MathildenhĂŒtte Act.-Ges.

Allgemeines

FirmennameMathildenhĂŒtte Act.-Ges.
OrtssitzBad Harzburg (Harz)
Postleitzahl38667
Art des UnternehmensEisenhĂŒttenwerk
AnmerkungenAnfang 1870er - 1880: "Aktien-Gesellschaft Harzer Union", dann "Aktien-Gesellschaft MathildenhĂŒtte" im Eigentum von Fr. Grillo. Dazu das Erzbergwerk "Grube Friederike".
Quellenangaben[Reichs-Adreßbuch (1900)] [BettgenhĂ€user: Industrieen des Hzgt. Braunschweig I (1899) 75+94]




Unternehmensgeschichte

Zeit Ereignis
1863 Bau eines Hochofens zur VerhĂŒttung der Harzburger Erze auf Westeröder Feldmark bei Harzburg durch Bergwerkdirektor Castendyck und Konsul H. H. Meier aus Bremen, da die verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig nicht sehr reichen Erze eine Verwertung in entfernt liegenden Hochöfen der hohen Frachtkosten wegen nicht zulassen.
Anfang 1870er Konsul H. H. Meier verkauft Grube und HĂŒtte an die "Aktien-Gesellschaft Harzer Union" in Hannover.
1878 Die "Aktien-Gesellschaft Harzer Union" falliert, und die Produktion wird vorĂŒbergehend ganz eingestellt.
1880 Friedr. Grillo in Essen a. Ruhr kauft die Grube Friederike, MathildenhĂŒtte nebst anderem Grundbesitz und Gerechtsamen der frĂŒheren "Harzer Union" und grĂŒndet die "Aktien-Gesellschaft MathildenhĂŒtte" mit einem Aktienkapital
von 3.000.000 Mk., um das alte Werk auszubauen.
Anfang der 1880er Der neue EigentĂŒmer Friedr. Grillo will in Bad Harzburg ein Hochofenwerk grĂ¶ĂŸeren Stils zu errichten. Er beginnt, das alte Werk auszubauen und mit allen modernen technischen Hilfsmitteln und Reserven reichlich auszustatten. Danach Wiederaufnahme der Produktion
Mitte 1883 Vom Aktienkapital in Höhe von 3.000.000 Mk. werden 600.000 Mk. zurĂŒckgezahlt
1885 Aufnahme der Fabrikation von Steinen aus Schlackensand. - Diese nimmt bald einen sichtlichen Aufschwung, so daß die Produktion durch Anlage von Dampfpressen, Mischmaschinen usw. ausgedehnt werden kann.
1891 Es tritt eine immer weitere Verstimmung auf dem Markte ein. Wo und sofern Bedarf zu decken ist, kauft man stets nur kleinere Mengen oder lebt von der Hand in den Mund, wodurch der HĂŒtte eine Übersicht ĂŒber die zukĂŒnftige Gestaltung
des GeschĂ€ftes genommen wird. GrĂ¶ĂŸere LagervorrĂ€te sind unter solchen UmstĂ€nden unvermeidlich, die Hoffnung
auf eine Belebung muß schließlich erstickt werden. Die HĂŒtte ist mit Schluß des Jahres zu einer weiteren BetriebseinschrĂ€nkung geschritten, da eine Fortdauer der jetzigen Konjunktur auf die LĂ€nge der Zeit unhaltbar wird.
1892 Bei der andauernd ungĂŒnstigen GeschĂ€ftslage kann es das Werk zu keiner RentabilitĂ€t bringen, und angesichts der Unmöglichkeit, den AktionĂ€ren bei der bisherigen Höhe des Aktienkapitals jemals eine Dividende zu zahlen, wird das Aktienkapital von 2.400.000 Mk. auf 1.200.000 Mk. herabgesetzt, einerseits um den Wert der Aktien auf den den ZeitverhĂ€ltnissen entsprechenden Stand zurĂŒckzufĂŒhren, andererseits um den Reservefonds auf seine statutenmĂ€ĂŸige Höhe zu bringen.
1895 Die mißlichen VerhĂ€ltnisse des Werkes dauern fort bis zum Jahre 1895, wo trotz der luxemburgischen und englischen
Konkurrenz, teils in Folge gĂŒnstigerer Lage des Eisenmarktes, teils in Folge der bis zur Vollendung verbesserten technischen Einrichtungen sowie sparsamster und rationellster Bewirtschaftung, eine kleine Besserung eintritt, so daß eine Dividende von 5 Prozent zur VerfĂŒgung gestellt werden kann.
1896 Es können 8 Prozent Dividende verteilt werden
1896 Die erfreuliche Konjunktur, welche den deutschen Eisenmarkt belebt hat, hĂ€lt sich nicht nur, sondern es können fĂŒr 1896 sogar noch weitere Aufbesserungen verzeichnet werden.
1896 Es können 8 Prozent Dividende verteilt werden.




Produkte

Produkt ab Bem. bis Bem. Kommentar
Eisen 1900 [Reichs-Adreßbuch (1900)] 1900 [Reichs-Adreßbuch (1900)]  




Betriebene Dampfmaschinen

Bezeichnung Bauzeit Hersteller
Dampfmaschine vor 1917 Ascherslebener Maschinenbau Act.-Ges., vorm W. Schmidt & Co.
Dampfmaschine 1899 Eisenwerk CarlshĂŒtte
Dampfmaschinen   Eisenwerk CarlshĂŒtte




Personal

Zeit gesamt Arbeiter Angest. Lehrl. Kommentar
1888   300      
1898 468 460 8   2 BetriebsfĂŒhrer, 4 Steiger, 5 Werkmeister, ca. 240 Bergleute, ca. 180 HĂŒtten- und Steinfabrikarbeiter, ca. 20 Fuhrleute. Lohnsumme: 430.797,19 Mark = 15 Prozent des Gesamtumsatzes




Produktionszahlen

von bis Produkt im Jahr am Tag Einheit
1888 1888 Eisen 23705   t
1888 1888 Schlackensteine 3616780   StĂŒck
1888 1888 Flußspat 1665   t
1889 1889 Eisen 21455   t
1889 1889 Schlackensteine 4320500   StĂŒck
1889 1889 Flußspat 1970   t
1890 1890 Eisen 20735   t
1890 1890 Schlackensteine 4477240   StĂŒck
1890 1890 Flußspat 2780   t
1891 1891 Eisen 20570   t
1891 1891 Schlackensteine 3916570   StĂŒck
1891 1891 Flußspat 3875   t
1892 1892 Eisen 15715   t
1892 1892 Schlackensteine 4653250   StĂŒck
1892 1892 Flußspat 4500   t
1893 1893 Eisen 20705   t
1893 1893 Schlackensteine 5546000   StĂŒck
1893 1893 Flußspat 4815   t
1894 1894 Eisen 20300   t
1894 1894 Schlackensteine 6666000   StĂŒck
1894 1894 Flußspat 5630   t
1895 1895 Eisen 21160   t
1895 1895 Schlackensteine 7433500   StĂŒck
1895 1895 Flußspat 6360   t
1896 1896 Eisen 23260   t
1896 1896 Schlackensteine 9229800   StĂŒck
1896 1896 Flußspat 7912   t
1897 1897 Eisen 24425   t
1897 1897 Schlackensteine 8712200   StĂŒck
1897 1897 Flußspat 9650   t
1898 1898 Eisen 24290   t
1898 1898 Schlackensteine 8877200   StĂŒck
1898 1898 Flußspat 11290   t
1898 1898 GĂ€llivare-Erz 1900   t
1898 1898 Stahlschrott 955   t
1898 1898 Walzensinter 955   t
1898 1898 Eisenstein 61410   t
1898 1898 KiesabbrĂ€nde 4300   t
1898 1898 Kalkstein 9235   t
1898 1898 Koks 36395   t
1898 1898 Kohlen 590   t
1898 1898 Sand 1995   t




Allgemeines

ZEIT1884
THEMABesitz und Anlagen
TEXTDie MathildenhĂŒtte besaß in Harzburg 2 Hochöfen mit 6 neuen Heißwindapparaten Cowper'schen Systems, 2 große und
1 kleine GeblĂ€semaschine, 1 Wasserradanlage u. s. w. mit sĂ€mtlicben erforderlichen WerkstĂ€tten, Gießhallen und GebĂ€uden, 22 Arbeiterwohnungen, und ferner außer der Brauneisensteingrube "Friederike", zwischen Clausthal und Osterode, eine Reihe höchst wertvoller Rotheisenstein-Gruben, wovon einige im Jahre 1884 neu erschlossen wurden.
QUELLE[BettgenhÀuser: Industrieen des Hzgt. Braunschweig I (1899) 94]


ZEIT1884
THEMAProdukte, Frachtkosten und Absatz
TEXTAuf dem Hochofenwerk der "MathildenhĂŒtte" wurde ein Gießerei-Roheisen in der QualitĂ€t der Cleveland-Marken erzeugt.
Das Werk nahm damit als eines der ersten von den deutschen HĂŒttenwerken den Wettbewerb mit England auf. Die Erfolge
waren in den mitteldeutschen Staaten sehr befriedigend. Dagegen blieben andere Gebiete, wie z. B. Niederschlesien und Brandenburg, wo damals nur englisches Roheisen verbraucht wurde, wegen der hohen Eisenbahnfrachten grĂ¶ĂŸtentheils verschlossen. Die Höhe der Eisenbahnfrachten und der Mangel an fĂŒr den Transport des Roheisens geeigneten Wasserstrassen wurde von der MathildenhĂŒtte schwer empfunden. Schon Anfang der achtziger Jahre beantragte daher die Verwaltung bei der Direktion der Braunschweigischen Eisenbahn sowie bei der Königlichen Eisenbahndirektion zu Magdeburg eine ErmĂ€ĂŸigung der Frachten fĂŒr Roherze nach denjenigen Gebieten, in denen unter Benutzung des billigen Wasserweges ausschließlich das Ausland Produkte abzusetzen vermöchte, mit dem Hinweis darauf, daß dadurch kein deutsches Interesse geschĂ€digt werde. Es lĂ€ĂŸt sich nicht verkennen, dass an dem Bestehen der HĂŒtte außer den
von derselben beschĂ€ftigten Arbeitern die in den Jahren 1877 bis 1879 das Stillstehen des Werkes schwer empfunden hatten, auch die beteiligten Bahnverwaltungen einiges Interesse hatten. Brachte die HĂŒtte doch der Braunschweigischen
Bahn 1884 an Frachten ein: fĂŒr Koks, Kohlen und Erze: 881.678,79 Mk., Roheisen: 91.600,000 Mk. Indessen wurde dem Antrag auf FrachtermĂ€ĂŸigung keine Folge gegeben. Die GeschĂ€ftsergebnisse waren Mitte der achtziger Jahre, die in Folge eines noch vergrĂ¶ĂŸerten Angebots bei verringertem Bedarf einen erheblichen Preisdruck und dazu infolge der damaligen Zuckerkrise einen empfindlichen RĂŒckgang des Absatzes gerade in Braunschweig und der umliegenden Gegend brachten, so schlecht, daß die HĂŒtte ohne jeglichen Gewinn, nur um den Hochofenbetrieb nicht eingehen zu lassen, arbeitete. Damals ersuchte die Verwaltung den Preußischen Minister der öffentlichen Arbeiten um ErmĂ€ĂŸigung der Frachten auf Kohlen und Koks, wie solche den Werken an der Lahn, Sieg und Dill zugestanden war, "da sonst die Existenz dieses bedeutenden Hochofen- und Bergwerksbesitzes in Frage gestellt sein wĂŒrde". Unter anderen VerhĂ€ltnissen ist dieses Gesuch wiederholt erneuert worden, ohne bisher den erwĂŒnschten Erfolg erzielt zu haben.
QUELLE[BettgenhÀuser: Industrieen des Hzgt. Braunschweig I (1899) 95]


ZEIT1891
THEMAKonjunktur
TEXTDie ungĂŒnstigen Konjunkturen des Eisenmarktes dauerten bis in die neunziger Jahre hinein. Das Jahr 1890 weist eine
plötzliche und enorme Steigerung der Durchschnittsfabrikatspreise (von 51,40 Mk. in 1889 auf 62,25 Mk. in 1890) auf. Aber schnell trat der Wandel ein. Die ĂŒbertriebenen Spekulationen in schottischen Warrants, welche sich in großen SprĂŒngen auf- und abwĂ€rts bewegten, brachen ganz plötzlich um Mitte Januar zusammen, die Börsen folgten mit ihrer ungĂŒnstigen Auffassung der Lage, und seitens der Kundschaft trat eine vollstĂ€ndige ZurĂŒckhaltung ein, welche auch im Jahre 1891 noch lange angehalten hat. Mit nur kurzer Unterbrechung haben die Roheisenpreise eine rĂŒckgĂ€ngige
Bewegung verfolgt.
QUELLE[BettgenhÀuser: Industrieen des Hzgt. Braunschweig I (1899) 96]


ZEIT1893
THEMAKonjunktur
TEXTDie Nachfrage blieb im ganzen gering, die Preise fĂŒr Roheisen sanken, wĂ€hrend die Zechen die Kohlen- und Kokspreise hochhalten konnten. Es wurde auch darĂŒber geklagt, dass der auslĂ€ndische Wettbewerb von Seiten des Kohlen- und Kokssyndikats bei den EinkĂ€ufen bevorzugt werde. In dem Absatzgebiete traf man nach wie vor die Konkurrenz Englands mit ihren billigen Notirungen an, denen die HĂŒtte nicht in gleicher Weise folgen konnte. Daneben wurde schon damals die Luxemburger Konkurrenz fĂŒhlbar. Das Luxemburger Eisen gelangte auf dem Umwege ĂŒber Antwerpen, Hamburg und Stettin unter Benutzung des billigeren Wasserweges in die eigentlichen und natĂŒrlichen Absatzgebiete der MathildenhĂŒtte (Provinz und Königreich Sachsen, Provinz Hannover). Die der MathildenhĂŒtte in beschrĂ€nktem Maße gewĂ€hrte FrachtermĂ€ĂŸigung von 1,20 Mk. pro 1000 kg (Wegfall der ExpeditionsgebĂŒhr) wurde auch den Luxemburger Werken nach den verschiedensten Stationen zugebilligt. Die MathildenhĂŒtte strebte daher, um rĂŒcksichtlich der Preise mit den luxemburgischen Werken konkurrieren zu können, 1893 wiederum eine FrachtermĂ€ĂŸigung fĂŒr Koks aus Westfalen an.
QUELLE[BettgenhÀuser: Industrieen des Hzgt. Braunschweig I (1899) 96]


ZEIT1896
THEMAAbsatz und Konkurrenz
TEXTWenn es der MathildenhĂŒtte trotzdem nicht gelungen ist, in so hohem Maße wie die Werke in Rheinland und Westfalen
von den erhöhten Eisenpreisen Nutzen zu ziehen, so lag dies nur an der englischen und - in noch höherem Maße - der
luxemburgischen Konkurrenz. Nicht nur blieben die Preise des englischen Eisenmarktes bis zum dritten Viertel 1896 niedrig, sondern, was noch dazu kommt, die See- und Flußfrachten von England ĂŒber Hamburg elbaufwĂ€rts blieben so gering, daß es der englischen Konkurrenz möglich war, ihr Eisen zu sehr billigen Preisen in das Absatzgebiet der MathildenhĂŒtte hinein zu verkaufen. Erst in den letzten Monaten des Jahres 1896 vermochte die MathildenhĂŒtte Ă€hnliche Preise wie Westfalen zu erzielen, nachdem die englischen Preise wieder gestiegen waren.
QUELLE[BettgenhÀuser: Industrieen des Hzgt. Braunschweig I (1899) 98]


ZEIT1899
THEMAKonkurrenz mit Luxemburg/Lothringen
TEXTVon Mitte 1897 bis 1899 kĂ€mpft die MathildenhĂŒtte einen harten Kampf gegen die luxemburg-lothringische Konkurrenz.
Durch Neubau immer weiterer Hochöfen in Westfalen hat man sich dort von dem Bezuge luxemburg-lothringischen Eisens
nach Möglichkeit gelöst, wodurch in Luxemburg-Lothringen bedeutende Mengen Roheisen frei wurden. Außerdem sind auch
in Luxemburg-Lothringen eine betrĂ€chtliche Anzahl Hochöfen neu gebaut worden, so daß die Produktion an Gießerei-Roheisen dort fĂŒr die Folge eine bedeutend höhere sein wird. Um diese unterzubringen, erschien im August und September 1897 eine HĂ€ndlervereinigung im Absatzgebiete der MathildenhĂŒtte und forderte fĂŒr ein dem Roheisen derselben entsprechendes Konkurrenzprodukt einen erheblich niedrigeren Preis als die HĂŒtte bisher erzielt hatte zur Lieferung im Jahre 1898. Der Grund, weshalb die Vereinigung zu erheblich niedrigeren Preisen als die MathildenhĂŒtte verkaufen kann, liegt darin, daß die Gestehungskosten der luxemburgischen Hochöfen so außerordentlich gering und mit denen der MathildenhĂŒtte gar nicht zu vergleichen sind. Es betragen nĂ€mlich die Gestehungskosten fĂŒr luxemburg-lothringisches Gießerei-Roheisen im Durchschnitt kaum 36 Mk. per 1000 kg, wĂ€hrend die Selbstkosten der MathildenhĂŒtte fĂŒr dasselbe Produkt bei gleichen Koakspreisen ab Zeche sich auf ca. 51 Mk. per 1000 kg stellen.
Die niedrigeren Selbstkosten der luxemburgischen Hochöfen sind grĂ¶ĂŸtentheils durch die bessere Beschaffenheit der luxemburgischen Erze bedingt. WĂ€hrend nĂ€mlich die luxemburgischen Hochöfen zur Herstellung von 1000 kg Roheisen 1000 bis 1100 kg Koks gebrauchen, muß die MathildenhĂŒtte fĂŒr 1000 kg Roheisen ca. 1500 kg Koks aufwenden. Außerdem können sich die HĂ€ndler mit luxemburg-lothringischem Eisen in SĂŒd- und Westdeutschland durch unverhĂ€ltnismĂ€ĂŸig höhere Preise fĂŒr eventuelle AusfĂ€lle in Nord- und Mitteldeutschland erholen, indem sie dort bis zu 10 Mk. und mehr pro
Tonne höhere Preise fĂŒr ihr Roheisen erzielen, als sie dasselbe im Absatzgebiete der MathildenhĂŒtte anbieten.
Nicht zum wenigsten kann die wiederholt genannte Konkurrenz die MathildenhĂŒtte auch deshalb in ihrem natĂŒrlichen
Absatzgebiete unterbieten, weil sie grosse Posten Roheisen auf dem Wasserwege in die ElbehĂ€fen bringt und von dort aus mit geringer Eisenbahnfracht an die Verbrauchsstellen in Provinz und Königreich Sachsen usw. weitergibt. Die Verkaufsvereinigung fĂŒr luxemburgisches Eisen hat auch gar kein Geheimnis daraus gemacht, daß ihr die Existenz der MathildenhĂŒtte im Wege sei; sie wird auch nichts unversucht lassen, dieselbe zu beseitigen.
QUELLE[BettgenhÀuser: Industrieen des Hzgt. Braunschweig I (1899) 99]


ZEIT1899
THEMAGefahr und Folgen der Betriebseinstellung
TEXTSollte die Vereinigung ihr Ziel erreichen und die HĂŒtte gezwungen werden, ihren Betrieb einzustellen, so wĂŒrden mit einem Schlage die vom Bergwerks-, Steinbruchs-, HĂŒtten- und Steinfabriksbetriebe der MathildenhĂŒtte beschĂ€ftigten ca. 450 Arbeiter und Beamte, die zum grĂ¶ĂŸten Teil in Harzburg ansĂ€ssig sind, brotlos, und eine Bevölkerung von ca. 1500 Seelen in Not geraten. Denn sobald die HĂŒtte genötigt wĂ€re, ihren Betrieb einzustellen, wĂŒrde damit auch der Eisensteingruben-, Kalksteinbruch- und Steinfabrikbetrieb aufhören, da diese durch ersteren bedingt sind. Die HĂŒtte wĂ€re dann auch nicht mehr in der Lage, jĂ€hrlich ca. 9 bis 10 Millionen Bausteine zu liefern, welche in Harzburg
und Umgegend sicher vermißt werden wĂŒrden. DemgemĂ€ĂŸ hat die MathildenhĂŒtte, nicht zur BekĂ€mpfung dieses Wettbewerbes, sondern nur um sich dagegen zu behaupten und der Arbeiterschaft die Arbeitsgelegenheit zu erhalten, wiederholt an die maßgebenden Preußischen Behörden den Antrag gestellt, die Frachten auf Koks aus Westfalen nach ihrer Verbrauchsstelle Vienenburg ĂŒber die am 1. Mai 1895 fĂŒr Koks zum Hochofenbetrieb allgemein eingetretene Herabsetzung hinaus zu ermĂ€ĂŸigen. Ferner wĂŒrde die gesammte Eisen-Industrie im Absatzgebiete der MathildenhĂŒtte unter deren Betriebseinstellung leiden. Sobald nĂ€mlich die MathildenhĂŒtte mit ihrem Roheisen mit dem luxemburg-lothringischen Material nicht mehr in Wettbewerb treten könnte, wĂŒrde der Preis fĂŒr letzteres seitens der mit dem alleinigen Vertriebe desselben betrauten HĂ€ndlervereinigung sicher sofort in die Höhe getrieben werden und zwar um so mehr, als das gleichfalls konkurrierende englische Roheisen III in Folge seines höheren Preises im genannten Absatzgebiete kaum noch in Betracht kommt.
QUELLE[BettgenhÀuser: Industrieen des Hzgt. Braunschweig I (1899) 100]


ZEIT1899
THEMAVerbilligung des Koks
TEXTDas wirksamste Mittel fĂŒr die Reduktion der Gestehungskosten der MathildenhĂŒtte wĂ€re eine Verbilligung des Koks
franko Vienenburg, nicht zum wenigsten weil gerade die MathildenhĂŒtte bezĂŒglich des Koksverbrauches gegen alle anderen Hochofenbetriebe am ungĂŒnstigsten gestellt ist, indem wegen des geringen Eisengehaltes und der Schwerschmelzbarkeit der von ihr verwandten Erze der Koksverbrauch pro t Eisen ein ungewöhnlich hoher sein muß und daher der Betrag fĂŒr den Koksverbrauch den bei weitem grĂ¶ĂŸten Posten in der Gestehungskosten-Zusammenstellung der MathildenhĂŒtte bildet. Ein ganz besonderer Umstand kommt aber hier noch hinzu, welcher die Lage der MathildenhĂŒtte der so ĂŒberaus gĂŒnstigen Lage der luxemburg-lothringischen Hochöfen gegenĂŒber noch bedeutend verschlechtert und den Absatz des luxemburg-lothringischen Roheisens im natĂŒrlichen Absatzgebiet der MathildenhĂŒtte noch weiter außerordentlich begĂŒnstigt. Es sollen nĂ€mlich fĂŒr Gießerei-Roheisen auf den Königlich Preußischen Staatsbahnen Staffeltarife eingerichtet werden, welche fĂŒr das luxemburg-lothringische Roheisen in das natĂŒrliche Absatzgebiet
der MathildenhĂŒtte hinein eine FrachtermĂ€ĂŸigung von ca. 3 Mk. pro t bedeuten, wĂ€hrend die MathildenhĂŒtte als nĂ€chstliegende wohl kaum eine kleine ErmĂ€ĂŸigung der bisherigen FrachtsĂ€tze zu erwarten hat
QUELLE[BettgenhÀuser: Industrieen des Hzgt. Braunschweig I (1899) 101]


ZEIT1899
THEMAWohnverhÀltnisse der BeschÀftigten
TEXTFĂŒr die Beamten und Arbeiter hat die HĂŒtte ca. 50 Wohnungen engerichtet deren Miethspreis niedriger als der ortsĂŒbliche ist. Die Wohnungen sind von den Arbeitern deshalb sehr begehrt, weil sie nahe bei der HĂŒtte liegen, gut und zweckmĂ€ĂŸig eingerichtet und mit einigen Ruthen Gartenland versehen sind. Die HĂŒttenleitung beabsichtigt, demnĂ€chst noch weitere Wohnungen (fĂŒr 18 Familien) einzurichten.
QUELLE[BettgenhÀuser: Industrieen des Hzgt. Braunschweig I (1899) 103]


ZEIT1899
THEMABetriebsanlagen der HĂŒtte und Steinfabrik
TEXTDie HĂŒtte auf hat einer GrundflĂ€che von ca. 30 ha außer 3 Hochöfen: 11 Winderhitzer (Cowper), ferner 3 GeblĂ€semaschinen, 4 Henschel- und 4 Cornwallkessel, Schlackengranulation, grössere Anlagen zur Befreiung der Gichtgase von mitgefĂŒhrtem Gichtstaube, Schmiede, Schlosserei, Schreinerei (sĂ€mtlich mit den nötigen Maschinen
ausgestattet) und eine Formerei, in der allerdings nur rohe Gußteile fĂŒr den eigenen Bedarf und zwar aus direkt
dem Hochofen entnommenen, also nicht gereinigten, Eisen hergestellt werden. - Auf der Steinfabrik befinden sich 4 Mischapparate, 3 Steinpressen, von denen Tags ĂŒber 2 und 1 des Nachts in Betrieb sind, 2 Kessel und 1 Betriebsmaschine. Zur Zeit werden Mischen und Pressen durch Dampf betrieben, von Anfang nĂ€chsten Jahres ab wird das aber durch elektrische KraftĂŒbertragung geschehen. Das Werk hat außerdem eine elektrische Lichtanlage, ein eigenes Anschlußgleis von 1600 m, welches die HĂŒtte mit Harzburg und Vienenburg verbindet, und zwei eigene Lokomotiven.
QUELLE[BettgenhÀuser: Industrieen des Hzgt. Braunschweig I (1899) 104]


ZEIT1899
THEMAGrube "Friederike"
TEXTHat eine GrundflĂ€che von 157 ha. Der Eisenstein wird zur Zeit aus einer Teufe von 75 m gewonnen, man ist aber damit beschĂ€ftigt, um weitere 50 m abzuteufen. Die Grube Friederike ist insofern besonders interessant, als ihre Erzschichten nicht parallel zu dem Gebirge einfallen, wie es sonst der Fall zu sein pflegt, sondern gegen dasselbe, ein Beweis, daß eine starke Überkippung stattgefunden hat. Analyse des Friederike-Erzes: KieselsĂ€ure 11,63 Prozent,
Tonerde 10,31 Prozent, Eisenoxyd 49,84 Prozent, Manganoxydul 0,27 Prozent, Kohlensaurer Kalk 15,23 Prozent, Kohlensaure Magnesia 1,30 Prozent, PhosphorsĂ€ure 1,10 Prozent, Chemisch gebundenes Wasser 10,32 Prozent. Der Eisenstein findet sich in drei Lagern von 5,3 und ca. 8 m MĂ€chtigkeit. In ihm finden sich Versteinerungen in großer Anzahl, besonders Ammoniten, GryphĂ€en, Terebatelen.
QUELLE[BettgenhÀuser: Industrieen des Hzgt. Braunschweig I (1899) 104]


ZEIT1899
THEMAFlußspatgrube
TEXTZur MathildenhĂŒtte gehört eine im Krummschlachttal zwischen Stolberg und Rottleberode am Harz gelegene Flußspatgrube, die ca. 100 Arbeiter beschĂ€ftigt und einen sehr guten Flußspat in bedeutenden Mengen fördert,
der sowohl in StĂŒcken, als auch gemahlen in Deutschland, Oesterreich, Frankreich, Belgien, Rußland und Amerika Verwendung findet, teils in der Glas- und Zementfabrikation, teils in chemischen Fabriken zur Herstellung von FlußsĂ€ure und FlußsĂ€ureprĂ€paraten.
QUELLE[BettgenhÀuser: Industrieen des Hzgt. Braunschweig I (1899) 105]