C. F. Boehringer & Söhne GmbH


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C. F. Boehringer & Söhne GmbH: C. F. Boehringer & Söhne GmbH


Allgemeines

FirmennameC. F. Boehringer & Söhne GmbH
OrtssitzMannheim
OrtsteilWaldhof
StraßeSandhofer Str. 116
Postleitzahl68305
Art des Unternehmenschemische Fabrik
AnmerkungenHier: in Mannheim; 1872/73-1882/84 am Jungbusch ("ZinkhĂŒtte", ex chemische Fabrik "Sonntag, Engelhorn & Clemm" bzw. BASF); Verwaltung bis 1886 in Mannheim. 1859-73: in Stuttgart (s.d.). Die Fabrikation umfaßt Alkaloide (insbesondere Chinin, Coffein, Cocain, Strychnin usw.), Aether, Glycerin, Extrakte, synthetische Riechstoffe, synthetische Arzneimittel usw., Eigene AusladeplĂ€tze am Altrhein. Ab 1968: "Boehringer GmbH Mannheim" (s.d.). Seit 1998 "Roche Diagnostics GmbH" (s.d.)
Quellenangaben[C. F. Boehringer & Söhne (1934)] [Chem Ind Dt Reich (1929/30) 179] [Dt. StĂ€dte: Mannheim (1922)] [Mannheimer Morgen, 27.5.1997, S. 7] [FĂŒhrer durch die Ind.- u. Hafenanlagen von Mannheim (1909)]
Hinweise[100 Jahre chemische Industrie im Rhein-Neckar-Dreieck (1999) 48]: Werksansicht um 1900




Unternehmensgeschichte

Zeit Ereignis
1817 GrĂŒndung der Medizinaldrogenhandlung "Engelmann & Boehringer" in Stuttgart als Ursprungsfirma.
1855 Geburt von Friedrich August Engelhorn in Mannheim
1859 UmgrĂŒndung von "Engelmann & Boehringer" in Stuttgart zur Firma "C. F. Boehringer & Soehne"
15.05.1859 GrĂŒndung in Stuttgart durch Umwandlung aus "Engelmann & Boehringer"
1868-1869 Die Frage einer Verlegung der in der Stuttgarter Innenstadt gelegenen Boehringer'schen Fabrik wird dringend. Im ersten Jahrzehnt hatte sich die Tagesproduktion an Chininsulfat ungefĂ€hr verdoppelt, womit die zur VerfĂŒgung stehenden RĂ€umlichkeiten voll ausgenutzt sind. Der stetig wachsende Absatz verlangt jetzt eine weitere unfassende BetriebsvergrĂ¶ĂŸerung, aber die Unmöglichkeit der Erwerbung von NachbargrundstĂŒcken und die unzulĂ€nglichen Brunnen verhindern die Erweitung in Stuttgart. Ferner sind die TransportverhĂ€ltinisse (Fuhrwerkstransport vom Bahnhof) sehr ungĂŒnstig. Da wird C. Boehringer von Friedrich Engelhorn auf das GrundstĂŒck am Jungbusch ("ZinkhĂŒtte", am Neckar gelegen, ab 1861 "Chemische Fabrik Dyckerhoff, Clemm & Co." bzw. ab 1863 "Sonntag, Engelhorn & Clemm") aufmerksam, das die BASF bei ihrem Umzug nach Ludwigshafen 1865 verlassen hatte.
1868 Christoph Boehringer wird Leiter der Firma "C. F. Boehriger & Söhne"
1870 Christof Boehringer kauft das GelĂ€nde der vormaligen Teerfarbenfabrik "Sonntag, Engelhorn & Clemm" (zuletzt BASF) an der ehemaligen "ZinkhĂŒtte" am Neckar fĂŒr 153.000 fl.
1872-1873 Aus PlatzgrĂŒnden 1872/73: Verlegung von Stuttgart in die Hafenstadt Mannheim. Die Firma ĂŒbernimmt dort am "Pestbuckel" das UrsprungsgelĂ€nde der Badischen Anilin- und Sodafabriken. Der Umzug gibt bequeme Gelegenheit zur EinfĂŒhrung eines kurz vorher ausgearbeiteten neuen Extraktionsverfahrens fĂŒr die Chinindarstellung. Bereits im ersten Jahr spart man 6.000 fl. Kohle, und die Frachten fĂŒr Chinarinde sind erheblich billiger.
01.03.1873 Christof Boehringer wird nach Ausscheiden auch der Witwe des 1864 verstorbenen Bruders Alleininhaber.
1874-1876 Seit Mitte der 1870er Jahre wird neben Chinaalkaloiden allmÀhlich die Fabrikation fast sÀmtlicher Alkaloide, ferner galenischer Extrakte aller Art und anderer Pflanzenstoffe aufgenommen.
1880-1882 Die Beseitigung der bedeutenden Mengen extrahierter Chinarinde und anderer Abfallstoffe bereitet Schwierigkeiten und lĂ€ĂŸt die Verlegung auf ein von der Stadt mehr entferntes GelĂ€nde wĂŒnschenswert erscheinen, wo auch bessere Ausdehnungsmöglichkeiten vorhanden sind. ZunĂ€chst denkt man an ein sĂŒdlich am Rhein gelegenen Areal bei Rheinau; die Verhandlungen scheitern jedoch an den zu hohen Preisvorstellungen der dortigen Bauern. Schließlich wird ein geeignetes GelĂ€nde von 100 Morgen auf dem Waldhof (zum Dorf KĂ€fertal gehörig) am Altrhein erworben.
08.1881 Ein großer Teil des Werks auf dem Jungbusch geht in Flammen auf.
1882-1884 1882/84: Verlegung nach Mannheim-Waldhof
1882 Die Fabrik auf dem Waldhof geht in Betrieb
01.03.1882 Christoph Boehringer stirbt und hinterlĂ€ĂŸt das GeschĂ€ft seiner Witwe, die es bald ihrem Sohn Ernst Boehringer ĂŒbergibt. (Sein anderer Sohn, Albert, grĂŒndet eine WeinsĂ€urefabrik in Nieder-Ingelheim, spĂ€ter "C. H. Boehringer Sohn".)
12.1883 Dr. Friedrich Engelhorn, der jĂŒngste Sohn von Friedrich Engelhorn (BegrĂŒnder der BASF), tritt als Teilhaber in die Firma ein. Die alte Freundschaft zwischen den Familien Boehringer und Engelhorn wird dadurch vertieft und fĂŒhrt bald darauf zu engerer verwandtschaftlicher Verbundenheit, da die beiden Teilhaber zwei Schwestern, Töchter des Mannheimer Großkaufmanns Carl Joerger, heiraten. Mit dem Eintritt von Engelhorn beginnt eine neue Epoche in der Entwicklung der Firma. Sein vom Vater ererbter Unternehmergeist dehnt die Grenzen des Betriebs in zielbwußter, energischer Arbeit. Ernst Boehringer erweist sich als geschickter Kaufmann.
1885 Die Zusammenarbeit mit dem Pharmakologen Prof. Oswald Schmiedeberg aus Straßburg beginnt. Sie dauert bis in die Zeit des Ersten Weltkriegs.
07.1885 Die erste Sendung des aus frischen CocablĂ€ttern gewonnenen Rohcocains trifft aus Peru bei Boehringer in Mannheim ein. Das daraus hergestellte salzsaure Cocain wird fĂŒr 4,50 Mark/g verkauft. Boehringer stellt spĂ€ter die Produktion auf BlĂ€tter aus Java um
1886 Das kaufmĂ€nnische BĂŒro wird von Mannheim nach Waldhof verlegt
1887 Dr. Otto Bonhöffer entdeckt in den Mutterlaugen der Physostigmin- (Eserin-) Fabrikation ein neues Alkaloid, das Esiderin. Es wird sofort in den Handel gebracht, da es sich aufgrund pharmakologischer und klinischer Untersuchungen von W. Eber (Gießen) bei gleicher therapeutischer Wirkung dem Eserin gegenĂŒber als bedeutend weniger giftig herausstellt.
Anfang 1888 Dr. Phil. Wagner im Atropinbetrieb der Firma findet die glatte ÜberfĂŒhrung des l-Hyoscyamins in Atropin, die beim Erhitzen auf den Schmelzpunkt erfolgt. Kurz darauf publiziert Will die gleiche Beobachtung in den Berichten der Deutschen Chemischen Gesellschaft.
1888 In der Reihe der Glykoside wandte die Firma schon zeitig den Digitaliskörpern ein besonderes Interesse zu, angeregt durch Schmiedeberg, der durch seine Arbeiten einen neuen Zug in die Chemie dieser Substanzen gebracht hatte. 1888 wird der MĂŒnchener Privatdozent Heinr. Kiliani auf dieses Arbeitsgebiet gebracht. Nicht so bedeutend ist die unmittelbare praktische Ausbeute aus dieser Verbindung - eine Zeitlang wird das dargestellte Digitalinum verum in den Handel gebracht - aber das dadurch bekannt gewordene Interesse der Firma an dem Digitalisgebiet fĂŒhrt ihr spĂ€ter die Herstellung zweier wichtiger Herzmittel zu.
03.11.1888 Erteilung des D.R.P. 47713 auf das von Dr. Otto Klein gemeinschaftlich mit Dr. A. Einhorn (MĂŒnchen) entwickelte Verfahren fĂŒr die "Cocainsynthese" (Gewinnung anderer Alkaloide); vergl. Patent von Liebermann/Giesel der "Chininfabrik Braunschweig"
1889 Mit dem von der Firma hergestellten k-Strophantin stellt Prof. Feist (ZĂŒrich) 1889 seine bemerkenswerten Untersuchungen ĂŒber dessen chemische Natur an. Diese Arbeiten bringen spĂ€ter Alb. Fraenkel bei der von ihm eingefĂŒhrten intravenösen Behandlung von Herzleiden auf die Wahl dieses wasserlöslichen Glykosides und lassen ihn mit Boehringer in Verbindung treten. (Der Schweizer Apotheker Dr. Fr. Kraft isoliert das Verodigen (Gitalin) aus dem Kaltwasserextrakt der DigitalisblĂ€tter.)
18.12.1891 Dr. Fritz Ach wird das Verfahren zur Herstellung von Vanillin aus Nelkenöl ĂŒber das Benzyleugenol (D.R.P. 65937) patentiert. Es gestattet Boehringer, als erste nach der Firma Haarmann & Reimer die Darstellung dieses Riechstoffes aufzunehmen.
1892 Die von Prof. Schmiedeberg aufgefundene, von ihm als der wahre Reservestoff fĂŒr die Eisenversorgung des Organismus betrachtete FerrialbuminsĂ€ure, der er bald darauf mit seinem SchĂŒler P. Marfori kĂŒnstlich aus Eisen und Eiweiß darzustellen lehrte (D.R.P. 72168), bringt die Firma 1892 als "Ferratin" in den Handel. Dieses PrĂ€parat wird - insbesondere in seiner Kombination mit Arsen - in Gestalt der Arsenferratose zu einem bewĂ€hrten und viel verordneten Blutbildungs- und KrĂ€ftigungsmittel.
1892 Dr. E. Köbner tritt in die Firma ein.
14.09.1892 Ernst Boehringer stirbt frĂŒhzeitig ohne mĂ€nnlichen Nachkommen im Urlaub in Italien an einer Fischvergiftung, den Anteil der Erben erwirbt Dr. Engelhorn. Mit Boehringer verliert die Firma einen wegen seiner temperamentvollen Frische und seines frohen Wesens ĂŒberall beliebten Chef.
1892 Friedrich Engelhorn wird nach dem Tode Ernst Boehringers Alleininhaber von "C. F. Boehringer & Söhne"; seine FĂŒhrung bringt das Unternehmen zu immer wachsendem Unfang und erhöhter Weltgeltung. Zugleich erwibt er sich selbst durch seine natĂŒrlichen Gaben und seine gewinnende Persönlichkeit eine anerkannte Stellung im öffentlichen Leben seiner Vatersadt und in der deutschen Industrie. Er ist im Aufsichtsrat bedeutender Unternehmen (Westeregeln, Rossleben, Knapsack, Eilenburg, WaghĂ€usel), besitzt die Trockenplattenfabrik "Otto Perutz" in MĂŒnchen und das "Dynamidonwerk" in Waldhof.
1893 Dr. Fritz Ach entwickelt ein Verfahren zur ÜberfĂŒhrung von Morphin in Codein, wodurch man vom D.R.P. 39887 der "Knoll & Co." unabhĂ€ngig wird.
1894 Dr. L. Aach tritt in die Firma ein.
1894 Dr. Louis SchĂ€fer (u.a. Erfinder der "Oxalatprobe" und Aufbau einer Rohcocain-Fabrik in Peru um 1885) verlĂ€ĂŸt die Firma und grĂŒndet eine Alkaloidfabrik in Marywood (USA)
1898 Auf dem Gebiet der technischen Chemikalien setzt die Firma in den Jahren 1898-1911 viel Geld und MĂŒhe auf dem Bereich der Elektrochemie ein, der bei ihr in einem besonderen Laboratorium von Dr. Max Buchner und einer Anzahl von Mitarbeitern bearbeitet wird. Es handelt sich dabei um die elektrolytische Darstellung von Anilin aus Nitrobenzol unter gleichzeitiger Gewinnung von Alkali und Chlor.
25.08.1898 Lorenz Ach erhĂ€lt das D.R.P. 107720 fĂŒr die Herstellung von Vanillin aus Guajakol und Alloxan, an dem jahrelang gearbeitet wurde
1899-1900 In der Zeit der Jahrhundertwende fallen die wesentlichen Entwicklungsarbeiten auf dem Gebiet der herz- und kreislaufwirksamen Pharmaka. Eigene Coffein-, Codein- und Theophyllin-Synthesen und die grundlegenden Kenntnisse der Digitalis- und Strophanthusglykoside werden erarbeitet.
09.05.1899 Lorenz Ach erhĂ€lt ein weiteres D.R.P. 115817 fĂŒr die Herstellung von Vanillin aus Guajakol und Alloxan
1901 Herstellung des synthetischen Cumarin
1902 Die Coffein-Produktion wird aufgrund der Forschungen Emil Fischers von Tee-AbfÀllen auf den Grundstoff Guano umgestellt. (Umwandlung von Guano in HarnsÀure und verschieden Zwischenstufen in Coffein) Gleichzeitig wird nach diesem Verfahren die Herstellung von Theophyllin (wirksames Diuretikum) aufgenommen.
1902 Der Chemiker Dr. F. Ach (Coffeinsynthese) stirbt im Alter von 37 Jahren. Als Leiter des wissenschaftlichen Laboratoriums folgt ihm sein Bruder Lorenz Ach.
20.05.1904 Lorenz Ach erhĂ€lt das D.R.P. 177290 fĂŒr die ÜberfĂŒhrung von Isoborneol in Campher mittels Chlor als Grundlage des spĂ€teren Campher-Betriebs)
1905 Boehringer betreibt seit 1905 gemeinsam mit der "Chininfabrik Braunschweig" eine eigene Coca-Pflanzung "Tegallegea" in den Preanger Regentschaften (Java)
1905 Boehringer gibt sein "Therapeutisches Vademecum" heraus, dass alljĂ€hrlich den deutschsprechenden Ärzten als vollkommen neutral gehaltene Übersicht ĂŒber die Literatur des Vorjahres auf dem Gebiet der medikamentösen Therapie vorstellt.
1906 Das Strophanthin-PrÀparat Kombetin wird von Prof. Fraenkel inauguriert, das als Herzmittel in der vordersten Linie steht.
1906 Herstellung synthetischer Campher auf der Grundlage des D.R.P. 177290 von Lorenz Ach
1906 Paul Fritzsching tritt in die Firma ein.
1906 Dr. E. Köbner wird Prokurist
01.12.1906 Die drei sĂŒddeutschen pharmazeutischen Fabriken im Privatbesitz: "C. F. Boehringer & Söhne", "E. Merck" in Darmstadt und "Knoll" in Ludwigshafen schließen sich zu einer Interessengemeinschaft zusammen. Um eine namhafte Großdrogenhandlung fĂŒr den Vertrieb zu haben, bezieht man in die Verhandlungen auch die Firma "Gehe & Co." in Dresden ein. Der Vertrag zwischen den vier Firmen wird am 1. Dezember unterzeichnet. - Im Folgejahr schließt sich auch die Firma "J. D. Riedel" in Berlin an.
1907 W. Schickert tritt in die Firma ein und wird Prokurist
1907 Neben Prof. O. Schmiedeberg ist es hauptsĂ€chlich Walter Straub, der als pharmakologischer Berater befruchtenden und anregenden Einfluß auf die im Laboratorium der Firam zu leistende Arbeit ausĂŒbt und viele der dort synthetisierten PrĂ€parate auf ihre physiologische Wirksamkeit prĂŒft. Er legt auch die pharmakologischen Eigenschaften des Verodigens klar, auf denen Krehl die klinische EinfĂŒhrung des PrĂ€parates aufbaut.
1910 Der synthetischen Coffein-Produktion erwÀchst um 1910 ein beachtlicher Konkurrent in dem aus Kaffeebohnen gewonnenen Coffein, wie es bei der Fabrikation des sog. Kaffee Hag nach dem Wimmer'schen Patent als Nebenprodukt anfÀllt.
1911 Dr. L. Aach wird Prokurist
03.01.1911 Tod von Dr. Friedrich Engelhorn im 56. Lebensjahr. Er hinterlĂ€ĂŸt ein Werk in blĂŒhender Entwicklung; einen namhaften Anteil daran kommt den in der kaufmĂ€nnischen Abteilung tĂ€tigen Mitarbeitern zu (insbesondere Gustav Cless, frĂŒherer Teilhaber des Stuttgarter Drogenhauses "Louis Duvernoy & Co."). Da seine beiden Ă€ltesten Söhne, die fĂŒr das Waldhofer Unternehmen bestimmt sind, sich noch der der Ausbildung befinden, wird die Witwe Marie Engelhorn Inhaberin von "C. F. Boehringer & Söhne". Sie ĂŒbertrĂ€gt die FĂŒhrung der GeschĂ€fte einem Kollegium in der Firma tĂ€tiger Prokuristen (Dr. L. Ach, Dr. E. Köbner, W. Schickert). UnterstĂŒtzt von einer gĂŒnstigen Wirtschaftskonjunktur vermag die von Engelhorns Witwe und Rechtsnachfolgerin eingesetzte vierköpfige GeschĂ€ftsleitung das Unternehmen erfolgreich weiter zu fördern.
03.01.1911 bis 30.06.1911 Nach dem Tod von Dr. Friedrich Engelhorn tritt der zweite Sohn Hans, der nach vollendeter kaufmÀnnischer Ausbildung im juristischen Studium begriffen ist, als Prokurist in die GeschÀftsleitung ein.
05.07.1911 Walter Straub entwickelt das mekonsaure Doppelsalz von Morphin und Carcotin (D.R.P. 254502 vom 05.07.1911), das von Boehringer als "Narcophin" herausgebracht wird.
1913 Die Witwe von Dr. Friedrich Engelhorn ĂŒbergibt die GeschĂ€ftsleitung den Söhnen Fritz und Hans (Abschluß des Chemiestudiums Anfang 1914; gerĂ€t in Tsingtau in Kriegsgefangenschaft)
08.1914 Hans Engelhorn rĂŒckt als Kriegsfreiwilliger ein und geht bald an die Front, obwohl durch einen Unfall militĂ€runtauglich
1. Weltkrieg Die Herstellung des fĂŒr die Pulverfabrikation benötigten SchwefelĂ€thers wird wesentlich erweitert. Der Glyzerinbetrieb erhĂ€lt von der Kriegsrohstoffabteiluung die Rektifikation des nach dem Neuberg'schen Verfahrens durch ZuckergĂ€rung erhaltenen Rohglycerins (Protol) zugewiesen. Neu aufgenommen wird die Fabrikation von Baryumchlorat fĂŒr Leuchtmunition und eines ImprĂ€gnierungsmittels fĂŒr Gasmasken.
21.06.1917 bis 11.11.1918 Infolge der immer mehr verschĂ€rften Blockade ist es "Boehringer & Söhne" in Mannheim nicht mehr möglich, Chinarinde aus NiederlĂ€ndisch-Indien zu erhalten, so daß man vom Sommer 1917 an ohne Zufuhr neuen Rohmaterials bleibt. Durch die Aufarbeitung aller Halbprodukte, Laugen und RĂŒckstĂ€nde gelingt es, bis Kriegsende die Chininversorgung der in den Malariagebieten stehenden deutschen und verbĂŒndeten Truppen sicherzustelllen. Die heimische Produktion kommt schließlich zum Stillstand.
1920 Die Interessengemeinschaft von "C. F. Boehringer & Söhne", "E. Merck" (Darmstadt), "Knoll" (Ludwigshafen), "Gehe & Co.", Dresden und "J. D. Riedel", Berlin, wird aufgelöst; nur die drei sĂŒddeutschen Firmen arbeiten noch vier Jahre zusammen.
04.1920 Dr. F. C. ("Fritz") Engelhorn kehrt aus der japanischen Kriegsgefangenschaft in die Heimat zurĂŒck.
01.07.1920 bis 31.12.1920 Erst jetzt gelangt wieder Chinarinde nach Deutschland. Die schlechte Versorgung damit hat zur Folge, daß die drei deutschen Chinin-Hersteller (Boehringer, Chininfabrik Braunschweig, Zimmer & Co.), die frĂŒher mehr als die HĂ€lfte die HĂ€lfte des weltweiten Chininbedarfs gedeckt hatten, ihre Vormachtstellung verlieren. Die geht an die HollĂ€nder ĂŒber, die durch ihre Kolonien den SchlĂŒssel zur Chinarinden-Versorgung haben.
09.1920 Umwandlung in eine GmbH mit den bisherigen Inhabern, den BrĂŒdern Dr. Fritz C. Engelhorn und Hans Engelhorn, als Gesellschafter. Die Liegenschaften und GebĂ€ude bleiben im Besitz der offenen Handelsgesellschaft, deren Firma in "Gebr. Engelhorn" umgewandelt wird.
1922 Seit 1885 bis 1922 werden der Firma ĂŒber 800 in- und auslĂ€ndische Patente erteilt
1922 Ende der Amtszeit von W. Schickert als Prokurist
04.1922 Dr. Richard MĂŒller, bisher Direktor der "Deutschen Celluloidfabrik" in Eilenburg und bereits frĂŒher bei Boehringer tĂ€tig, wird dritter Gesellschafter.
1923 Dr. Richard MĂŒller faßt im Verlauf eingehender Arbeiten auf dem Gebiete des synthetischen Camphers und auf dem Cellulose-Gebiet den Gedanken, eine Cellulosefabrik zu errichten. Sie soll ihre beiden Grundstoffe, Nitrocellulose und Campher, selbst herstellen, was bisher noch in keinem der bestehenden Werke erfolgte. Im Jahre 1923 bietet sich in der Schweiz ein Objekt, bestehend aus der Rohcelluloidfabrik "Cellag" in Worblaufen bei Bern, der auf dem selben Areal befindlichen Campherfabrik, der "Camphora AG" und der unweit gelegenen "Schweizerischen Celluloid-Warenfabrik A.-G." in Bern-Zollikofen. Diese Unternehmen werden von "Boehringer & Söhne" in Form der neugegrĂŒndeten "Worbla A.-G." zusammengefaßt, und die vorhandenen Einrichtungen werden aufgrund neuer technischer Gedanken tiefgreifend umgestaltet, und die baulichen Anlagen werden bedeutend erweitert.
1924 Die auf die sĂŒddeutschen Firmen zusammengeschmolzene Interessengemeinschaft der pharmazeutischen Fabriken von "C. F. Boehringer & Söhne", "E. Merck" (Darmstadt) und "Knoll" (Ludwigshafen) wird aufgelöst. Die Firmen bleiben aber durch das MBK-Unternehmen (Merck, Boehringer, Knoll) in Kontakt. MBK bringt unter der Bezeichnung "Compretten" bzw. "Amphiolen" gebrauchsfĂ€hige Medikamente heraus.
1926 Der IsovaleriansÀure-Betrieb wird eingerichtet
1926 SĂ€mtliche GeschĂ€ftsanteile der "Vereinigten Chininfabriken Zimmer & Co." in Frankfurt werden erworben. Die Fabrikationen (Chinin, ChininprĂ€parate sowie Spezialprodukte wie "Validol", "Euchinin", "Optochin" werden zu Boehringer verlegt, ebenso das VerkaufsbĂŒro.
1930 Der Leiter des wissenschaftlichen Laboratoriums, Lorenz Ach, setzt sich zur Ruhe, ist aber weiterhin forschend tÀtig
1930 Ende der Amtszeit von Dr. E. Köbner als Prokurist
1930 Ende der Amtszeit von Dr. L. Aach als Prokurist
1930 Wegen der wirtschaftlichen Depression und Überproduktion wird die von Anfang an nicht ertragreiche "Worbla A.-G." (Celluloidfabrik) in Worblaufen abgestoßen. Nur das Werk in Zollikofen bleibt bei Boehringer.
09.1930 Der bisher in der kaufmĂ€nnischen Leitung tĂ€tige Paul Fritzsching wird zum GeschĂ€ftsfĂŒhrer ernannt
Sommer 1931 Dr. Richard MĂŒller scheidet als Gesellschafter wieder aus dem Unternehmen aus, bleibt mit ihm aber auf dem Forschungsgebiet der Cellulosederivate weiterhin in Verbindung.
1945 Tod von Rudolf Konrad Engelhorn (vmtl. in Mannheim)
1948 Das Programm medizinischer SpezialitĂ€ten kann planmĂ€ĂŸig weiter ausgebaut werden. Große und moderne Forschungslaboratorien, Neuanlagen fĂŒr die Tablettierung, AmpullenabfĂŒllung und Verpackung erstehen, ein Stab hochqualifizierter Wissenschaftler werden fĂŒr die Firma gewonnen.
1959 Hans Robert Engelhorn veranlaßt bei der 100-Jahr-Feier von "Boehringer Mannheim" die Stiftung einer Million DM fĂŒr die Kunsthalle und die Uni Heidelberg.
1960 Tod von Hans Robert Engelhorn (vmtl. in Mannheim)
1968 Weil Albert, der jĂŒngste Sohn des GrĂŒnders zwischenzeitlich in Ingelheim bei Mainz seine eigene chemische Fabrik grĂŒndete, wird die nordbadische Gesellschaft in "Boehringer Mannheim" umbenannt.




Produkte

Produkt ab Bem. bis Bem. Kommentar
Alkaloide 1909 [FĂŒhrer durch die Ind.- u. Hafenanlagen] 1929 [Chem Ind Dt Reich (1929/30) 179]  
Chinin und ChininprĂ€parate 1873 Beginn (Umzug von Stuttgart) 1929 [Chem Ind Dt Reich (1929/30) 179]  
synthetische Arzneimittel 1909 [FĂŒhrer durch die Ind.- u. Hafenanlagen] 1929 [Chem Ind Dt Reich (1929/30) 179]  
synthetische Riechstoffe 1909 [FĂŒhrer durch die Ind.- u. Hafenanlagen] 1929 [Chem Ind Dt Reich (1929/30) 179]  




Betriebene Dampfmaschinen

Bezeichnung Bauzeit Hersteller
Dampfmaschine vor 1900? Gebr. Sulzer AG
Dampfmaschine vor 1914 Gebr. Sulzer AG
Lokomobile 1897 Heinrich Lanz Aktiengesellschaft




Betriebsanlagen

Zeit Betr.-Teil FlÀche bebaut Gleis Whs Betr. in Kommentar
1929 Stammwerk     1 1    
1934 Waldhof 339170 47800 2 eigene Ladestelle am Altrhein (Gleisverbindung)   Mit 126 Einzelbauten bebaut. Wasserwerk: 3 Zentrifugalpumpen mit je 240 cbm/h. GleisanschlĂŒsse zur Reichsbahn und zur Waldhof-Bahn und hat normalspurige und schmalspurige Gleise




Personal

Zeit gesamt Arbeiter Angest. Lehrl. Kommentar
1872 22 20 2   2 Chemiker
1906 500 460 40   40 kaufmĂ€nnische und chemisch-technische Beamte
  361 247 114   Alle DienstfĂ€higen sind unter den Waffen; Verbleib: 142 mĂ€nnliche und 105 weibliche Arbeiter und 65 bzw. 49 Angestellte
1922 950 700 250   darunter 34 akademisch gebildete Chemiker und Ingenieure sowie 35 Techniker und Laboranten
1929 800 600 200    
1934 603 385 218   Nach dem Tiefststande von 1932 in AufwĂ€rtsbewegung. Unter den Angstellten 27 Akademiker; 40-Stunden-Woche




Firmen-Änderungen, ZusammenschĂŒsse, Teilungen, Beteiligungen


Zeit = 1: Zeitpunkt unbekannt

Zeit Bezug Abfolge andere Firma Kommentar
1968 Umbenennung danach Boehringer Mannheim GmbH C.F.Boehringer&Söhne --> Boehringer Mannheim GmbH
1873 Ortswechsel zuvor C. F. Boehringer & Söhne GmbH Stuttgart --> Mannheim [Chem Ind Dt Reich (1929/30) 179]