nach eigenem System, das besonders auf dem Gebiete der Steuerung große VorzĂŒge besitzt, ein lenkbares, ebenfalls "Clouth" getauftes Luftschiff. Auf der lla in Frankfurt a. M. im Jahre 1909 zeichnete es sich durch wiederholte glĂŒckliche Fahrten aus. Bekannter wurde es durch seine im Jahre 1910 ausgefĂŒhrte Nachtfahrt von Köln nach BrĂŒssel, wo es wĂ€hrend der internationalen Industrie-Ausstellung mehrere Fahrten vollfĂŒhrte. Inzwischen ist die Abteilung Luftschiffbau der Firma Franz Clouth mit der Luftfahrzeug-(Parseval-) Gesellschaft m.b.H. in Berlin vereinigt worden, um die gewonnenen Erfahrungen gemeinsam zu verwerten. Die Luftfahrzeug-Gesellschaft m. b. H. hat das Luftschiff "Clouth" und seine Sonderkonstruktionen ĂŒbernommen. Die Anfertigung von Ballonstoffen und kompletten Frei-, Fessel- und Drachenballonen sowie ihrer Zubehörteile wird dagegen von der Firma Clouth weiter betrieben. Die Fabriken der Firma liegen auf einem FlĂ€chenraum von ca. 25000 qm und sind mit den besten Maschinen und Einrichtungen der Neuzeit versehen. Im Betriebe befinden sich 3 Dampfmaschinen von zusammen 1000 HP, 25 Elektromotoren von zusammen
300 HP, 8 Dampfkessel von im ganzen 1000 qm HeizflĂ€che. Die Firma besitzt eigene, technische BĂŒros zur Ausarbeitung von Konstruktions- und KostenanschlĂ€gen, eine eigene mechanische WerkstĂ€tte zur Herstellung von Maschinen, Formen und Reparaturen, und beschĂ€ftigt gegenwĂ€rtig ca. 80 technische und kaufmĂ€nnische Beamte, wĂ€hrend die Zahl der Arbeiter durchschnittlich 600 betrĂ€gt. Sie hat stĂ€ndige Vertretungen in Berlin, Hamburg, BrĂŒssel, London und Paris und exportiert ihre Fabrikate nach allen LĂ€ndern der Erde. Außer den schon im Verlauf dieser Skizze genannten SpezialitĂ€ten befaßt sie sieh insbesondere mit der Herstellung von Gummiwaren zu allen technischen Zwecken, und zwar sowohl aus Weich- wie aus Hartgummi sowie aus Guttapercha: Verdichtungsmaterialien, SchlĂ€uche, SchnĂŒre, Gummi-Treibriemen und Gummi-Treibseile, TransportbĂ€nder fĂŒr Silos, Bagger, Aufbereitungen usw., WalzenĂŒberzĂŒge fĂŒr die Zwecke der Papierfabrikation, Tuchfabriken, Kattundruckereien, Lederfabriken etc., ferner Gummimatten und GummilĂ€ufer fĂŒr Fußbodenbelag, GegenstĂ€nde aus Hartgummi fĂŒr die Zwecke der Elektrotechnik, Hartgummipumpen und Hartgummi-Rohrleitungen fĂŒr chemische Fabriken etc. Als besondere SpezialitĂ€t betreibt sie die Harigummiauskleidung von eisernen Zentrifugen, Röhren, Kesseln und Bassins; sie besitzt Einrichtungen, die grĂ¶ĂŸten Objekte dieser Art zu behandeln. Auch die Hartgummibekleidung von Schiffswellen, die dazu dient, diese gegen die Einwirkung von. Seewasser unempfindlich zu machen, gehört hierher. Diese Arbeiten werden durch die Monteure der Firma an Ort und Stelle auf den Schiffswerften ausgefĂŒhrt.
Einen unersetzlichen Verlust erlitt die Firma durch den Tod ihres Schopfers, der am 7. September 1910 unerwartet gestorben ist. Rastlos, wie sein ganzes Leben gewesen, war er noch am Vortage seines Hinscheidens bis abends spĂ€t in seinen Werken tĂ€tig, so daß er in Wirklichkeit in den Sielen gestorben ist, wie er es sich stets gewĂŒnscht hatte. Um den Bestand seines Werkes auch fĂŒr die Zukunft zu sichern, hatte er seine Firma schon im Jahre 1890 in eine Gesellschaft mit beschrĂ€nkter Haftung umgewandelt. Als GeschĂ€ftsfĂŒhrer steht ihr heute sein Ă€ltester Sohn Max Clouth vor, unter dessen Leitung die Fabriken in unverĂ€nderter Weise fortgefĂŒhrt werden.
QUELLE[50 Jahre Kölner Bezirksverein des VDI (1911) 214]


ZEIT1888
THEMABeschreibung
TEXTInhaber der Firma sind Franz Clouth und Karl Vorberg. Dem heutigen Absatz entsprechend, besitzt die Fabrik vier Dampfmaschinen und einen Gasmotor von zusammen 200 PferdekrĂ€ften, mit fĂŒnf Dampfkesseln von je 75 qm HeizflĂ€che, und beschĂ€ftigt in seinen RĂ€umen durchschnittlich 30 Beamte und 180 bis 200 Arbeiter. Das GrundstĂŒck des Etablissements ist 2,6 ha groß; bebaut sind 9000 qm. Die Fabrikation erstreckt sich in elf Abteilungen und drei Fabriken hauptsĂ€chlich auf sĂ€mtliche Artikel fĂŒr die Industrien in Weich- und Hartgummi, vollstĂ€ndige Taucherapparate fĂŒr Fluß- und Seezwecke, sĂ€mmtliche Artikel aus Guttapercha zu industriellen Zwecken, ferner Artikel fĂŒr den Hausgebrauch und chirurgische Artikel. In besonderen ausgedehnten GebĂ€uden werden Zelte, Wagen- und Waggondecken zu Zivil- und MilitĂ€rzwecken hergestellt und vorĂŒbergehend fĂŒr diesen Zweig auch Arbeiter außerhalb der FabrikrĂ€ume (augenblicklich 600 — 700) beschĂ€ftigt. Obwohl allmĂ€hlich entstanden, bieten die FabrikgebĂ€ude dennoch dem Besucher ein einheitliches Bild. Große, helle RĂ€ume mit direktem Oberlicht, entweder in Shedform oder gesatteltem Dach, zeigen ĂŒbersichtlich das Fabrikgetriebe. Die neueren, zum Teil noch im Bau begrittenen Teile sind die ArbeitssĂ€le fĂŒr technische Artikel sowie das Sortierhaus und das Montierungshaus, ersteres in Sheddachform, letzteres mit freitragendem eisernen Satteldach von 12,5 m Spannweite in deutscher Form. Als Deckungsmaterial ist vielfach spanisches Eisenblech von 1 mm StĂ€rke verwandt, welches nach Art von Zinkblech gefalzt und angestrichen wird. Dasselbe soll sich gut bewĂ€hren. Zur Überwölbung einiger RĂ€ume und zur Herstellung einer freitragenden Treppe sind die sogenannten Monierkappen auf Drahtgewebe angewandt worden; der Horizontalschub ist durch Zugstangen aufgenommen. Der Absatz erstreckt sich ĂŒber die ganze Erde, namentlich ĂŒber sĂ€mtliche LĂ€nder Europas und Amerikas, Indien und Australien. In BrĂŒssel und Hamburg besitzt das GeschĂ€ft Filialen mit eigenen Beamten. Die Firma bezieht ihre Rohgummis unmittelbar aus den ProduktionslĂ€ndern und ist bis jetzt das einzige deutsche Werk, welches mittels eigener Vertreter an der OstkĂŒste Afrikas Rohgummi durch die Eingeborenen sammeln lĂ€ĂŸt.
QUELLE[Köln und seine Bauten (1888) 786]