SĂ€chsische Maschinenfabrik vorm. Richard Hartmann AG


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SĂ€chsische Maschinenfabrik vorm. Richard Hartmann AG: SĂ€chs. Maschinenfabrik: Lokomotiv-Montagehalle SĂ€chsische Maschinenfabrik vorm. Richard Hartmann AG: SĂ€chs. Maschinenfabrik: Gießerei


Allgemeines

FirmennameSĂ€chsische Maschinenfabrik vorm. Richard Hartmann AG
OrtssitzChemnitz
StraßeHartmannstr. 28
Postleitzahl0911x
Art des UnternehmensMaschinenbau-Anstalt und Eisengießerei
AnmerkungenBis 1870: "Maschinenfabrik Richard Hartmann" (s.d.); bis 1890 unter der Firma "SÀchsische Maschinen-Fabrik zu Chemnitz" (so noch in den Quellen 1892/1900). 1892: Direktoren: C. Frdr. L. Backmann, Ingenieur C. E. Reith u. Ingenieur H. 0. Gg. JÀger. Ab 1896 auch Zweigwerk in Lugansk (s.d.). Dazu: Abt. Nienburger Maschinenfabrik (Gummimaschinen), Nienburg (Saale). Um 1908: in Chemnitz GesamtflÀche: 260.000 qm, mit 116 GebÀuden und 22 hohen Schornsteinen; Areal in Borna und Furth: 600.000 qm. Ab 1930: "SÀchsische Textilmaschinenfabrik ..." (s.d.). Adresse (1943): Friedrich-August-Str. 4.
Quellenangaben[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912] [Eisenbahnwesen d Gegenw (1911) II, 155] [100 Jahre Dampfmaschine Werdau (1999) 37 (Uhlmann)] [Handbuch Akt.-Ges. (1943) 5274]




Unternehmensgeschichte

Zeit Ereignis
1837 GrĂŒndung des VorgĂ€nger-Unternehmens, der "Maschinenfabrik Richard Hartmann"
04.04.1870 Umwandlung aus "Maschinenfabrik Rich. Hartmann" in die Firma "SĂ€chsische Maschinen-Fabrik zu Chemnitz" mit einem Aktienkapital von 2,5 Millionen Taler (7,5 Millonen Mark). Richard Hartmann wird Vorsitzender des neuen Verwaltungsrates.
1872 Auszeichnung durch die Große goldene Medaille in Moskau
1873 Der Umsatz steigt auf 11 Mill. Mark
1873 Hermann Krause, Oberingenieur der SĂ€chsischen Maschinenfabrik, entwickelt eine Ventilsteuerung mit freifallender Klinke. Die Ventile sind seitlich am Zylinder. Die Einlaßventile werden durch die daneben befindlichen Exzenter auf der Steuerwelle betĂ€tigt, die Auslaßventile durch unrunde Scheiben auf der Steuerwelle. Der Ausklinkmechanismus ist direkt an der Ventilspindel: Ein Winkelhebel ist innerhalb der hier rahmenförmigen Spindel. Sein senkrechter Arm rastet in die Spindel ein. Der waagrechte Arm stĂ¶ĂŸt beim Hochgang des Ventils gegen eine vom Regler beeinfußte Kurvenscheibe, dreht dann den Winkelhebel und löst die federbelastete Spindel aus.
1873 Die SÀchsische Maschinenfabrik stellt auf der Wiener Weltausstellung eine 100-PS-Ventilmaschine mit freifallender Klinke aus, die Radinger als "einen der schönsten und mÀchtigsten Motoren der ganzen Ausstellung" bezeichnet.
1873 Verleihung eines Ehrendiploms auf der Weltausstellung in Wien
ca. 1875 Bau von Dampfmaschinen mit Steiner-Allan-Steuerung (liegende Maschinen mit regler-abhÀngiger Expansionsschiebersteuerung) bei Hartmann in Chemnitz
1875 Auszeichnung durch eine Preismedaille in Dresden
1878 Bau der 1000. Lokomotive
16.12.1878 Tod von Richard Hartmann an den Folgen eines Gehirnschlags. Mit ihm geht einer der erfolgreichsten deutschen Unternehmer dahin. Er wird auf dem Chemnitzer StÀdtischen Friedhof beerdigt.
um 1880 EinfĂŒhrung der Collmann-Ventilsteuerung bei der SĂ€chsischen Maschinenfabrik. - Diese sucht unter Benutzung des dieser Steuerung zugrunde liegenden Gedanken zur Suche nach einer neuen Steuerung (der Höffner-Steuerung).
1880 Verleihung einer Goldenen und einer Silbernen Medaille in Melbourne
1881 Wilhelm Schmidt arbeitet auf Empfehlung von Prof. Zeuner ein dreiviertel Jahr als VolontĂ€r bei der SĂ€chsischen Maschinenfabrik in Chemnitz. Die strenge Arbeitseinteilung sagt ihm nicht zu, und er geht nach WolfenbĂŒttel.
1881 Gustav Hartmann scheidet aus der Direktion der SĂ€chsischen Maschinenfabrik und ĂŒbernimmt den Vorsitz im Verwaltungsrat der Gesellschaft.
1883 Die Firma besitzt um 1883 16 Dampfmaschinen mit 553 PferdestĂ€rken, welchen 21 Kessel mit 1.700 qm HeizflĂ€che den nötigen Dampf liefern, ĂŒber 2.000 m laufende Transmissionen, 1216 Arbeitsmaschinen (494 DrehbĂ€nke, 155 Bohrmaschinen, 132 Hobelmaschinen, 82 Schleif- und Schmirgelapparate, 27 FrĂ€smaschinen, 55 Stoßmaschinen, 11 DampfhĂ€mmer und 183 diverse Maschinen). Die WerkstĂ€tten liefern jĂ€hrlich ca. 120 Lokomotiven nebst Tendern, 80 Dampfmaschinen (von 600 PS bis zu den kleinsten), 80 Turbinen (von 1 - 1000 PS), 2.000 WebstĂŒhle. Die Gießerei zur Erzeugung der grĂ¶ĂŸten und schwersten GußstĂŒcke liefert tĂ€glich ĂŒber 1.000 Zentner Guß. Die Schmiede arbeitet mit doppelter Belegschaft Tag und Nacht. Das Werk umfaßt ferner eine Kesselschmiede, Kupferschmiede, Klempnerei, Modelltischlerei, Stein- und Buchdruckerei usw.
1883/1884 Die Höffner-Ventilsteuerung (als Weiterentwicklung der Collmann-Steuerung), die sich durch besondere Einfachheit auszeichnet, wird bei der SĂ€chsischen Maschinenfabrik herausgebracht. Die Höffner-Maschine gehört als Sattdampfmaschine zu den besten ihrer Art, kann jedoch den gesteigerten AnsprĂŒchen, insbesondere den Forderungen nach immer höheren Umdrehungszahlen nicht entsprechen.
1883 Verleihung einer Goldenen Medaille in Amsterdam
14.01.1883 Höffner erhĂ€lt das Deutsche Reichspatent Nr. 23642 auf seine Ventilsteuerung. Die verĂ€nderliche FĂŒllung wird hier ĂŒber einen bogenförmigen WĂ€lzhebel erreicht, der sich auf einem durch ExzentrizitĂ€t und Regler verschieblichen GegenstĂŒck abwĂ€lzt. Diesem WĂ€lzhebel ist noch ein normaler mit flacher Wölbung nachgeschaltet, der eine sanfte Ventilbewegung ermöglicht. Die erste Dampfmaschine mit dieser Steuerung wird 1884 in der SĂ€chsischen Maschinenfabrik fĂŒr eigene Zwecke gebaut.
23.04.1884 GrĂŒndung der ersten Chemnitzer Werkssiedlung, Kolonie "Heim"
1885 Erstmalige Verwendung des v. Borries'schen Anfahrventils bei einer Hartmann-Verbund-GĂŒterzugslokomotive, die fĂŒr die sĂ€chsischen Staatsbahnen gebaut wird.
26.07.1885 Die Stiftung "Heim" wird von König Albert besucht, welcher nach Besichtigung der HĂ€user, insbesondere von solchen, die von kinderreichen Familien bewohnt sind, seine höchste Anerkennung ĂŒber die Kolonie ausspricht.
1886 Lieferung von Zwillings- und Verbundschnellzuglokomotiven (fĂŒr Vergleichsversuche)
1888/1889 Die Arbeiterspeiseanstalt oder Kantine wird errichtet, nachdem schon vorher zu Hartmanns Zeiten SpeisesÀle vorhanden waren.
1889 Aufnahme des Baus von KĂ€ltemaschinen
1891 Die erste Meyer-Lokomotive wird durch Hartmann an die SĂ€chsische Staatseisenbahn geliefert
1896 WerksvergrĂ¶ĂŸerungen im Bereich der Lokomotivfabrik
1896 GrĂŒndung des Zweigwerks "Russische Maschinenbau-Gesellschaft Hartmann, Lugansk"
1896/1897 Erwerbung großer GrundstĂŒcke im Vorort Altendorf bei Chemnitz, und man errichtet dort eine hervorragend schöne und außerordentlich große Gießerei.
1897/1898 Das inzwischen auf zehn Millionen Mark angewachsene Aktienkapital auf 12 Millionen Mark gebracht.
1897 Bau eines neuen VerwaltungsgebÀudes
1899 Auszeichnung durch ein Ehrendiplom in Como
1900 Die erste Lokomotive mit vier Zylindern, die auf ein gekuppeltes Außensystem wirken, ist eine Schnellzug-Verbundlokomotive, die auf der Pariser Weltausstellung vorgefĂŒhrt wird und dort allgemeines Aufsehen erregt.
1900 Verleihung des Grand Prix auf der Weltausstellung in Paris
1901 Lieferung von 3 Wasserturbinen durch J. M. Voith, Heidenheim
1901 Das Betriebskapital wird durch die Aufnahme einer erststellig hypothekarisch sichergestellten viereinhalbprozentigen Obligationsanleihe im Betrag von fĂŒnf Millionen Mark gestĂ€rkt.
1902/1903 GeschÀftsergebnisse 1902/1903: Umsatz: 9.285.167,03 Mark, Abschreibung: 253.546,95, Dividende: Mark 0%
1902 Erstmaliger Einbau eines Verbinder-Dampftrockners bei schweren GĂŒterzugslokomotiven. Bei diesem werden die in die Rauchkammer eintretenden Heizgase, die noch eine Temperatur bis zu 360° C besitzen, dazu benutzt, um den Dampf, der aus dem Hochdruckzylinder in den Niederdruckzylinder ĂŒbertritt, zu trocknen.
1903 Lieferung von 2 Wasserturbinen durch J. M. Voith, Heidenheim
1903/1904 GeschÀftsergebnisse 1903/1904: Umsatz: 10.507.667,89 Mark, Abschreibung: 345.323,39, Dividende: Mark 0%
1903 Verleihung einer Goldmedaille in Dresden
1904/1905 GeschÀftsergebnisse 1904/1905: Umsatz: 11.287.357,92 Mark, Abschreibung: 498.235,50, Dividende: Mark 2%
1905 Lieferung der ersten mit Schmidtschen RauchkammerĂŒberhitzer ausgerĂŒsteten Lokomotive, eine 5/5 gekuppelte GĂŒterzuglokomotive
1905 EinfĂŒhrung der Kerchove-Dampfmaschine in Deutschland nach Übernahme des von "Friedr. Krupp A.-G.", Essen, fĂŒr das Deutsche Reich erworbenen Patentes van den Kerchove. Die SĂ€chsische Maschinenfabrik sichert sich damit das alleinige AusfĂŒhrungsrecht fĂŒr Deutschland.
1905/1906 GeschÀftsergebnisse 1905/1906: Umsatz: 12.874.788,88 Mark, Abschreibung: 664.558,95, Dividende: Mark 5%
1905 Nach langen Beobachtungen an ausgefĂŒhrten Maschinen, PrĂŒfungen und Vergleiche und aufgrund eigener Versuche entschließt sich die SMF vom Bau von Doppelsitz-Ventilmaschinen abzusehen und sich dem Kolbenventil zuzuwenden. Man ĂŒbernimmt das von der der Firma "Friedr. Krupp" in Essen fĂŒr das Deutsche Reich erworbene Patent van den Kerchove und sichert sich damit das alleinige AusfĂŒhrungsrecht fĂŒr Deutschland. - Durch die gleichzeitig durch andere Maschinenbauanstalten auf den Markt gebrachten und außerordentlich rasch bekannt gemachten Lentz-Maschinen muß die SĂ€chsische Maschinenfabrik dieser Gegnerschaft allein stand halten. Die Kerchove-Maschine ist den besten bisher bekannt gewordenen Kolbenmaschinen hinsichtlich der Vollkommenheit der Konstruktion und der Betriebssicherheit gleichwertig und ĂŒbertrifft sich in bezug auf Wirtschaftlichkeit.
30.06.1905 Bis Ende Juni 1905 wurden von den Werken 2913 Lokomotiven geliefert
30.06.1905 Bis Ende Juni 1905 wurden von den Werken 2116 Dampfmaschinen geliefert
30.06.1905 Bis Ende Juni 1905 wurden von den Werken 3611 Dampfkessel geliefert
30.06.1905 Bis Ende Juni 1905 wurden von den Werken 331 DampfhÀmmer geliefert
1906 Seither werden keine Dampfmaschinen mit Höffner-Steuerung mehr gebaut, weil sich diese fĂŒr ĂŒberhitzten Dampf und fĂŒr höhere Drehzahlen schlecht eignet.
1906/1907 GeschÀftsergebnisse 1906/1907: Umsatz: 15.362.440,08 Mark, Abschreibung: 659.189,23, Dividende: Mark 7%
1907/1908 GeschÀftsergebnisse 1907/1908: Umsatz: 17.115.557,06 Mark, Abschreibung: 856.413,32, Dividende: Mark 12%
1907 Der Dampfturbinenbau wird aufgenommen.
1907 Ehrung durch eine goldene Medaille in Berlin
1908 WerksvergrĂ¶ĂŸerungen im Bereich der Lokomotivfabrik
1908/1909 GeschÀftsergebnisse 1908/1909: Umsatz: 18.418.442,05 Mark, Abschreibung: 892.530,74, Dividende: Mark 11%
bis Mitte 1908 Verbreitung von Kerchove-Dampfmaschinen ĂŒber die Erde [vmtl. Lieferungen aller Lizenz-Firmen]: Nach LĂ€ndern: Amerika: 2.500 PS, Belgien: 105.000 PS, China: 7.000 PS, Deutsches Reich: 35.000 PS, England: 25.000 PS, Frankreich: 118.000 PS, Holland: 10.000 PS, Indien: 3.000 PS, Italien: 1.000 PS, Japan: 3.500 PS, Luxemburg: 1.200 PS, RumĂ€nien: 1.200 PS, Rußland: 3.500 PS, Schottland: 1.500 PS, Spanien, Portugal, Nordafrika: 10.000 PS. Nach Betrieben: Bergwerke: 48.000 PS, chemische Fabriken: 22.000 PS, elektrische Zentralen (öffentliche und private): 76.000 PS, Gasanstalten: 4.500 PS, Holzindustrie: 3.500 PS, HĂŒtten- und Walzwerke: 20.500 PS, keramische Betriebe, Glasfabriken, Ziegeleien ...: 8.500 PS, Maschinenfabriken, EisenbahnwerkstĂ€tten, Eisengießereien: 40.000 PS, MĂŒhlen u.Ă€.: 6.000 PS, Papierfabriken: 10.000 PS, Textilindustrie: 29.000 PS, Verschiedenes: 59.400 PS.
1908 Im Werk werden 264 Jubilare, die 25, 30, 40 und 50 Jahre im Werk tĂ€tig sind, durch stattliche silberne Medaillen, Erhrenzeichen fĂŒr Treue in der Arbeit und Ehrendiplome der Stadt Chemnitz ausgezeichnet.
1908 264 Jubilare, die 25, 30 40 und 50 Jahre im Werk tĂ€tig sind, werden durch staatliche silberne Medaillen, Ehrenzeichen fĂŒr Treue in der Arbeit und Ehrendiplome ausgezeichnet.
1909/1910 GeschÀftsergebnisse 1909/1910: Umsatz: 19.026.937,73 Mark, Abschreibung: 1.016.551,22, Dividende: Mark 10%
bis Mitte 1909 Gelieferte bzw. in AusfĂŒhrung begriffene Lokomotiven fĂŒr: Deutsches Reiches Reich: 2.200; Spanien: 320; NiederlĂ€ndisch Indien: 300; Rußland: 150; Österreich-Ungarn: 110; DĂ€nemark: 100; Italien: 55; Frankreich: 50; Argentinien: 50; Japan: 40; Norwegen: 40; RumĂ€nien: 30; Serbien: 25; Kanada: 30; ferner nach Portugal, in die TĂŒrkei, nach Venezuela, in die Schweiz, nach China, Bolivien und Brasilien zusammen: 100
1910 Aufnahme des Baus von Luftkompressoren
1910/1911 GeschÀftsergebnisse 1910/1911: Umsatz: 16.247.737,63 Mark, Abschreibung: 800.035,87, Dividende: Mark 5%
bis 1910 Der Umsatz seit Bestehen der Aktiengesellschaft belĂ€uft sich auf fast eine halbe Milliarde Mark. Es wurden zur Ablieferung gebracht: 3.300 Lokomotiven, etwa 1.200 Tender und 2.500 Dampfmaschinen aller Systeme, 4.000 Dampfkessel, 1.000 Dampf- und Transmissionspumpen, 400 DampfhĂ€mmer, 350 Laufkrane, 600 Eis- und KĂŒhlmaschinen, 1.500 Wasserturbinen, 15.000 Werkzeugmaschinen, 12.000 Spinnmaschinen und Selfaktoren sowie 10.000 Krempeln, 600 Garntrockenmaschinen, 1.500 Wölfe, 50.000 WebstĂŒhle, 15.000.000 Kilogramm Transmissionen und etwa 50.000 diverse Maschinen.
1910 Im deutschen Bergbau ist um 1910 ein dampfbetriebener Luftkompressor (Leistung: 95 PS, einfachwirkend) der SMF in Betrieb
1911 JahreskapazitĂ€t: 150 große Hauptbahnlokomotiven
01.04.1911 Kauf des Chemnitzer Werks der "Hannoverschen Maschinenbauanstalt vormals G. Egestorff", die frĂŒhere Wiedesche Maschinenfabrik
1917 Übernahme der Oscar Schimmel & Co., AG (Spinnereimaschinenbau)
20.10.1918 Tod von Gustav Hartmann in Dresden. Er war bis zu seinem Ableben Vorsitzender des Verwaltungsrats der "SĂ€chsischen Maschinenfabrik".
31.03.1919 Explosion eines von zwei Steilrohrkesseln (p= 12 at, Baujahr 1900) durch Aufreißen der geschweißten Verbindung des Umlaufblechs der hinteren Wand der vorderen Wasserkammer. Die VerbindungsnĂ€hte waren im Feuer schlecht geschweißt worden. 1 Toter; Kesseleinmauerung und Kesselhaus werden teilweise zerstört.
1921 Bisher haben 800 Lokomotiven mit der Lindner'schen Anfahrvorrichtung die "SĂ€chsische Maschinenfabrik" in Chemnitz verlassen.
1923 1923: Werke in Chemnitz und Dresden
1925 Beginnender RĂŒckgang der UmsĂ€tze
1926 Einstellung des Werkzeugmaschinenbaus
1927 Die Firma verbucht 1927 einen Verlust von 3.294.133 Reichsmark
1929 Aufgabe des traditionellen Lokomotivbaues; die Lokomotivquote geht an Eisengießerei und Maschinenfabrik vorm. Louis Schwartzkopff. Insgesamt wurden bei Hartmann 4699 Lokomotiven gebaut.
1930 WeiterfĂŒhrung des Textilmaschinenbaus als "SĂ€chsische Textilmaschinenfabrik AG"
08.04.1930 Die außerordentliche Generalversammlung vom 8. April 1930 beschließt die Auflösung der Gesellschaft. Abwickler: Rechtsanwalt Paul Beyer, Chemnitz. Der Textilmaschinenbau nebst den dazugehörigen GrundstĂŒcken und GebĂ€uden wird in die im Juli 1930 neu gegrĂŒndete "SĂ€chs. Textilmaschinenfabrik vorm. Rich. Hartmann A.-G." eingebracht unter Übernahme von Aktien der neuen Gesellschaft.
09.09.1930 Vertragsentwurf zur Übertragung des Dampfmaschinenbaues an die Germania
26.09.1930 Auch die "Waggon- und Maschinenbau-Aktiengesellschaft" in Görlitz bekundet ihr Interesse am Dampfmaschinenbau der SMF
09.10.1930 Vertrag zur Übertragung des Dampfmaschinenbaues an die Germania. Die SMF bekommt 25.000 Mark in bar, ferner: drei Jahre 2 % der Auftragssumme fĂŒr neue Anlagen nach SMF-PlĂ€nen und drei Jahre 15 % vom Wert aller Ersatzteil- und Reparaturrechnungen und 3 % bei WeiterverĂ€ußerung von ehemaligen SMF-Rechten.
11.02.1931 Die SMF ĂŒberlĂ€ĂŸt den Dampfkesselbau der Germania fĂŒr 1.000 Mark
1932 Abriß des Hauptwerkes an der Hartmannstraße
1934-1935 Die "Berliner Maschinenbau-Aktiengeesllschaft, vorm. L. Schwartzkopff" verkauft nom. RM 1.000.000,00 Aktien der in Abwicklung befindlichen SĂ€chsischen Maschinenfabrik Rich. Hartmann A.-G., Chemnitz.
17.08.1935 1. Liquidationsrate gemĂ€ĂŸ Generalversammlungsbeschluß vom 17. August 1935 in Höhe von a) 10 % des Nennbetrages der Aktien in bar und 20 % durch Zuteilung von Aktien der "SĂ€chs. Textilmaschinenfabrik vorm. Rich. Hartmann A.-G.", im VerhĂ€ltnis 5 : 1 an die AktionĂ€re der Gesellschaft; b) 30 % des Nennbetrages der Genußrechte in bar an die Inhaber der Genußrechtsurkunden der Gesellschaft.
01.1936 Laut Bekanntmachung vom Januar 1936 NachvergĂŒtung von weiteren 30 % an die Inhaber der Gsnußrechtsurkunden.
1937 Die Besitzer, der Chemiker Erich Edmund Georg Schellhorn und der Kaufmann Arthur Clemens Schellhorn, erwerben fĂŒr 29.924 RM einen Teil des GelĂ€ndes der ehemaligen "SĂ€chsichen Maschinenfabrik, vorm. Richard Hartmann" und verlegen ihren Betrieb dorthin.
01.07.1937 2. Liquidationsrate zahlbar ab 1. Juli 1937 in Höhe von 5 % an die AktionĂ€re und 100 % an die Inhaber der Genußrechtsurkunden.
12.11.1938 3. Liquidationsrate zahlbar ab 12. November 1938 in Höhe von 4 % an die AktionĂ€re und 8 % an die Inhaber der Genußrechtsurkunden. Nachdem kommt nur noch eine beschrĂ€nkte RestausschĂŒttung in Betracht.
25.11.1943 Letzte ordentliche Hauptversammlung bis 1943/44
1944 Die Beendigung der Abwicklung dĂŒrfte im Laufe des Jahres 1944 erfolgen.




Produkte

Produkt ab Bem. bis Bem. Kommentar
Buchdruckpressen 1883 [Technikum Mittweida, Bericht 1881-82 u. 1882-83] 1883 [Technikum Mittweida, Bericht 1881-82 u. 1882-83]  
Dampfkessel 1883 [Technikum Mittweida, Bericht 1881-82 u. 1882-83] 1919 an Langer, Hammerunterwiesenthal bis 1911: 10000 StĂŒck geliefert
Dampflokomotiven 1870 Beginn (ex Hartmann) 1929 Ende 1929 Lokbau an Schwartzkopff
Dampfmaschinen 1870 Umfirmierung 1928 Letzte ErwÀhnung Besonderheit: v. d. Kerchove-Steuerung
Dampfturbinen 1907 Beginn 1911 [Eisenbahnwesen d Gegenw (1911) II, 157] S.M.-F.-Dampfturbinen (Aktionsturbinen)
Einrichtungen fĂŒr Holzschleifereien 1906 Erste ErwĂ€hnung 1906 Letzte ErwĂ€hnung  
Jacquard-WebstĂŒhle 1900 jedenfalls 1912 in Reutlingen 1900 jedenfalls 1912 in Reutlingen  
Kesselhausbekohlungsanlagen 1911 Erste ErwĂ€hnung 1911 Letzte ErwĂ€hnung  
Kompressoren 1911 Erste ErwĂ€hnung 1911 Letzte ErwĂ€hnung  
Lokomobilen 1892 [Adressb. Elektr.-Branche (1892)] 1892 [Adressb. Elektr.-Branche (1892)]  
Pumpen 1911 Erste ErwĂ€hnung 1911 Letzte ErwĂ€hnung  
Rostbeschickungsapparate 1911 Erste ErwĂ€hnung 1911 Letzte ErwĂ€hnung  
schwere Werkzeugmaschinen 1911 Erste ErwÀhnung 1911 Letzte ErwÀhnung bis 1911: 15 000 schwere Werkzeugmaschinen
Seiden-WebstĂŒhle 1900 jedenfalls 1912 in Reutlingen 1900 jedenfalls 1912 in Reutlingen  
Spinnereimaschinen 1883 [Technikum Mittweida, Bericht 1881-82 u. 1882-83] 1883 [Technikum Mittweida, Bericht 1881-82 u. 1882-83]  
Teppich-WebstĂŒhle 1900 jedenfalls 1912 in Reutlingen 1900 jedenfalls 1912 in Reutlingen  
Textilmaschinen 1870 Umfirmierung 1930 Letzte ErwĂ€hnung  
Transmisssionen 1911 Erste ErwĂ€hnung 1911 Letzte ErwĂ€hnung  
Walzenzugmaschinen 1899 Bericht in [Stahl und Eisen] 1899 Bericht in [Stahl und Eisen]  
Wasserturbinen 1883 von 1 - 1000 PferdestÀrken 1906 [Wochenbl Papierf 37 (1906) 155] Baute um 1883 ca. 80 Turbinen/Jahr mit 1 - 1.000 PS. Unsicher, ob 1906 Wasser- oder Dampfturbinen gemeint
Wassserwerke 1911 Erste ErwĂ€hnung 1911 Letzte ErwĂ€hnung  
WebstĂŒhle 1870 Umfirmierung 1900 jedenfalls 1912 in Reutlingen  
Werkzeugmaschinen 1883 [Technikum Mittweida, Bericht 1881-82 u. 1882-83] 1883 [Technikum Mittweida, Bericht 1881-82 u. 1882-83]  




Betriebene Dampfmaschinen

Bezeichnung Bauzeit Hersteller
Dampfmaschine 1884 SĂ€chsische Maschinenfabrik vorm. Richard Hartmann AG
Dampfmaschine 1888 SĂ€chsische Maschinenfabrik vorm. Richard Hartmann AG
Dampfmaschine 1897 SĂ€chsische Maschinenfabrik vorm. Richard Hartmann AG
Dampfmaschine vor 1901 SĂ€chsische Maschinenfabrik vorm. Richard Hartmann AG
Dampfpumpmaschine 1876 SĂ€chsische Maschinenfabrik vorm. Richard Hartmann AG




Maschinelle Ausstattung

Zeit Objekt Anz. Betriebsteil Hersteller Kennwert Wert [...] Beschreibung Verwendung
um 1900 Lokomobilen 3 diverse Betriebe R. Wolf Aktiengesellschaft          




Betriebsanlagen

Zeit Betr.-Teil FlÀche bebaut Gleis Whs Betr. in Kommentar
1912 ex Wiedesche Maschinenfabrik 30000         am Hauptbahnhof
1912 Gießerei Altendorf 125000          
1912 Stammwerke im Innern der Stadt 126000         116 verschiedene GebĂ€ude mit 22 hohen Schornsteinen




Personal

Zeit gesamt Arbeiter Angest. Lehrl. Kommentar
1870 3000        
1883 3370 3200 170   ca. 1883
1901 5175 4850 325    
1906   5000      
1912 5500 5000 500   500 Beamte
1923 11000       in den Werken Chemnitz und Dresden




Produktionszahlen

von bis Produkt im Jahr am Tag Einheit
1848 1929 Dampflokomotiven 4699   StĂŒck




Firmen-Änderungen, ZusammenschĂŒsse, Teilungen, Beteiligungen


Zeit = 1: Zeitpunkt unbekannt

Zeit Bezug Abfolge andere Firma Kommentar
1911 Anschluß (Namensverlust) zuvor Theodor Wiedes Maschinenfabrik Übernahme des Chemnitzer HANOMAG-Werks (ex Wiede) durch SMF
1870 Umbenennung zuvor Maschinenfabrik Richard Hartmann Hartmann --> SĂ€chs. Mf
1930 Trennung, Namensverlust danach SĂ€chsische Textilmaschinenfabrik vorm. Richard Hartmann AG SĂ€ Mf --> u.a.: SĂ€ Textilmaschinenf. [Maschinenindustrie (1939/40) 259]
1931 Lösung (Tochter neuer Name) danach Hartmann-Lufthammerbau Anton Halse SÀchs Mf (teils)--> Hartmann-Lufthammer [Maschinenindustrie (1939/40) 253]
1917 Anschluß (Namensverlust) zuvor Oscar Schimmel & Co. A.-G. Schimmel zu Hartmann [Industriemus. Chemnitz (1994)]
1896 Nebenwerk danach Russische Maschinenbau-Gesellschaft Hartmann Russisches Zweigwerk




Allgemeines

ZEIT1943
THEMAOrgane und Kapital der Gesellschaft
TEXTAufsichtsrat: Bankdirektor Wilhelm Link, Ohemnitz, Vorsitzer; Generaldirektor Peter Speck, Berlin, stellv. Vorsitzer; GeschĂ€ftsfĂŒhrer Alfred Freitag, Chemnitz. Grundkapital: nom. RM 11.000.000,00 in 20000 Stammaktien zu RM 100,00 (Nr. 1-20000) und 9000 Stammaktien zu je RM 1.000,00 (Nr. 20001-29000.) Börsen-Notiz: Freiverkehr Leipzig. Kurs Ende 1936-1942: 16.75, 12.75, 5.5, 4.2, 4.2, 6.5, 7.5 % (exkl. 3. Liquidationsrate).
QUELLE[Handbuch Akt.-Ges. (1943) 5274]


ZEIT1912
THEMAUnternehmensgeschichte
TEXTFĂŒnfundsiebzig Jahre sind verflossen seit dem Tage, an welchem in der kleinen, von Richard Hartmann eröffneten Werkstatt der erste Hammerschlag erklang, bis zur Jetztzeit, in der ganze GĂŒterzĂŒge die Erzeugnisse des aus jener kleinen Werkstatt entstandenen Riesenwerkes, der SĂ€chsischen Maschinenfabrik vorm. Rich. Hartmann, Aktiengesellschaft in Chemnitz, in alle Welt fĂŒhren. An einem solchen Tage geziemt sich ein RĂŒckblick auf die gewaltige Entwicklung der Schöpfung jenes Mannes, und diesem Zwecke soll die Herausgabe der vorliegenden Chronik und JubilĂ€umsschrift dienen. - Nach langer Wanderschaft kehrte im Jahre 1832 der Zeugschmied Richard Hartmann aus Barr im Elsaß im Gasthof "Zum braunen BĂ€r" in Chemnitz ein; die freundliche Aufnahme, die er im Kreise seiner Innungs- und Zunftgenossen fand, bewirkte, daß er sich in Chemnitz sehr wohl fĂŒhlte und sich entschloß, hierselbst auf lĂ€ngere Zeit Arbeit zu nehmen. Er trat in die Dienste des Maschinenfabrikanten Haubold, im Volksmunde "der alte Vater Haubold" genannt, welcher auf den jungen tĂŒchtigen Schmied aufmerksam wurde und ihn bald zum Akkordmeister aufrĂŒcken ließ. Lange konnte es eine so unternehmungslustige und schaffensfrohe Natur, wie Richard Hartmann sie besaß, nicht in abhĂ€ngiger Stellung aushalten; sein rastloser Geist drĂ€ngte nach weiterer BetĂ€tigung und vor allem nach SelbstĂ€ndigkeit. Um dieses Ziel zu erreichen, vollzog Richard Hartmann am 13. MĂ€rz 1837 gemeinsam mit Franz Illing einen Kaufvertrag, durch den beide die Werkstatt des Maschinenbauers Friedrich August Schubert nebst Werkzeugen und VorrĂ€ten kĂ€uflich erstanden. - Chemnitz war zur damaligen Zeit bereits der Mittelpunkt der sĂ€chsischen und besonders der erzgebirgischen Textilindustrie, die ihre Spezialmaschinen, soweit solche schon verwendet wurden, meist von England bezog. Mit den bei diesen Maschinen vorkommenden Reparaturen begann Richard Hartmann seine TĂ€tigkeit, und die sachgemĂ€ĂŸe Arbeit, die er hierbei leistete, gewann ihm bald das Vertrauen seiner schnell wachsenden Kundschaft. Nach kurzer Zeit schon wagte er sich auch an den Bau neuer Maschinen, die den guten Ruf des jungen Unternehmens weiter förderten. Sein erstes großes und allgemein anerkanntes Verdienst um den deutschen Maschinenbau war aber die von ihm gemachte Erfindung des Florteilers, einer Vorspinnvorrichtung fĂŒr Streichgarnkrempel. Diese Erfindung erregte in Fachkreisen das grĂ¶ĂŸte Aufsehen und fĂŒhrte seiner WerkstĂ€tte so viel lohnende AuftrĂ€ge zu, daß Richard Hartmann zu einer VergrĂ¶ĂŸerung seines Betriebes schreiten konnte. So finden wir 1840 Richard Hartmann bereits mit achtzehn Gehilfen in einer erweiterten, in der sogenannten KlostermĂŒhle gelegenen Werkstatt. Der gĂŒnstigen Entwicklung der mechanischen Wirkerei und Weberei verdankte es Richard Hartmann, daß die Textilindustriellen ihm immer grĂ¶ĂŸere und schwierigere Aufgaben stellten; seinem Geschick gelang deren glĂŒckliche Lösung ĂŒberall zur Befriedigung seiner Auftraggeber. Sein TĂ€tigkeitsfeld vergrĂ¶ĂŸerte Hartmann weiter durch die Aufnahme des Dampfmaschinenbaues, der sich rasch zu anerkannter Bedeutung entwickelte. Da die GeschĂ€ftsverbindung mit Illing schon bald wieder gelöst worden war, hatte Richard Hartmann im Jahre 1840 einen neuen Partner in der Person eines ehemaligen Spinners, namens August Götze aufgenommen. Aber auch diese Verbindung dauerte nur bis zum Jahre 1845; fĂŒr den regen Geist dieser beiden MĂ€nner fand sich in einer Werkstatt nicht Raum genug. - Ein merkwĂŒrdiges Spiel des Schicksals hat es gewollt, daß nach langen Jahren das Werk Hartmanns sich wieder mit dem von Götze nach seinem Austritt gegrĂŒndeten Unternehmen vereinigte, und zwar dadurch, daß die SĂ€chsische Maschinenfabrik im April 1911 die frĂŒhere Maschinenfabrik Theodor Wiede, eben jene NeugrĂŒndung des frĂŒheren Partners Götze, kĂ€uflich erwarb. Nach dem Austritt Götzes schien es, als wenn die Arbeitskraft Hartmanns, nun aller Fesseln entledigt, sich verdoppeln wollte; mit unermĂŒdlicher Hingabe an die sich selbst gesteckten Ziele und mit eiserner Energie widmete er sich der weiteren Ausgestaltung seiner Betriebe, die schon zu einem ganz stattlichen Werke herangewachsen waren. Es wurden zu jener Zeit von ihm vornehmlich Dampfmaschinen, die man damals "gangbares Zeug" nannte, Maschinen fĂŒr Streichgarn-, Baumwoll- und Kammgarnspinnerei und Waren-Appreturmaschinen gebaut. - Eine besonders gĂŒnstige Gelegenheit hatte Hartmann im Jahre 1843 erfassen können, indem er an der alten Leipziger Straße das ehemals Ketzersche GrundstĂŒck kĂ€uflich erwarb; hierhin verlegte Hartmann, da bei dem sich hĂ€ufenden Arbeitsbestand zu befĂŒrchten war, daß die gemieteten ArbeitsrĂ€ume in der KlostermĂŒhle ĂŒber kurz oder lang nicht mehr ausreichen wĂŒrden, kurz entschlossen im Herbste 1844 einen Teil seiner Fabrikation. Und als nun im Sommer 1845 die WerkstĂ€tten in der KlostermĂŒhle durch Feuer teilweise zerstört wurden, siedelte Hartmann mit seinen sĂ€mtlichen WerkstĂ€tten nach dem neuen, eigenen GrundstĂŒck ĂŒber. Damit war die Grundlage fĂŒr die weitere Entwicklung des Hartmannschen Unternehmens geschaffen. - Das heutige große Werk liegt noch an der gleichen Stelle, lĂ€ngs der alten Leipziger Straße, die heute zu Ehren des Werkes und seines GrĂŒnders den Namen Hartmannstraße trĂ€gt, und ist im RĂŒcken begrenzt von dem malerischen Schloßteich, an dessen gegenĂŒberliegendem Ufer sich der Schloßberg mit der historischen Schloßkirche erhebt. Das Bild auf Seite 16 zeigt die damaligen ersten AnfĂ€nge der heutigen SĂ€chsischen Maschinenfabrik auf ihrem eigenen Grund und Boden, in der zu jener Zeit schon ĂŒber dreihundert Arbeiter beschĂ€ftigt waren. Auch durfte es Hartmann bereits damals wagen, mit anderen Ă€lteren und wohlbekannten Fabrikanten in Wettbewerb zu treten und mit den Erzeugnissen seines Werkes auf Ausstellungen zu erscheinen, die ihm wertvolle Anerkennungen und Auszeichnungen einbrachten. Seine GeschĂ€ftsdrucksachen aus jener Zeit erschienen auch schon in französischer Sprache, die Hartmann, der ja als französischer Untertan geboren war, vollkommen beherrschte. So erreichte er es, daß Hartmannsche Maschinen in Frankreich und Belgien Eingang fanden, womit sein Werk zum erstenmal auch auf dem großen Weltmarkt sich Geltung verschaffte. Es bewegte sich sein Unternehmen, begĂŒnstigt von den ZeitverhĂ€ltnissen und der zentralen Lage im Industriegebiet, weiter und stĂ€ndig in aufsteigender Richtung. Die WerkstĂ€tten zwischen Straße und Schloßteich wurden abermals zu klein; neue GrundstĂŒcke jenseits der Leipziger Straße, auf denen das heutige SĂŒdwerk liegt, wurden hinzugekauft und neue BetriebsstĂ€tten, vor allem eine vorzĂŒglich eingerichtete Gießerei und ein grĂ¶ĂŸeres GebĂ€ude fĂŒr die Schmiede errichtet. Ein ungeahntes TĂ€tigkeitsfeld erschloß sich dem weitblickenden Hartmann, als man in Sachsen und Bayern mit dem Bau von Eisenbahnen begonnen hatte, und er im Bau von Lokomotiven einen neuen aussichtsvollen Industriezweig erkannte. Hartmann betrieb die Vorarbeiten zur Aufnahme dieses neuen Zweiges mit der ihm eigenen GrĂŒndlichkeit und fuhr zwecks Vornahme eingehender Studien mit dem Lokomotivbauingenieur Steinmetz nach England. Die dort gesammelten Erfahrungen wurden im Jahre 1847 in Hartmanns WerkstĂ€tten in die Praxis umgesetzt. Die SĂ€chsische Staatsregierung hatte sich in weiser Erkenntnis der Wichtigkeit, in dem Bezuge von Lokomotiven unabhĂ€ngig vom englischen Markt zu werden und die heimische Industrie zu fördern, bereit gefunden, Hartmann ein Kapital von 30.000 Talern zinsfrei auf fĂŒnf Jahre und rĂŒckzahlbar nach zehn Jahren zur VerfĂŒgung zu stellen. Prinz Johann von Sachsen, der spĂ€tere König, hatte dieser Regierungsmaßnahme ganz besonderes Interesse zugewendet. Bis an sein Lebensende hat Hartmann die UnterstĂŒtzung durch den sĂ€chsischen Staat dankbar anerkannt; ohne sie wĂ€re es ihm nach seiner eigenen ErklĂ€rung kaum möglich gewesen, den Lokomotivbau aufzunehmen. - Am 5. Januar 1848 konnte bereits die Abnahme und Taufe der ersten Hartmann-Lokomotive, die auf Wunsch der Regierung den Namen "GlĂŒckauf" erhielt, erfolgen, ein Ereignis, das zu einer besonderen Feier Veranlassung gab, an welcher auch Vertreter der Staatsregierung, sowie eine große Anzahl geladener GĂ€ste und Freunde teilnahmen. Chemnitz selbst besaß zur damaligen Zeit noch keinen Bahnanschluß, und so wurde dieses neueste Erzeugnis der Hartmannschen Fabrik auf einem von Pferden gezogenen Wagen nach Leipzig ĂŒberfĂŒhrt; dieser ersten Lokomotive, die die Fabrik verließ, sind inzwischen mehrere tausend anderer gefolgt. - Auf den Lokomotivbau wird in einem besonderen Abschnitt noch des weiteren eingegangen werden. Hier sei nur noch bemerkt, daß Hartmann auch in den folgenden Jahren immer wieder in Begleitung seiner Mitarbeiter England und Frankreich besuchte, um sich an Ort und Stelle ĂŒber die Entwicklung des Lokomotiv- und allgemeinen Maschinenbaues auf dem laufenden zu erhalten und neue Arbeits- und Werkzeugmaschinen, sowie andere praktische Hilfsmittel fĂŒr seine heimischen WerkstĂ€tten zu erwerben. - Die politisch bewegten Zeiten, die das Jahr 1848 brachte, konnten an einem so bedeutend gewordenen Unternehmen nicht ohne besonders fĂŒhlbare und nachteilige Folgen vorĂŒbergehen. Um die stockende Absatzmöglichkeit seiner bisherigen Erzeugnisse auszugleichen, entschloß sich Hartmann, wenn auch unter schweren Opfern, neue Fabrikationszweige aufzunehmen. Zu diesen gehörte unter anderen die Gewehrfabrikation. Auch hierzu waren wieder besondere Studien notwendig, und Hartmann bereiste in Begleitung mehrerer seiner Beamten Preußen, Belgien und Frankreich, woselbst die Gewehrfabrikation bereits einen gewissen Höhepunkt erreicht hatte. Die unruhigen Zeiten machten die Aufstellung bewaffneter Kommunalgarden notwendig, so daß fĂŒr genĂŒgenden Absatz gesorgt war. Auch die sĂ€chsische Regierung bestellte damals 20.000 ZĂŒndnadelgewehre bei Richard Hartmann. Dieser neue Fabrikationszweig konnte jedoch zu Anfang des Jahres 1851 wieder eingestellt werden, da fĂŒr die ĂŒbrigen Abteilungen nunmehr wieder volle BeschĂ€ftigung vorlag. 1855 nahm Hartmann den Bau von Wasserturbinen und MĂŒhleneinrichtungen, sowie die Herstellung großer Bergwerksmaschinen und Bohrapparate auf und kam infolge Ausdehnung seiner Fabrikation im Jahre 1857 zu dem Entschluß, auch einen eigenen Werkzeugmaschinenbau einzufĂŒhren. - In einem alten Bericht findet sich die Angabe, daß im Jahre 1857 der FlĂ€chenraum des FabrikgrundstĂŒckes bereits 160.000 Quadratellen betragen hat, von denen die HĂ€lfte mit GebĂ€uden bedeckt war. 540 Hilfsmaschinen, 6 Dampfmaschinen mit 150 PS, 80 Schmiedefeuer, viele Hilfs- und Nebeneinrichtungen dienten den Betriebs- und Fabrikationszwecken, wĂ€hrend die Arbeiterschaft die stattliche Zahl von 2000 erreicht hatte. - Am 4. August 1852 wurde das Werk zum erstenmal durch einen Besuch des Landesherrn weiland Seiner MajestĂ€t des Königs Friedrich August ausgezeichnet. Auf der bedeutenden Industrie-Ausstellung in MĂŒnchen im Jahre 1854 erhielt Hartmann die Große Goldene Staatsmedaille, und zwar, wie es in der Urkunde heißt: "Wegen seiner Verdienste um die Emporbringung der Fabrikation industrieller Maschinen in Deutschland und der mannigfachen, aus seiner Werkstatt hervorgegangenen Verbesserungen an denselben, besonders im Fache der Streichgarnspinnerei, welche zum Teil an den zahlreich von ihm ausgestellten Maschinen wahrgenommen wurden." Am 7. Dezember des gleichen Jahres erhielt Hartmann die Medaille erster Klasse auf der Internationalen Ausstellung in Paris. Im April des folgenden Jahres konnte die hundertste Lokomotive die Chemnitzer Werkstatt verlassen, was wiederum Veranlassung zu einem großen Industriefest gab. Der Direktor der Abteilung fĂŒr den allgemeinen Verkehr im königlichen Finanzministerium, Geheimer Rat von Ehrenstein, hielt aus diesem Anlaß eine lĂ€ngere Rede, in der er die besondere Anerkennung der Regierung fĂŒr die Erzeugnisse der Hartmannschen Fabrik zum Ausdruck brachte. Ein großer Festzug, an dessen Spitze die von sechzehn festlich geschmĂŒckten Pferden gezogene Lokomotive fuhr, geleitete sie zur Bahn, von wo sie ihrem Bestimmungsort, der Strecke Zwickau-Schwarzenberg, zugefĂŒhrt wurde. Die sĂ€chsische Presse gedachte damals dieser Hartmannschen Lokomotivfeier als eines Festtages der gesamten sĂ€chsischen Industrie. - Am 17. Juli 1860 abends dreiviertelzehn Uhr stand fast die gesamte Hartmannsche Fabrik auf der Nordseite in Flammen, und es sah aus, als ob es diesmal nicht gelingen wollte, des gefrĂ€ĂŸigen Elementes Herr zu werden. Erst gegen drei Uhr morgens konnte die angestrengt kĂ€mpfende Feuerwehr einem Weiterumsichgreifen des Feuers Einhalt tun. Der Schaden wurde damals auf 341.000 Taler geschĂ€tzt; vierzehn Tage spĂ€ter besuchte weiland Seine MajestĂ€t der König Johann von Sachsen die BrandstĂ€tte, um Hartmann seine Anteilnahme an diesem schweren UnglĂŒck zum Ausdruck zu bringen und ihn zu ermutigen, mit frischen KrĂ€ften an den Wiederaufbau seines Werkes heranzugehen. Keinen seiner Arbeiter entließ Hartmann damals; er beschĂ€ftigte sie vielmehr sĂ€mtlich bei dem Aufbau der neuen WerkstĂ€tten. Zwei Jahre spĂ€ter stand die Hartmannsche Fabrik neu aufgebaut und wieder bedeutend erweitert da, und am 24. Juni 1862 konnte Hartmann mit seinen Arbeitern und Freunden das Fest des 25jĂ€hrigen Bestehens seines Unternehmens begehen. Dieser Ehrentag brachte auch Richard Hartmann die Ernennung zum Königlich SĂ€chsischen Kommerzienrat. - Mit dem 1. Januar 1868 nahm Richard Hartmann seine Söhne Richard und Gustav, sowie seinen Schwiegersohn Keller als offene Teilhaber in sein GeschĂ€ft auf, da die Arbeitslast doch allmĂ€hlich fĂŒr Hartmanns Schultern zu groß geworden war. Nach weiteren zwei Jahren, wĂ€hrend welcher die Entwicklung rĂŒstig vorangeschritten war, entschloß sich Hartmann, sein Unternehmen in eine Aktiengesellschaft umzuwandeln. Am 1. April 1870 ĂŒbernahm diese unter der Firma SĂ€chsische Maschinenfabrik zu Chemnitz vormals Rich. Hartmann begrĂŒndete Gesellschaft zum Preise von drei Millionen Talern die gesamte Fabrik und wĂ€hlte Richard Hartmann zum Vorsitzenden ihres Verwaltungsrates. Die erste Direktion bestand aus den Herren Gustav Hartmann, Eduard Keller, Ludwig Kretzschmar und Karl Backmann. Zu diesem Zeitpunkte bedeckten die FabrikgebĂ€ude einen FlĂ€chenraum von etwa 700.000 Quadratfuß. Fast 3.000 Arbeiter fanden dort Arbeit und ĂŒber 350 PferdekrĂ€fte, die in 13 Dampfmaschinen und 16 Dampfkesselanlagen erzeugt wurden, dienten zur BewĂ€ltigung des großen Betriebes. Die Maschinenfabrik umfaßte 5 Abteilungen, und zwar: 1. die Abteilung fĂŒr Lokomotivbau, 2. die Abteilung fĂŒr Werkzeugmaschinenbau, 3. die Abteilung fĂŒr die Fabrikation von Dampfmaschinen, hydraulischen Motoren und MĂŒhleneinrichtungen, 4. die Abteilung fĂŒr Spinnereimaschinenbau und 5. die Abteilung fĂŒr den Bau von Webereieinrichtungen. - Richard Hartmann wurde als Vorsitzender des neuen Verwaltungsrates durch die Ernennung zum Geheimen Kommerzienrat ausgezeichnet und hat bis an das Ende seiner Tage noch rastlos tĂ€tig in seinem Fabriksbureau am Schreibtisch an der weiteren Entwicklung der SĂ€chsischen Maschinenfabrik mitgearbeitet. Am 16. Dezember 1878 starb der GrĂŒnder der SĂ€chsischen Maschinenfabrik vorm. Rich. Hartmann an den Folgen eines Gehirnschlages, und das imposante LeichenbegĂ€ngnis legte Zeugnis davon ab, welcher Verehrung und Liebe sich der Heimgegangene erfreut hatte. - Im Jahre 1881 schied der Sohn des BegrĂŒnders, Gustav Hartmann, aus der Direktion der SĂ€chsischen Maschinenfabrik und ĂŒbernahm den Vorsitz im Verwaltungsrate der Gesellschaft, welchen er bis zu seinem am 20. Oktober 1910 erfolgten Ableben beibehielt. Seinem treuen Wirken fĂŒr die Interessen des Werkes ist es in erster Linie zu danken, daß die Schöpfung seines Vaters trotz mancherlei Schwierigkeiten und wechselnder Konjunkturen eine stetig fortschreitende Entwicklung nehmen konnte. - Im GeschĂ€ftsjahr 1896/97 erwies es sich als unbedingt erforderlich, weitere Neubauten aufzufĂŒhren und eine bedeutende Ausdehnung des Werkesvorzunehmen. Insbesondere mußte eine neue Gießerei geschaffen werden, da die vorhandene nicht mehr imstande war, den Bedarf des Werkes zu decken. Man schritt zur Erwerbung großer GrundstĂŒcke in dem Vorort Altendorf bei Chemnitz und errichtete dort eine hervorragend schöne und außerordentlich große Gießerei mit allen Verbesserungen der Neuzeit. Zur Entlastung der Stammfabrik wurden auf diese GrundstĂŒcke das im Werke stets erforderliche große Holzlager und das SĂ€gewerk verlegt, und ferner auch zwei mĂ€chtige Hallen zur Aufbewahrung der Gießereimodelle erbaut; diese beherbergen heute Modelle im Herstellungswerte von fast vier Millionen Mark, die aber in der letzten Bilanz des Werkes mit nur 100.000 Mark bewertet sind. Auch wurde zum Bau eines modernen VerwaltungsgebĂ€udes, sowie eines Neubaues fĂŒr die Spinnmaschinenabteilung geschritten. FĂŒr diese Fabrikation wurde ein dreistöckiger Riesenbau mit vier gewaltigen ArbeitssĂ€len errichtet. - Der innere Betrieb des Werkes war nunmehr so organisiert, daß jede einzelne Abteilung fĂŒr sich rĂ€umlich getrennte FabrikationswerkstĂ€tten und technische Bureaus besaß. Es war dies nur eine weitere Ausgestaltung der grundlegenden Einrichtungen, wie sie schon Richard Hartmann als nĂŒtzlich und wertvoll erkannt hatte. Um die obengeschilderten Erweiterungen vornehmen zu können, wurde das inzwischen auf zehn Millionen Mark angewachsene Aktienkapital im Jahre 1897/98 auf seine heutige Höhe von 12 Millionen Mark gebracht. Außerdem wurde im Jahre 1901 das Betriebskapital der Gesellschaft noch durch die Aufnahme einer erststellig hypothekarisch sichergestellten viereinhalbprozentigen Obligationsanleihe im Betrage von fĂŒnf Millionen Mark gestĂ€rkt. Diese Anleihe wird seit fĂŒnf Jahren in dreißig wachsenden Jahresraten durch Auslosung getilgt. Bei der Übernahme von Richard Hartmanns Maschinenfabrik wurde der Maschinenpark mit 21.622.20,23 Mark bewertet. Im Laufe der Jahre erfuhr er durch Neuanschaffungen einen Zuwachs von 13.162.063,17 Mark. Alle bei der GrĂŒndung ĂŒbernommenen, sowie die bis zum Jahre 1897/98 neu angeschafften Maschinen sind in der Bilanz bis zu einem Prozent ihres Anschaffungswertes abgeschrieben. Das gesamte Maschinenkonto steht jetzt mit 4.458.115,60 Mark zu Buche. - Der Umsatz, die Abschreibungen und die ErtrĂ€gnisse der SĂ€chsischen Maschinenfabrik stellten sich in den letzten zehn Jahren wie folgt: - 1902/1903: Umsatz: 9.285.167,03 Mark, Abschreibung: 253.546,95, Dividende: Mark 0%; 1906/1907: Umsatz: 15.362.440,08 Mark, Abschreibung: 659.189,23, Dividende: Mark 7%; 1903/1904: Umsatz: 10.507.667,89 Mark, Abschreibung: 345.323,39, Dividende: Mark 0%; 1907/1908: Umsatz: 17.115.557,06 Mark, Abschreibung: 856.413,32, Dividende: Mark 12%; 1904/1905: Umsatz: 11.287.357,92 Mark, Abschreibung: 498.235,50, Dividende: Mark 2%; 1908/1909: Umsatz: 18.418.442,05 Mark, Abschreibung: 892.530,74, Dividende: Mark 11%; 1905/1906: Umsatz: 12.874.788,88 Mark, Abschreibung: 664.558,95, Dividende: Mark 5%; 1909/1910: Umsatz: 19.026.937,73 Mark, Abschreibung: 1.016.551,22, Dividende: Mark 10%; 1910/1911: Umsatz: 16.247.737,63 Mark, Abschreibung: 800.035,87, Dividende: Mark 5%. Das Jahr 1910/11 wurde durch einen siebenwöchigen Streik, welcher den gesamten Chemnitzer Maschinenbezirk heimsuchte, sowohl im Umsatz, als auch im ErtrĂ€gnis stark beeintrĂ€chtigt. Es steht in sicherer Aussicht, daß das Ende dieses Monats abschließende GeschĂ€ftsjahr 1911/12 trotz einer im Herbst 1911 stattgehabten, fast drei Wochen dauernden allgemeinen Aussperrung den Höchstumsatz des Jahres 1909/10 wieder erreichen wird. - Die Pflege der GeschĂ€ftsverbindungen, sowohl in Deutschland, wie im ganzen europĂ€ischen und ĂŒberseeischen Auslande hat den Absatz der Erzeugnisse stĂ€ndig vergrĂ¶ĂŸert; die GĂŒte der Fabrikate der Gesellschaft verschaffte ihr einen wachsenden Weltruf. Von allen beschickten Ausstellungen des In- und Auslandes konnte das Werk eine sehr große Anzahl "erster Preise" nach Hause bringen. - Am 1. April 1911 wurde, wie bereits erwĂ€hnt, das Chemnitzer Werk der Hannoverschen Maschinenbauanstalt vormals G. Egestorff, die frĂŒhere Wiedesche Maschinenfabrik, angekauft. FĂŒr diesen Erwerb war in der Hauptsache die ErwĂ€gung maßgebend, daß mit den umfangreichen Einrichtungen fĂŒr Spinnmaschinenbau den steigenden Anforderungen der stetig wachsenden Kundschaft doch nicht mehr GenĂŒge geleistet werden konnte und unbedingt eine große Erweiterung der Anlagen vorgenommen werden mußte. Durch den Ankauf der Wiedeschen Maschinenfabrik wurde die SĂ€chsische Maschinenfabrik in die Lage versetzt, ihren großen Umsatz in Spinnmaschinen in kĂŒrzester Frist um weitere drei bis vier Millionen jĂ€hrlich zu erhöhen. Im bisherigen Wiedeschen Werke werden Spinnereivorbereitungsmaschinen und Krempelassortimente gebaut, wĂ€hrend in dem Stammwerke die Zwirn-, Papier-, Ringspinn- und Ringzwirnmaschinen- und Selfaktoren-Abteilungen untergebracht sind. - Der Umsatz der SĂ€chsischen Maschinenfabrik belĂ€uft sich seit ihrem Bestehen als Aktiengesellschaft auf ĂŒber eine halbe Milliarde Mark, was einer tĂ€glichen AuftragsbewĂ€ltigung von 50 bis 60.000 Mark entspricht. - Der Umfang der Anlagen der SĂ€chsischen Maschinenfabrik kennzeichnet sich am besten durch folgende Zahlen. Auf dem im Innern der Stadt gelegenen Stammwerke mit einem GesamtflĂ€cheninhalt von 126.000 qm stehen 116 verschiedene GebĂ€ude und WerkstĂ€tten mit 22 hohen Schornsteinen. In der Vorstadt Altendorf liegt die Gießerei, eine der grĂ¶ĂŸten ihrer Art in Deutschland mit einem FlĂ€cheninhalt von 125.000 qm. Am Hauptbahnhof befindet sich das Zweigwerk, die frĂŒhere Wiedesche Maschinenfabrik, mit einem neuen VerwaltungsgebĂ€ude und mĂ€chtigen WerkstĂ€tten im FlĂ€cheninhalt von rund 30.000 qm. In der Kraftzentrale des Hauptwerkes sind - Dampfturbinen und Dampfmaschinen von 6.000 PferdekrĂ€ften zur Erzeugung der im Hauptwerk erforderlichen Kraft und Beleuchtung aufgestellt. Das Hauptwerk ist mit der Gießerei und der Staatsbahn durch eine eigene Schmal- und Normalspurbahn verbunden, die sich auf dem Hauptwerk zu einer Schmalspurbahn vereinigen, auf der die Eisenbahnwagen mittels Rollböcken den einzelnen WerkstĂ€tten zwecks Be- und Entladung zugefĂŒhrt werden. Die SĂ€chsische Maschinenfabrik beschĂ€ftigt zur Zeit rund 500 Beamte und 5.000 Arbeiter. In und um Chemnitz leben ungefĂ€hr 20.000 Menschen von dem Werke, was einem selbstĂ€ndigen, grĂ¶ĂŸeren Gemeinwesen entspricht. Die Firma zahlt jĂ€hrlich etwa 7 Millionen Mark Gehalt und Lohn an die ErnĂ€hrer dieser 20.000 Menschen. Die Wohlfahrtseinrichtungen sind entsprechend der Entwicklung des Werkes stetig ausgebaut worden. Bei der Umwandlung des Hartmannschen Werkes in eine Aktiengesellschaft stiftete Richard Hartmann zu Zwecken der UnterstĂŒtzung invalider Arbeiter die Summe von 36.000 Mark, welche den Grundstock fĂŒr die heutige ArbeiterunterstĂŒtzungskasse, die ĂŒber eine viertel Million Mark Vermögen verfĂŒgt, bildete. Die BeamtenunterstĂŒtzungskasse besitzt ungefĂ€hr das gleiche Kapital. Aus dem Arbeiterdispositionsfonds zahlte das Werk in den letzten fĂŒnf Jahren 196.144 Mark, im Durchschnitt also pro Jahr rund 39.229 Mark, an bedĂŒrftige aktive oder invalide Arbeiter, und aus dem Beamtendispositionsfonds in den letzten fĂŒnf Jahren 180.569 Mark, also pro Jahr 36.113 Mark an seine Beamten. Ein Jahr vor seinem Tode ĂŒberwies der damalige Vorsitzende des Aufsichtsrates und Sohn des GrĂŒnders, Herr Geheimer Kommerzienrat Dr.-Ing. Gustav Hartmann, einen Betrag von 30.000 Mark dem Arbeiterdispositionsfonds. Das Werk besitzt eine Arbeiterkolonie "Stiftung Heim", welche durch Richard Hartmann und seinen Schwiegersohn Kommerzienrat Keller begrĂŒndet und dann stĂ€ndig vergrĂ¶ĂŸert wurde. In dieser Kolonie befinden sich augenblicklich 47 eigene MehrfamilienhĂ€user mit kleinen GĂ€rten fĂŒr 121 Arbeiterfamilien mit ungefĂ€hr 600 Angehörigen. Der Stiftung fließen auch weiter von Seiten des Werkes in jedem Jahr grĂ¶ĂŸere Zuwendungen fĂŒr ihren dauernden Ausbau zu. AlljĂ€hrlich feiern zahlreiche Beamte und Arbeiter DienstjubilĂ€en. Ein seltenes Fest dieser Art brachte das Jahr 1908, in welchem 264 Jubilare, die 25, 30, 40 und 50 Jahre tĂ€tig waren, durch staatliche silberne Medaillen, Ehrenzeichen fĂŒr Treue in der Arbeit und Ehrendiplome der Stadt Chemnitz ausgezeichnet werden konnten. Ferner bestehen im Werk eine Arbeiterkantine und Einrichtungen, welche es ermöglichen, gegen billiges Entgelt den Arbeitern warmes Essen und GetrĂ€nke zu liefern. Ein etwaiger Überschuß fließt der ArbeiterunterstĂŒtzungskasse zu. Ein fast 100 Mann starkes Feuerwehrkorps sorgt fĂŒr die Feuersicherheit des Werkes und leistet einen militĂ€risch organisierten Nacht-wachtdienst. Die Feuerwehr ist dem großen SĂ€chsischen Feuerwehrverband angegliedert und untersteht der Kontrolle der maßgebenden Stellen. Sie ist sehr oft in TĂ€tigkeit getreten und leistet auch bei großen BrĂ€nden in der Stadt oder deren NĂ€he stets Hilfe, falls solche notwendig ist. - Das Werk ist nicht nur die grĂ¶ĂŸte SĂ€chsische Maschinenfabrik, sondern auch das grĂ¶ĂŸte sĂ€chsische industrielle Unternehmen ĂŒberhaupt und daher auch als SteuertrĂ€ger ein wichtiger Faktor im Lande. An Staatssteuern, Kommunalabgaben und Renten wurden in den nachstehend aufgefĂŒhrten Jahren folgende BeitrĂ€ge gezahlt: Im GeschĂ€ftsjahr 1880/1881: 53.972,67 Mark, im GeschĂ€ftsjahr 1890/1891: 88.835,76 Mark, im GeschĂ€ftsjahr 1900/1901: 121.716,59 Mark, im GeschĂ€ftsjahr 1904/1905: 68.513,59 Mark, im GeschĂ€ftsjahr 1905/1906: 53.113,17 Mark, im GeschĂ€ftsjahr 1906/1907: 43425,36 Mark, im GeschĂ€ftsjahr 1907/1908: 49.819,04 Mark, im GeschĂ€ftsjahr 1908/1909: 72.381,31 Mark, im GeschĂ€ftsjahr 1909/1910: 120.909,07 Mark, im GeschĂ€ftsjahr 1910/1911: 167.318,92 Mark. - Der Aufsichtsrat wird gegenwĂ€rtig gebildet durch Herrn Dr. Enno Russell, GeschĂ€ftsinhaber der Diskontogesellschaft, welcher den Vorsitz fĂŒhrt, und die Herren Geheimer Justizrat Heinrich Ulrich, Kommerzienrat Emil Stark, Geheimer Kommerzienrat Hermann Vogel, Seine Exzellenz Wirklicher Geheimer Rat Otto Edler von der Planitz, Baron Felix von Ende und Generalkonsul Kommerzienrat Gustav von Klemperer, Direktor der Dresdner Bank. Der Vorstand der Gesellschaft besteht zurzeit aus den Herren Generaldirektor Henry Junk und den Direktoren Regierungsbaumeister a. D. Friedrich Conrad, Dr.-Ing. Gustav Döderlein und Ingenieur Willy KrĂŒger. - Wenn die Gesellschaft heute bei Begehen ihres fĂŒnfundsiebzigjĂ€hrigen GeschĂ€ftsjubilĂ€ums zurĂŒckblickt, so darf sie ohne Überhebung stolz auf das Erreichte sein und kann hoffnungsvoll in die Zukunft blicken. Mögen die kommenden Jahrzehnte dieser Schrift noch neue RuhmesblĂ€tter hinzufĂŒgen und durch die in alle Welt gehenden Erzeugnisse des Werkes der sĂ€chsischen Industrie und dem deutschen Namen weiter Anerkennung und Ehre bringen.
QUELLE[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912]


ZEIT1912
THEMALokomotivbau
TEXTDer Lokomotivbau der Firma Hartmann, der, wie in dem vorstehenden Abschnitt geschildert ist, im Jahre 1847 aufgenommen wurde, entwickelte sich in den ersten Jahren nur langsam und erfuhr sogar im Jahre 1860 infolge des erwĂ€hnten großen Fabrikbrandes eine lange Unterbrechung bis zur Wiederherstellung der WerkstĂ€tten. Dann aber wurden um so raschere Fortschritte gemacht und um so grĂ¶ĂŸere Erfolge erzielt, als neben den Lieferungen an die sĂ€chsischen Staatsbahnen bald auch dem Bau von Maschinen fĂŒr das Ausland besondere FĂŒrsorge zugewandt wurde. Und heute laufen Hartmannsche Maschinen auf SchienenstrĂ€ngen, die dem Nord- und SĂŒdpol nicht allzufern liegen, und solchen, die den Äquator kreuzen. Anfangs wurden bei den Lokomotiven, die Hartmann baute, die damals allgemein ĂŒblichen Steuerungen von Stephenson, Allan und Gooch verwendet, die man den englischen Vorbildern entnommen hatte. Als dann Heusinger von Waldegg seine Steuerung erfand, die sich durch ihre Einfachheit und vorteilhafte Dampfverteilung den Steuerungen, die man mittlerweile fĂŒr ortsfeste Maschinen hatte bauen lernen, an die Seite stellte, nahm Hartmann diese Verbesserung auf und lieferte 1867 nach der Schweiz seine erste Lokomotive mit dieser Steuerung, die spĂ€ter fast ausschließlich verwendet wurde. 1868 erfuhr der Lokomotivbau der SĂ€chsischen Maschinenfabrik seine erste bedeutende Erweiterung durch die Errichtung einer gerĂ€umigen Montagehalle, der dann 1896 und 1908 weitere VergrĂ¶ĂŸerungen folgten, die sich den Abmessungen der heute bis auf 15 m LĂ€nge angewachsenen Maschinen anpaßten, aber auch die LeistungsfĂ€higkeit steigerten, so daß das Werk heute imstande ist, neben den kleinen Maschinen jĂ€hrlich 150 große Hauptbahnlokomotiven zu liefern. Bei ortsfesten Dampfmaschinen lernte man den wirtschaftlichen Vorteil, der durch die Expansion des Dampfes in mehreren Zylindern hintereinander erreicht wird, schon frĂŒhzeitig ausnĂŒtzen. Eine betriebssichere Anwendung dieses Prinzips im Lokomotivbau war aber erst möglich, nachdem eine Vorrichtung gefunden war, die auch bei der Totpunktstellung des Hochdruckkolbens das Anfahren gestattete. Nach zahlreichen Versuchen mit verschiedenen derartigen Einrichtungen, die ihren Zweck nicht vollstĂ€ndig erfĂŒllten, erfand August von Borries 1884 sein Anfahrventil, das diesen - Anforderungen entsprach und unter dem Namen des Erfindersweit bekannt wurde. Dieses Anfahrventil verwendete die SĂ€chsische Maschinenfabrik zum erstenmal im Jahre 1885 bei einer Verbund-GĂŒterzugslokomotive, die fĂŒr die sĂ€chsischen Staatsbahnen gebaut wurde; gleichzeitig mit dieser Maschine wurde eine Vergleichslokomotive derselben GrĂ¶ĂŸe und Bauart, aber mit Zwillingswirkung fertiggestellt. Die mit beiden angestellten Versuche fielen zugunsten der Verbundlokomotive aus. Daraufhin entschloß sich die Verwaltung der Königlich SĂ€chsischen Staatsbahn, auch bei Schnellzugslokomotiven weitere Versuche anzustellen, und gab der SĂ€chsischen Maschinenfabrik 1886 je eine 2/3 gekuppelte Schnellzugslokomotive mit Zwillings- und Verbundwirkung in Auftrag. Auch hierbei erwies sich die Verbundlokomotive als wirtschaftlich so ĂŒberlegen, daß ihr in der Folge der Vorzug gegeben wurde. Eine weitere Verbesserung brachte dann die Lindnersche Anfahrvorrichtung, mit der bis heute ĂŒber 800 Verbundlokomotiven die WerkstĂ€tten der SĂ€chsischen Maschinenfabrik verlassen haben. Mit dem Vordringen der Eisenbahnen in gebirgige Gegenden, in denen sich große Kurven mit kleinen Halbmessern oft nicht vermeiden lassen, wurden an die Lokomotivbauer neue Aufgaben gestellt. Dort lassen sich gewöhnliche Lokomotiven mit festen Achsen und grĂ¶ĂŸerem Radstande nicht immer mit Vorteil verwenden. Man kam daher auf die kurvenbeweglichen Maschinen, bei denen der Kessel mit dem Rahmen auf zwei Motorgestellen ruhte, die um mittlere Zapfen drehbar sind. Diese Motorgestelle mit kurzem Radstande, deren RĂ€der miteinander durch Kuppelstangen verbunden sind, können sich beim Durchfahren der Kurven leicht einstellen, ohne zu drĂ€ngen. Derartige kurvenbewegliche Maschinen, zuerst bekannt geworden als Meyer-Maschinen, sind Verbundlokomotiven, bei denen jedes Motorgestell eine Zweizylinder-Lokomotive darstellt, die zusammen einen Kessel besitzen, unter Anordnung der Hochdruckzylinder am hinteren, der Niederdruckzylinder am vorderen Gestell. Die erste dieser kurvenbeweglichen Lokomotiven wurde von der SĂ€chsischen Maschinenfabrik im Jahre 1891 an die Königlich SĂ€chsische Staatsbahn geliefert, da die sĂ€chsischen Bahnen, die vorwiegend in gebirgigem GelĂ€nde fahren, das gegebene Versuchsfeld fĂŒr eine derartige Bauart darstellten. Den Maschinen nach Bauart Meyer folgten bald normal- und schmalspurige Lokomotiven nach Bauart Klose, die heute nur noch selten gebaut werden, und diesen wiederum die nach Bauart Mallet-Rimrott, die namentlich im Ausland, in tropischen und subtropischen LĂ€ndern rasch Aufnahme fanden. Eine große Anzahl der in NiederlĂ€ndisch-Indien fahrenden Mallet-Rimrott-Maschinen wurden von der SĂ€chsischen Maschinenfabrik gebaut. Mit den stetig wachsenden Anforderungen an die LeistungsfĂ€higkeit der Lokomotiven waren auch die Maschinenleistungen, sowie die Zylinderdurchmesser zu vergrĂ¶ĂŸern; die jetzigen Schnellzugslokomotiven mĂŒssen bis zu 1600 PS leisten. Da aber eine gewisse GrĂ¶ĂŸe des Zylinderdurchmessers wegen der allgemeinen Profilweite nicht ĂŒberschritten werden darf, so war man gezwungen, drei und vier Zylinder anzuwenden. Damit ergibt sich neben den kleineren Abmessungen der Zylinder auch der Vorteil, daß die geradlinig sich bewegenden Massen besser ausgeglichen werden können und dadurch die TangentialdruckkrĂ€fte (DrehkrĂ€fte) gleichmĂ€ĂŸiger auf die Kurbeln wirken, so daß die Lokomotiven ruhiger laufen. Die erste Lokomotive der SĂ€chsischen Maschinenfabrik mit vier Zylindern, die auf ein gekuppeltes Außensystem wirken, war eine Schnellzugs-Verbundlokomotive. Sie wurde im Jahre 1900 auf der Pariser Weltausstellung vorgefĂŒhrt und erregte dort allgemeines Aufsehen. Bis zum Ende des vorigen Jahrhunderts war der Wirkungskreis der Lokomotive in bezug auf den Brennstoffverbrauch relativ ungĂŒnstig, weil man die bedeutenden Kondensationsverluste in den Zylindern in Kauf nehmen mußte. Da sich die Anwendung des ĂŒberhitzten Dampfes, der sich bei ortsfesten Maschinen schon mit Erfolg eingefĂŒhrt hatte, nicht ohne weiteres auf Lokomotiven ĂŒbertragen ließ, wandte man, um die Kondensationsverluste zu verringern, zunĂ€chst die Dampftrocknung an. Die SĂ€chsische Maschinenfabrik baute erstmalig 1902 einen Verbinder-Dampftrockner bei schweren GĂŒterzugslokomotiven. Bei diesem wurden die in die Rauchkammer eintretenden Heizgase, die noch eine Temperatur bis zu 360° C besitzen, dazu benutzt, um den Dampf, der aus dem Hochdruckzylinder in den Niederdruckzylinder ĂŒbertritt, zu trocknen. GegenĂŒber den gewöhnlichen Verbund- und Zwillingsmaschinen wurde hierdurch eine Kohlenersparnis bis zu sieben vom Hundert erzielt, und nun fĂŒhrte die SĂ€chsische Maschinenfabrik nach diesem System eine große Anzahl von Lokomotiven mit Dampftrocknern aus. Diese Lokomotivart kann als VorlĂ€uferin der modernen Heißdampflokomotive angesehen werden, bei der Kesseldampf (Frischdampf) vor dem Eintritt in die Zylinder durch die Heizgase von hoher Temperatur bis auf 350° C erhitzt wird. Von den verschiedenen Überhitzerarten, deren endgĂŒltiger EinfĂŒhrung sich bei den eigenartigen VerhĂ€ltnissen der Lokomotiv-Dampfmaschine große Schwierigkeiten entgegenstellen, haben sich nur wenige bewĂ€hrt. Am gebrĂ€uchlichsten ist der Rauchröhren-Überhitzer von Wilhelm Schmidt geworden; neben diesem ist in neuerer Zeit auch der Pielock-Überhitzer mit gutem Erfolg in Aufnahme gekommen. - Die erste von der SĂ€chsischen Maschinenfabrik mit dem Schmidtschen RauchkammerĂŒberhitzer ausgerĂŒstete Lokomotive war eine 5/5 gekuppelte GĂŒterzugslokomotive, die 1905 abgeliefert wurde. Dieser Maschine folgten dann ĂŒber 160 normal-und schmalspurige Heißdampf lokomotiven mit Überhitzern nach Schmidt und Pielock. Gleichzeitig mit der Leistung der Lokomotiven nahm auch ihr Gewicht ganz erheblich zu. So wog die erste von Hartmann gebaute normalspurige Lokomotive leer 21.725 kg (im Dienst 24.000 kg), die 1000. Lokomotive wog schon 35.000 kg (im Dienst 39.200 kg) und die 3600. Lokomotive 67.800 kg (im Dienst 74.800 kg). - Insgesamt hat die SĂ€chsische Maschinenfabrik bis jetzt nahezu 4.000 Lokomotiven nach den verschiedensten LĂ€ndern der Welt zur Ablieferung gebracht. Nachdem im Laufe der Jahrzehnte manch schwierige Periode zu ĂŒberwinden gewesen, hat gegenwĂ€rtig ihr Lokomotivbau eine stolze BlĂŒte erreicht, und zahlreich sind die AuftrĂ€ge fĂŒr Sachsen, fĂŒr Frankreich, fĂŒr Spanien, die TĂŒrkei, Kleinasien und Java, zu deren BewĂ€ltigung sich heute in den Chemnitzer WerkstĂ€tten viele fleißige HĂ€nde regen.
QUELLE[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912]


ZEIT1912
THEMADampfmaschinen- und -turbinenbau
TEXTDiese Abteilung hat einen betrĂ€chtlichen Umfang, sie baut Dampfmaschinen, Dampfturbinen, DampfhĂ€mmer, Pumpen, Wasserwerke, Kompressoren, Eismaschinen, Transmissionen, Rohrleitungen und Kokereimaschinen. Die Entwicklung des Dampfmaschinenbaues der SĂ€chsischen Maschinenfabrik ist ein getreues Abbild der Geschichte des deutschen Dampfmaschinenbaues ĂŒberhaupt. Die erste, von dem Werk 1840 gebaute Maschine war noch eine jener Maschinen stehender Bauart, der der feste organische innere Zusammenhang fehlte, und die sich noch eng an ihre ersten englischen bzw. elsĂ€ssischen Vorbilder anlehnte. Waren die ersten von Hartmann gebauten Maschinen noch stehende Schiebermaschinen, so sehen wir schon Ende der vierziger und zu Beginn der fĂŒnfziger Jahre die liegende Ventilmaschine aus den Chemnitzer WerkstĂ€tten hervorgehen, und es ist eine bemerkenswerte Tatsache, daß Hartmann als einer der ersten in Deutschland den fabrikmĂ€ĂŸigen Bau von Verbundventilmaschinen betrieb. Dieses frĂŒhzeitige Erfassen und AusfĂŒhren aller Neuerungen, die die damals noch sehr entwicklungsfĂ€hige Dampfmaschine in rascher Folge auf wies, gab der bald zu einem der ersten deutschen Dampfmaschinenwerke gewordenen Fabrik Gelegenheit zur Sammlung einer Reihe von Erfahrungen, wie sie nur wenigen anderen WerkstĂ€tten zu Gebote stehen. Die ganze Entwicklungsgeschichte des Dampfmaschinenbaues bei der Hartmannschen Fabrik zu schildern, kann hier nicht der Platz sein, wohl aber dĂŒrften einige der wichtigsten AusfĂŒhrungen, die gewissermaßen als Grenzsteine die einzelnen Abschnitte dieser Entwicklungsgeschichte bezeichnen, es verdienen, hier genannt zu werden. - Die vorerwĂ€hnte in den fĂŒnfziger Jahren gebaute Ventilmaschine mit seitlich neben dem Zylinder liegenden Ventilen wurde bis Ende der sechziger bzw. Anfang der siebziger Jahre in sich langsam vervollkommnender Form beibehalten. Die Steuerung der Ventile erfolgte bei diesen Maschinen durch eine von der Kurbelwelle aus angetriebene Steuerwelle, mit Hilfe unrunder Scheiben, die behufs VerĂ€nderung der Expansion vom Regulator beeinflußt werden konnten. Aber schon Ende der sechziger und zu Beginn der siebziger Jahre wandte sich Hartmann als einer der ersten den Steuerungen mit Freifall zu, die zuerst bei Corliß-Steuerungen auftraten, dann aber bei Ventilsteuerungen erhöhte Bedeutung erlangen sollten. Auf der Wiener Ausstellung 1873 befand sich eine von der SĂ€chsischen Maschinenfabrik ausgefĂŒhrte Ventilmaschine mit freifallenden Ventilen. Radinger nannte in seinen Ausstellungsberichten: "Die Motoren, Wien 1874" diese 100 PS-Expansionsmaschine "einender schönsten und mĂ€chtigsten Motoren der ganzen Ausstellung". - Mittlerweile hatte sich Collmann das Verdienst erworben, eine zwanglĂ€ufige Ventilsteuerung einzufĂŒhren, bei der er versuchte, durch Benutzung von WĂ€lzhebeln seine Steuerung auch fĂŒr höhere Umlaufszahlen geeigneter zu machen. Diese Collmann-Steuerung wurde erst auf der Pariser Weltausstellung 1878 bekannt. Die EinfĂŒhrung ihrer damaligen AusfĂŒhrung hatte allerdings noch den Nachteil ziemlicher Kompliziertheit, und dadurch wurde die SĂ€chsische Maschinenfabrik veranlaßt, unter Benutzung des dieser Steuerung zugrunde liegenden Gedankens nach einer Form zu suchen, die den gleichen Erfolg mit einfacheren Mitteln erzielen konnte. So brachte sie um das Jahr 1883/84 die von ihrem Oberingenieur Höffner ausgefĂŒhrte "Höffner-Steuerung" auf den Markt, die sich durch besondere Einfachheit auszeichnete. Es wurden zwar gerade in den achtziger Jahren noch verschiedentlich Steuerungen anderer Bauart von den Hartmann-Werken aufgenommen und auch in geringerem Maße ausgefĂŒhrt, doch blieb die Höffner-Steuerung, nach der annĂ€hernd 700 Maschinen ausgefĂŒhrt worden sind, die bevorzugte und charakteristische Steuerung der SĂ€chsischen Maschinenfabrik bis zum Übergang zur Kerchove-Steuerung. Die Höffner-Maschine, die als Sattdampfmaschine mit zu den besten ihrer Art gehörte, konnte aber den gesteigerten AnsprĂŒchen, insbesondere den Forderungen nach immer höheren Umdrehungszahlen, nicht mehr entsprechen, und deshalb sah man sich vor die Notwendigkeit gestellt, nach einem neuen Kolbenmaschinensystem zu suchen. Es war dies gerade zu einer Zeit, als einige neue Bauarten von Dampfmaschinen-Steuerungen sich einfĂŒhrten, als die Lentz-Maschinen bekannt zu werden anfingen, und als von einer ganzen Anzahl verschiedener Werke deren Herstellung aufgenommen wurde. - Die Schröterschen Versuche an einer Kolbenventilmaschine der SociĂ©tĂ© anonyme van den Kerchove in Gent hatten gerade zu jener Zeit Aufsehen in der technischen Welt erregt. Der bis dahin fĂŒr kaum möglich gehaltene niedrige Dampfverbrauch dieser Maschine veranlaßte die SĂ€chsische Maschinenfabrik, in eine PrĂŒfung dieses Maschinensystems einzutreten. Die von der Association pour la Surveillance des ChaudiĂšres zu BrĂŒssel vorgenommenen Versuche an gleichen Maschinen hatten die Ergebnisse Schröters bestĂ€tigt, so daß auch diese Versuche die Verwaltung in ihrer Absicht, ihre Dampfmaschinen nach dem Kerchove-System zu bauen, nur bestĂ€rken konnten. - Nach langen Beobachtungen an ausgefĂŒhrten Maschinen, PrĂŒfungen, Vergleichen und eigenen Versuchen entschloß sich dann schließlich die SĂ€chsische Maschinenfabrik zur Übernahme des von der Firma Friedr. Krupp A.-G., Essen, fĂŒr das Deutsche Reich erworbenen Patentes van den Kerchove. Sie sicherte sich damit das alleinige AusfĂŒhrungsrecht fĂŒr Deutschland. Nachdem die Kerchove-Maschine seit zehn Jahren gebaut wird - von der SĂ€chsischen Maschinenfabrik wird sie seit 1905 ausgefĂŒhrt -, lĂ€ĂŸt sich wohl sagen, daß sie den besten bisher bekannt gewordenen Kolbenmaschinen hinsichtlich Vollkommenheit der Konstruktion und Betriebsicherheit gleichwertig ist, sie in bezug auf Wirtschaftlichkeit aber durchweg ĂŒbertrifft. Der beste Beweis fĂŒr die Vorteile des Kerchove-Maschinensystems ist wohl der, daß trotz der vielen Anfeindungen, die sie, wie jede neue Konstruktion, in der ersten Zeit erfuhr, sich nunmehr Kerchove-Maschinen mit ĂŒber einer halben Million PferdestĂ€rken Gesamtleistung zur grĂ¶ĂŸten Zufriedenheit ihrer Besitzer im Betrieb befinden. - Der Dampfturbinenbau wurde erst im Jahre 1907 aufgenommen, hat sich aber dank seiner ausgezeichneten Leistungen wĂ€hrend der verhĂ€ltnismĂ€ĂŸig kurzen Zeit seines Bestehens Anerkennung und Beachtung zu verschaffen gewußt, und aus den Hartmannschen WerkstĂ€tten gehen bereits heute Aggregate von gewaltigen Dimensionen fĂŒr stĂ€dtische ElektrizitĂ€tswerke oder private Industrieunternehmungen hervor. Die S.-M.-F.-Dampfturbine ist das Resultat eigener Konstruktionen und Versuche und stellt sich als eine reine Aktions- oder Gleichdruck-Axial-Turbine dar. Besonders interessant ist die Schaufelbefestigung, zur Vermeidung der bisher so sehr gefĂŒrchteten SchaufelbrĂŒche, welcher Professor Josse in der Zeitschrift des Vereins deutscher Ingenieure eine eingehende Abhandlung und Untersuchung gewidmet hat.
QUELLE[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912]


ZEIT1912
THEMAPumpen- und Wasserwerksbau
TEXTDie SĂ€chsische Maschinenfabrik gehört mit zu den Firmen, die auf die Entwicklung der Maschineneinrichtungen von Wasserwerken den grĂ¶ĂŸten Einfluß ausgeĂŒbt haben. Die ersten großen Wasserwerksmaschinen mit Dampfantrieb wurden von ihr schon in den vierziger Jahren des vorigen Jahrhunderts gebaut, und seit dieser Zeit ist "Hartmann" immer fĂŒhrend auf dem Gebiete des Großpumpenbaues geblieben. Aus den Chemnitzer WerkstĂ€tten sind mit die grĂ¶ĂŸten Gemeindewasserwerke unseres Kontinents hervorgegangen. In steter Folge verließen die Hartmannschen Werke alle diejenigen Pumpengattungen, die den Entwicklungsgang des gesamten Wasserwerksbaues seit siebzig Jahren kennzeichnen. - Von der alten Wolfschen Wasserhaltung, mit Kataraktsteuerung und nur fĂŒnf bis sechs Touren in der Minute an, bildet der Wasserwerksbau der SĂ€chsischen Maschinenfabrik eine stete Kette von Weiterentwicklung und Erfolg. Die heutigen Hartmannschen Wasserhaltungsmaschinen mit van den Kerchove-Dampfmaschinenantrieb stellen die neuesten und fortgeschrittensten Typen des Wasserwerksbaues ĂŒberhaupt dar. Infolge ihrer umfangreichen Betriebseinrichtungen und ihrer anderen Abteilungen ist die SĂ€chsische Maschinenfabrik in der Lage, ganze Wasserwerke mit allen Hilfs- und Nebeneinrichtungen in eigenen WerkstĂ€tten zu bauen, wodurch die beste GewĂ€hr fĂŒr eine einheitliche DurchfĂŒhrung einer solchen Anlage geboten wird.
QUELLE[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912]


ZEIT1912
THEMAKompressorenbau
TEXTIm Kompressorenbau, welchen die SĂ€chsische Maschinenfabrik in den letzten Jahren mit Erfolg neu aufgenommen hat, werden Kompressoren aller Konstruktionen, ein- und mehrstufig, mit beliebigem Antrieb, stationĂ€r und fahrbar, und fĂŒr die verschiedensten Zwecke und Verwendungsarten ausgefĂŒhrt; auch ist der Bau von Turbo-Kom-pressoren inzwischen aufgenommen worden. Der Eismaschinenbau der SĂ€chsischen Maschinenfabrik stellt seit langen Jahren ausschließlich Kompressoren fĂŒr die Gesellschaft fĂŒr Lindes Eismaschinen her. Als erfolgreiche Spezialabteilungen sind auch der Rohrleitungsbau und Transmissionsbau ausgebildet. Besonders genießen die aus letzterem hervorgehenden Doppelkegelreibungskupplungen einen ausgezeichneten Ruf.
QUELLE[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912]


ZEIT1912
THEMABau von Bergwerksmaschinen
TEXTDie SĂ€chsische Maschinenfabrik kam schon in den ersten Jahren ihres Bestehens mit der Montanindustrie in BerĂŒhrung und mit dem Jahre 1880 wurde als eine besondere SpezialitĂ€t der Bau von Maschinen fĂŒr Kokereien aufgenommen. Hierzu gehören besonders die KoksausdrĂŒckmaschinen und die Beschickmaschinen, ferner die Stampfmaschinen und die Planiervorrichtungen. Die LeistungsfĂ€higkeit dieser Abteilung hat, außer im deutschen Kohlenrevier, besondere Anerkennung in Nordspanien, Frankreich und England gefunden, woselbst viele derartige von Hartmann gebaute Anlagen in Benutzung sind.
QUELLE[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912]


ZEIT1912
THEMABau von Ölmotoren
TEXTDer neueren Entwicklung der Krafterzeugung folgend, ist auch die Herstellung von Rohölmotoren nach Patent Lietzenmeier aufgenommen worden. Dieser Motor arbeitet grundsĂ€tzlich nach dem im Dieselmotor verwirklichten Gleichdruckverfahren, unterscheidet sich aber von dieser AusfĂŒhrung durch die wesentlich einfachere und betriebssichere offene BrennstoffdĂŒse.
QUELLE[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912]


ZEIT1912
THEMAWerkzeugmaschinenbau
TEXTDie SĂ€chsische Maschinenfabrik betreibt seit etwa 64 Jahren die Herstellung von Werkzeugmaschinen; sie hat sich dabei besonders dem Bau schwerer Werkzeugmaschinen gewidmet, wobei als Hauptabnehmer die Firmen zur Herstellung von Kriegsmaterial, Schiffswerften, Arsenale, ReparaturwerkstĂ€tten und dergleichen in Frage kommen. Weit ĂŒber 18.000 Werkzeugmaschinen haben im Laufe der Zeit die WerkstĂ€tten verlassen, und die reichen, in der eigenen Werkstatt gesammelten Erfahrungen und die genaue Kenntnis der BedĂŒrfnisse der einzelnen Abnehmer setzten die SĂ€chsische Maschinenfabrik in den Stand, allen Erfordernissen bei der Konstruktion dieser Maschinen nachzukommen. Zweimal wurden die GebĂ€ude, in denen der Werkzeugmaschinenbau untergebracht ist, im Laufe der Jahre wesentlich vergrĂ¶ĂŸert, und heute stehen drei ĂŒber 100 m lange Maschinenhallen, die von je vier LaufkrĂ€nen mit einer TragfĂ€higkeit von 10 bis 251 befahren werden können und zum Teil mit besonderen Galerien versehen sind, zur VerfĂŒgung. Aber auch die serienweise Herstellung gangbarer, neu durchgearbeiteter Modelle moderner und kleiner Werkzeugmaschinen wurde in das Programm aufgenommen. Besonders große Lieferungen wurden außer fĂŒr die Firma Krupp in Essen, auch fĂŒr eine große Anzahl auslĂ€ndischer Arsenale und GeschĂŒtzfabriken, sowie alle grĂ¶ĂŸeren HĂŒttenwerke und Maschinenfabriken des In- und Auslandes gemacht. Unter diesen Maschinen sind einzelne, zur Ablieferung gelangte Kanonenbearbeitungsmaschinen bis zu 60 m ArbeitslĂ€nge und 200.000 kg Gewicht besonders erwĂ€hnenswert. - Eine vollstĂ€ndige UmwĂ€lzung in der konstruktiven Durchbildung der Werkzeugmaschinen verursachte vor ungefĂ€hr zwölf Jahren die Erfindung des Schnelldrehstahls. Durch den Schnellbetrieb wurden ganz neue, wesentlich verstĂ€rkte Konstruktionen bedingt, an deren LeistungsfĂ€higkeit, Standfestigkeit und Dauerhaftigkeit die höchsten Anforderungen gestellt werden mußten, ebenso durch die jetzt allgemein ĂŒblichen mit den modernen Meßinstrumenten ausfĂŒhrbaren und bis unter einem hundertstel Millimeter nachweisbaren Genauigkeitsgrenzen, welche man noch vor wenigen Jahren als phantastisch und unerreichbar bezeichnet hĂ€tte. Diesen ungeheueren Anforderungen ist der Werkzeugmaschinenbau der SĂ€chsischen Maschinenfabrik durch eine große Anzahl neuester Modelle in weitestgehendem Maße gerecht geworden. Seit drei Jahren pflegt die SĂ€chsische Maschinenfabrik auch ganz besonders den Bau von SchnelldrehbĂ€nken mit Teleskop-RĂ€dergetriebe nach Patent Friedrich und von Karussell-DrehbĂ€nken modernster Konstruktion.
QUELLE[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912]


ZEIT1912
THEMASpinnereimaschinenbau
TEXTDer zu Weltruhm gelangte Chemnitzer Maschinenbau ist aus dem heute noch an erster Stelle stehenden Textilmaschinenbau hervorgegangen. Als Richard Hartmann 1832 in Chemnitz einwanderte, war bereits eine große Anzahl Baumwollspinnereien in Sachsen und besonders in nĂ€chster Umgebung von Chemnitz errichtet, und 1836 zĂ€hlte man bereits 400.000 Spindeln. Hartmann fĂŒhrte zunĂ€chst, als er sich im Jahre 1837 selbstĂ€ndig machte, Reparaturen an den englischen Maschinen der sĂ€chsischen Spinnereien aus. Nach einigen Jahren nahm er auch den Bau vollstĂ€ndiger Maschinen fĂŒr die Baumwollindustrie in seine BetĂ€tigung auf. Als durch den amerikanischen BĂŒrgerkrieg (1861-1863) der Anbau von Baumwolle unterbrochen und den Baumwollspinnereien die Materialzufuhr abgeschnitten wurde, gab Hartmann den Baumwollspinnmaschinenbau bis auf den Bau von Baumwollabfallmaschinen wieder vollstĂ€ndig auf. Noch bevor Hartmann Baumwollspinnmaschinen herstellte, beschĂ€ftigte er sich indes auch bereits mit dem Bau von Streichgarnspinnmaschinen nach der damals noch in den AnfĂ€ngen befindlichen einfachen Art. Der Satz Spinnerei bestand aus einem Reißwolf, einer Reiß- und einer Lockenkrempel, sowie einer Feinspinnmaschine (Mule-Jenny) mit 60 Spindeln, wobei erstere fĂŒr Kraftbetrieb eingerichtet waren, letztere jedoch noch von Hand betrieben wurde. Im Jahre 1839 brachte Hartmann an Stelle der Lockenkrempel die erste Vor-spinnkrempel auf den Markt, welche mit dem von ihm erdachten Florteiler, genannt Con-tinue, versehen war. Diese Vorspinnkrempel war die erste Maschine, welche die stetige und gleichzeitige Herstellung vieler VorgarnfĂ€den in beliebiger LĂ€nge ermöglichte. Die Erfindung war deshalb von allergrĂ¶ĂŸter Bedeutung fĂŒr die weitere Entwicklung des Streichgarnmaschinenbaues. Auch die Spinnmaschine konnte durch diese Neuerung in der Folge zweckmĂ€ĂŸiger und mit grĂ¶ĂŸerer Spindelzahl eingerichtet werden, in welcher Art sie weiterhin zur AusfĂŒhrung gelangte, bis sie etwa ums Jahr 1859 vom Selfaktor verdrĂ€ngt wurde. Nachdem Hartmann mit dem Bau des Streichgarnselfaktors begonnen hatte, wurden auch die KrempelsĂ€tze weiter vervollkommnet. Die bis dahin bestehenden ZweikrempelsĂ€tze kamen nur noch fĂŒr gröberes, langfaseriges Material zur Verwendung, wĂ€hrend fĂŒr feineres Wollmaterial, wegen besserer Auf arbeit und besseren Ausgleiches, DreikrempelsĂ€tze, aus Reiß-, Fein- und Vorspinnkrempel bestehend, gebaut wurden. Die Reißkrempel erhielt eine Klettenwalze, die Vorspinnkrempel wurde nur mit einem, als Florteiler dienenden, mit Kratzenringen besetzten Abnehmer (Peigneur) mit zugehörigen zwei AbnehmekĂ€mmen, zwei Nitschelwerken und den zwei Aufwickeltrommeln zum Aufwickeln der VorgarnfĂ€den ausgerĂŒstet. Die Vorlage der Wolle auf den Zufuhrtisch der Reißkrempel und der vermittelst Trommeln erzeugten Pelze auf die Tische der Fein- und Vorspinnkrempel geschah mit der Hand, wobei die Wollfaser auf letzteren beiden, wegen Gestaltung gleichmĂ€ĂŸigen Vorgespinstes, quer bzw. lang zur EinfĂŒhrung kam. In dieser Art entsprachen die SĂ€tze den damaligen Anforderungen, da es sich in der Hauptsache noch um die Verarbeitung reiner Schafwolle handelte. - Der Selfaktor kam erst mit einer, dann mit zwei Spindelgeschwindigkeiten zur AusfĂŒhrung. Da man bei der Beschaffenheit der damaligen Florteiler noch mit stĂ€rkerem Vorgespinst bzw. grĂ¶ĂŸerer Verfeinerung desselben zu rechnen hatte, dann aber in weiterem Verlaufe in Sachsen auch schon Schafwolle mit Baumwolle gemischt zu Vigognegarn, auch in begrenztem Maße schon Mischungen von Wolle mit besseren WollabfĂ€llen und Kunstwolle verarbeitete, so wurde der Seifaktor bald nachher mit drei Spindelgeschwindigkeiten ausgerĂŒstet, wodurch sich die SpinnfĂ€higkeit dieser Maschine noch wesentlich gĂŒnstiger gestaltete. Dieses durch Hartmann damit zur Verwirklichung gebrachte Spinnverfahren, wĂ€hrend der Wagenausfahrt drei Spindelgeschwindigkeiten, von der kleinsten bis zur grĂ¶ĂŸten, in beliebiger Reihenfolge auf die Fadendrehung wirken zu lassen, wobei die Wagengeschwindigkeit allmĂ€hlich abnimmt, war das Ergebnis jahrelanger Versuche und bildete den Grundstock zu allen anderen in der SĂ€chsischen Maschinenfabrik, wie auch anderwĂ€rts zur AusfĂŒhrung gebrachten Seifaktoren. Wenngleich der Seifaktor im Laufe der Zeit bis zu der gegenwĂ€rtigen vollendetsten Konstruktion noch mannigfache Wandelungen erfahren hat, so ist der Maschine die von Hartmann gegebene Grundlage doch geblieben, die ihr die fĂŒr die Verarbeitung jedweden Materials vorzĂŒgliche SpinnfĂ€higkeit verleiht. - Wie bereits erwĂ€hnt, war die Wollwarenindustrie dazu ĂŒbergegangen, statt reiner Schafwolle in grĂ¶ĂŸerem Umfange Kunstwolle zu verwenden, wodurch an die Spinnereimaschinen neue Anforderungen gestellt wurden. Die Spinnmaschinen-Abteilung der SĂ€chsischen Maschinenfabrik nimmt fĂŒr sich das Verdienst in Anspruch, diesen Anforderungen stetig bei AusfĂŒhrung ihrer Maschinen Rechnung getragen zu haben. Sie war unausgesetzt darauf bedacht, die Spinner in den Stand zu setzen, außer der Schafwolle auch jede Art von WollabfĂ€llen, Wollflug, die Fadenrester aus der Spinnerei und Weberei zu verarbeiten, ferner die abgetragenen KleidungsstĂŒcke, aus Flanell, Tuch oder Buckskin, aus Kammgarnstoffen, Tibet, Musselin sowie verbrauchte Wolldecken, Teppiche und alle trikotartige AbfĂ€lle, aus gestrickten StrĂŒmpfen, Westen, Jacken, MĂŒtzen, Sportsachen usw. wieder in die Wollfasern zu zerlegen, aus denen sie entstanden, um sie allein oder mit Gemisch von Schafwolle, besseren WollabfĂ€llen, wie auch mit Baumwolle zu Garn von entsprechender Feinheit und guter QualitĂ€t zu gestalten. Die KrempelsĂ€tze, wie sie sich bis zum heutigen Tage entwickelt haben, kommen mit grĂ¶ĂŸeren Walzenabmessungen in Ein- und Zweipeigneur-Anordnung, als Ein- und Doppelflorkrempeln, sowie als Zwei- und DreikrempelsĂ€tze zur AusfĂŒhrung. Bei den EinpeigneursĂ€tzen sind fĂŒnf bis sechs Arbeitswalzenpaare ĂŒber jedem Tambour, bei den ZweipeigneursĂ€tzen vier bis fĂŒnf Paare angeordnet. Die Arbeitsbreite wechselt zwischen anderthalb und zwei Metern. Zur Abscheidung von Unreinigkeiten sind an jeder Krempel Schmutzmulden unter den ersten Walzenpaaren, sowie nach Bedarf ein kleinerer oder grĂ¶ĂŸerer Reinigungsapparat an der ersten Krempel angeordnet. Zur HerbeifĂŒhrung automatischen Arbeitens ist die erste Krempel am Eingange mit einem Wollaufleger mit Wage ausgerĂŒstet, wĂ€hrend die Übertragung des Materials von der ersten zur zweiten, bzw. von der zweiten zur dritten Maschine durch Bandlager erfolgt. Der Riemenflorteiler kann je nach Beschaffenheit des zur Verarbeitung kommenden Materials und der Garnfeinheit mit zwei, vier oder sechs Nitschelwerken ausgerĂŒstet und zu sechzig bis zweihundert FĂ€den eingeteilt werden. Die Leistung der Spinnmaschinen-Abteilungen ist in den letzten Jahren so gewachsen, daß jetzt jĂ€hrlich Spinnereieinrichtungen, einschließlich Vorbereitungsmaschinen und KrempelsĂ€tzen von insgesamt 250.000 Spindeln hergestellt werden können, gegen 120.000 vor einigen Jahren. - Außer den in vorstehenden AusfĂŒhrungen genannten Maschinen liefern die Spinnmaschinen-Abteilungen noch folgende Spezialmaschinen: Kammgarnseifaktoren und Ringspinnmaschinen fĂŒr Merino, feinere und mittlere Croßbredwollen, Maschinen fĂŒr Grobkammgarn aus mittleren und groben Croßbredwollen mit Vorbereitungs- und Ringspinnmaschinen, Papiergarnmaschinen nach System Claviez, Zwirnmaschinen fĂŒr Zwirne jeder Art, namentlich fĂŒr NĂ€hfaden, Webwaren, Streichgarn, Zephirgarn, Teppich- und Segeltuchfabrikate, Bindfaden, Papiergarn usw., mit zugehörigen Weifen, Spulmaschinen, Garnpressen usw. SĂ€mtliche Arbeitsmaschinen fĂŒr Baumwollabfall-, Barchent-, Kapok- und Vigognespinnerei, sowie Maschinen fĂŒr Asbest-, Filz-, Hut-und Wattefabriken und Baumwollentkernungsmaschinen fĂŒr Hand- und Kraftbetrieb. Der Spinnereimaschinenbau ist nĂ€chst dem Lokomotivbau die bedeutendste Werksabteilung geworden.
QUELLE[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912]


ZEIT1912
THEMAWebstuhlbau
TEXTZu einer ansehnlichen Abteilung hat sich auch der Webstuhlbau der SĂ€chsischen Maschinenfabrik ausgewachsen. Ende der vierziger Jahre, bis zu welcher Zeit einzelne mechanische WebstĂŒhle von England nach Deutschland gekommen waren, befaßten sich auch deutsche Firmen mit dem Webstuhlbau, darunter in erster Linie Richard Hartmann. Ihm ist zu einem großen Teil die Entwicklung desselben zum heutigen Stande zuzuschreiben, und er hat wesentlich dazu beigetragen, daß auch in Deutschland die Hausweberei durch die mechanische Weberei fast vollstĂ€ndig abgelöst wurde. Deutsches Fabrikat ist auch hier dem auslĂ€ndischen gleichwertig und in vielen Beziehungen ĂŒberlegen geworden und findet in steigendem Maße Absatz auf dem Weltmarkte. Die SĂ€chsische Maschinenfabrik liefert WebstĂŒhle fĂŒr alle Arten von Geweben aus Wolle, Baumwolle, Seide, Leinen, Jute usw., fĂŒr alle Arten von Bekleidungs- und Dekorationsstoffen, sowie von Stoffen fĂŒr technische Zwecke mit und ohne SchĂŒtzenwechseleinrichtung und mit und ohne Schaft- und Jacquardmaschinen in gleicher GĂŒte und Vollendung. Unter den fast 60.000 WebstĂŒhlen, die aus dieser Abteilung hervorgegangen sind, befindet sich auch der grĂ¶ĂŸte Webstuhl der Welt mit einer Webbreite von 18 m und einem Gewichte von etwa 34.000 kg. Zahlreiche neue und bewĂ€hrte Konstruktionen in SeidenwebstĂŒhlen und in StĂŒhlen mit automatischer Schußspulenauswechslung beweisen, daß die SĂ€chsische Maschinenfabrik auch auf diesem Gebiete mit an der Spitze marschiert. Mit dem Webstuhlbau verbunden ist die Fabrikation von Webereivorbereitungsmaschinen, also Maschinen zum Scheren, Zetteln, Zwirnen, Drucken usw. Durch fortwĂ€hrende VergrĂ¶ĂŸerung der WerkstĂ€tten und Ausstattungen derselben mit den neuesten PrĂ€zisionswerkzeugmaschinen ist die Abteilung zu einem vollkommen einheitlichen und rationellen Betrieb und damit zu hoher LeistungsfĂ€higkeit gelangt.
QUELLE[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912]


ZEIT1912
THEMADampfkesselbau
TEXTGleichzeitig mit der Aufnahme des Baues von Lokomotiven mußte auch an die Errichtung einer eigenen Kesselschmiede gedacht werden, so daß der Anfang des Dampfkesselbaues auch bis Ende der vierziger Jahre zurĂŒckliegt. Letzterer beschrĂ€nkte sich zu Anfang nur auf den Bau von Lokomotivkesseln. SpĂ€ter wurde dann noch der Bau stationĂ€rer Kessel aufgenommen. Die Kesselschmiede verfĂŒgt heute ĂŒber die modernsten Einrichtungen, unter denen besonders die große hydraulische Nietanlage und die hydraulische KĂŒmpel-presse neben den modernen elektrisch angetriebenen Blechkantenhobelmaschinen zu nennen sind. Im Laufe der letzten Jahrzehnte hat sich hauptsĂ€chlich durch das Anwachsen der ElektrizitĂ€tswerke der Dampfbedarf derart vergrĂ¶ĂŸert, daß man mit den bisher bevorzugten Großwasserraumkesseln nicht immer auskommen konnte. Man mußte deshalb nach neuen Bauarten fĂŒr grĂ¶ĂŸere Einheiten suchen. Die SĂ€chsische Maschinenfabrik hat diesem Gang der Entwicklung im Dampfkesselbau Rechnung getragen und baute zunĂ€chst eine Anzahl kombinierter Kessel. Eine der grĂ¶ĂŸeren KesselausfĂŒhrungen dieser Art war fĂŒr das Chemnitzer ElektrizitĂ€tswerk bestimmt, bei denen der Unterkessel als Dreiflammrohrkessel ausgefĂŒhrt war, wogegen der Oberkessel aus 270 Rauchröhren bestand. Es wurden hiermit Kessel von der bisher noch nie verwendeten HeizflĂ€che von 608 qm erreicht. Dampfkesselkonstrukteure anderer Firmen und verschiedene SachverstĂ€ndige Ă€ußerten sich damals sehr zweifelnd, doch hat der erzielte Erfolg der SĂ€chsischen Maschinenfabrik vollkommen recht gegeben, denn es haben sich diese Kessel so glĂ€nzend bewĂ€hrt, daß noch grĂ¶ĂŸere Aggregate dieser Art von 720 qm HeizflĂ€che geliefert werden konnten. Die von der SĂ€chsischen Maschinenfabrik außerdem gebauten Wasserrohrkammerkessel bestehen je nach der GrĂ¶ĂŸe aus einem oder zwei Oberkesseln, zwei vollstĂ€ndig geschweißten Wasserkammern und der der HeizflĂ€che entsprechenden Anzahl nahtloser Siederohre. Auf derartige Kessel erhielt die SĂ€chsische Maschinenfabrik beispielsweise AuftrĂ€ge bis zu 14 StĂŒck bei einer Firma. - Einen ganz ĂŒberraschenden Erfolg erzielte das Hartmannsche Werk im letzten Jahre mit der EinfĂŒhrung eines neuen, sogenannten Steilrohrkessels, System Werner-Hart-mann, welchen es der Art des Brennstoffes, Braun- oder Steinkohle verschiedener Heizwerte jeweils anpaßt. Diese Kessel können in beliebig großen Einheiten hergestellt werden und erzielen auf dem Quadratmeter BodenflĂ€che bei geringsten Gestehungskosten höchste Dampfleistung. Steht die SĂ€chsische Maschinenfabrik somit, was den Bau von Lokomotiv- und stationĂ€ren Kesseln anlangt, mit an der Spitze des deutschen Dampfkesselbaues, so sind auch die mit Kesselanlagen in Verbindung stehenden Einrichtungen nicht vernachlĂ€ssigt. Zu diesen Einrichtungen zĂ€hlen vor allem die modernen Kesselbekohlungsanlagen, sowie der Bau von Rostbeschickungs-Apparaten. Die von der SĂ€chsischen Maschinenfabrik ausgefĂŒhrten Anlagen, zum Teil mit automatischer Kohlenverwiegung, sind unter Verwendung der einfachsten Transportmittel, wie Schnecken, BĂ€nder und Elevatoren hergestellt und arbeiten mit vollkommenster Betriebssicherheit und geringem Kraftverbrauch. Allgemeine Verbreitung hat der mechanische Rostbeschickungsapparat System Leach gefunden. Von demselben befinden sich viele Tausende im Gebrauch.
QUELLE[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912]


ZEIT1912
THEMATransporteinrichtungen
TEXTDie wenig gĂŒnstige Lage der WerkstĂ€tten der SĂ€chsischen Maschinenfabrik war die Veranlassung, daß sie bis noch vor wenig Jahren alle ihre schweren, umfangreichen Erzeugnisse in Ermangelung eines eigenen Bahnanschlusses nicht direkt verfrachten konnte, sondern bis zur eigentlichen Verladestelle erst noch Pferd und Wagen benutzen mußte. Eine Besserung war zwar eingetreten infolge der Eröffnung der Industriebahn "Chemnitz-ObergrĂŒna", wodurch wohl die in Altendorf gelegene Gießerei der SĂ€chsischen Maschinenfabrik Anschlußgleis erhalten hatte, doch das etwa zehn Minuten entfernt liegende Hauptwerk nicht. So wurden zur Erlangung eines Schienenweges nach den WerkstĂ€tten des Hauptwerkes zu beiden Seiten der Hartmannstraße mit den maßgebenden Behörden Verhandlungen angeknĂŒpft, die nach anfĂ€nglichem Scheitern doch endlich zur Genehmigung zum Ausbau eines Dreischienenweges fĂŒhrten, und zwar von dem GießereigrundstĂŒck an der Beyerstraße ausgehend, durch die Matthesstraße bis zur Hartmannstraße. Die Bauabnahme und die damit verbundene Inbetriebnahme erfolgte im Dezember 1908, von welchem Zeitpunkt an alle Transporte ihren Weg ĂŒber Schienen nahmen. Der Unterbau ist sehr krĂ€ftig ausgefĂŒhrt, um allen Eisenbahntransporten standhalten zu können. Im Zuge der Verkehrsstraßen ist Stampfbeton als Unterbau verwendet. Die Einbettung einer Eisenkonstruktion war notwendig in dem Teile der Matthesstraße zwischen Freigut- und Leipziger Straße. Hier zieht sich ein gemauerter Kanal unter dem Fahrdamm hin, der das Wasser des Pleißenbaches aufnimmt. Zu beiden Seiten dieses Kanals, dessen Decke die Last eines Eisenbahntransportes nicht aufzunehmen vermochte, wurden je 27 Betonpfeiler errichtet, welche die StĂŒtzpunkte fĂŒr die Eisenkonstruktion bilden. Die Schienen ruhen direkt auf der BlechtrĂ€gerkonstruktion, deren Eigengewicht 128.000 kg betrĂ€gt. Auch ein Durchbruch der HĂ€user Leipziger Straße 6 und 8 mußte zur DurchfĂŒhrung der Bahn auf das GrundstĂŒck der SĂ€chsischen Maschinenfabrik vorgenommen werden. Die Bahn fĂŒhrt durch unseren Rangierbahnhof, der auf einem besonderen GrundstĂŒck an der Limbacher Straße neben dem Hauptwerk gelegen ist, und weiter durch das GebĂ€ude des Dampfmaschinenbaues auf den Fabrikhof, wo die Bahn als Dreischienengleis endet. Die Werkabteilungen zu beiden Seiten der Hartmannstraße erhielten in zwei Bauperioden ein Schmalspurgleis von 915 mm Spurweite, durch welches erreicht worden ist, daß nicht nur der Transport von der einen zur anderen WerkstĂ€tte durch eigens hierzu gebaute Kleinbahnwagen besorgt, sondern vor allem auf Rollböcke gestellte Staatsbahnwagen direkt bis zu den Versand- und Verladestellen geschafft und hier ent-bzw. beladen werden können. Zum bequemen und schnellen Laden und Entladen der Wagen wurde die Bahn mit besonderen Hebeeinrichtungen und Verladerampen versehen. Besonders interessant ist der als Hebemittel Verwendung findende Lasthebemagnet. Der am Kranhaken hĂ€ngende Magnet, dem Gleichstrom von 500 Volt zugefĂŒhrt wird, vermag EisenspĂ€ne, Bleche, Brammen, Roheisenblöcke im Gewichte von 500 kg und mehr zu heben. Die Bedienung erfolgt durch den KranfĂŒhrer. Ein anderes Verkehrsbild geben der Bahnanlage die Schmalspurwagen, welche Guß-iĂŒcke, SchmiedestĂŒcke, Koks, Kohlen, Bretter usw. von einer Werkstatt zur anderen bringen. 50 Kleinbahnwagen verschiedener GrĂ¶ĂŸe und TragfĂ€higkeit ? bis zu 2.500 kg ? sind bis jetzt in den Dienst gestellt. Als Betriebsmittel finden eine elektrische Kranlokomotive auf der Anschlußstrecke Beyer-Hartmannstraße, sowie eine feuerlose Dampflokomotive fĂŒr den Dienst auf dem FabrikgrundstĂŒck zu beiden Seiten der Hartmannstraße Verwendung.
QUELLE[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912]


ZEIT1912
THEMAStiftung "Heim"
TEXTAn 23. April 1884 errichtete die SĂ€chsische Maschinenfabrik die Stiftung "Heim", um, wie es das Statut besagt, unbescholtenen und braven Arbeitern, die dem Werke lĂ€ngere Zeit angehören, gesunde und billige Wohnungen gegen mĂ€ĂŸigen Zins zu beschaffen. Von dem Grundsatze ausgehend, daß nach des Tages anstrengender, harter Arbeit fĂŒr die Erhaltung bzw. KrĂ€ftigung der Gesundheit vor allen Dingen Bewegung in frischer, freier Luft Bedingung ist, faßte man nicht die Errichtung von grĂ¶ĂŸeren, gut verzinslichen MietshĂ€usern ins Auge, sondern man nahm die Erbauung von rings von GĂ€rtchen umgebenen EinfamilienhĂ€usern in Aussicht. Zu diesem Zweck erwarb man als besonders geeignet, da auch die Entfernung von der ArbeitsstĂ€tte der kĂŒnftigen Bewohner berĂŒcksichtigt werden mußte, ein zwischen Kirche und Crimmitschauer Wald gelegenes, etwa 50.200 qm umfassendes GrundstĂŒck, und es erstand nun im Nordwesten von Chemnitz eine kleine Gartenstadt der Arbeiter. Um der wachsenden Nachfrage nach Wohnungen seitens der Arbeiter genĂŒgen zu können, wurden HĂ€user fĂŒr zwei, vier, fĂŒnf und sechs Familien erbaut. Die Stiftung besitzt heute 47 HĂ€user, hiervon sind acht fĂŒr je eine Familie, 28 fĂŒr je zwei Familien, zwei fĂŒr je vier Familien, eins fĂŒr fĂŒnf und acht fĂŒr je sechs Familien eingerichtet. Der Gesamtbrandkassenwert betrĂ€gt 361.940 Mark. Der Buchwert dieser 47 HĂ€user betrĂ€gt gegenwĂ€rtig 339.500 Mark; sie sind mit 200.900 Mark hypothekarisch belastet. Jede Partei der auch von mehreren Familien bewohnten HĂ€user hat ihren eigenen, am Hause gelegenen Garten. Welchen Wert die Bewohner hierauf legen, beweist die durchweg peinliche Instandhaltung der zur Sommerzeit oft im herrlichsten BlĂŒtenschmucke prangenden GĂ€rten. SĂ€mtliche HĂ€user sind an die stĂ€dtische Wasserleitung angeschlossen. Eine sehr rege benutzte Bibliothek sorgt fĂŒr Unterhaltung wĂ€hrend der Wintermonate. GegenwĂ€rtig wird die Stiftung von 121 Familien mit 200 Kindern unter 14 Jahren, insgesamt 592 Personen bewohnt. Das Mobiliar ist auf Kosten der Stiftung gegen Feuersgefahr versichert. Die HĂ€user sind unverkĂ€uflich und bleiben Eigentum der Stiftung. Die Verwaltung geschieht im Ehrenamte durch einen von der Direktion der SĂ€chsischen Maschinenfabrik ernannten Vorstand, dem ein Arbeiterausschuß fĂŒr die innere Verwaltung tatkrĂ€ftig zur Seite steht. - Daß trotz der von Jahr zu Jahr steigenden Ausgaben an Steuern, Reparaturen usw. die niedrigen Mietpreise von vor 27 Jahren belassen werden konnten und ein Bestehen der Stiftung ĂŒberhaupt möglich war, ist nur dem UmstĂ€nde zu verdanken, - daß die SĂ€chsische Maschinenfabrik die Stiftung "Heim" durch laufende und bedeutende außerordentliche Zuweisungen jederzeit unterstĂŒtzte. Am 26. Juli 1885 wurde der Stiftung "Heim" die hohe Ehre des Besuches Seiner MajestĂ€t des Königs Albert zuteil, welcher nach Besichtigung der HĂ€user, und zwar besonders von solchen, die von kinderreichen Familien bewohnt waren, seine höchste Anerkennung ĂŒber die Kolonie aussprach. Wiederholt wurde die Stiftung behufs Studiums ihrer Einrichtungen auch von den Vertretern der verschiedensten Behörden und privater Unternehmungen besucht.
QUELLE[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912]


ZEIT1912
THEMAArbeiter-Speiseanstalt
TEXTDie Arbeiterspeiseanstalt oder Kantine wurde in ihrem jetzigen Umfang in den Jahren 1888/89 errichtet, nachdem schon vorher zu Hartmanns Zeiten SpeisesĂ€le vorhanden waren. Die Verwaltung der Arbeiterspeiseanstalt geschieht durch festbesoldete Beamte der Firma, so daß sie den alleinigen Zweck hat, zu möglichst billigem Preis an die Arbeiterschaft gute Ware abzugeben, ohne ein Erwerbsunternehmen darzustellen. Ein etwaiger Überschuß wird der schon erwĂ€hnten ArbeiterunterstĂŒtzungskasse ĂŒberwiesen. Der Kantinenbetrieb erstreckt sich nicht nur auf das Hauptwerk, sondern es sind auch in der Gießerei, sowie in dem neuen Zweigwerk Filialkantinen vorhanden. Zehn Personen sind mit der Aufrechterhaltung des Wirtschaftsbetriebes beschĂ€ftigt. In jedem der vorhandenen drei SpeisesĂ€le sind genĂŒgend SitzplĂ€tze an langen Tafeln vorgesehen, und ganz besonderer Wert wird auf die Reinhaltung aller vorhandenen Einrichtungen gelegt. Alle RĂ€ume werden im Winter durch Dampfheizung erwĂ€rmt und sind außerdem mit elektrischen Beleuchtungseinrichtungen versehen. In dem Speisesaal der Kantine des Hauptwerkes sind zwei moderne große WĂ€rmeöfen vorhanden, in denen die Arbeiter das etwa selbst mitgebrachte Mittagessen warmstellen können. Zur Ausgabe gelangen vor und wĂ€hrend der durch die Arbeitsordnung vorgesehenen Pausen verschiedene Sorten Bier, Selterswasser, Limonaden, Sauerbrunnen, Kaffee und Kakao. Ein besonders stark begehrter Artikel ist Milch in Flaschen, außerdem werden alle Sorten Wurst, KĂ€se, gerĂ€ucherte und marinierte Fischwaren und Tabake verkauft. Die große Dampfkochanlage im Hauptwerk entspricht ebenso, wie die großen KartoffeldĂ€mpfer und die im Hauptspeisehaus vorhandene Schlachteinrichtung allen Anforderungen der Hygiene und fortgeschrittenen Technik. Besonderer Wert ist seitens der Verwaltung darauf gelegt, den unverheirateten Arbeitern oder denen, die der weiten Entfernung der Wohnung wegen zur Mittagspause die Fabrik nicht verlassen, ein krĂ€ftiges und gutes warmes Mittagessen zu dem außerordentlich billigen Preise von 35 Pfennig zu liefern.
QUELLE[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912]


ZEIT1912
THEMAFabrikfeuerwehr
TEXTAn 31. Oktober 1866 erfolgte die GrĂŒndung einer eigenen Fabrikfeuerwehr, die aber auf Wunsch der stĂ€dtischen Verwaltung auch bei BrĂ€nden innerhalb der Stadt zur VerfĂŒgung stehen sollte. Das Feuerwehrkorps bestand bei seiner GrĂŒndung aus zwölf Chargierten und hundert Feuerwehrleuten, die statutengemĂ€ĂŸ zur Teilnahme am Feuerdienst, Übungsdienst und Vereinsdienst verpflichtet waren. Die hellen Blusen mußten sich die Feuerwehrleute aus eigenen Mitteln anschaffen, wogegen die ĂŒbrigen AusrĂŒstungsgegenstĂ€nde von der Fabrik geliefert wurden. Ende der sechziger Jahre schaffte Richard Hartmann eine Dampfspritze an, die aus England gekommen war, und die erste in Deutschland zur Verwendung kommende Dampf spritze darstellte. Diese Dampfspritze ist auch heute noch im Gebrauch und steht auf Grund von besonderen Abmachungen der stĂ€dtischen Berufsfeuerwehr zur VerfĂŒgung. Eine Reihe von Jahren hindurch war jeder Beamte der SĂ€chsischen Maschinenfabrik verpflichtet, Mitglied der Hartmannschen Feuerwehr zu sein, jedoch hat man diese Einrichtung seit etwa zehn Jahren fallen gelassen und rekrutiert die Mitglieder heute lediglich aus Freiwilligen. WĂ€hrend ihrer sechsundvierzigjĂ€hrigen TĂ€tigkeit war es der Hartmannschen Feuerwehr vergönnt, wiederholt bei großen BrĂ€nden, auch in Schwesterfabriken und in PrivatgebĂ€uden, helfend einzugreifen, und die tapfere Löschmannschaft hat sich manche Anerkennung fĂŒr ihr Verhalten am und im Feuer erworben. Auch bei Hochwassergefahr mußte die Wehr wiederholt eingreifen. Dank ihrer regen Aufmerksamkeit und Pflichttreue wurden die im eigenen Werke im Laufe der Jahre entstandenen BrĂ€nde fast durchweg schon im Entstehen gelöscht. Heute besteht das Feuerwehrkorps aus einem Hauptmann, einem Hauptmannstellvertreter, einem Feldwebel, fĂŒnf ZugfĂŒhrern, sechs Oberfeuerwehrleuten, zwei Signalisten und etwa achtzig Feuerwehrleuten. An LöschgerĂ€ten stehen der Feuerwehr außer der bereits genannten Dampfspritze zwei große Handdruckspritzen, drei kleine Handdruckspritzen, zwei große Schlauchwagen, eine mechanische Leiter, ein GerĂ€tewagen, acht-unddreißig Annihilatoren und sieben Extincteure zur VerfĂŒgung. In neuester Zeit ist eins der Frachtautomobile derart eingerichtet, daß es sofort mit der Dampfspritze gekuppelt werden und nach Aufnahme der notwendigen Löschmannschaften als Automobillöschzug zur BrandstĂ€tte abrĂŒcken kann. 2450 m Schlauch können jederzeit Verwendung finden, und 25 Hydranten fĂŒr das Hauptwerk und 13 Hydranten fĂŒr die Gießerei ermöglichen die Zufuhr jeder erforderlichen Wassermenge. Mehrere große Wasserreservoire sind als Notreserve außerdem noch vorhanden. Die Hartmann-Feuerwehr ist durchaus militĂ€risch organisiert, gehört dem Landesverband sĂ€chsischer Feuerwehren und dem hiesigen Kreisfeuerwehrverband an und untersteht der Inspektion durch letzteren. WĂ€hrend der Nacht ist stĂ€ndig Feuerlöschwache unter Benutzung eines besonderen Wachtlokales vorhanden und Patrouillen kontrollieren wĂ€hrend dieser Zeit sĂ€mtliche BureaurĂ€ume und WerkstĂ€tten. Aber nicht nur der Feuerlöschdienst wird in diesem Kreise eifrig gepflegt, sondern ebenso Freundschaft und Geselligkeit, und das jedes Jahr gefeierte Stiftungsfest der Fabrikfeuerwehr erfreut sich allgemeiner Beliebtheit. Die Direktion und die Oberbeamten des Werkes pflegen an diesem Feste stets teilzunehmen.
QUELLE[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912]


ZEIT1912
THEMAVertreterorganisation
TEXTDie SĂ€chsische Maschinenfabrik besitzt in nachstehenden StĂ€dten eigene Bureaus bzw. Vertretungen: a) Inland: Aachen, Berlin, Bonn, Bremen, Breslau, Cottbus, DĂŒsseldorf, Erfurt, Forst i. L., Frankfurt a. M., GrĂŒnberg i. Schl., Gleiwitz, Gummersbach, Hamburg, Hannover, Herford, Hirschberg, Karlsruhe, Kiel, Königsberg, Krefeld, Leipzig, Luckenwalde, Magdeburg, MĂŒnchen, MĂŒnster, NeumĂŒnster, Reichenbach, SaarbrĂŒcken, Stettin, Stuttgart. b) Ausland: Amsterdam, Athen, Barcelona, Belgrad, Boston, Bukarest, Buenos Aires, Christiania, Gabrovo, Gent, Göteborg, Konstantinopel, Kopenhagen, Lissabon, Lodz, London, Mailand, Mexiko, Moskau, New York, Norrköpping, Paris, Rio de Janeiro, Sofia, St. Petersburg, Stockholm, Tilburg, Valparaiso, Vienne, Warschau, Wien. Der rastlosen TĂ€tigkeit der auswĂ€rtigen Vertreter ist es zu danken, daß die Erzeugnisse der SĂ€chsischen Maschinenfabrik in aller Welt immer mehr geschĂ€tzt und begehrt werden. Sie sind es, die dafĂŒr sorgen, daß der Name Hartmann in allen KulturlĂ€ndern stets weiter wachsenden Ruf erhĂ€lt, und sie sind somit in der Tat die wahren Pioniere und Herolde deutscher Industrie. Die Verwaltung ist ihnen fĂŒr diese ihre oft sehr mĂŒhevolle TĂ€tigkeit zu besonderem Dank verbunden, dem auch an dieser Stelle Ausdruck gegeben sei.
QUELLE[SÀchs. Masch.-Fabr.: JubilÀumsschrift 1837-1912]