Wasserwerk KĂ€fertal

Allgemeines

FirmennameWasserwerk KĂ€fertal
OrtssitzMannheim
OrtsteilKĂ€fertal
StraßeWasserwerkstr.
Postleitzahl68309
Art des UnternehmensWasserwerk
AnmerkungenIn Betrieb seit 1888. Gebaut von den StÀdtischen Wasser-, Gas- und ElektrizitÀtswerken, K 7, 2
Quellenangaben[Pichler: Erweiterte Wasserwerk Mannheim; in: Journal f. Gasbeleuchtg. und u. Waserversorgung (1917] [VDI-Zeitschrift (1891) 603] [Journal fĂŒr Gasbeleuchtung 50 (1907) 577]
Hinweisehttps://archive.org/details/bub_gb_DoBLAQAAIAAJ
https://archive.org/stream/bub_gb_DoBLAQAAIAAJ/bub_gb_DoBLAQAAIAAJ_djvu.txt




Unternehmensgeschichte

Zeit Ereignis
1862 Der Stadtverwaltung wird ein Projekt fĂŒr eine Wasserversorgungsanlage durch die Londoner Firma "Grissell & Docwra" fĂŒr eine tĂ€gliche Lieferung von 3000 cbm Wasser unterbreitet. Kosten: 388.00 M. Es soll natĂŒrlich gefiltertes Rheinwasser durch Dampfkraft (2 x 46 PS) in einen 27 m hohen Turm gehoben werden und in die Stadt geliefert werden.
1888 Errichtung des Werks im KĂ€fertaler Wald
01.05.1889 Die Stadt ĂŒbernimmt das Wasserwerk.
06.06.1889 Durch das Ortsstatut vom 6. Juni leitet Direktor Christian Beyer den Gesamtbetrieb von Gaswerk und Wasserwerk
1903 Ende der Amtszeit von Direktor Christian Beyer als Leiter von Gaswerk und Wasserwerk
1904 Die Trockenheit im Sommer 1904 bedingt einen tĂ€glichen Höchstverbrauch von 24.100 cbm (vorher nur 18.000 - 19.000 cbm/d) und zwingt zu Erweiterung des Werks. Desgleichen muß eine Enteisenung vorgesehen werden
1906-1911 Ausbau des Werks in den Jahren 1906 - 1911
17.05.1910 Kaum ist das Friedhofsprojekt zu den Akten gelegt, kommen neue Arbeiten auf das Straßenbahnamt zu: Die Planungen fĂŒr eine Elektrifizierung der vom Haltepunkt "KĂ€fertaler Wald" abzweigenden Stichbahn zum Wasserwerk im KĂ€fertaler Wald. Das BĂŒrgermeisteramt der Stadt Mannheim meint am 17. 5.1910, man könne diese Strecke elektrifizieren, um den KĂ€fertaler Wald fĂŒr SpaziergĂ€nger besser zu erschließen. Bezogen auf einen ausschließlichen Sonntagsverkehr, hĂ€tte sich die Investition fĂŒr die Elektrifizierung der OEG-Strecke bis zum Haltepunkt KĂ€fertaler Wald (3,8 km) und der Stichbahn mit einer LĂ€nge von 1,95 km, also zusammen 5,75 km, nicht amortisiert.




Produkte

Produkt ab Bem. bis Bem. Kommentar
Trinkwasser 1888 Beginn (Inbetriebnahme) 2000 bekannt  




Betriebene Dampfmaschinen

Bezeichnung Bauzeit Hersteller
Dampfpumpmaschine 1886 Gebr. Sulzer AG
Dampfpumpmaschine 1886 Gebr. Sulzer AG
Dampfpumpmaschine 1906/11 Gebr. Sulzer AG
Dampfpumpmaschine 1906/11 Gebr. Sulzer AG
Dampfpumpmaschine 1906/11 Gebr. Sulzer AG
Dampfpumpmaschine 1906/11 Gebr. Sulzer AG
Dampfpumpmaschine 1906/11 Gebr. Sulzer AG




Maschinelle Ausstattung

Zeit Objekt Anz. Betriebsteil Hersteller Kennwert Wert [...] Beschreibung Verwendung
ab 1888 Dampfkessel 3   unbekannt HeizflĂ€che je 67 qm Cornwallkessel mit Galloway-Rohren; p= 6,5 Atm; VorwĂ€rmer: 33 qm HeizflĂ€che  
ab ca. 1906 Dampfkessel 3   unbekannt HeizflĂ€che je 70 qm Zweiflammrohr-Wellrohrkessel, p= 10 Atm; Überhitzer je 28 qm, t= 300 °C  




Allgemeines

ZEIT1907
THEMAPlanungen
TEXTMannheim hat erst seit dem Jahre 1888 eine zentrale Wasserversorgung; die BemĂŒhungen, die Stadt mit Trink- und Brauchwasser zu versorgen, reichen jedoch bis in das 17. Jahrhundert zurUck. Nach lĂ€nger dauernden Vorarbeiten und zahlreichen Versuchen, welche teils an der QualitĂ€t, teils an der Menge des erschlossenen Wassere fehlschlugen, war es erst im Jahre 1884 gelungen, brauchbare Unterlagen fĂŒr die Wasserversorgung zu beschaffen, nachdem die Stadt Mannheim im Jahre 1882 den Zivilingenieur O. Smreker beauftragte, ein detailliertes Projekt fĂŒr die Wasserversorgung der Stadt auszuarbeiten, Ingenieur Smreker gelang es nach eingehenden hydrologischen Untersuchungen, in der Umgebung der Stadt ein Gebiet zu bestimmen, welches sich fĂŒr die Entnahme von Grundwasser vorzĂŒglich eignet. Die Vorarbeiten (Versuchsbohrungen, Untersuchung der Wasserbeschaffenheit, QuantitĂ€ts-Versuche) umfaßten den Zeitraum von zwei Jahren; auf Grund dieser Forschungen wurde festgestellt, daß im sog. KĂ€fertaler Wald (im jetzigen Stadtwald), in nordöstlicher Richtung von Mannheim, Grundwasserströme von tadelloser Wasserbeschaffenheit vorhanden sind, welche den Bedarf der Stadt Mannheim auf mindestens 20 bis 25 Jahre zu decken imstande sind. Nach Abschluß dieser Vorarbeiten wurde im FrĂŒhjahr 1885 das Detailprojekt vorgelegt und wurde die Errichtung des Wasserwerks beschlossen, nachdem vorher die PrĂŒfung des Projekts von einer SachverstĂ€ndigenkommission vorgenommen wurde. Mit dem Bau des Wasserwerks, das zu rund 2 Mill. Mark veranschlagt war, wurde am 1. Juli 1886 begonnen, die Betriebseröffnung des Wasserwerks fand am 21. April 1888 statt. Das Wasserwerk ist fĂŒr einen mittleren Verbrauch von 100 1 pro Kopf und Tag dimensioniert worden, der Maximalverbrauch ist dem l 1/2-fachen mittleren Verbrauch gleichgesetzt worden. Bei der Disposition der Wasserversorgungsanlage waren (1885) die folgenden Gesichtspunkte maßgebend:
1. Die Anlage soll nicht nur den momentanen BedĂŒrfnissen entsprechen, sondern auch in der Lage sein, den voraussichtlichen Bedarf fĂŒr die nĂ€chsten 12 bis 15 Jahre, also etwa bis zum Jahre 1900, bei vollstĂ€ndig rationellem Betriebe zu decken; 2. die Anlage soll so eingerichtet sein, daß sie auf die als obere Grenze zu betrachtende mittlere LeistungsfĂ€higkeit von 20.000 cbm pro Tag ausgebaut werden kann. Wird das Wasserwerk spĂ€ter, entsprechend einer LeistungsfĂ€higkeit von 20.000 cbm pro Tag, vergrĂ¶ĂŸert, so sind einfach die Wassergewinnungs- und Hebungsanlagen zu erweitern, es ist ein zweiter Zuleitungsstrang zu legen und ein zweites Hochreservoir zu erbauen, wĂ€hrend die Hauptzuleitung und die GebĂ€ude auch dann noch zu genĂŒgen haben.
Die einzelnen Bauobjekte der Wasserwerksanlage teilen sich in folgende Gruppen;
a) die Wassergewinnungsanlage,
b) die Wasserhebungsanlage (Pumpstation),
c) die Wasserreinigung (Enteisenungeanlage),
d) die Zuleitung zur Stadt,
e) die HochbehÀlter,
f) das Verteilungsnetz.
QUELLE[Journal fĂŒr Gasbeleuchtung 50 (1907) 577]


ZEIT1907
THEMAWasserqualitÀt, Wassergewinnung
TEXTMannheim wird zur Zeit ausschließlich mit Grundwasser versorgt, welches in den Sand- und Kiesablagerungen des mittleren und jĂŒngeren Diluviums der Rheinebene - im KĂ€fertaler Stadtwald - vom Gebirge nach dem Rhein zu sich bewegt Der GrundwassertrĂ€ger besteht der Hauptsache nach aus feinen und gröberen Sauden und Kiesen, welche nur stellenweise von Lettenschichten durchzogen werden. Der Grundwasserspiegel liegt im ganzen Entnahmegehiet ca. 6 bis 8 m unter TerrainoberflĂ€che und wird von reinen, feinen Sanden ĂŒberlagert, welche das Grundwasser keimfrei erhalten. Die Zusammensetzung des Wassers ist nach wiederholt unternommenen Untersuchungen die nachfolgende:
GesamthÀrte: 13,6°
Mikroskopische PrĂŒfung: normal
GesamtrĂŒckstand: 299,4 mg/l
Aussehen des Wasserss: farblos, klar
GlĂŒhrĂŒckstand: 249,4 mg/l
Kalk CaO: 116,0 mg/l
Magnesia MgO: 14,5 mg/l
Eisen Fe: 0,13 mg/l
Chlor Cl: 8,4 mg/l
SchwefelsÀufe SO2: 30,3 mg/l
KieselsÀure SiO2: 8,6 mg/l.
Auch in bakteriologischer Beziehung hat das Wasser nie zu Beanstandungen Anlaß gegeben; die diesbezĂŒglichen Untersuchungen haben jedesmal gezeigt, daß selbst bei abnormen Witterungeverhaltnissen die Beschaffenheit des Leitungswassers in keiner Weise ungĂŒnstig beeinflußt wird. Die Erschließung des Grundwassers erfolgt mittels Brunnen, welche in nördlicher, sĂŒdlicher und sĂŒdöstlicher Richtung angeordnet sind. Die Brunnen (56 an der Zahl) sind teils als Rohrbrunnen (45 StĂŒck), teils als gemauerte Schachtbrunnen (11 StĂŒck) ausgefĂŒhrt. Die ersten bestehen aus 600 mm weiten Filtern mit besteigbaren, 2 m weiten, gemauerten ZugangsschĂ€chten. Die Filter reichen 27 bis 38 m unter Terrain und sind aus 5 mm starken, schmiedeeisernen, verzinkten, zum Teil vollwandigen, zum Teil mit Schlitzlochung versehenen FilterstĂ¶ĂŸen von je 1 in LĂ€nge zusammengesetzt und auf der ganzen Tiefe mit einer 20 cm starken KiesschĂŒttung umgeben. Die Schachtbrunnen sind gemauerte Brunnen von 3 in Lichtweite und durchschnittlich 10 bis 14 m Tiefe; diese sind aus Zementmörtel-Mauerwerk hergestellt, das auf einem krĂ€ftigen, schmiedeeisernen Rost von 0,6 m Höhe gegrĂŒndet und durch eingelegte, durch Zuganker miteinander verbundene BrunnenkrĂ€nze noch besonders versteift ist. Die Ă€lteren Brunnen sind in den letzten Jahren zur Erhöhung ihrer LeistungsfĂ€higkeit mit Rohrbrunnen kombiniert worden. Die sĂ€mtlichen Brunnen sind mit schweren, gußeisernen, vollstĂ€ndig dicht schließenden Scharnierdeckeln verschlossen - die SchĂ€chte sind durch schmiedeeiserne Leitern zugĂ€nglich gemacht - , welche, wie alle im Brunnen angeordneten Armaturteile, verzinkt ausgefĂŒhrt sind. Das durch die Brunnen erschlossene Wasser wird mittels Heberleitungen gesammelt und zum Sammelbrunnen weitergeleitet; diese sind annĂ€hernd normal zur Strömungsrichtung des Grundwassers verlegt. Die gesamte Fassung hat zur Zeit eine LĂ€nge von fast 3,5 km. Beim Eintritt in den Sammelbrunnen zeigen die Heberleitungen die Dimensionen von 650, 600 und 400 mm Lichtweite; sie sind durchwegs mit 3 bis 5 o/oo Steigung verlegt und besitzen ihren höchsten Punkt (Heberscheitel) unmittelbar am Sammelbrunnen. Um die LeitungswiderstĂ€nde auf das geringste Maß zu beschrĂ€nken, sind an den Heberleitungsenden weder am Sammelbrunnen, noch in den einzelnen Brunnen Heber- bzw. Pulsventile angebracht Das Fallenlassen der oft ĂŒblichen Einrichtung der Heber- und Fußventile konnte unbedenklich erfolgen, da einerseits der Pumpbetrieb ein lang andauernder ist, anderseits fĂŒr das Ansaugen der Heberleitungen ohnedies in jeder grĂ¶ĂŸeren Anlage besondere Vorkehrungen getroffen werden mĂŒssen. Die EntlĂŒftung der Heberleitungcn erfolgt durch kontinuierlich arbeitende Wasserstrahl-Luftsaugeapparate, die an den Heberscheitel angeschlossen sind. Zum Betrieb der Apparate dient Druckwasser, welches nach dem Durchgang durch die Wasseretrahlapparate dem Sammelbrunnen wieder zugefĂŒhrt wird. Das durch die Heberleitungen zugefĂŒhrte Wasser ergießt sich in den in der Mitte der Fassungsanlage angeordneten Sammelbrunnen, einem gemauerten Schachtbrunnen von 5 m Lichtweite und 10,5 m Tiefe. Die Sohle dieses Brunnens ist durchlĂ€ssig, das Brunnenmauerwerk setzt sich auf einem krĂ€ftigen, ca. 800 mm hohen schmiedeeisernen Rost auf und hat eine StĂ€rke von 50 cm. Zur Versteifung des Mauerwerks dienen zwei in AbstĂ€nden von je 3 m voneinander im Mauerwerk verlegte schmiedeeiserne BrunnenkrĂ€nze, die durch Zuganker untereinander und mit dem Brunnenrost verbunden sind. Oben ist der Brunnenschacht abgewölbt. Die Decke besitzt Lichtöffnungen, ĂŒber der Einsteigöffnung ist zum Schutze gegen Eindringen des OberflĂ€chenwassers ein WellblechhĂ€uschen aufgebaut. In den Sawmelbrunnen reichen die Heberleitungsenden sowie die Saugleitungen, welche zu den Pumpen der Wasserhebungsanlage fĂŒhren. Die oben beschriebene Anlage stellt den bisherigen Zustand der Waasergewinnung, Anfang 1907, dar. Nachdem jedoch das Wasserwerk seit einigen Jahren an der Grenze seiner LeistungsfĂ€higkeit angelangt ist, sind fĂŒr die Erweiterung des Werkes seit dem Jahre 1904 weitere Erhebungen angestellt worden, auf Grund welcher vom Verfasser im Jahre 1905 ein Erweiterungsprojekt bearbeitet und vorgelegt wurde, fĂŒr welches im Jahre 1906 die Mittel zur AusfĂŒhrung genehmigt wurden. Die Erweiterungsbauten sind im Gange und werden noch im Laufe des Sommers in der VerlĂ€ngerung der sĂŒdöstlichen Heberleitung weitere 15 Rohrbrunnen und 5 gemauerte Brunnen abgeteuft werden, deren Wasser durch eine besondere Heberleitung von 750 mm Lichtweite dem bestehenden Sammelbrunnen zugefĂŒhrt wird. Im Erweiterungsprojekt ist auch eine stĂ€rkere Beanspruchung der nördlichen Heberleitung fĂŒr die Zukunft geplant, da diese infolge ungĂŒnstiger Höhenlage resp. infolge der Beeinflussung durch die starke Spiegelabsenkung des benachbarten Zellstofffabrikwasserwerks nur ungenĂŒgende Wassermengen liefert, welche in keinem VerhĂ€ltnis zur tatsĂ€chlichen Ergiebigkeit des Grundwasserstroms stehen. Es ist in Aussicht genommen, den nördlichen Teil der nördlichen Heberleitung abzutrennen und durch eine besondere Nebenheberleitung von 600 mm 1.W. mit dem Sammelbrunnen zu verbinden; dieses Vorhaben ist jedoch auf den Widerstand der Zellstoffabrik gestoben, welche hierdurch wieder eine BeeintrĂ€chtigung der Ergiebigkeit ihres Wasserwerks befĂŒrchtet,
und es ist deshalb vorderhand, bis zur endgĂŒltigen Regelung der Streitfrage, ein provisorisches Pumpwerk (zwei Zentrifugalpumpen, welche durch zwei Lokomobile angetrieben werden) am Hauptbrunnen II errichtet worden, welches das Wasser des nördlichen Zweiges nach dem Sammelbrunnen ĂŒberpumpt. Die geförderten Mengen sowie die Brunnenabsenkungen werden fortlaufend gemessen, und dieser Pumpbetrieb dient gleichzeitig als Pumpversuch, um die spĂ€teren Wirkungen der geplanten Erweiterung beurteilen zu können. Nach erfolgter Erweiterung der Wassergewinnungsanlage wird auch der Sammelbrunnen um 2,5 m vertieft werden, da schon heute die Rohrleitungsenden bis auf den Grund des Sammelbrunnens reichen.
QUELLE[Journal fĂŒr Gasbeleuchtung 50 (1907) 577]


ZEIT1907
THEMAWasserhebungsanlage (Pumpstation)
TEXTDiese ist als Dampfkraftanlage ausgefĂŒhrt und bestand ursprĂŒnglich aus einem Maschinen- und Kesselhaus mit der maschinellen Anlage (drei Kessel und drei Maschinen) und ein Schornstein. Des weiteren stehen in der Pumpstation noch die erforderlichen NebengebĂ€ude (BetriebegebĂ€ude mit Wohnung fĂŒr den Maschinenmeister, LagerrĂ€ume, BĂŒro und WerkstĂ€tte, BrĂŒckenwage usw.). Mit der Heranziehung weiterer Gebiete fĂŒr die Gewinnung von Grundwasser, namentlich in sĂŒdöstlicher Richtung, nahm auch der ursprĂŒnglich ganz unwesentliche Eisengehalt des Wassers zu, was die Errichtung einer Enteisenungsanlage zur Folge hatte. FĂŒr die Entnahme des Rohwassers aus dem Sammelbrunnen und zur Förderung denselben nach dem RieselergebĂ€ude sind besondere Pumpmaschinen nunmehr aufgestellt worden, welche in einem besonderen GebĂ€ude untergebracht sind, da die Angliederung der Vorpumpen an die Hauptmaschinen wegen des beschrĂ€nkten Raums nicht durchfĂŒhrbar war. Mit dieser Erweiterung mußte auch die Kesselanlage, sowie die Druckpumpenanlage durch HinzufĂŒgung eines vierten Maschinensystems, vergrĂ¶ĂŸert werden. Die GebĂ€ude sind als Backsteinrohhauten mit Klinkerverblendung unter Mitverwendung von Sandsteinen ausgefĂŒhrt.
Das Vorpumpenhaus, welches die maschinelle Anlage fĂŒr die Förderung des Rohwassers vom Sammelbrunnen auf die Enteisenungsanlage aufnimmt, hat eine lichte GrundflĂ€che von 19,50 x 12 m und eine lichte Höhe von 8 m bzw. 12,50 m; es ist vollstĂ€ndig unterkellert, und die Pumpen befinden sich in einem LĂ€ngsschacht, welcher mit dem Sammelbrunnen durch einen begehbaren Kanal, welcher die Saugleitung aufnimmt, verbunden ist. In einer Höhe von 4,75 m ĂŒber Maschinenhausfußboden ist ein Handlaufkran fĂŒr 6000 kg Tragkraft ungeordnet, welcher mit zwei Laufkatzen von je 15.000 kg Tragkraft ausgerĂŒstet ist; die Laufbahnen sind entsprechend der GebĂ€udelĂ€nge je 12 m. Im Vorpumpenhaus sind drei Pumpmaschinen, Konstruktion GebrĂŒder Sulzer, Ludwigshafen, aufgestellt, bestehend aus je einer horizontalen Compound-Dampfmaschine mit Ventilsteuerung, mit nebeinanderliegenden Zylindern fĂŒr Hoch- und Niederdruck, mit 45 Touren pro Minute, mit Kondensation und fĂŒr 9,5 Atm. Anfangsdruck; die Dampfmaschinen haben Vorrichtung am Regulator zum VerĂ€ndern der Tourenzahl wĂ€hrend des Ganges innerhalb der Grenzen von 35 bis 75 und sind mit je zwei vertikalen, einfach wirkenden Schöpfpumpen mit 410 mm Plungerdurchmesser und 600 mm Hub mittels vertikaler Antriebsstange gekuppelt; die beiden Pumpen je einer Maschine haben gemeinsamen Ventilkasten, gußeisernen Saug- und schmiedeeisernen Druckwindkessel, mit Gummiventilen auf gußeisernen Sitzen, der Plunger lĂ€uft in einer WasserstopfbĂŒchse. Jedes Pumpensystem ist imstande, pro Stunde bei der grĂ¶ĂŸten Tourenzahl rund 880 cbm zu fördern, die gesamte grĂ¶ĂŸte Stundenleistung der Schöpfpumpenanlage betrĂ€gt mithin 880 x 3 = rund 2640 cbm. In einem Anbau an das Vorpumpenhaus sind die Maschinen fĂŒr die Erzeugung von Gleichstrom zur Kraft- und Lichtversorgung der Pumpstation untergebracht. Der Gleichstrom wird durch Umformung des aus dem stĂ€dtischen ElektrizitĂ€tswerk bezogenen Drehstroms gewonnen, und die Umformeranlage gliedert sich in folgende Teile: Im Parterreraum sind zwei Umformer angeordnet, welche aus je einem Synchron-Drehstrommotor fĂŒr 4000 Volt und 50 Perioden und dem zugehörigen Gleichstromgenerator mit einer effektiven Dauerleistung von 60 kW bei 225 bis 240 Volt Spannung bestehen; zur Aufladung der im Obergeschoß untergebrachten Batterie von 122 Zellen (252 Amp. maximaler Entladestrom bei dreistĂŒndiger Entladung} ist noch ein Zusatzaggregat vorhanden. Die Schalttafel enthĂ€lt alle Apparate und Meßinstrumente zur dauernden betriebssicheren Bedienung und Kontrolle der gesamten elektrischen Anlage. Im VestibĂŒl zum Maschinenhaus ist ein elektrisch angetriebener Aufzug untergebracht, welcher die Beförderung der SĂ€ureballons nach dem Obergeschoß besorgt.
Das Maschinenhaus fĂŒr die Druckpumpen und hat eine GrundflĂ€che von 17,5 x 31 m und eine lichte Höhe von 8,25 bzw. 13 m, von Sohle bis unter Dach gemessen, und ist vollstĂ€ndig unterkellert. Der ganze Maschinenraum wird zur bequemen AusfĂŒhrung von Reparatur- und Montagearbeiten durch einen Laufkran von 3000 kg Tragkraft bestrichen, der direkt unterhalb der Dachauflage seine Laufbahn hat. Im Maschinenraum sind vier Pumpmaschinenaggregate aufgeetellt Das erweiterte Kesselhaus, welches direkt an das Maschinenbaus anschließt, hat eine lichte GrundflĂ€che von 17,5 x 28 m und eine Lichthöhe von 6,25 bzw. 11 m; in diesem sind sechs Kessel aufgestellt, ferner die Wasserreinigungsanlage sowie die Dumpfspeisepumpen. Die vier Maschinensysteme fĂŒr die Reinwasserförderung sind liegende Verbunddampfmaschinen, die mit je zwei horizontalen, doppeltwirkenden Plungerpumpen mittels durchgehender Kolbenstangen direkt gekuppelt sind. Die Tourenzahl der beiden Ă€lteren Maschinen ist zwischen 25 und 40, die der beiden neuen Maschinen zwischen 30 und 70 von Hand am Regulator verstellbar. Zum Schutze gegen das Durchgehen der Maschinen bei plötzlich fallendem Förderdruck sind die Maschinenregulatoren noch mit einer selbsttĂ€tigen Ausschaltvorrichtung versehen, welche durch Auslösen der Steuerung die Maschinen im gegebenen Falle außer Betrieb setzen. Die vier Maschinen, von welchen die zwei Ă€lteren mit 6,5 Atm., die zwei neuen mit 10 Atm. Betriebsdruck arbeiten, besitzen Einspritzkondensation, welche im Maschinenhauskeller angeordnet ist. Als Kondenswasser dient Grundwasser, das zwei besonderen Rohrbronnen entnommen wird; zur Ersparung des betrĂ€chtlichen Einspritzwasserquantums ist nunmehr eine RĂŒckkĂŒhlanlage mit OberflurkĂŒhlturm und drei Zentrifugalpumpenanlagen, welche durch Elektromotoren angetrieben werden, errichtet worden. Die Plungerpumpen haben 280 mm Plungerdurchmesser und wie die Maschinen 900 mm Hub. Die Pumpen der Ă€lteren Maschinen haben einfache belederte Ringventile, wĂ€hrend die dritte und vierte Maschine mit gesteuerten Tellerventilen - System Riedler - ausgerĂŒstet sind. SĂ€mtliche Pumpen besitzen reichlich große Saug- und Druckkessel und in WasserkĂ€sten gelagerte Kolbenstangen und PlungerstopfbĂŒchsen. Die Leistung jedes einzelnen Pumpensystems betrĂ€gt pro Doppelhub bzw. pro Undrehung der Maschine 0,2 cbm, die grĂ¶ĂŸte Stundenleistung sĂ€mtlicher vier Maschinenaggregate betragt mithin 2640 cbm, entsprechend der Leistung der Vorpumpenanlage.
Die drei Ă€lteren Dampfkessel sind Cornwallkessel mit innen liegenden Feuerungen und mit Galloway-Rohren in den Flammrohren fĂŒr 6,5 Atm. Überdruck. Jeder Kessel ist zur SpeisewasservorwĂ€rmung mit zwei StĂŒck 10 m langen VorwĂ€rmern von ca. 33 qm HeizflĂ€che versehen; die HeizflĂ€che der Kessel selbst betrĂ€gt 67 qm. Die drei neuen Kessel sind Zweiflammrohr Wellrohrkessel von je 70 qm HeizflĂ€che fĂŒr 10 Atm. Überdruck, haben Überhitzer von je 28 qm HeizflĂ€che aus patentgeschweißten Flachschlangen fĂŒr Überhitzung des Dampfes auf ca. 300° C. Die neuen Kessel sind mit automatischen Rostbeschickungsapparaten, System MĂŒnckner, ausgerĂŒstet. Die sĂ€mtlichen KesselstirnwandflĂ€chen sind zum Schutz gegen WĂ€rmeausstrahlung isoliert und durch besondere Glanzblechverkleidungen ĂŒberdeckt. Im Kesselhaus sind ferner noch untergebracht ein Speisewasserreiniger zum EnthĂ€rten des Kesselspeisewassers, ein Heizeffektmesser, die Wasserspeisevorrichtungen und Kontrollapparate. Die Regelung de« gesamten maschinellen Betrieb« erfolgt entsprechend den jeweiligen WasserverbrauchsverhĂ€ltnissen im Stadtrohnetz; zu deren Beobachtung bzw. der WasserstĂ€nde im HochbehĂ€lter sind zwei voneinander unabhĂ€ngige elektrische Wasserstandsfernzeiger im Maschinenraum untergebracht.
QUELLE[Journal fĂŒr Gasbeleuchtung 50 (1907) 579]


ZEIT1907
THEMAKohlenlager, Gleisanschluß, NebengebĂ€ude
TEXTIn einem Anbau an das Kesselhaus sind die ArbeiteraufenthaltsrĂ€ume (Kantine, BĂ€der. Speisesaal, Ankleideraum usw.), die Schmiede und WerkstĂ€tte sowie die Magazine in zwei Geschossen untergebracht. FĂŒr die Lagerung der Betriebskohlen ist ein Kohlenschuppen von 25 x 16 m lichter GrundflĂ€che gebaut; die Sohle hat Neigung nach einem in der Mitte angeordneten
LĂ€ngskanal, in dem eine Transportschnecke liegt; diese nimmt die aus den einzelnen Öffnungen dee Kohlenschuppenbodens einfallenden Kohlen auf und bringt sie einem an der Giebelseite angeordneten Elevator zu, der die Kohlen hochhebt und auf ein Transportband abwirft; von hier aus werden die Kohlen nach dem im Kesselhaus ĂŒber den Kesseln angeordneten Kohlenbunkern transportiert und behufs direkter Verwendung in den Kesseln gelagert. Der Antrieb der Transporteinrichtung geschieht mittels Elektromotoren. Die Pumpstation hat Gleisanschluß an die Nebenbahn Mannheim - Weinheim, welcher im Wasserwerkshof selbst zu einem dreigleisigen Bahnhof ausgebildet ist; zwei von den drei Gleisen gehen durch die Kohlenhalle, so daß dort die direkte Abladung der Kohlen möglich ist. In einem weiteren kleinen GebĂ€ude ist das Laboratorium mit Mikroskopierraum sowie ein Apparateraum mit Meßkasten untergebracht
QUELLE[Journal fĂŒr Gasbeleuchtung 50 (1907) 581]


ZEIT1907
THEMAEnteisenungsanlage
TEXTDas durch die einzelnen Brunnen erschlossene Grundwasser enthĂ€lt Eisen, dessen Menge an den verschiedenen Entnahmestellen variiert; das Wasser der sĂŒdlichen Heberleitungsanlage weist die kleinsten Werte auf und betrĂ€gt im Mittel rund 0,05 mg pro 1. GrĂ¶ĂŸere Werte zeigt schon das Wasser der nördlichen Heberleitung, welches im Mitte) 0,36 mg Eisen pro l enthĂ€lt, deren Eisengehalt aber in einzelnen Brunnen bis zu 0,78 mg ansteigt. Mit der erfolgten Erweiterung der Wassergewinnung nach SĂŒdosten im Jahre 1900 und 1902 nahm auch der Eisengehalt zu, und einzelne Brunnen liefern Wasser mit einem Eisengehalt bis zu 1,85 mg
Eisen pro 1. Im Sammelbrunnen mischen sich die Wasser verschiedenen Eisengehalts, und mithin hat das Wasser des Sammelbrunnens - soweit eine Eisenausscheidung nicht schon in den Heberleitungen stattgefunden hat - den Durchschnittsgehalt an Eisen sĂ€mtlicher angeschlossener Brunnen. Zahlreiche Eisenbestimmungcn des Sammelbrunnenwassers haben ergeben, daß im Mittel das Wasser 0,25 mg Eisen pro 1 enthĂ€lt. Trotz dieses geringen Eisengehalts ist die Errichtung einer Enteisenungsanlage erforderlich geworden, da die Ausscheidungen betrĂ€chtlich und störend waren, ĂŒberdies eine weitere Zunahme des Eisengehalts zu erwarten ist. Die Enteisenungsanlage ist im Bau begriffen und wird voraussichtlich im Juli 1907 in Betrieb genommen werden können. FĂŒr die Disposition der Anlage waren die nachfolgenden Gesichtspunkte maßgebend: Durch eingehende Versuche im Laboratorium der stĂ€dtischen Wasser-, Gas- und ElektrizitĂ€tswerke wurde zunĂ€chst festgestellt, daß das hiesige Leitungswasser schon beim ruhigen Stehenlassen 55 bis 60% seines Eisengehalts verliert; bei kĂŒnstlicher LuftzufĂŒhrung ist es möglich, ca. 97 °/o des ursprĂŒnglich enthaltenen Eisens auszuscheiden, so daß dann nur mehr 0,006 mg Eisen pro 1 bleiben. Das Eisen scheidet sich also leicht aus, und es ist daher erforderlich, um die heutigen MißstĂ€nde (TrĂŒbungen) zu beseitigen, daß eine Eisenausseheidung bis zu ca. 97% in der Enteisenungsanlage selbst stattfindet. In einer Versuchsenteisenungsanlage wurden durch lĂ€ngere Zeit hindurch die gebrĂ€uchlichen Systeme der Enteisenung nach Piefke, Gesten und Bock erprobt, außerdem wurden Versuche mit den Wormser-Filterplatten durchgefĂŒhrt. Auf die Ergebnisse dieser Versuche kann hier nicht nĂ€her eingegangen werden; es war ursprĂŒnglich beabsichtigt, die Piefke'sche Methode hier zur Anwendung zu bringen, weil mit dieser der Erfolg ein vorzĂŒglicher war und die Koksrieseler eine namhafte Entlastung der Filter bewirken. Bei der AusfĂŒhrung wurde jedoch abgesehen, Koksrieseler zu bauen, da nach meiner Ansicht die Appetitlichkeit des Wassers durch die Berieselung ĂŒber Koks, welcher sich mit der Zeit mit Eisenoxydschlamm usw. ĂŒberzieht, leidet. Um jedoch die gute Wirkung der Koksrieseler nicht zu verlieren, wurden Vorfilter angeordnet, welche nach eingehenden Versuchen ebenfalls imstande sind, 50 bis 60% des Eisens auszuscheiden, so daß auch hierbei die Hauptfilter in gleicher Weise entlastet sind; bei der Durchleitung von Wasser durch Sandfilter kann aber die Appetitlichkeit des Wassers nicht leiden, da hierbei dasselbe Material, aus welchem das Wasser gewonnen wird, zur Verwendung gelangt. Die Enteisenungsanlage besteht aus folgenden Teilen:
Die Vorpumpen drĂŒcken das Rohwasser durch eine 600 mm weite Leitung nach dem RieaelergebĂ€ude, welches eine lichte GrundflĂ€che von 13 x 18 m hat und in welchem
das Wasser aus einer Höhe von 3 bis 3,50 m in ein Absatzbassin fallt; durch darin eingebaute WĂ€nde wird der Weg, den das Wasser zu nehmen hat, verlĂ€ngert, damit ein Teil des sich ausscheidenden Eisenoxyds schon hier zurĂŒckgehalten wird; dieses Absatzbassin ist mit Leerlauf, Überlauf und Ablauf versehen. Das belĂŒftete Wasser gelangt durch entsprechend angeordnete Verteilungsleitungen in die Vorfilter, welche zu beiden Seiten des vorher genannten Bassins liegen; jeder dieser beiden Vorfilter besteht aus vier Kammern von je 4,90 x 12 NutzfilterflĂ€che; die Vorfiiter sind mit RĂŒckspĂŒlung eingerichtet, um den abgesetzten Schlamm durch SpĂŒlung beseitigen zu können. Das zum Teil enteisente Wasser lĂ€uft durch die Hauptfilter, d.h. vier voneinander unabhĂ€ngige Sandfilter von je 20 x 25 m = 500 qm FilterflĂ€che, um sich in zwei Reinwasserreservoirs von je 2000 cbm Nutzinhalt zu sammeln. SĂ€mtliche Rohrleitungen inkl. Schieber sind in begehbaren KanĂ€len untergehmcht und lassen die beliebige Ein- und Ausschaltung der einzelnen Anlageobjekte zu. Die Filter, ReinwasserbebĂ€lter und das Absatzbasain sind aus Beton hergestellt, das aufgehende resp. sichtbare Mauerwerk ist in Zementmauerwerk mit Backsteinfassaden hergestellt. Zur Erhaltung einer gleichbleibenden Temperatur ist die gesamte Enteisenungsanlage mit Erde 1,50 m hoch ĂŒberdeckt. Aus dem ReinwasserhehĂ€lter entnehmen die Druckpumpen das Wasser, nachdem dieses vorher noch einen Reinwasserbrunnen von 4 m Lichtweite und 8,50 tu Tiefe passiert hat, welcher den Zweck hat, die 150 m lange Saugleitung zu unterteilen und die jederzeitige tadellose Beschaffenheit des Wassers, also auch das Funktionieren der Enteisenungsanlage, durch bloßen Augenschein konstatieren zu können. Der Reinwasserhrunnen ist deshalb durch Überbauung zugĂ€nglich gemacht und mit natĂŒrlicher und kĂŒnstlicher (elektrischer) Beleuchtung versehen. Die Filter, ReinwasserbehĂ€lter und der Reinwasserbrunnen haben Überlauf und Leerlauf; fĂŒr den tiefliegenden Leerlauf der ReinwasserbehĂ€lter ist mangels einer genĂŒgend tief liegenden Kanalisalionsanlage eine elektromotorisch angetriebene Überpumpstation vorgesehen.
QUELLE[Journal fĂŒr Gasbeleuchtung 50 (1907) 581]


ZEIT1907
THEMAZuleitungen
TEXTVon der Pumpstation gehen zwei Zuleitungen von je 600 mm Lichtweite zur Stadt. Diese RohrstrĂ€nge sind durchweg mit rund 2 m Deckung verlegt und bestehen aus gußeisernen Muffenröhren, welche in ĂŒblicher Weise mit Blei und Strick verdichtet sind. Die eine dieser Zuleitungen, welche schon bei der Erbauung des Werkes erstellt wurde und ca. 7000 m lang ist, durchquert zunĂ€chst den Vorort KĂ€fertal, kreuzt die Preußisch-Hessische Staatshahn, durchschreitet den Neckar mittels zweier DĂŒker von je 550 mm Durchmesser und wendet sich dann dem Wasserturm zu, nachdem die Leitung bereits unterwegs Wassner abgegeben hat. Die DĂŒkerrohre sind als krĂ€ftige, schmiedeeiserne, genietete Flanschrohre ausgefĂŒhrt, liegen im Flußbett in einem Abstand von ca. 10 m und sind ca. 2 m in die Bettsohle versenkt. Die Verlegung der DĂŒker erfolgte in der Weise, daß die Rohrleitung auf FlĂ¶ĂŸen fertig montiert, geprĂŒft und mittels der FlĂ¶ĂŸe direkt in das Profil eingefahren wurde; von da aus erfolgte das Versenken in dem vorher sorgfĂ€ltig ausgebaggerten Rohrgraben. Am linken Neckarufer ist im Anschluß au den DĂŒker ein besonderes Bauwerk ausgefĂŒhrt, welches die Wechselschieber aufnimmt. Am Wasserturm ist ein Kanalanschluß vorgesehen, welcher gestattet, bei abgesperrtem HochbehĂ€lter zur SpĂŒlung der Zuleitung das Wasser direkt in die Kanalisation abzufĂŒhren. Die zweite Zuleitung ist anlĂ€ĂŸlich der Haupterweiterung des Wasserwerks in den Jahren 1905/07 verlegt worden und nimmt ihren Weg von der Pumpstation nach dem Vorort Waldhof, von da nach dem zweiten Wasserturm am Industriehafen, um im weiteren Verlauf durch die Waldhofstraße, BĂŒrgermeister-Fuchs-Straße, ĂŒber die zweite NeckarbrĂŒcke, durch die Dalbergstrafso und den Luisenring in das Stadtrohrnetz einzumĂŒnden. Die zweite Zuleitung hat ebenfalls 600 mm l.W. von der Pumpstation bis zur zweiten NeckarbrĂŒcke; in die BrĂŒcke sind zwei StrĂ€nge von je 350 mm l.W. eingebaut, welche sich auf der Stadtseite wieder zu einer Leitung von 500 mm vereinen. Durch die beiden Zuleitungen wird das große Behauungsgebiet zwischen KĂ€fertal, Waldhof und Neckarstadt in vorzĂŒglicher Weise versorgt Die Druckverteilung wird auch bei spĂ€terer vollstĂ€ndiger Bebauung eine sehr gute sein. In beiden Zuleitungen sind an entsprechenden Punkten Achsenschieber eingebaut, außerdem ist fĂŒr die SpĂŒlung der RohrstrĂ€nge durch Hydranten und LeerlĂ€ufe Vorsorge getroffen.
QUELLE[Journal fĂŒr Gasbeleuchtung 50 (1907) 581]


ZEIT1907
THEMAHochbehÀlter
TEXTZur Begrenzung des Förderdruckes sowie zum Ausgleich der Konsumschwankungen ist ein HochbehĂ€lter von 2000 cbm Inhalt am Friedrichsplatz errichtet. Der Turm selbst ist als Monumentalbau - entsprechend seiner Lage - nach dem preisgekrönten Entwurf des Architekten Gustav Halmhuber, Berlin, ausgefĂŒhrt. Der Waaserturm hat ein in Beton ausgefĂŒhrtes Fundament, dessen Unterkante ca. 7 m unter Terrain liegt Das StĂŒtzmauerwerk ist im unteren Teil als Bruchstein-, im oberen Teil als Backsteinmauerwerk ausgefĂŒhrt, und es sind die Abmessungen so gewĂ€hlt, daß die spezifische Belastung in allen Querschnitten dieselbe ist. Die Außenfassade weist besten grauen Sandstein auf. Das Dach ist mit Kupfer auf Holzschalung gedeckt und wird von einer den Turmquerschnitt frei ĂŒbenspannenden schmiedeeisernen Konstruktion getragen. Der 2000 cbm fassende BehĂ€lter ist aus Schmiedeeisen ausgefĂŒhrt, hat ca. 16 m Durchmesser und 8 m Höhe; sein Boden ist als durchhĂ€ngende Kugel mit einem Gegenkegel ausgebildct. SĂ€mtliche Teile der Bodenkonstruktion werden nur auf Zug beansprucht, das Gewicht des BehĂ€lters wird mittels der Stelzenlager vertikal auf das StĂŒtzmauerwerk ĂŒbertragen; der BehĂ€lter ist von allen Seiten frei und zugĂ€nglich. Im Inneren des Turms ist eingebaut eine breite Treppe vom Haupteingang bis zum Podium unterhalb des Bassins, von da fĂŒhrt eine Wendeltreppe zwischen BehĂ€lter und Turmwand zum oberen, um BehĂ€lterrand montierten Umgang; der BehĂ€lter selbst ist durch eine BrĂŒcke quer ĂŒberspannt, welche eine teilweise in die Dachkonatruktion eingebaute Wendeltreppe stĂŒtzt, welche nach der Turmlaterne mit Aussichtsumgang fĂŒhrt. In dem unter Terrain liegenden Hohlraum des Turmmauerwerks befindet sich der schmiedeeiserne VerteilungskĂ€sten in welchem einerseits die Hauptzuleitung mĂŒndet und auf welchem sich anderseits die 600 mm weite Steigleitung fĂŒr den HochbehĂ€lter, welche gleichzeitig als Fallrohr dient, aufsetzt; vom Teilkasten zweigen ferner das Stadthauptrohr von 750 mm l.W. und einige Nebenleitungen ab. Durch eine Umgehungsleitung wird es ermöglicht, mit Umgehung des Wasserturms direkt in das Rohrnetz Wasser zu fördern. Der BehĂ€lter ist außerdem mit Leerlauf- und Überlaufleitung von 300 mm 1.W. versehen. Die Höhe des BehĂ€lters ist so gewĂ€hlt, daß ein Druck von 36 m ĂŒber Straßenniveau im Stadtrohrnetz vorhanden ist. Ein zweiter Wasserturm von 2000 cbm Bassininhalt ist in AusfĂŒhrung begriffen, die Konstruktion des BehĂ€lters wird in Schmiedeeisen erfolgen, die Überlaufhöhe im Reservoir entspricht dem am Standort des Turms vorhandenen Betriebsdruck der zweiten Zuleitung bei Vollbetrieb und wird rund 5 m höher als im BehĂ€lter I angeordnet werden. Die Ă€ußere Ausstattung wird in einfacher Weise erfolgen, fĂŒr die UnterstĂŒtzung des BehĂ€lters und fĂŒr die Ummantelung werden getrennte Mauerwerkskonstruktionen aufgefĂ€hrt.
QUELLE[Journal fĂŒr Gasbeleuchtung 50 (1907) 583]


ZEIT1907
THEMAVerteilungsrohrnetz
TEXTDie Verteilung des Wassers erfolgt durch die an die Hauptzuleitung direkt an geschlossenen Verteilungsleitungen. Das mit Wasser versorgte Gebiet teilt sich der Hauptsache nach in drei Teile, und zwar:
1. in die innere Stadt mit dem Jungbusch, der östlichen Stadterweiterung und der Schwetzingerstadt;
2. in das am rechten Neckarufer gelegene Gebiet, nÀmlich die Neckarstadt und die Vororte Waldhof und KÀfertal;
3. in die jenseits der Bahn gelegenen Stadquartiere, nÀmlich der Lindenhof-Stadtteil und der Vorort Neckarau.
Jedes dieser drei Gebiete hĂ€ngt durch weitverzweigte Leitungen zusammen, außerdem gehen die HauptstrĂ€nge durch alle Versorgungsgebiete. FĂŒr die spĂ€tere Erweiterung ist eine ErgĂ€nzung des Rohrnetzes vom Lindenbof und von Neckarau in der Weise gedacht, daß eine weitere direkte Hauptzuleitung von SĂŒdosten nach der Innenstadt gefĂŒhrt wird. Das gesamte Verteilungsnetz ist als vollstĂ€ndiges Zirkulationsrohrnetz unter möglichster Vermeidung einzelner EndrohrstrĂ€nge angelegt. Bei Rohrfahrten von grĂ¶ĂŸerem Durchmesser sind fĂŒr die Zwecke der Wasserabgabe ParallelstrĂ€nge von 80 bis 150 mm Lichtwoite vorgesehen, um die Anbohrung der groben Rohre zu vermeiden. Zur Betriebssicherheit sind im Rohrnetz Schieber eingebaut, welcher jede einzelne Straßenstrecke oder Gruppe von Straßenstrecken abgesperrt werden kann. Zur öffentlichen Wasserabgabe ist das Verteilungsnetz mit Unterflurhydranten ausgerĂŒstet, welche in AbstĂ€nden von ca. 80 m stehen; hat die Anlage an einzelnen Stellen besondere KanalablĂ€sse, welche den alljĂ€hrlich in grĂ¶ĂŸerem Maßstabe durchgefĂŒhrten RohrnetzspĂŒlungen dienen. An besonders frequentierten Straßen sind endlich noch öffentliche Ventilbrunnen aufgestellt.
Die Gesamtanlage des Verteilungsrohrnetzes einschließlich der Hauptleitungen von der Pumpstation nach der Stadt umfaßte Ende 1906 ca. 165.160 lfd. m Rohrleitungen von 80 bis 750 mm Lichtweite, welche durchschnittlich mit 1,60 m Deckung verlegt wurden; eingebaut sind zusammen 1178 Schieber und 1318 Hydranten. Das Rohrnetz, Schieber und Hydranten verteilen sich wie folgt:
a) I. Hauptzuleitung: 10.230 m Rohrleitung mit 50 Schiebern und 22 Hydranten;
b) II. Hauptzuleitung. 7.280 m Rohrleitung mit 30 Schiebern und 14 Hydranten;
c) Stadtrohrnetz: 115.520 lfd. m Rohrleitung mit 866 Schiebern uud 1048 Hydranten;
d) Vorort Neckarau: 14.350 lfd. m Rohrleitung mit 75 Schiebern und 126 Hydranten;
e) Vorort KĂ€fertal: 6.300 lfd. m Rohrleitung mit 34 Schiebern und 47 Hydranten;
f) Vorort Waldhof: 5.640 lfd. m Rohrleitung mit 35 Schiebern und 61 Hydranten.
An das Verteilungsrohrnetz angeschlossen sind:
1. in der Stadt Mannheim rund 6925 HÀuser und Liegenschaften, 16 öffentliche Pissoirs, 17 FontÀnen und 65 Ventilbrunnen;
2. in der Vorstadt Neckarau 790 Liegenschaften und 9 Ventilbrunnen;
3. in der Vorstadt KĂ€fertal 346 HĂ€user und 6 Ventilbrunnen;
4. in der Vorstadt Waldhof 133 Liegenschaften und 1 Ventilbrunnen.
Der Anschluß der einzelnen Konsumstellen an die gußeisernen Verteilungsleitungen erfolgt durchgĂ€ngig unter Anbohrung mittels Ventilrohrschellen. Die Zuleitungen von diesen bis zu den Wassermessern sind als verzinkte, schmiedeeiserne Leitungen, die als Rostschutz in HolzkanĂ€le eingepecht werden, verlegt. Die Abgabe von Wasser an Private erfolgt nur durch Wasaermesser, von denen zur Zeit rund 7000 StĂŒck in den Dimensionen von 7 bis 200 mm Lichtweite in Verwendung sind; der Hauptsache nach sind FlĂŒgelradwassermesser eingebaut, zum Teil sind auch Scheibenwassermesser in Verwendung.
QUELLE[Journal fĂŒr Gasbeleuchtung 50 (1907) 584]