Felten & Guilleaume Carlswerk Actien-Gesellschaft

Allgemeines

FirmennameFelten & Guilleaume Carlswerk Actien-Gesellschaft
OrtssitzKöln
OrtsteilMülheim
StraßeSchanzenstr. 28
Postleitzahl51061
Art des UnternehmensSeil-, Kabel- und Fernmeldewerk
AnmerkungenBesitzer (um 1892): Theod. Guilleaume; Dampfbetrieb. Vorher als "Felten & Guilleaume" (ohne Zusatz "Carlswerk"); siehe diese auch als Hanfspinnerei und Tauwerksfabrik. Um 1908: "Felten & Guilleaume-Lahmeyerwerke Actien-Gesellschaft" mit Sitzen in (Köln-)Mülheim und Frankfurt am Main (s.d.; die ehemaligen "E.A.G. vorm. Lahmeyer"). Firmenzeichen: "im Kreis eine Neptuns-Gabel mit "F. G.", unten "NEPTUN") oder "FGF" (in Raute, diese in schwarzem Rechteck); auch ähnlich, im Kreis. Auch Werke in Budapest (Rüstungs-Kürzel: "mek") und Bruck an der Mur ("alk"). 1888: Mech. Hanfspinnerei, Bindfaden-Fabrik & Hanfseilerei. PLZ unsicher. Vergl auch 1943 : "Felten & Guilleaume Carlswerk Eisen und Stahl, Aktiengesellschaft" und: "Felten & Guilleaume-Eschweiler Draht Aktiengesellschaft" beide in Köln-Mülheim. Seit 1981 zu Philips
Quellenangaben[Reichs-Adreßbuch (1900) 2402] [Seibt: Bezugsquellennachweis (um 1930) 99] [Bezugsquellennachw dt Elektr-Ind (1937) 172] [Dt. Elektro-Adreßbuch (1940) 205] [Adressbuch Elektr.-Branche (1892) 54]
Hinweise[50 Jahre Kölner Bezirksverein des VDI (1911) 191]: Drahtfabrik; [192]: Drahtwalzwerk; [193]: Drahtwalzwerk; [194]: Produktionsanlage; [195]: Gießerei; [196]: Verseilmaschine; [197]: Straßenbrücke über die Argen bei Langenargen (gebaut 1896-97)




Unternehmensgeschichte

Zeit Ereignis
1826 Gründung der Hanfseilerei als offene Handelsgesellschaft durch Johann Theodor Felten, dem Besitzer einer Seilerei, und seinen Schwiegersohn Franz Carl Guilleaume für die Herstellung und den Vertrieb von Seilerwaren. (auch mit 1824 angegeben)
1827 Nach dem Tode Feltens führt F. C. Guilleaume das Geschäft allein weiter.
1838 Theodor Guilleaume nimmt zu den Hanfseilen die Herstellung von Eisendrahtseilen auf und fügt dem ersten Betrieb im "Rosenthal" in Köln die Seilerkolonie "Theodorshöhe" in Linderheide bei Wahn hinzu. Dort können längere Drahtseile als in Köln angefertigt werden.
15.08.1842 Ein neues aus Straßburger Kern-Schleißhanf gefertigtes Seil (Gewicht: 120 Ztr., 34 Pfund = 6.017 kg wird bei der geneigten Ebene Erkrath-Hochdahl aufgelegt. Es kostet fast 3.000 Thaler, entspricht aber den Erwartungen der Bahndirektion nicht.
1845 Gründung einer Seilerkolonie auf der Linderhaide bei Wahn
1850 Bei dem Bau der unterirdischen Linie Berlin-Köln im Frühjahr 1849 hat Theodor Guilleaume Gelegenheit, mit Werner Siemens zusammenzukommen und die neuen Leitungen kennen zu lernen. In dem strebsamen jungen Fabrikanten entsteht der Wunsch, derartige Leitungen auch in seinem Betrieb anzufertigen. Das baldige allgemeine Versagen der ersten unterirdischen Leitungen veranlaßt ihn, auf Verbesserungen zu sinnen. Als die durch den Rhein bei Köln gelegten Guttaperchaadern trotz der vorgelegten starken Schiffskette mehrfach einschließlich der Gelenkrohre zerrissen werden, weil die Kette nach und nach versandet, so daß die Schiffsanker darüber hinweggleiten, verhandelt die preußische Telegraphenverwaltung mit Felten &. Guineaume über die Lieferung eines Drahtseils als Ersatz für die Kette. Theodor Guilleaume kommt auf den Gedanken, die Kabel wie Drahtseile, mit den er vertraut ist, zu gestalten, und schlägt um 1850 vor, die Guttaperchaadern zur Seele eines Drahtseils zu machen, also ein bewehrtes Kabel zu legen. Wegen der Kosten geht man auf diesen Vorschlag zunächst nicht ein.
1850 Theodor Guilleaume bietet der Preußischen Telegaphenverwaltung an, ihre zur Kreuzung des Rheines bestimmten Guttapercha-Adern zum Schutz gegen Schiffsanker in die Seele eines Drahtseiles einzuseilen. - Die Verwaltung geht erst später darauf ein.
1853 Theodor Guilleaume d.Ä. fügt seinem Unternehmen immer weitere Betriebszweige hinzu, vor allem 1853 die Herstellung von Telegraphenkabeln, mit denen er die verschiedensten europäischen Staaten beliefert.
1853 Die Firma Felten & Guilleaume nimmt die Herstellung von Telegraphenkabeln auf, legt ein 3adriges Guttaperchakabel mit Litzendrahtbewehrung durch den Rhein bei Köln und liefert Kabel für die Kreuzung der Weichsel und Nogat an die Ostbahn.
1853 Zwei sechsadrige Flußkabel von "Felten & Guilleaume Rheinkabel" werden bei Worms in eisernen Muffenrohren verlegt.
1853 Als Christine Guilleaume 1853 stirbt, übernehmen ihre Söhne Theodor und Karl August das Geschäft zunächst gemeinsam.
1853 Theodor Guilleaume verfolgt seinen Plan für ein Drahtseil-bewehrtes Guttapercha-Kabel weiter, stellt in Theodorshöhe eine Drahtseilmaschine auf, richtet eine Verzinkerei ein und fängt an, dort Telegraphenkabel für unterirdische und Unterwasserlinien herzustellen. Die Guttaperchaadern bezieht er aus England, verseilt sie und versieht sie mit einem Jutepolster und einer Bewehrung aus Eisendrahtlitzen, an die er durch die Drahtseile gewöhnt ist. Für Seekabel verwendee er einzelne stärkere Rundeisendrähte statt der Litzen.
1853 Als die Linie von Berlin bis Verviers durch eine oberirdische ersetzt wird, liefert Guilleaume ein dreiadriges Kabel für die Rheinkreuzung. Nach einer im Archiv der Siemens & Halske A.G. erhaltenen Querschnittszeichnung haben die Leiter aus Runddraht 2,2 mm Durchmesser und waren mit 3 Lagen Guttapercha bis zu einem Durchmesser von 6,8 mm isoliert. Die verseilten Adern sind mit zwei Lagen Jute bewickelt. Die Bewehrung besteht aus 10 Eisendrahtlitzen, bei denen 5 Drähte von 3 mm Durchmesser um einen mittleren 2 mm dicken Draht verseilt sind. Das Kabel hat einschließlich der äußeren Bekleidung einen Durchmesser von 36 mm. Dieses ist das erste in Deutschland hergestellte bewehrte Guttapercha-Flußkabel, wohl auch das erste auf dem europäischen Festland überhaupt.
1853 Siemens bezieht seine Kabel seit 1853 von Felten & Guilleaume.
1853 Einrichtung einer Verzinkungsanstalt, der ersten Drahtverzinkerei auf dem Kontinent
ab 1853 Die Firma liefert in größerer Zahl Flußkabel, kürzere Seekabel und Erdkabel zum Ersatz oberirdischer Stadtleitungen
08.1853 Felten & Guilleaume liefern Telegraphenkabel für die Kreuzung der Weichsel und Nogat an die Kgl. Eisenbahndirektion der Ostbahn.
1854 Felten & Guilleaume liefern 33 km Flußkabel für Rußland an Siemens & Halske
Anfang Januar 1854 Als Werner Siemens den Bau der oberirdischen Telegraphenlinie Petersburg-Warschau für die russische Regierung übernommen hatte, erfährt er von den Kabeln der Firma Felten & Guilleaume und bezieht Anfang 1854 von ihnen für die Durchschreitung der verschiedenen Flüsse rd. 33 km Flußkabel, mit denen er gute Erfahrungen macht. Durch die Weichsel bei Warschau wird ein vieradriges Kabel gelegt, das mit 11 Drahtlitzen. bewehrt ist und einen Durchmesser von 40 mm hat; die Bauart isr die gleiche wie beim Rheiiakabel. Außerdem wird ebenda ein einadriges, etwas schwächeres Kabel gelegt: Isolation 2 Lagen Guttapercha bis 4,8 mm Durchmesser, bewehrt mit 11 Runddrähten von 3,4 mm Stärke, Kabeldurchmesser 19 mm.
1854 Felten & Guilleaume veröffentlichen einen Aufsatz mit einer ausführlichen Beschreibung der Bauart und der Herstellung ihrer "Telegraphen- Seile für unter Wasser fortzuführende Leitungen". Darin wird ein vieradriges Kabel mit einer Bewehrung aus 9 Drahtlitzen abgebildet. Als Vorteil der Litzen gegenüber den Volldrähten wird angeführt, daß das Kabel dadurch biegsamer wird, und daß ein etwaiger Bruch eines oder mehrerer Litzendrähte infolge Materialfehlers den Bestand des Kabels nicht gefährdet. Kabel mit einer Bewehrung aus Volldrähten werden wegen des geringeren Preises für Seekabel empfohlen.
1854 Werner Siemens beabsichtigt, die von Felten & Guilleaume bezogenen Flußkabel für die oberirdische Kabellinie Warschau-Petersburg durch seinen "Maulwurfspflug" in das Flußbett einzubaggern. In seinem Briefe vom 21. Januar 1854 schreibt er: "Durch einen Pflug wollen wir den Draht 3 Zoll unter Grund des Flusses einfügen, was nicht schwierig sein wird, da keine Steine in der Weichsel sein sollen. Ich möchte dasselbe bei den übrigen Flüssen anwenden. Der Pflug nach unserem englischen Patent konstruiert."
1855 Flußkabel für die Elbe bei Pillnitz von Felten & Guilleaume
1855 Die sächsische Regierung erhält ein Flußkabel für die Elbe bei Pillnitz, das nach einer Bescheinigung der Sächsischen Telegraphen-Direktion vom 23. November 1858 sich "vollkommen gut bewährt hat, nachdem es sowohl durch Eisgang, als auch durch große Holzflöße den härtesten Proben ausgesetzt gewesen war".
1856 In München werden 3 km 8adrige Guttaperchakabel von Felten & Guilleaume als Stadtleitung gelegt.
1856 Die bayrische Regierung ist genötigt, die im Jahre 1850 gelegten Guttaperchaadern in München, die unbrauchbar geworden waren, im Jahre 1856 durch Guttaperchakabel zu ersetzen. Sie wählt dafür achtadrige Kabel von Felten & Guilleaume mit 18 Bewehrungsdrähten und legt davon zunächst 8 Kabel von zusammen 9520 rhein. Fuß (rd. 3 km) Länge. 1857 bestellte sie zwei gleichartige Kabel von je 1,07 km Länge (Anlage 4 Nr. 7). In einem weiteren Schreiben vom 10. Oktober 1859 bestätigt das Kgl. Bayrische Telegraphenamt, daß diese Kabel "nicht die mindeste Veränderung erlitten haben und, wie aus den wiederholten Untersuchungen hervorgegangen ist, noch so vollständig isoliert sind, wie bei deren Einlegung".
1856 In einer Veröffentlichung von 1856 wird neben dem vieradrigen Kabel, jetzt mit 11 sechsdrähtigen Litzen bewehrt, ein zehnadriges Kabel abgebildet: 4 verseilte Adern bilden die Seele, darum sind 6 je mit 12 Rundeisendrähten bewehrte Adern als Außenlage verseilt. Außerdem ist ein sechsadriges Kabel mit einer Bewehrung aus 11 Rundeisendrähten wiedergegeben.
1856 Dem zunehmenden Absatz an Kabeln muß sich die Erweiterung der Werkseinrichtungen anpassen. Das Bestreben der Firma geht vor allem dahin, alle für die Kabelherstellung notwendigen Rohstoffe immer mehr im eigenen Betriebe zu erzeugen oder wenigstens möglichst weitgehend selbst vom Rohstoff in die endgültige Form zu bringen. 1856 wird eine Maschine zur Herstellung von Kupferdrahtlitzen beschafft.
07.1856 Zwei Rheinkabel und zwei bewehrte Erdkabel in Köln von Felten & Guilleaume
07.1856 In Köln werden zwei bewehrte Flußkabel von Felten & Guilleaume durch den Rhein am Thürmchen und zwei bewehrte Erdkabel vom Trankgassentor durch die Trankgasse zu der Zentral-Telegraphenstation verlegt
1857 Nach der Trennung von seinem Bruder baut Theodor Guilleaume ein neues Fabrikgebäude in Rosenthal und richtet dort eine Drahtzieherei ein
1859 Guttaperchakabelnetz, 16 km, für die Festungen Koblenz und Ehrenbreitstein, Lieferer Felten & Guilleaume
1859 Ein Draht-Schnellwalzwerk kommt hinzu.
1859 In den Festungen Koblenz und Ehrenbreitstein werden zur Verbindung des Gouvernementsgebäudes mit den Außenforts Erdkabel von Felten & Guilleaume in einer Länge von 16 km 90 bis 120 cm tief gelegt. Zwischen Koblenz und Ehrenbreitstein kreuzt den Rhein auch ein Flußkabel für die allgemeinen Telegraphenlinien.
20.09.1859 Zwei siebenadrige Erdkabel von Felten & Guilleaume in Köln gelegt.
20.09.1859 Es werden in Köln zwei siebenadrige Telegraphen-Erdkabel von je 267 in Länge von Felten & Guilleaume für die Verbindung der am 20. September 1859 nach dem Obergeschoß des Zentralbahnhofs-Gebäudes verlegten Zentralstation mit der oberirdischen Linie am Festungsgraben beim Eigelsteindurchbruch verlegt: Kupferleiter l,22 mm dick, Volldraht, Aderdurchmesser 4,6 mm, Bewehrung aus 13 verzinkten Rundeisendrähten von 4,35 mm Durchmesser;
01.01.1860 Franz Carl Guilleaume tritt als Teilhaber in die Firma Felten & Guilleaume ein
1860 Zwei vieradrige Guttaperchakabel von Felten & Guilleaume für die Elbkreuzung in Hamburg.
1860 Infolge Verkehrssteigerung müssen die Kabel der Telegraphenleitung Hamburg - Harburg verdoppelt werden. Neue vieradrige Kabel, in der Norderelbe 470 m, durch die Süderelbe 565 m lang, werden von Felten & Guilleaume geliefert: Leiter vierdrähtige Litze von 2,2 mm Durchmesser, durch zwei Lagen Guttapercha bis 6,8 mm isoliert; Bewehrung 10 unverzinkte runde Walzeisendrähte 9,4 mm dick; Kabeldurchmesser 38,5 mm (Bild 11). Frischen erwähnt lobend, daß "die Eisendrähte das Kabel sehr fest umschließen und keinen Raum zwischen sich lassen; es hat überhaupt kein einziger Fehler in dem ganzen Kabel sich gezeigt". Auch diese Kabel werden im Winter 1860/61 durch Grundeis an die Oberfläche gehoben, aber nicht beschädigt.
01.07.1860 bis 31.08.1860 Felten & Guilleaume liefern und legen im Sommer ein Seekabel durch die Zuidersee.
1862 Felten & Guilleaume liefern die Seekabel Spalato-Lesina-Lissa-Halbinsel Sabioncello Curzola an Österreich.
1864 Von 1864 an werden in der Schweiz jedes Jahr kürzere oder längere Telegraphenkabel gelegt, die in erster Linie von Felten & Guilleaume bezogen werden und sich bewähren. Die Landkabel werden teils unmittelbar in die Erde eingegraben, teils in Holzkanäle oder Sand gebettet; als Abdeckung dienen Ziegelsteine, später Zoreseisen.
01.10.1865 Franz Carl Guilleaume wird alleiniger Inhaber von Felten & Guilleaume.
1867 Es wird der erste Anfang zur mechanischen Seilerwarenfabrik gemacht durch Aufstellung von Polier- und Zwirnmaschinen
17.03.1867 Bei einer Untersuchung der Uferstrecken des mit Eisendrahtlitzen ummantelten Kabels für die Rheinkreuzung im Zuge der Telegraphenlinie Berlin-Verviers wird festgestellt, daß die Adern völlig gut erhalten sind. Da sich dies Kabel bewährt, kann Th. Guilleaume mit der preußischen Telegraphenverwaltung einen Vertrag abschließen, der ihm für die nächste Zeit die gesamte Lieferung von Kabeln für Stadtleitungen und Flußkreuzungen sichert. Dies ergibt sich auch aus den Übereinstimmenden Bescheinigungen der Preußischen Telegraphen-Direktion und des Reichspostamts von 1854, 1859 und 1883. Alle diese Kabel werden anscheinend ebenso gebaut wie das Rheinkabel.
1869 Franz Carl Guilleaume beschafft weitere Litzenmaschinen
1872 F. C. Guilleaume beschafft größere Drahtseilmaschinen. Aus dieser Zeit ist ein Auszug aus einem Verzeichnis der Telegraphenkabel der Firma erhalten, in dem 16 verschiedene Arten von Erd-, Röhren-, Tunnel-, Fluß- und Seekabeln mit 1, 3, 4 und 7 Adern, sämtlich mit Guttaperchaisolierung, aufgeführt sind. Die Kabelsorten sind durch Bestellnummern bezeichnet; die in dem Auszug enthaltene kleinste Nummer ist 41, die höchste 149. Alle Kabel haben Litzenleiter, meist aus 3 Drähten mit 0,87 mm Durchmesser, zwei Sorten mit Litzen aus 7 Drähten von 0,65 mm Durchmesser. Der Aderdurchmesser beträgt 5,7 bis 7,4 mm. Sie sind durchweg mit Runddrähten sehr verschiedener Zahl und Dicke bewehrt; es gibt auch schon doppeltbewehrte Kabel. Von einem vieradrigen Flußkabel mit dreidrähtiger Leiterlitze, bewehrt mit 10 Runddrähten von 8,7 mm Dicke z. 13. kostete 1 Fuß 22 Sgr. oder 1 m 7 RM. Ein einadriges Erdkabel mit dreidrähtiger Litze, bewehrt mit 11 Runddrähten von 2,6 mm Dicke, kostete 3 Sgr. 2 Pf. je Fuß oder r. 1 RM. je m. Die Bewehrung mit Drahtlitzen scheint aufgegeben worden zu sein.
1872-1874 Da das Gelände in Rosenthal für den stetig wachsenden Betrieb zu klein wird und die Arbeitsbedingungen in Linderheide ungünstig sind, läßt F. C. Guilleaume in den Jahren 1872 bis 1874 das Carlswerk in Mülheim (Rhein) bauen und verlegt dorthin alle Metall verarbeitenden Abteilungen der Firma, vor allem die Drahtzieherei, Drahtseilerei, Verzinkung und die Kabelherstellung.
1872 Der rasche Aufschwung der mechanischen Seilwerwarenfabrik veranlaßt den Bau des Karlswerkes und die Trennung nach den beiden Hauptbranchen, indem das Mülheimer Werk die Drahtabteilung, in Köln die Fabrik Rosenthal die Hanfabteilung erhält.
1873 Den Bau und die technische Leitung des Carlswerks von 1873 bis Ende 1904 hat Emil Guilleaume (* 1. Februar 1846, + 21. April 1913). Die erste größere Beschäftigung dieses neuen Werks ist die Lieferung der Hälfte der Kabel für das große unterirdische Netz der 70er und 80er Jahre. In dieser Zeit gewinnt die Firma noch weitere Beziehungen zum Auslande, gründet Auslandsvertretungen und beginnt mit Lieferungen nach Übersee.
1873 Die Gesellschaft errichtet für die Herstellung von Draht, Drahtseilen, Drahtwaren und Kabeln in Mülheim am Rhein eine Niederlassung.
14.06.1874 Das Carlswerk von Felten & Guilleaume ist voll in Betrieb.
14.06.1874 Das Carlswerk wird voll in Betrieb genommen.
1875 Generalpostdirektor, Dr. Stephan verhandelt mit F. C. Guilleaume wegen einer Telegraphen-Versuchslinie Berlin-Halle und stützt sich bei dem Entwurf der ersten Linie auf dessen langjährige Erfahrungen in der Kabelberstellung. Die Mittel für die Versuchslinie die 1876 gebaut wird, bewilligt der Reichstag; die Linie entspricht allen Erwartungen. Eine sorgfältige Prüfung der Meß- und Betriebsergebnisse, zu der auch Dr. Werner Siemens hinzugezogen wird, ergibt, daß die einmal gewählte Bauart, abgesehen von einer geringfügigen Verstärkung des Kupferleiters, für die weiteren Kabel beibehalten werden kann.
13.03.1876 bis 28.06.1876 Es wird eine Versuchs-Kabellinie Halle (Saale)-Berlin gebaut; Lieferer Felten & Guilleaume
13.03.1876 bis 28.06.1876 Nachdem die Vorlage Stephans vom Reichstag genehmigt wurde, wird das Kabel Halle-Berlin unter Verwendung von Adern der englischen Gutta Percha Company von Felten & Guilleaume angefertigt und in der Zeit vom 13. März bis 28. Juni 1876 von Halle aus 1 m tief gelegt. Zwischen Potsdam und Berlin, 29 km, werden noch ein zweites, zwischen Schöneberg und Berlin, 5,1 km, ein drittes Kabel für spätere Linien mit eingelegt. Durch die Elbe bei Wittenberg und neben zwei Havelbrücken in Potsdam werden Flußkabel gelegt. Für die Legung der Erdkabel wird ein Kabellegewagen mit angehängtem Asphaltierungswagen, der das abrollende Kabel asphaltiert, benutzt. Die Lötstellen und ihre Isolierung fertigen Löter der Gutta Percha Co. Für die Messungen auf der Strecke haben Felten & Guilleaume einen Untersuchungswagen mit den erforderlichen Meßgeräten usw. bauen lassen. Die Legung dieses und der späteren von Felten & Guilleaume gelieferten Kabel leitet der Ingenieur und Elektriker Johann Hausmann.
13.10.1876 Bei dem Umfang der geplanten Telegraphenkabelanlagen beabsichtigt Stephan, sowohl Felten & Guilleaume als auch die Firma Siemens & Halske, und zwar beide zu gleichen Teilen, an der Lieferung zu beteiligen, und unterrichtet Dr. Werner Siemens am 13. Oktober genauer über seine Pläne (Brief Werners an Karl Siemens vom gleichen Tage). Werner Siemens widmet sich dieser Aufgabe mit gewohnter Tatkraft. Ursprünglich beabsichtigt er, die Kabel von der anfangs der 60er Jahre in Woolwich bei London gegründeten Kabelfabrik von Siemens Brothers fertig zu beziehen. Da Dr. Stephan aber darauf Wert legt, daß die Kabel möglichst in Deutschland hergestellt werden, entschließt er sich, in Berlin eine eigene Kabelfabrik einzurichten.
Anfang Dezember 1876 Anfang Dezember 1876 wird in einer abschließenden Verhandlung beim Generalpostamt, an der Dr. W. Siemens und F. C. Guilleaume teilnehmen, vereinbart, daß Felten & Guilleaume die Bauart des Halleschen Kabels beibehalten sollen, u.U. könne der Kupferleiter etwas verstärkt werden. Siemens & Halske sollen ein Kabel Berlin-Hamburg nach dem Muster des Halleschen Kabels liefern, ein zweites, ebenfalls von Berlin nach Hamburg, mit dickerem Leiter und dünneren Bewehrungsdrähten; ein Drittel dieser Siemensschen Kabel sollte in Berlin angefertigt werden.
Anfang Dezeber 1876 Anfang Dezember 1876 wird in einer abschließenden Verhandlung beim Generalpostamt, an der Dr. W. Siemens und F. C. Guilleaume teilnehmen, vereinbart, daß Felten & Guilleaume die Bauart des Halleschen Kabels beibehalten sollen, u.U. könne der Kupferleiter etwas verstärkt werden. Siemens & Halske sollen ein Kabel Berlin-Hamburg nach dem Muster des Halleschen Kabels liefern, ein zweites, ebenfalls von Berlin nach Hamburg, mit dickerem Leiter und dünneren Bewehrungsdrähten; ein Drittel dieser Siemensschen Kabel sollte in Berlin angefertigt werden.
06.03.1877 bis 14.07.1877 Bau des Kabels Halle Leipzig und Halle Kassel-Frankfurt-Mainz; Lieferer Felten & Guilleaume
12.06.1877 Über die Verteilung der Kabellieferungen von Siemens & Halske und Felten & Guilleaume wird ein bis Ende 1882 geltender Vertrag zwischen beiden Firmen geschlossen, der wohl der erste Kartellvertrag über deutsche Fernmeldekabel ist.
12.06.1877 Über die Verteilung der Kabellieferungen von Siemens & Halske und Felten & Guilleaume wird ein bis Ende 1882 geltender Vertrag zwischen beiden Firmen geschlossen, der wohl der erste Kartellvertrag über deutsche Fernmeldekabel ist.
03.09.1877 bis 29.10.1877 Verlegung des Kabels Berlin-Magdeburg; Lieferer Felten & Guilleaume
1878 Felten & Guilleaume liefern siebenadrige Guttaperchakabel für die Prager Stadtleitung.
1878 In Prag werden zwischen dem Hauptamt im Direktionsgebäude bis zum Kabelhaus am Kaiser Franz-Josefs-Bahnhof 0,865 km 10 siebenadrige Erdkabel von Felten & Guilleaume als Stadtleitung 1,43 bis 2,15 m tief gelegt. Elektrische Werte: 6,32 bis 6,51 Q/km, 2300 bis 2700 MegOhm/km, beides bei 15 °C, 0,1823 bis 0,1872 myF/kM.
01.04.1878 bis 23.09.1878 Verlegung des Kabels Magdeburg-Hannover-Köln-Barmen; Lieferer Felten & Guilleaume
15.05.1878 Fr. Schleifenbaum tritt er als Ingenieur beim Carlswerk ein und wird in der Drahtseilerei und Kabelfabrik als Betriebsassistent beschäftigt.
12.10.1878 Vertrag über die Lieferung und Legung des Kabels Köln-Koblenz-Trier-Metz mit Felten & Guilleaume vom 12./8. Okt. 1878. 1879 verlegt
07.02.1879 Der große Bedarf an Guttaperchaadern veranlaßt das Carlswerk, Guttapercha selbst zu verarbeiten und die Adern in Mülheim, herzustellen, um auch darin vom Ausland unabhängig zu werden. Am 7. Februar 1879 verpflichtete sich die Telegraph Construction & Maintenance Co. in London vertragsmäßig, 50 v. H. ihres Bedarfs an Eisen- und Stahldraht für Bewehrungsdrähte von Felten & Guilleaume zu beziehen und im Carlswerk alle Einrichtungen für die Herstellung von Guttaperchaadern zu schaffen.
Ende Februar 1879 Vertrag des Reichspostamts mit Felten & Guilleaume und Siemens & Halske über die Lieferung von Guttaperchakabeln; Normung ihrer Bauart und Benennungen.
01.04.1879 bis 26.06.1879 Verlegung des Kabels Köln-Koblenz-Trier-Metz; Lieferer Felten & Guilleaume
25.06.1879 bis 14.08.1879 Verlegung des Kabels Metz-Straßburg (Elsaß); Lieferer Felten & Guilleaume
25.06.1879 Der Vertrag über die Lieferung und Legung des Kabels Metz-Straßburg (Elsaß) durch Felten & Guilleaume vom 25./28. Juni und 3. Juli 1879. Verlegt 1879
18.08.1879 bis 27.09.1879 Bau des Kabels Koblenz-Mainz; Lieferer Felten & Guilleaume
1880 Felten & Guilleaume stellen Guttaperchaadern, die sie bis dahin aus England bezogen, im Carlswerk her.
1880 Die Herstellung von Guttaperchaadern wird aufgenommen. - Die ersten bewehrten Guttaperchakabel stellt in Deutschland Felten & Guilleaume her. Anfangs werden die Guttaperchaadern aus England bezogen und in Mülheim (Rhein) weiter zu Kabeln verarbeitet.
1880 Mit der Einrichtung der Guttaperchaadern-Fabrik wird begonnen
04.03.1880 Über die Lieferung der Telegraphenkabel Königsberg-Dirschau-Danzig und Danzig-Dirschau-Thorn wird zwischen dem Oberpostrat Maßmann, als Vertreter des Reichspostamts, und der Firma Felten & Guilleaume am 4./10. März 1880 ein Vertrag abgeschlossen. Für die Linie Danzig-Königsberg und die Strecke Danzig-Graudenz (107 km) der Linie nach Thorn werden Kabel mit einer Leiterlitze von 7 x0,7 mm dicken Drähten vorgeschrieben. Bei den Arbeiten an dem Kabel Danzig-Thorn sind eine ganze Anzahl von Arbeitern beschäftigt, die nicht schreiben können; ihre Unterschrift besteht aus drei liegenden oder stehenden, mehr oder weniger kräftigen Kreuzen.
01.05.-07.08.1880 Verlegung des Kabels Thorn-Danzig-Königsberg (Pr.); Lieferer Felten & Guilleaume
24.06.1880 Legung des Telegraphenkabels Stettin-Danzig auf Grund des Vertrages vom 24./22. Juni und 7. Juli 1880 zwischen dem Oberpostrat Maßmann und der Firma Felten & Guilleaume. Die Legung überträgt die Lieferfirma ihrem Ingenieur Gründgens, mit der Überwachung ist der Postrat Heyse betraut. Das Kabel wird am 24. November 1880 durch Dr. Brix und Hausmann abgenommen und durch die Verfügung des Reichspostamts vorn 3. Dezember 1880 für vertragsmäßig erklärt.
09.08.1880 bis 07.11.1880 Bau des Kabels Stettin-Danzig; Lieferer Felten & Guilleaume
1881 Felten & Guilleaume legen ein siebenadriges Guttapercha-Telegraphenkabel und ein einadriges Signalkabel durch den Gotthardtunnel.
1881 Die erste Bleipresse wird aufgestellt
1881 Felten & Guilleaume liefern zwei Guttaperchakabel, für den Gotthardtunnel: ein siebenadriges Telegraphenkabel von 15,2 km Länge an die Telegraphenverwaltung und ein einadriges Kabel von 15,5 km Länge an die Bahngesellschaft für die Glockensignal-Einrichtung der 14 Tunnelkammern. Beide verbinden die Tunnelportale in Göschenen und Airolo. Bauart des Telegraphenkabels: Leiterlitze 7 XO,7 mm, Durchmesser 1,84 mm; zwei Lagen Guttapercha abwechselnd mit Chatterton Compound bis 5,2 mm, Hanfbewicklung jeder Ader bis 7 mm Durchmesser. Die verseilte Seele wird mit zwei Lagen geteerten Hanfs bewickelt, die Bewehrung besteht aus 16 verzinnten Eisendrähten von 4,4 mm Dicke, die Bekleidung aus einer 3 mm dicken geteerten Hanfschicht; der Außendurchmesser beträgt 33 mm, das Gewicht 2500 kg/km, der Kabelpreis 3800 Mark/km., die Gesamtkosten stellen sich auf rd. 96.500 Mark. Elektrische Werte für 1 km bei 15 °C: 7 S.E. (6,59 Ohm), 1000 MegOhm, 0,21 myF. Bauart des Bahnkabels: Ader und Bekleidung wie beim Telegraphenkabel, Bewehrung 12 Drähte je 2,6 mm dick; Kosten rd. 30.000 Mark. Beide Kabel werden 2,4 m oberhalb des Fußpunktes des Schienenunterbaus an der Tunnelwand in einer U-förmigen Rinne aus 4 mm dickem gewalztem Eisenblech mit Holzdeckel, innen und außen mit Teer gestrichen, befestigt; als Träger dienten eiserne Haken in Abständen von 3,75 m.
25.04.1881 Abschluß eines Vertrages über die Legung eines Telegraphenkabels Köln-Jülich-Aachen am 25./21. April/l. Mai 1881 zwischen dem Geheimen Ober-Regierungsrat Hucke für das Reichspostamt durch Felten & Guilleaume. Am 26. Juni wird das letzte Kabelstück in Aachen gelegt, und der dabei anwesende Staatssekretär Dr. Stephan kann die Durchführung seines Planes telegraphisch dem Kaiser Wilhelm 1. und dem Reichskanzler Fürsten von Bismarek melden. Die Abnahmemessung am 31. Juli 1881 und die Messungen nach Ablauf der Gewährfrist am 6. April 1884 durch Dr. Brix und Hausmann ergeben vertragsmäßige Werte.
09.05.1881 bis 26.06.1881 Verlegung des Kabels Köln-Aachen; Lieferer Felten & Guilleaume Ende des ersten Ausbaus des Guttaperchakabelnetzes.
1882 Die Guttaperchaadern-Fabrik kommt in vollen Betrieb. Seit dieser Zeit werden Guttapercha-Land- und -Seekabel einschließlich der Adern vollständig in Deutschland erzeugt.
1883 Die Felten & Guilleaume beginnen, Faserstoffkabel herzustellen, zunächst für Fernsprech- und Starkstromzwecke.
1883 Seit 1883 werden Faserstoffkabel angefertigt.
1883 Felten & Guilleaume beginnen, Kabel mit einer Isolierung von getränktem Hanf oder Baumwollgespinst und Bleimantel, zunächst für Starkstrom- und Fernsprechzwecke, zu entwickeln
1883 Felten & Guilleaume verwendet die Stanniolbewicklung von Einzeladern, benutzt derartige Kabel mit stanniolbewickelten Einzeladern auch als Telegraphenkabel.
08.1884 Zwei Guttapercha-Telegraphenkabel mit drei und sieben Adern und ein einadriges Signalkabel werden von Felten & Guilleaume im Arlbergtunnel gelegt.
01.08.1884 bis 15.08.1884 In der ersten Hälfte des Augusts werden durch den Arlbergtunnel von St. Anton, Tirol, nach Langen in Vorarlberg, 10,27 km, zwei bewehrte Kabel von Felten & Guilleaume, je eines mit 3 und 7 Adern, zwischen den Gleisen und der südlichen Tunnelwand in Holzkästen in den Schotter des Unterhaus gebettet. Ein einadriges Kabel derselben Lieferer zur Verbindung der Läutewerke wird an der nördlichen Tunnelwand in Manneshöhe aufgehängt. Bauart: siebendrähtige Kupferlitze, Isolation Guttapercha, vierfache teergetränkte Jutelage, als Bewehrung 18 verzinkte Rundeisendrähte, Bekleidung geteertes Baumwollband; Außendurchmesser des siebenadrigen Kabels 35 mm. Preise je m: einadrig 60 kr. (r. 1 Mark), dreiadrig 165 kr. (2,80 Mark), siebenadrig 185 kr. (3,14 Mark).
07.07.1885 Die Versuche beginnen, das Feuerschiff "Außenjade" durch Seekabel mit dem Festland zu verbinden; dabei werden Kettenschäkel und Kabel verschiedener Bauart von Felten & Guilleaume verwendet.
1886 Es werden Gummiadermaschinen beschafft, und es wird die Herstellung von Kupfer aufgenommen: eine Kupferschmelze, ein Kupferwalzwerk und eine Kupferdrahtzieherei werden angelegt.
1887 Tod von Franz Carl Guilleaume
1888 Theodor Guilleaume d.J. übernimmt nach dem Tode seines Vaters die Firma Felten & Guilleaume
1888 "Felten & Guilleaume" verlegt das erste größere städtische Leitungsnetz in Barmen. - In einigen Jahren werden über 100 Zentralen mit Kabeln des Unternehmens ausgebaut.
1889 Verlegung des Kabels Karlsruhe-Stuttgart; Lieferer Felten & Guilleaume
1889 Württemberg wird an das Telegraphennetz durch ein Kabel Karlsruhe-Stuttgart angeschlossen. Felten & Guilleaume liefern auf Grund des Vertrages vom 6./4./25. September 1889 der Reichstelegraphenverwaltung 38,247 km Kabel für die Strecke von Karlsruhe bis zur badischen Grenze bei Enzberg und auf Grund eines Vertrages mit der Generaldirektion der Württembergischen Posten und Telegraphen vom 12./1. Oktober 1889 41,93 km Kabel für die Fortsetzung von Enzberg bis Stuttgart. Die Gesamtkosten betragen für jede Verwaltung r. 200 000 Mark.
1889 "Felten & Guilleaume" liefert ein Untersee-Telefonkabel mit Guttapercha-Adern, 45 km lang, für Buenos Aires
1890 Eine Kupfer-Raffinerie wird angelegt, gleichzeitig ein Walzwerk für Kupferwalzdraht und Stangenkupfer.
01.01.1890 Umwandlung der Mülheimer Firma in eine Aktiengesellschaft
1891 Verlegung eines Kabels Straßburg-Mülhausen (Elsaß); Lieferer Felten & Guilleaume
22.07.1891 Telegraphenkabel Straßburg-Mülhausen (Elsaß). Für diese Linie werden durch den Haushaltsplan 1891/92 750 000 Mark außerordentlich bewilligt. Das Kabel wird von Felten & Guilleaume auf Grund eines Vertrages vom 22./18./28. Juli 1891 geliefert und gelegt.
1892 Schleifenbaum übernimmt die Leitung der Abteilungen Drahtseilerei und Kabelwerk im Carlswerk
1892 Es werden Papier-Luftraumkabel eingeführt. Dadurch wird die Kapazität auf ein bisher unerreichtes Maß hinabgedrückt.
17.02.1892 Max Guilleaume tritt als Teilhaber in die Firma Felten & Guilleaume ein und führt zusammen mit seinem Bruder Theodor das Kölner Werk.
17.02.1892 Die Zweigniederlassung Mülheim (Carlswerk) (Drahtseilfabrik) wird unter der Firma "Felten. & Guilleaume" in Mülheim am Rhein verselbständigt und in eine selbständige Handelsgesellschaft umgewandelt.
13.04.1892 Telegraphenkabel mit imprägniertem Papier und Luftraum besonderer Bauart von Felten & Guilleaume nach D.R.P. Nr. 65 311 v. 13.04.1892 werden von Reichs-Telegraphenverwaltung bis 1902 verwendet.
1893 Max Guilleaume gründet mit seinem Bruder Theodor die Handelsgesellschaft Felten & Guilleaume in Wien und Budapest.
1893 Die Kabelfabrik von Felten & Guilleaume in Wien wird gegründet.
1893 In Wien wird eine Tochtergesellschaft gegründet, die die Herstellung der Kabel für ihr Land übernimmt. (Weitere Tochtergesellschaft in Budapest)
01.09.1893 bis 31.10.1893 Ein siebenadriges Guttapercha-Telegraphenkabel, ferner vier- und fünfadrige Sonderkabel werden von Felten & Guilleaume durch den Gotthardtunnel gelegt.
02.1894 Das Reichspostamt beginnt im Februar mit Felten & Guilleaume über ein deutsch-amerikanisches Seekabel zu verhandeln.
17.08.1894 Erste deutsche Konzession an Felten & Guilleaume für ein Seekabel nach Nordamerika.
23.08.1894 bis 13.09.1894 Kabelbetriebsvertrag am 23. 8./13. 9. zwischen Reichspostamt und Felten & Guilleaume über das geplante deutsch-amerikanische Seekabel.
04.10.1894 Die englische Telegraphenverwaltung lehnt Anträge des Reichspostamt und von Felten & Guilleaume wegen einer Zwischenlandung des geplanten deutsch-amerikanischen Seekabels in Porthcurno ab und läßt sich auch durch weitere Verhandlungen nicht zu einer Änderung ihres Standpunktes bestimmen.
1895 Die Reichs-Telegraphenverwaltung führt das Faserstoffkabel allgemein ein; Lieferer Siemens & Halske, Felten & Guilleaume, Franz Clouth.
1895 Es werden Faserstoffkabel nach günstigem Ausfall der Versuche allgemein eingeführt, an der Lieferung sind außer Siemens & Halske zunächst Felten & Guilleaume und Franz Clouth beteiligt, nach und nach kommen immer mehr Firmen hinzu. Die Bauart unterscheidet sich bei den einzelnen Lieferern etwas, statt Jute wird Baumwolle oder auch Papier genommen. Einheitlich bleibt aber: feste Umwicklung des Leiters mit Faserstoffen ohne Luftraum, Imprägnierung, Bleimantel.
07.1895 Seit 1895 werden Faserstoffkabel von der Reichstelegraphenverwaltung allgemein gebraucht; der erste Liefervertrag wird im Juli mit Siemens & Halske, Felten & Guilleaume und Franz Clouth abgeschlossen.
07.1895 Seit 1895 werden Faserstoffkabel von der Reichstelegraphenverwaltung allgemein gebraucht; der erste Liefervertrag wird im Juli mit Siemens & Halske, Felten & Guilleaume und Franz Clouth abgeschlossen.
21.03.1896 Die Deutsche See-Telegraphengesellschaft wird gegründet, auf die Felten & Guilleaume ihre Konzessionen usw., soweit sie das Seekabel Borkum-Vigo betreffen, übertragen.
16.06.1896 Spanische Landungsgenehmigung an Felten & Guilleaume für ein Seekabel Borkum-Vigo.
03.07.1896 Ergänzungen zur Konzession v. 17. 8. 1894 an Felten & Guilleaume wegen der Führung des geplanten Seekabels nach Nordamerika über Vigo.
07./18.08.1896 Am 7./18. Aug. werden Ergänzungen zum Kabelbetriebsvertrag Reichspostamt/Felten & Guilleaume v. 23. 8./13. 9. 1894 beschlossen (Seekabel).
1898 Um 1898 planen die Felten & Guilleaume Carlswerk AG. und die Land- und Seekabelwerke AG., eine Gründung von Franz Clouth, unabhängig voneinander, je ein Seekabelwerk an der deutschen Küste
anzulegen.
01.05.1898 Der Plan eines Seekabels Borkum-Lissabon-Azoren-New York wird vom Reichspostamt mit Commercial Cable Co., Eastern und Felten & Guilleaume vereinbart.
16.06.1898 Nachtrag zur Konzession v. 17. 8. 1894 an Felten & Guilleaume betr. Führung des deutsch-amerikanischen Seekabels über Lissabon-Azoren statt über Vigo.
07.12.1898 Erteilung des D.R.P. Nr. 118 461 an Felten & Guilleaume auf Fassonlitzen.
898 Die Land- und Seekabelwerke AG erwirbt Ende 1898 geeignetes Gelände in Nordenham (Weser), beginnt mit den Bauarbeiten und bestellt einen Kabeldampfer in England. Da zwei Seekabelfabriken nebeneinander nicht genügend beschäftigt werden können, einigen sich die Beteiligten auf Anregung des Reichspostamts: Es wird eine neue Aktiengesellschaft Norddeutsche Seekabelwerke gegründet, deren Aktien Felten & Guilleaume und die Deutsch-Atlantische Telegraphengesellschaft übernehmen. Die Land- und Seekabelwerke erhalten Genußseheine mit begrenzter Dividendenberechtigung als Abstand. Die Norddeutsche Seekabelwerke AG. erwirbt die Anlagen in Nordenham sowie den Kabeldampfer und vollendet den Ausbau der Kabelfabrik.
1899 Die Erfindung des Wiener Chemikers Adolf Gentzsch wird bekannt, der sich damit beschäftigte, einen Guttaperchaersatz unter Verwendung von Kautschuk mit Zusätzen von Teer, Harzen und Wachsen zu finden. Die unter der Bezeichnung "Gutta-Gentzsch" in den Handel eingeführte Masse wird von der Firma Felten & Guilleaume erprobt und entwickelt. Die fehlende Härte und eine geringere Wasseraufnahmefähigkeit sucht Gentzsch durch Zusatz von Teerprodukten oder Harz-Kalkseifen zu erreichen. Er erhält solch einen Stoff, der in seinen mechanischen Eigenschaften und in seiner Verarbeitungsfähigkeit der Guttapercha weitgehend ähnelt, sie allerdings in ihren elektrischen Eigenschaften nicht erreicht. Die Arbeiten von Gentzsch finden in verschiedenen Patenten ihren Niederschlag.
21.02.1899 Die Deutsch-Atlantische Telegraphengesellschaft wird gegründet, auf die Felten & Guilleaume ihre Rechte und Pflichten aus den Konzessionen usw. über ein Seekabel nach Nordamerika übertragen.
03.1899 Felten & Guilleaume beginnen im März Versuche, induktiv belastete Telgraphenkabel durch Bewickeln der Ader mit Bandeisen oder Einfügen von Eisendrähten in die Leiterlitze herzustellen.
28.05.1899 Neue deutsche Konzession an Felten & Guilleaume für ein unmittelbares deutsch-amerikanisches Seekabel über die Azoren.
29.05./08.06.1899 Abschluß eines Kabelbetriebsvertrags Reichspostamt/Felten & Guilleaume am 29.5./8.6.
14.12.1899 Die Mülheimer Fabrik wird in eine Aktiengesellschaft unter der Firma "Felten & Guilleaume Carlswerk A.-G." mit einem Grundkapital von M 30.000.000,00 umgewandelt.
1900 Aus Anlaß der Vollendung des ersten deutsch-amerikanischen Kabels wird Max Guilleaume Kommerzienrat, später Geheimer Kommerzienrat
01.01.1900 Schleifenbaum wird Mitglied des Vorstandes der Felten & Guilleaume Carlswerk AG.
1900 Das Kapital wird auf M 36.000.000,00 erhöht.
01.09.1900 Für seine Verdienste um die Vorbereitung der deutschen Kabel nach Übersee, besonders des ersten deutsch-amerikanischen Kabels, erhält Theodor Guilleaume jun. den erblichen Adel.
05.-18.12.1900 Die erste Arbeit des Kabeldampfers "von Podbielski" der Norddeutschen Seekabelwerke ist die Legung eines von Felten & Guilleaume im Carlswerk hergestellten Kabels Tsingtau-Shanghai in der Zeit vom 5. bis 18. Dezember 1900.
18.11.1901 Deutsche und niederländische Vorkonzession an Felten & Guilleaume und le Roy über das Seekabel im Stillen Ozean.
04.1902 Erste Kabel mit Gutta-Gentzsch-Isolierung von Felten & Guilleaume für die Reichs-Telegraphenverwaltung geliefert: Seekabel Südwesthörn-Insel Föhr und Flußkabel durch die Ems bei Weener.
21.06.1902 Erstes Seekabel mit Gutta-Gentzsch, vieradrig, Südwesthörn-Föhr gelegt. Das besonders biegsame Kabel von Felten & Guilleaume zum Anschluß verankerter Schiffe bewährt sich.
07.1902 Für die Durchschreitung des Kamerunflusses werden von Felten & Guillaume 1450 m dreiadriges Okonit-Telegraphenkabel geliefert. Bauart: Kupferlitze 7 x0,8 mm, mit Okonit bis 8 mm Durchmesser nahtlos umpreßt, mit gummiertem Band bis auf 8,6 min bewickelt. Die verseilten Adern erhalten eine doppelte Bewicklung mit tanniertem Jutegarn; als Bewehrung 16 Runddrähte von 5,5 rn-rn Durchmesser und als Bekleidung zwei Compoundschichten; Außendurchmesser 40 mm; Gewicht 4250 kg/km. Elektrische Vertragswerte je km: 5 Ohm, 1000 MegOhm, 0,32 myF, bei der Abnahmemessung: 4,87 Ohm, 2550 MegOhm, 0,2835 myF.
1903 Er werden verschiedene Kabel von Felten & Guilleaume mit Isolierhülle aus Gutta-Gentzsch, Gesamtlänge 23,27 km, gelegt.
1903 Felten & Guilleaume gibt die Luftraumkabelisolierung mit besonders gefalteten Papierstreifen mit Beginn des Rechnungsjahres 1903 auf.
13.10.1903 Landungserlaubnis der Vereinigten Staaten von Amerika für Guam an Felten & Guilleaume und le Roy.
16.07.1904 Endgültige deutsche, am 18.7. endgültige niederländische Konzession an Felten & Guilleaume und le Roy.
1905 Die Felten & Guilleaume Carlswerk A.-G. übernimmt das Kapital der Land- und Seekabelwerke
1905 Im Laufe des Jahres 1905 übernimmt die Felten & Guilleaume Carlswerk A.G. das Kapital der Land- und Seekabelwerke, soweit sie es nicht schon seit 1900 besaß.
1905 In St. Petersburg werden die Vereinigte Kabelwerke A.G., von Siemens & Halske gemeinsam mit der Allgemeinen Elektrizitätsgesellschaft und der Firma Felten & Guilleaume gegründet.
1905 Die Firmenbezeichnung wird abgeändert in "Felten & Guilleaume-Lahmeyerwerke A.-G." infolge der Angliederung der "Frankfurter Maschinenfabrik der Elektrizitäts-Aktiengesellschaft vormals W. Lahmeyer & Co."
1905 Im Zuge der Angliederung der "E.A.G. vorm. W. Lahmeyer" wird das Aktienkapital auf M 55.000.000,00 erhöht.
01.01.1906 bis 28.02.1906 ein siebenpaariges Papierkabel für Telegraphie und Fernsprechen und ein vierpaariges Blockkabel werden durch den Simplontunnel gelegt; Lieferer Felten & Guilleaume
19.01.1907 Liberianische Konzession für ein Seekabel an die Oost-Afrikaansche Compagnie in Rotterdam (später an Felten & Guilleaume)
21.03.1907 Die liberianische Konzession für ein Seekabel an die Oost-Afrikaansche Co. wird auf Felten & Guilleaume übertragen.
01.05.1907 Liberianische Konzession an Felten & Guilleaume für Seekabel nach Europa und Südamerika.
06.06.1907 Spanische Konzession an Felten & Guilleaume für ein Seekabel von Emden nach Teneriffa.
1908 Ein zwölfadriges Faserstoffkabel mit Stanniolhüllen und Erddrähten sowie ein siebenadriges Faserstoffkabel werden von Felten & Guilleaume durch den Karawankentunnel gelegt.
30.07.1908 Brasilianische Konzession an Felten & Guilleaume für ein Seekabel nach Teneriffa oder Westafrika.
09.08.1908 Deutsche Landungsgenehmigung an Felten & Guilleaume für ein Seekabel nach Südamerika über Teneriffa und u. U. Liberia.
11.08.1908 Kabelbetriebsvertrag Reichspostamt/Felten & Guilleaume über das Seekabel nach Südamerika am 11./14. August
27.08.1908 Die Deutsch-Südamerikanische Telegraphengesellschaft wird gegründet, auf die sämtliche Konzessionen, die das Seekabel nach Südamerika betreffen, von Felten & Guilleaume übertragen werden.
24.10.1908 Feier der fünfundzwanzigjährigen Tätigkeit des Kommerzienrats Theodor von Guilleaume bei "Felten & Guilleaume"
1909 Verlegung eines fünfzigadriges Papierkabel mit Induktionssehutz durch Stanniolhülle um jede Ader und Kupferband um die Kabelseele von Felten & Guilleaume zwischen Düsseldorf und Duisburg
11.1909 Verlegung eines fünfzigadrigen Papierkabels mit Stanniolhüllen als Induktionsschutz und mit 50 blanken Kupferdrähten, als Ersatz für das Kupferband, von Felten & Guilleaume für Deutz-Gremberg.
1910 Mit der Wiederabstoßung der Frankfurter Fabrik ("E.A.G. vorm. W. Lahmeyer") im Jahre nimmt die Gesellschaft wieder die frühere Firma "Felten & Guilleaume Carlswerk A.-G." an.
25.09.1910 Felten & Guilleaume sichern sich ein Anrecht auf die brasilianische Reidy-Konzession von 1909 (Seekabel längs der brasilianischen Küste); die Verhandlungen führen aber nicht zum Ankauf, die Konzession verfällt 1914.
08.1911 Ein Papierkabel mit Induktionsschutz, Bauart Deutz-Gremberg 1909, wird von Felten & Guilleaume für längere Stadtleitungen in Köln geliefert.
16.12.1911 Ein Gesuch von Felten & Guilleaume um Genehmigung der Landung eines Seekabels wird von der Regierung von Uruguay abgelehnt.
1912 Zur Sicherung der Rohmaterialbasis für die Eisen- und Stahldrahterzeugnisse wird das Hochofenwerk Collart in Steinfort angegliedert, welches zum Stahlwerk ausgebaut wird.
1918 Übernahme der Papierfabrik Brüder Kämmerer in Osnabrück
1919 Das Hochofenwerk Collart in Steinfort muß infolge des verlorenen Krieges verkauft werden.
1920 Nach dem Verkauf des Werks in Steinfort wird zwecks Sicherung des Halbzeugbedarfs ein Interessengemeinschaftsvertrag mit dem "Arbed"-Konzern (Burbach-Eich-Düdelingen) und Terres Rouges in Luxemburg abgeschlossen. Wesentlicher Inhalt: Sicherstellung des Hauptbedarfes an Eisenhalbzeug auf 30 Jahre
1920 Im Zusammenhang mit dem I.G.-Vertrag mit der Arbed wird das Grundkapital der Gesellschaft von M 60.000.000,00 auf Mark 120.000.000,00 erhöht; die jungen Aktien werden von dem Arbed-Konzern zum Kurse von 250 % übernommen.
1920 Als Anfang der zwanziger Jahre die "Felten & Guilleaume Carlswerke AG" in Schwierigkeiten gerät, stockt die AEG 1920 ihr Kapital um zehn Millionen Mark auf, um diese für sie wichtige Beteiligung zu halten.
07.04.1921 In Berlin wird die Deutsche Fernkabel-Gesellschaft (DFKG) als Tochterunternehmen der Deutschen Reichspost, der AEG, den Firmen Siemens & Halske und Felten & Guillaume Carlswerk gegründet.
1924 Das inzwischen auf M 200.000.000,00 erhöhte Grundkapital der Gesellschaft wird auf GM 60.000.000,00 umgestellt.
1925 Die Felten & Guilleaume Carlswerk übernimmt auch das Kapital der Rheinische Gummiwarenfabrik A.-G. Franz Clouth, die beide ihren Betrieb weiterführt.
1925 Das Kapital wird von der Felten & Guilleaume Carlswerk A.G., die ihre eigene Gummiwarenfabrik mit den Einrichtungen der Firma Franz Clouth vereinigt, übernommen.
02.03.1925 Lizenzabkommen zwischen Felten & Guilleaume und der International Western Electric Co., New York, über die Verwendung des Permalloys
1928 Im Wege der Einbringung wird das Drahtwerk Eschweiler von der "Hüttengesellschaft der Roten Erden" gegen Hingabe von RM 4.500.000,00 neuer Aktien erworben ("Felten & Guilleaume-Eschweiler Draht A.-G.").
1928 Im Zug der Erwerbung des Drahtwerks Eschweiler von der "Hüttengesellschaft der Roten Erden" werden RM 1.500.000,00 Vorratsaktien geschaffen.
1930 Die Gesellschaft bringt ihre gesamten Eisen- und Stahlbetriebe sowie ihre 100 %igen Beteiligungen an der "Walzwerke Aktiengesellschaft vorm. E. Böcking & Co." und der "Felten & Guilleaume-Eschweiler Draht A.-G." in die zwecks Verselbständigung dieser Sonderabteilung gegründete "Felten & Guilleaume Carlswerk Eisen und Stahl A.-G." ein, deren gesamtes Aktienkapital im Besitze des Stammhauses verbleibt. Lieferungsverträge zwischen der alten und neuen Gesellschaft regeln die gegenseitigen Bezuge unter Ausschluß interner Gewinne.
10.07.1930 Ein Versuchs-Guttaperchakabel mit Pupinspulen wird von Felten & Guilleaume in der Biskaya ausgelegt, am 23. 8. wieder aufgenommen.
1934 Die 1928 geschaffenen 1.500.000 Mark Vorratsaktien werden wieder eingezogen.
01.01.1937 C. Overhoff tritt von Clouth in den Vorstand der Felten & Guilleaume Carlswerk A.G. über.
1941 Zum 31. Dezember 1941 wird auf Grund der Dividendenabgabeverordnung eine Kapitalberichtigung um 50 % durchgeführt, so daß das berichtigte Kapital sich auf Reichsmark 96.750.000,00 stellt.
26.08.1943 Letzte ordentliche Hauptversammlung bis 1943/44
1949 Niederlassung von Felten & Guilleaume, Carlswerke AG, in den ehemaligen "Weserflug"-Hallen, Nordenham
1981 Die Niederlassung Felten & Guilleaume wird ein Betrieb der Philips Kommunikationsind. AG, Nürnberg, heute Felten & Guilleaume Energietechnik AG, Werk Nordenham, und F. & G. Antriebstechnik GmbH
1981 Umbenennung der Felten & Guilleaume Carlswerk AG (F&G) in Philips Kommunikations Industrie AG (PKI)




Produkte

Produkt ab Bem. bis Bem. Kommentar
Bindfaden 1888 MAN-Dampfmaschine 1888 MAN-Dampfmaschine  
Bronzedraht 1900 [Reichs-Adressbuch (1900) 2402] 1900 [Reichs-Adressbuch (1900) 2402]  
Drahtwaren 1900 [Reichs-Adressbuch (1900) 2402] 1900 [Reichs-Adressbuch (1900) 2402]  
Eisendraht 1900 [Reichs-Adressbuch (1900) 2402] 1900 [Reichs-Adressbuch (1900) 2402]  
Fernmeldeschnüre 1937 [Bezugsquellennachw dt Elektr-Ind (1937) 174] 1940 [Dt. Elektro-Adreßbuch (1940) 207]  
Hanfgarn 1888 MAN-Dampfmaschine 1888 MAN-Dampfmaschine  
Kabel 1892 [Adressb Elektr.-Branche (1892)] 1994 bekannt  
Klingelschnüre 1937 [Bezugsquellennachw dt Elektr-Ind (1937) 172] 1937 [Bezugsquellennachw dt Elektr-Ind (1937) 172]  
Kupferdraht 1900 [Reichs-Adressbuch (1900) 2402] 1900 [Reichs-Adressbuch (1900) 2402]  
Lichtkabel 1900 [Reichs-Adressbuch (1900) 2402] 1900 [Reichs-Adressbuch (1900) 2402]  
Meßgeräte für Fernsprechanlagen 1937 [Bezugsquellennachw dt Elektr-Ind (1937) 180] 1937 [Bezugsquellennachw dt Elektr-Ind (1937) 180]  
Rundfunkschnüre 1937 [Bezugsquellennachw dt Elektr-Ind (1937) 173] 1937 [Bezugsquellennachw dt Elektr-Ind (1937) 173]  
Seilereiwaren 1888 MAN-Dampfmaschine 1900 [Reichs-Adreßbuch (1900) 2345]  
Telefone/Zubehör          
Telegraphen- und Telefonkabel 1900 [Reichs-Adressbuch (1900) 2402] 1940 [Dt. Elektro-Adreßbuch (1940) 205]  
Telegraphen- und Telefonkabel 1900 [Reichs-Adressbuch (1900) 2402] 1900 [Reichs-Adressbuch (1900) 2402]  
Telegraphendraht 1892 [Adressb. Elektr.-Branche (1892)] 1892 [Adressb. Elektr.-Branche (1892)]  




Betriebene Dampfmaschinen

Bezeichnung Bauzeit Hersteller
Dampfmaschine 1888 Maschinenfabrik Augsburg AG
Dampfmaschine 1893 Maschinenfabrik Augsburg AG
Dampfmaschine 1898 Maschinenfabrik Augsburg AG
Dampfmaschine 1898 Maschinenfabrik Augsburg AG
Dampfmaschine 1899 Vereinigte Maschinenfabrik Augsburg und Maschinenbaugesellschaft Nürnberg
Dampfmaschine vor 1900? Gebr. Sulzer AG
Dampfmaschine vor 1900? Gebr. Sulzer AG
Dampfmaschine vor 1900? Gebr. Sulzer AG
Dampfmaschine vor 1900? Gebr. Sulzer AG
Dampfmaschine 1900-1911 Gebr. Sulzer AG




Maschinelle Ausstattung

Zeit Objekt Anz. Betriebsteil Hersteller Kennwert Wert [...] Beschreibung Verwendung
1888 Dampfmaschinen     unbekannt Leistung ges. 1200 PS    
1911 elektr. Kraftzentrale 1   unbekannt Gesamtleistung 13000 PS    




Personal

Zeit gesamt Arbeiter Angest. Lehrl. Kommentar
1874   150     150 Arbeiter übersiedelten nach Mülheim
1887   1500      
1888   1600      
1892 2400       in der Quelle als "Arbeiterzahl" bezeichnet
1911   6500      




Firmen-Änderungen, Zusammenschüsse, Teilungen, Beteiligungen


Zeit = 1: Zeitpunkt unbekannt

Zeit Bezug Abfolge andere Firma Kommentar
1904 Anschluß (Namensverlust) danach Elektrizitäts-Aktiengesellschaft, vorm. W. Lahmeyer & Co. EAG vorm. Lahmeyer an Felten & Guilleaume
1918 Nebenwerk danach Papierfabrik GmbH, vorm. Brüder Kämmerer  




Allgemeines

ZEIT1943
THEMAOrgane und Kapital der Gesellschaft
TEXTVorstand: Regierungsbaumeister a. D. Generaldirektor Fritz Lehmann, Vorsitzer; Direktor Carl Overhoff; Direktor Dr. phil. Ulfilas Meyer; Direktor Philipp Schneider; Direktor Heinz Hörn, stellv. Aufsichtsrat: Kurt Freiherr von Schröder, Köln, Vorsitzer; Generaldirektor Dr.-Ing. e. h. Aloys Meyer, Luxemburg, stellv. Vorsitzer; Bergassessor a. D. Paul Becker, Kohlscheid; Geh. Regierungsrat Gustav Brecht, Köln; Dr. Rudolf Brinckmann, Hamburg); Robert Collaert, Dommeldingen (Luxemburg); Direktor Karl Heimann-Kreuser, Köln; beigeordn. Generaldirektor Carlheinz Hoffmann, Luxemburg; beigeordn. Generaldirektor Arthur Kipgen, Luxemburg; Hermann Kramer, Köln-Mülheim; Fritz Kranefuß Berlin; Dr. Robert Pferdmenges, Köln; Dr. Karl Rasche, Berlin; Dr. Karl Ernst Sippell, Berlin; Staatsfinanzrat a. D. Hans Weltzien, Berlin. Abschlußprüfer für das Geschäftsjahr 1943: Deutsche Revisions- und Treuhand-Aktiengesellschaft, Berlin. Geschäftsjahr: 1. Januar bis 31. Dezember. Hauptversammlung (Stimmrecht): nach Aktiennennbeträgen. Reingewinn-Verwendung: Der Reingewinn steht innerhalb der gesetzlichen Grenzen zur freien Verfügung der Hauptversammlung. Die Auszahlung der Gewinnanteile erfolgt spätestens an dem auf den Ablauf des Geschäftsjahres folgenden 1. August. Die Mitglieder des Aufsichtsrats erhalten neben einer festen Vergütung einen Betrag, der 7 % desjenigen Teils der ausgeschütteten Dividende entspricht, um den diese Dividende 4 % der auf das Grundkapital geleisteten Einlagen übersteigt. Die feste Vergütung beträgt jährlich für jedes Mitglied RM 3.000,00; sie erhöht sich für Mitglieder von Ausschüssen auf RM 4.500,00, für den Vorsitzer und seinen Stellvertreter unter Anrechnung der Erhöhung für Ausschußmitgliedschaft auf RM 6.000,00. Grundkapital: nom. RM 96.750.000,00 Stammaktien in 91 000 Stücken zu je RM 1.000,00 (Nr. 1-91 000), 13 000 Stücken zu je RM 300,00 (Nr. zwischen 1-200 000), 18 500 Stücken zu je RM 100,00 (Nr. 1-18 500). Bestand an eigenen Aktien: nom. RM 1.715.400,00 (Buchwert = Erwerbspreis: RM 425 873.10). Dividenden seit 1933: 0. 4, 6, 6, 7, 8, 8, 5%, 5.4 %. Beteiligung der "Vereinigte Hüttenwerke Burbach-Eich-Düdelingen Aktiengesellschaft", Luxemburg: 67.1 %.
QUELLE[Handbuch Akt.-Ges. (1943) 5765]


ZEIT1943
THEMAZweck und Gegenstand des Unternehmens
TEXTGegenstand des Unternehmens: Weiterführung des Geschäfts der früheren Handelsgesellschaft Felten & Guilleaume in Mülheim am Rhein sowie überhaupt: a) Errichtung oder Erwerbung und Betrieb von Fabriken und sonstigen gewerblichen Anlagen auf dem Gebiet der Kabel- und Leitungsindustrie, der Metallurgie und der angewandten Elektrotechnik sowie im allgemeinen Unternehmungen jeder Art auf diesen Gebieten; b) An- und Verkauf sowie eigene Erzeugung von Rohstoffen und Herstellung von fertigen wie halbfertigen Waren und von Maschinen jeder Art, die zu den bei a) bezeichneten Betrieben und Unternehmungen erforderlich oder dienlich sind; c) Erwerbung und Betrieb von Erz-, Kohlen- und sonstigen Bergwerken, Errichtung oder Erwerbung und Betrieb von Anlagen jeder Art zur Zugutemachung und weiteren Verarbeitung der aus Bergwerken und aus der Ausbeutung von anderen Gerechtsamen gewonnenen Erzeugnisse sowie Handel in solchen Erzeugnissen; d) Erlangung von Konzessionen zur gewerblichen Ausnutzung der Elektrizität und Ausbeutung derselben im eigenen Betriebe oder mittels sonstiger Verwertung; e) Beteiligung bei staatlichen, kommunalen oder privaten Unternehmungen auf den Gebieten der Erzeugung, Verarbeitung und Verfeinerung von Eisen- und Nichteisenmetallen, der angewandten Elektrotechnik und der Gummi-Industrie; Errichtung, Übernahme und Finanzierung solcher Unternehmungen sowie Veräußerung und sonstige Verwertung solcher Beteiligungen; f) Anlagen, Beteiligungen und Geschäfte jeder Art im allgemeinen, welche geeignet sind, die vorgezeichneten Gesellschaftszwecke zu fördern. Erzeugnisse: Drähte aus Kupfer, Bronze, Messing und Aluminium; Fahrdrähte, Freileitungsseile aus Kupfer, Aluminium. Stahl-Aluminium und Aldrey; Freileitungs-Hohlseile, Leitungsdrähte der verschiedensten Art, Starkstromkabel, Höchstspannungskabel bis 220 kV (ausgeführt als Druck- und Ölkabel), Gummikabel, Schwachstrom-Bleikabel für Telegraphie und Telephonie, Pupin- und Krarupkabel, See-Fernsprechkabel, selbsttragende Luftkabel, Hochfrequenzkabel, Kabelgarnituren, wie Muffen, Endverschlüsse, Hausanschlußkasten, Kabelverteilerschränke, Kabelkasten usw., Ausbau vollständiger Kabelnetze, Trennschutzschalter und Schutzschalter, elektrische Meßinstrumente, Leichtmetalle nach DIN 1713 und Sonderlegierungen.
QUELLE[Handbuch Akt.-Ges. (1943) 5765]


ZEIT1943
THEMABesitzverhältnisse
TEXTBesitz- und Betriebsbeschreibung: Kupfer- und Kabelbetrieb. Betriebsanlagen: Kupferwerk, Kupferdrahtzieherei, Leichtmetallwerk, Kabelfabriken, Pupinspulenfabrik, elektrotechnische Werkstatt, Schreinerei, Versuchsanstalten, chemische Laboratorien, Prüf- und Meßräume, technische Büros. Sonstige Anlagen: Rheinwerft mit Krananlagen, Eisenbahnanlagen. Wohlfahrtsanlagen: Arbeitersiedlungen.
QUELLE[Handbuch Akt.-Ges. (1943) 5765]


ZEIT1943
THEMABeteiligung an folgenden Unternehmens
TEXTKonzern-Gesellschaften (s.d.): 1. Felten & Guilleaume Carlswerk Eisen und Stahl A.-G., Köln-Mülheim, Beteiligung: 100 %; 2. Norddeutsche Seekabelwerke Aktiengesellschaft, Nordenham, Beteiligung: 50% (50 % Siemens & Halske A.-G., Berlin); 3. Kabelwerk Wilhelminenhof Aktiengesellschaft, Berlin, Beteiligung: l00 %; 4. Süddeutsche Telefon-Apparate-, Kabel- und Drahtwerke, Akt.-Ges. TEKADE, Nürnberg, Beteiligung: 100 %; 5. Dielektra Akt.-Ges., Porz b. Köln, Beteiligung: 100 %; 6. Braunkohlenbergwerk und Briketfabrik Liblar G. m. b. H., Liblar, Beteiligung: 100 %; 7. Land- und Seekabelwerke Aktiengesellschaft, Köln-Nippes, Beteiligung: 100 %; 8. Liblar Tiefbau G. m. b. H., Liblar, Beteiligung: 100 %; 9. Papierfabrik G. m. b. H. vorm. Brüder Kämmerer, Osnabrück, Beteiligung: 50 % (Rest bei AEG); 10. Franz Clouth, Rheinische Gummiwarenfabrik A.-G., Köln-Nippes, Beteiligung: 95.5 % (Rest bei Dielektra A.-G., Porz); 11. Gummi-Werke "Elbe" A.-G., Piesteritz bei Klein-Wittenberg (Elbe), Beteiligung: Mehrheit; 12. Bleichert-Transportanlagen G. m. b. H., Leipzig, Meteiligung: Mehrheit über Konzernuntemehmen; 13. Oldenburger Moorkultur G. m. b. H., Ramsloh, Beteiligung: 50 % (Rest bei AEG); 14. Carlswerkhaus A.-G., Köln, Beteiligung: 100 %; 15. Felten & Guilleaume Fabrik elektrischer Kabel, Stahl- und Kupferwerke A.-G., Wien, Beteiligung: 65.96%; Felten & Guilleaume Carlswerk Aktiengesellschaft, Köln-Mülheim; 16. Elektro Holding A.-G., Luxemburg, Beteiligung: rund 66 % gemeinsam mit Wien Ujvidéki Kábelgyár R. T., Ujvidék, Beteiligung: 90% gemeinsam mit AEG und Siemens; Beteiligung: 100%; 17. Kabelwerk Ozarow Aktiengesellschaft, Ozarow bei Warschau, Beteiligung: 100% gemeinsam mit AEG und Siemens; 18. Bergwerks-Aktiengesellschaft Plrin, Sofia, Beteiligung: 25 %; Buchwert der a) Beteiligungen: RM 81.592.117,50. b) Andere Wertpapiere des Anlagevermögens: RM 281.946,00 (umfassen hauptsächlich Beteiligungen an Verbänden und Wertpapiere, die dauernd oder langfristig dem Geschäftsbetrieb dienen), c) Wertpapiere des Umlaufvermögens: RM 5229284.20.
QUELLE[Handbuch Akt.-Ges. (1943) 5765]


ZEIT1911
THEMABeschreibung
TEXTWer ohne Kenntnis des Werdeganges der Firma zum ersten Male die Betriebe des Carlswerks durchwandert, ist erstaunt über die Mannigfaltigkeit ihrer Erzeugnisse. Mehr als 20 Fabriken, deren jede nach der Eigenart und Herstellungsweise ihrer Produkte eine Industrie für sich bilden könnte, finden sich hier zu einem Großunternehmen vereinigt. Es bedarf schon eines Einblickes in die Entwicklungsgeschichte des Werkes, um den natürlichen Zusammenhang der vielen, auf den ersten Blick nur lose miteinander verwandten Betriebe zu erkennen. Aber schon das Bild der Höfe und Plätze gibt einen Fingerzeig zum Verständnis des Unternehmens. Berge von Eisen-, Stahl- und Kupferdraht bedecken das Gelände und zeigen sich uns als das Bindeglied zwischen den verschiedenen Abteilungen des großen Werkes. Denn alle Einzelbetriebe des Carlswerks dienen, die einen unmittelbar, die anderen mittelbar, der Erzeugung oder Weiterverarbeitung gezogenen Drahtes. Die alte Firma Feiten & Guilleaume in Köln, das Stammhaus der Mülheimer Firma, betrieb anfänglich nur die Herstellung hänfener Seilerwaren. Die Erfindung des Drahtseiles im Anfange der dreißiger Jahre des vorigen Jahrhunderts veranlagte sie zu einer Ausdehnung der Seilerei auf das Gebiet der Verwendung metallischer Drähte. Der Tag der Errichtung dieser Drahtseilerei im alten Kölner Hause - zugleich der ältesten auf der ganzen Erde - kann als der eigentliche Geburtstag der Mülheämer Weltfirma angesehen werden. Das schlichte Drahtseil ist mittlerweile zu einem unentbehrlichen Zugorgane der Technik geworden; der Bergbau verdankt ihm geradezu seine heutigen Teufen. An die Seite der älteren rund drahtige n und rundlitzigen Konstruktionen traten im Laufe der Zeit neue, vollkommenere Seilarten. Verschlossene Seile für Hängebrücken und Luftseilbahnen, flachlitzige für Bergbahnen und Hebezeuge, vollkommen drallfreie doppelflach-litzige Seile zum Heben frei schwebender Lasten und dreikantlitzige Förderseile bilden den Höhepunkt der bisherigen Leistungen der Seilindustrie. In der Herstellung dieser Fassonseile steht die Firma bis heute unerreicht da. Die Anforderungen der Drahtseilerei nötigen zu einem eingehenden Studium aller einschlägigen Probleme der Drahtindustrie. Besonders dringend erschien die Herstellung gut verzinkter Drähte. Im Jahre 1853 wurde eine eigene Verzinkungsanstalt errichtet, die erste Drahtverzinkerei auf dem Kontinent, der nach einigen Jahren eine Drahtzieherei folgte. Die Herstellung von Seildraht wurde zu einer Spezialität, in deren Ausbildung die Firma bahnbrechend und unter stetiger Erweiterung ihres Arbeitsfeldes vorging. Heute umfaßt ihre Drahtzieherei das ganze Gebiet der Drahterzeugung, namentlich auch die Herstellung aller Arten hochwertiger Drähte. Unübertroffen sind die Seildrähte bis hinauf zum Pflugseildraht von 200 kg/qmm Festigkeit, der gehärtete Kratzendraht, der Klaviersaitendraht von 260 und der Zithersaitendraht von nahezu 300 kg/qmm Festigkeit. Zur Herstellung des Walzdrahtes, des Ausgangsmaterials der Drahtzieherei, ist ein alle Fortschritte der Technik verwertendes, modernes Eisen- und Stahl-Walzwerk erbaut worden. Das Streben nach weitestgehender Ausnutzung der Drahtzieherei führte zur Errichtung von Fabriken zur Erzeugung von Stacheldraht, Drahtgeflecht, Zug- und Druckfedern, Webelitzen und Drahtstiften. Auch diese Betriebe sind zu größter Leistungsfähigkeit entwickelt worden. Schon frühzeitig war der Firma in der Elektrotechnik ein neuer Abnehmer erstanden, dessen wachsende Bedeutung den Schwerpunkt ihrer Fabrikation mit der Zeit vollständig verschieben sollte. Im Jahre 1850 hatte Theodor Guilleaume der Preußischen Telegraphen-Verwaltung angeboten, ihre zur Kreuzung des Rheines bestimmten Guttaperchaadern, zum Schütze gegen Schiffsanker, in die Seele eines Drahtseiles einzuseilen. Damit war die heute noch übliche Konstruktion elektrischer Kabel in ihrer Grundform gegeben. Leider ging die Verwaltung erst später auf diesen Vorschlag ein, so daß mit dem Kabel Dover - Calais vom Jahre 1851 der englischen Industrie der Ruhm der Priorität zufiel. Seit 1853 lieferte die Firma in größerer Zahl Rußkabel, kürzere Seekabel und Erdkabel zum Ersatz oberirdischer Stadtleitungen. Im Jahre 1876 baute sie unter eigener Verantwortung die erste unterirdische interurbane Linie Berlin - Halle, deren Erfolg den sofortigen Ausbau eines großen Reichskabelnetzes ermöglichte, der zur größeren Hälfte ihr übertragen wurde.
An der Entwickelmng des deutschen überseeischen Telegraphennetzes hat die Firma hervorragenden Anteil genommen. Unter ihrer Führung wurden die Norddeutschen Seekabelwerke in Nordenham gegründet Unter ihrer Mitwirkung entstand das Kabel Emden - Azoren - New-York, ferner das Kabel von Niederländisch-Indien zur deutschen Karolineninsel Vap mit Abzweigen nach Guam an das amerikanische Pacific-Kabel und nach Shanghai an die chinesischen Telegraphenlinien und an diejenigen der Großen Nordischen Telegraphen-Gesellschaft. Ein deutsch-brasilianisches Kabel ist am 29. März des selben Jahres in Betrieb genommen worden. Telephone und Starkstromtechnik fanden schon eine entwickelte Kabelfabrikation vor. Ihre Anforderungen betrafen daher mehr die Konstruktion der Kabel als ihre Herstellungsweise. In der Telephonie fanden zunächst die imprägnierten Faserstoffkabel schnelle Verbreitung. 1892 führte die Firma als erste die Papier-Luftraumkabcl ein, wodurch sie die Kapazität auf ein bis dahin unerreichtes Maß hinabdrückte. Gleichfalls als erste lieferte sie 1889 ein Untersee-Telephonkabel mit Guttaperchaadern, 45 km lang, für Buenos-Aires. Ihre gleichzeitigen Erfahrungen in der Seil- und Kabeltechnik ermöglichten, durch Anordnung verschlossener Bewehrung, die Verwendung der Papier-Luftraum-Isolation mit Bleimantel auch bei Unterseekabeln. So entstanden das Weiternseekabel und die Linien nach Helgoland, Borkum, Langeoog sowie Fehmarn-Laaland. In der Starkstromtechnik sind gerade die ältesten Lichtzentralen mit ihren Kabeln ausgerüstet Das erste größere städtische Leitungsnetz verlegte sie 1888 in Barmen. In wenigen Jahren waren über 100 Zentralen mit Felten & Guilleaume-Kabeln ausgebaut. Neben der Papier-Isolation verwendet die Firma für besondere Zwecke auch Gummi und seine Mischungen. Das hitzebeständige Okonit verdankt ihr seine Einführung. Der steigenden Anwendung hoher Spannungen konnte sie ohne Schwierigkeit folgen. Die jüngste Leistung auf diesem Gebiete ist die Verlegung eines der Elektrifizierung der Siaatsbahn dienenden 60000-Voltkabels der Strecke Halle - Bitterfeld. Eine Gummi- und Guttaperchafabrik dienen der unmiitelbaren Verarbeitung der Rohstoffe. Sie liefern als Fertigprodukt Gummi- und Guttapcrchaadern, Hartgummi und, zur besseren Ausnutzung der Anlage, technische Gummiwaren aller Art. Die elektrotechnischen Werkstätten verarbeiten die in eigener Eisen- und Gelbgießerei hergestellten Kabelgarnituren und ihre Zubehörteile. Sie ermöglichen der Firma den Ausbau ganzer Kabelnetze, vom Schaltbrett der Zentrale bis zum Hausanschlußkasten, ohne fremde Mitwirkung. Der elektrotechnischen Versuchsanstalt obliegt die wissenschaftliche Behandlung aller einschlägigen Fragen. Das Kupferwerk deckt den großen Kupferbedarf der Kabelfabrik. Das in Platten bezogene Elektrolytkupfer wird hier eingeschmolzen und zu Walzbarren gegossen. Ein besonderes Kupferwalzwerk stellt den Walzdraht her, den die Kupfedrahtzieherei zu Trolley- und anderen Leitungsdrähten verarbeitet. Im Kupferfeinzuge wird Kupferdraht durch Diamanten bis zu dem winzigen Durchmesser von 0,05 mm ausgezogen. Das Kupferwerk liefert auch Schienenverbinder, Blitzableiterspitzen und im Kupferschleppzuge Stangen, Lamellen, Bänder und Kupferrohre. Sein Arbeitsfeld erstreckt sich auf die Herstellung sämtlicher Kupferlegierungen. Ein Hochofen verhüttet Schlacke und kupferhaltige Abfälle aller Art. Eine Prüfstation für Adern und Kabel, je ein organisches und anorganisches Laboratorium, eine Gasanstalt, eine Maschinenfabrik zur Herstellung der Spezialmaschinen der Fabrikation und eine elektrische Zentrale mit einer dem nächstigen Leistung von 13000 PS vervollständigen das Bild des eigenartigen großen Werkes. Den neuen Industriezweigen der alten Kölner Firma Felten & Guilleaume genügten die verfügbaren Räume schließlich nicht mehr. Im Jahre 1874 entstand das Mülheimcr Carlswerk mit den vier Hauptbetrieben: Drahtzieherei, Verzinkerei, Drahtseilerei und Telegraphenkabelfabrik. 150 Arbeiter übersiedelten nach Mülheim. Unter der tatkräftigen Leitung Franz Carl Guilleaumes wuchs das Unternehmen erstaunlich schnell in die Breite und Tiefe. Bei seinem Tode im Jahre 1887 beschäftigte es schon 1500 Arbeiter, jetzt zählt es deren 6500. Daneben gründete die Firma mehrere Tochtergesellschaften und beteiligte sich, zur Förderung und Ergänzung ihrer Fabrikation, an einer Reihe
Im Jahre 1892 teilte sich die Firma in ihre beiden Zweige. Die Kölner Hanfseilerei und das Mülheimer Carlswerk wurden als selbständige Unternehmungen in die betreffenden Handelsregister eingetragen. Am 1. Januar 1900 wurde die Mülheimer Firma in eine Aktiengesellschaft umgewandelt. Das unermüdliche Streben nach immer weiterer Festigung des guten Rufes, den die Erzeugnisse des Carlswerks auf dem ganzen Erdkreis genießen, bietet die Gewähr, daß die Felten & Guilleaume Carlswerk Actien-Gesellschaft in Mülheim am Rhein der erfolgreichen Vergangenheit eine nicht minder erfolgreiche Zukunft anreihen wird.
QUELLE[50 Jahre Kölner Bezirksverein des VDI (1911) 191]


ZEIT1888
THEMABeschreibung
TEXTDie Firma Felten & Guilleaume wurde 1824 in Köln von Johann Theodor Felten mit seinem Schwiegersohn Franz Karl Guilleaume gegründet und von dessen Enkel, dem kürzlich verstorbenen Kommerzienrat gleichen Namens, zu einer Weltfirma entwickelt. Ursprünglich befaßte sich dieselbe mit Seilerwaaren. Mit der Erfindung der Eisendrahtseile durch Professor Albert in Clausthal begann für die Seilindustrie eine neue glanzvolle Periode. Im Jahre 1845 gründete die Firma eine Seilerkolonie auf der Linderhaide bei Wahn, welche erst im Jahre 1872, als das Karlswerk in Mülheim am Rhein ins Leben trat, aufgehoben und mit dem ganzen Betriebe dorthin verlegt wurde. 1853 errichteten Felten & Guilleaume zu Köln die erste Drahtverzinkerei in Deutschland, 1857 die Drahtzieherei, welche beide später mit dem Karlswerk verbunden und bedeutend erweitert wurden. Im Jahre 1867 wurde der erste Anfang zur mechanischen Seilerwarenfabrik gemacht durch Aufstellung von Polier- und Zwirnmaschinen. Der rasche Aufschwung derselben veranlaßte die Erbauung des Karlswerkes im Jahre 1872 und die Trennung nach den beiden Hauptbranchen, indem das Mülheimer Werk die Drahtabteilung, in Köln die Fabrik Rosenthal die Hanfabteilung erhielt. Das Karlswerk bedeckt einen Flächenraum von 20 ha, beschäftigt 1600 Arbeiter, hat Dampfmaschinen mit zusammen 1200
Pferdekraft und erzeugt jährlich etwa 35.000 t (wovon etwa 25.000 zum Export) Draht, Drahtseile und Kabel usw. Das Werk hat eine eigene Gasfabrik für einen jährlichen Gasverbrauch von etwa 700.000 cbm, elektrische Beleuchtung, Telephoneinrichtung und elektrische Zeitregulierung mittels Normaluhren und sympathischer Uhren. Auch ist das Karlswerk Telegraphenstation, ferner mit Bahnanschluß und 4 km eigenem Gleis versehen. Hand in Hand mit diesen großen geschäftlichen Anlagen gehen die für die Arbeiter und deren Wohl sorgenden Einrichtungen, nämlich: Konsumanstalt zur Beschaffung billiger und guter Waren, Sparkasse, zahlreiche Arbeiter-, Meister-Beamtenwohnungen, und Kinderbewahranstalten usw. Das Werk steht in jeder Beziehung auf der Höhe der Zeit. Die Hauptfabrikate sind Draht, Drahtseile und Kabel. Vom Draht werden Seildrähte, von den gewöhnlichen Eisendrähten bis zu den feinsten Patentgußdrähten mit Tragfähigkeiten von 40 bis über 200 kg pro qmm Querschnitt gefertigt; außerdem verzinkte Leitungsdrähte für Telegraphie, Telephonie und elektrische Beleuchtung; ferner Stacheldraht und Drahtmöbel. Die Drahtseile werden für die mannigfachsten Zwecke angefertigt, besonders für Bergwerke, Seilbahnen, Tauereien, Seilbrücken. Eine besondere Spezialität des Karlswerkes ist die Anfertigung der Telegraphenkabel. Es nahm zuerst auf dem Kontinent deren Fabrikation auf und stellte u. a. von 1876 — 1881 etwa 3800 km unterirdische Telegraphenleitung für die Reichsverwaltung her. Mit der Aufnahme des Telephons in den Geschäftsverkehr werden auch Telephonkabel hergestellt. Obwohl das Werk nicht in einem Guß entstanden ist, so zeigen die Gebäude doch einen fast einheitlichen Charakter: zumeist große Räume mit Holzdecken und Dächern auf eisernen Säulen, später Hallen mit Sheddachbeleuchtung oder mit bombiertem Wellblech überspannt.
QUELLE[Köln und seine Bauten (1888) 755]