Erste Br├╝nner Maschinenfabriks-Gesellschaft

Allgemeines

FirmennameErste Br├╝nner Maschinenfabriks-Gesellschaft
OrtssitzBr├╝nn (M├Ąhren)
Stra├čeOlm├╝tzer Gasse 7-9
Art des UnternehmensMaschinenfabrik
AnmerkungenTschechische Namensform: "Prvn├ş brnensk├í stroj├şrna" ["e" mit Haschek]. Entstanden durch Vereinigung von Th. Bracegirdle und von H. A. Luz (siehe beide). Olm├╝tzer Gasse = ehem. Luzwerk; 1935: 1500 Arbeiter im Luzwerk, dort 1840 PS Dampfkraft (Turbinen). Dazu seit 1900 die "Friedrich Wannieck & Co." (s.d.). Firmierung (lt. Briefbogen von 1930; hier: Briefkopf mit Zusatz "Luzwerk"): "Erste Br├╝nner Maschinen-Fabriks-Gesellschaft, [*)] fr├╝her H. A. Luz, Friedrich Wannieck & Co., Jos. Pauker & Sohn und Akt.-Ges. f├╝r Maschinenbau vorm. Brand & Lhuillier" [*) ab hier in kleinerer Typographie]; mit dem Zusatz "Maschinenfabriken, Eisengie├čereien, Metallgie├čereien und Kesselschmieden". Anton H├Âdl war 1926-1945 Generaldirektor.
Quellenangaben[Beitr Gesch Technik (1913) 297] [VDI 53 (1909) 2019] Mai 1973 (Internet) [Industriekompa├č (1935/36) 598] [Hundertj. Geschichte ... (1921)] [Handbuch Akt.-Ges. (1943) 5063]
Hinweise[H├Âdl, Anton: Erinnerungen (1963-1967) in http://www.joern.de]




Unternehmensgeschichte

Zeit Ereignis
1814 In Schlappanitz [Slapanice] wird von dem aus W├╝rttemberg stammenden Johann Reiff und seinen Gesellschaftern eine Spinnerei gegr├╝ndet, die sich auch mit der Herstellung von Textilmaschinen befassen.
1821 Nach Reiffs Tod ├╝bernimmt Heinrich Alexander Luz im Jahre 1821 den Betrieb von Johann Reiff; er wendet sich in erster Linie der Herstellung von Dampfmaschinen zu.
1872 Gr├╝ndung mit einem Kapital von fl. 1.000.000,00 durch Zusammenschlu├č der Firmen "H. A. Luz" (gegr. 1821) und "Bracegirdle & Sohn" (gegr. 1844).
18.02.1872 Fusion der Firmen "Thomas Bracegirdle & Sohn, Br├╝nn" und "K. k. priv. Maschinenfabrik H.A. Luz, Br├╝nn" zu der Aktiengesellschaft "Erste Br├╝nner Maschinen-Fabriks-Gesellschaft, Br├╝nn"
1873 Die Werksanlagen der ehemaligen Firma Bracegirdle im Vorort Kr├Âna werden stillgelegt
1874 Das Werk von "Bracegirdle & Sohn" wird stillgelegt und das Luz-Werk erweitert.
1878 Aufnahme des Baus von Dampfmaschinen mit Rider-Steuerung
1880 Die lebhafte Entwicklung des Dampfmaschinenbaus f├╝hrt unter Oberingenieur Hauber zum Bau von
Collmann-Maschinen, ferner Zwillingsdampfmaschinen, Dampfmaschinen in Tandem-Bauart.
1880 Nachdem bereits einige Zeit Woolf'sche Verbundmaschinen erbaut wurden, wird der Bau von echten Verbundmaschinen (mit Corliss- o. Collmann-Steuerung) aufgenommen
15.03.1880 Lizenzvertrag mit Alfred Collmann, Wien zum Bau seiner Ventilsteuerung
15.03.1880 Die Lizenz f├╝r die Collmann-Steuerung wird erworben
19.12.1881 Geburt von Anton H├Âdl in Innsbruck. - Er w├Ąchst in Prag und J├Ągerndorf auf, studiert an der Technischen Hochschule in Wien und ist vor dem Ersten Weltkrieg als Ingenieur in Wien, M├Ąhrisch-Ostrau und Berlin t├Ątig.
Den ersten Weltkrieg macht er an verschiedenen Kriegsschaupl├Ątzen bis zum Hauptmann mit, wird nach dem Kriege Direktor der Witkowitzer Eisenwerke, dann Zentraldirektor der Lapp-Finze AG in Graz, ehe er 1926 Generaldirektor der "Ersten Br├╝nner" wird.
1882 Bau von Tischbeinkesseln und den ersten Wasserrohrkesseln, bei denen die Rohre mit geschwei├čten, durch Stehbolzen versteiften Kammern verbunden sind
1885 Aufnahme des Baus von schnellaufenden Dampfmaschinen mit Kolbenschiebersteuerung und Achsenregulator zum Antrieb von Generatoren
1888 Bau der Maschinen f├╝r die Drina-Heckraddampfer "Lim" und "Zwornik"
1888 Aufnahme des Baus von Dreifachexpansions-Maschinen (mit Collmann-Steuerung)
1889 Lieferung von 19 liegenden Schnell├Ąufern von je 1000 PS f├╝r ein Kraftwerk in Wien
1890 Beginn der Fertigung von Kesselspeisepumpen Bauart Voit-Hooker. Sp├Ąter wird der Bau vielstufiger
Kreiselpumpen aufgenommen, die die Kessellieferungen erg├Ąnzten. In weiterer Folge kommt der Bau von Umw├Ąlzpumpen hinzu, der in der Lieferung einer gr├Â├čeren Zahl derartiger Pumpen riesiger Abmessungen nach ├ägypten gipfelt. Die Abteilung wird lange von den Oberingenieuren Polaczek und Czopek gef├╝hrt.
1890 Aufnahme des Baus von Wasserrohrkesseln der Bauart Babcock & Wilcox
1893 Der Bau keramischer Maschinen tritt an die Stelle des aufgelassenen Textilmaschinenbaus. Die Fertigung umfa├čt zun├Ąchst Ziegelpressen, sp├Ąter auch Kohlebrikettpressen, Schamottepressen, Steinbrecher und anderes mehr.
1895 Beginn der Fertigung raschlaufender stehender Dampfmaschinen.
1895 Die Collmann-Steuerung wird durch die verbesserte Neue-Collmann-Steuerung abgel├Âst
1895 Abschlu├č eines Lizenzvertrages ├╝ber Schmidt'sche Hei├čdampfmaschinen mit der Ersten Br├╝nner Maschinenfabrik
1896 Bau der ersten Dampfmaschinen mit Lentz-Ventilsteuerung der Welt durch Hugo Lentz bei der "Ersten Br├╝nner Maschinenfabrik"
1896 Bau der Dampfmaschinen f├╝r die beiden einzigen auf der Werft Korneuburg erbauten Raddampfer "Glanz" und "Vindobona" der D.D.S.G.
1900 Ausstellung einer 1200-kVA-Dampfmaschine auf der Weltausstellung Paris
1900 Eine Dampfmaschine Bauart Lentz von 1000 PS der "Ersten Br├╝nner Maschinenfabrik" wird auf der Pariser Weltausstellung 1900 gezeigt und tr├Ągt Lentz die goldene Medaille ein.
1900-1901 Bau von f├╝nf 4000 PS Dampfmaschinen 1900/01 f├╝r das Kraftwerk Simmering der Stadt Wien
1900 Von der Firma "Friedrich Wannieck & Komp." (gegr. 1895) wird eine Maschinenfabrik in Br├╝nn erworben f├╝r K 800.000,00 neu ausgegebene Aktien.
18.04.1900 Sitzung der F├╝hrung der "Ersten Br├╝nner" betreffs Verschmelzung beider Gro├čfirmen. Die Tagesordnung besagt unter anderem: "... das Maschinenfabriks-Unternehmen der Firma Friedrich Wannieck & Co. unserem Unternehmen anzugliedern. Ein weiterer Ansporn war f├╝r uns auch der Umstand, da├č wir mit der Erwerbung des Unternehmens der Firma Friedrich Wannieck & Co. in deren Verh├Ąltnis zu der Firma Gebr├╝der Sulzer in Winterthur eintreten, welche Verbindung wir als sehr wertvoll f├╝r uns halten."
1901 ├ťbernahme des Wannieckwerkes durch die Erste Br├╝nner Maschinenfabrik
1901 Bau des 3000. Dampfkessels
17.03.1902 Die Erste Br├╝nner nimmt mit der englischen Firma Parsons Verhandlungen auf und beginnt 1902 mit der Fertigung von Dampfturbinen. Es sind reine ├ťberdruck-Turbinen mit allen ihnen anhaftenden M├Ąngeln, vor allem geringer Wirtschaftlichkeit. Die Fertigung erfolgt im Wannieckwerk; die erste Turbine Bauart Parsons leistet 200 kW. - Die ├ľsterreichische Parsons-Dampfturbinen-Gesellschaft wird am 17. M├Ąrz gegr├╝ndet. Im Verwaltungsrat der Dampfturbinengesellschaft sind neben dem P├Ąsidenten L. A. Lohnstein, dem Zentraldirektor A. Hnevkovsky auch Charles Eugen Lancelot Brown (von der Brown, Boveri & Cie., Baden-Schweiz) und Charles Picton Martin.
1902 Nach dem Erhalt der Patentrechte von der "├ľsterreichischen Dampfturbinen-Gesellschaft" (M├Ąrz 1902) geht man daran, im Wannieck-Werk eine spezielle Abteilung f├╝r die Herstellung von Dampfturbinen einzurichten. Der technische Direktor Kliment und einige Techniker werden zur Schulung zu Parsons nach Newcastle on Tyne geschickt. W├Ąhrend des Jahres 1902 beginnt man im Wannieck-Werk in Br├╝nn mit der Herstellung von Dampfturbinen.
1903 Es werden seit 1903 Kettenroste f├╝r gute Steinkohlen gebaut
1904 Um 1904 erwirbt die Erste Br├╝nner auch die Lizenz von der Firma Green & Sohn f├╝r den Bau von Vorw├Ąrmern und ├ťberhitzern.
1904 Aufnahme des Baus von Gasmotoren nach Lizenz der Firma K├Ârting
1905 Der Dampfmaschinenbau entwickelt sich lebhaft weiter und f├╝hrt zum Bau von Dampfmaschinen Bauart Stumpff. Aufgrund der reichen langj├Ąhrigen Erfahrungen entwickelt sich die Erste-Br├╝nner-Dampfmaschine unter der Leitung von Direktor Smetana und Oberingenieur Schwarz zu jener Bauart, die in der ├Âsterreichisch-ungarischen Monarchie und im gesamten Ausland einen besonders guten Ruf erlangt.
1905 Oberingenieur F├╝rstenau verbessert die Parsons-Turbine durch Vorschaltung eines Curtis-Rads (Geschwindigkeitsstufe) vor den ├ťberdruckteil. Hierdurch werden Wirkungsgrad, Regelung und Betriebssicherheit verbessert.
1907 Bau der ersten Gleichstromdampfmaschinen der Bauart Stumpf der Welt bei der "Ersten Br├╝nner Maschinenfabrik", geliefert an die Firma Molenda, M├Âhnhardt & Co. in Bielitz
1911 Fusion mit dem Paukerwerk in Wien
1911-1918 In den Jahren 1911 bis 1918 werden Dieselmotoren nach einer Lizenz der Firma Sulzer/Winterthur gebaut.
06.07.1911 Die Schweizer Firma "Gebr├╝der Sulzer" erteilt die Lizenz f├╝r die Herstellung von Benzinmotoren und Dieselmotoren; solche wurden bisher noch nicht gebaut. Diese Motoren haben eine Leistung von mehreren hundert PS. Deren Herstellung war f├╝r die EB eine Neuheit. Der Lizenzvertrag wird auf die Dauer von 15 Jahren abgeschlossen.
1912 Gr├╝ndung der Firma "Stefan R├Âck & Erste Br├╝nner" in Budapest
1912 Ersatz des Curtis-Rads durch vier Gleichdruckstufen durch Oberingenieur Krischker. Diese Bauart
Erste-Br├╝nner-Parsons wird allgemein angewendet und erm├Âglicht Leistungen bis 5000 kW und dar├╝ber bei 3000 U/min. Diese Turbinen arbeiten bis lange nach dem Ersten Weltkrieg zur vollen Zufriedenheit.
06.1912 Der Bau von Verbrennungsmotoren nach Sulzer-Lizenz l├Ąuft. Der erste hat eine Leistung von 50 PS und wird an die Fels- und Industriewerke in Wien geliefert.
1913 Ab 1913 werden Pluto-Stoker f├╝r aschereiche Steinkohle, sp├Ąter Schnetzer-Roste f├╝r nordb├Âhmische Braunkohle gebaut.
01.01.1913 ├ťbernahme der "Wiener Dampfkessel-, Apparate- und Maschinenfabriks- A.-G. vorm. Josef Pauker & Sohn, Wien XXI / 3", Weiterf├╝hrung als Pauker-Werk, Wien
1920 Als im Jahr 1920 die Babcock-Wilcox-Werke die Lieferung der Teilkammern einstellen, ger├Ąt der Bau von Babcock-Kesseln in Schwierigkeiten. Da erwirbt sich Betriebsdirektor V├Ârsmann mit seinem Meister Pollak gro├če Verdienste, indem es ihm nach monatelangen m├╝hevollen Pre├čversuchen
gelingt, diese komplizierten schlangenf├Ârmigen Stahlkammern herzustellen.
1922 Besonderer Markstein im Turbinenbau ist die erste europ├Ąische Hochdruck-Turbine (32 at├╝, 4000 ┬░C [sic; vmtl. 400┬░ gemeint], 2100 kW)
1922 Da die "Erste Br├╝nner" zur Tschechoslowakei geh├Ârt wird, scheidet das "Paukerwerk" aus und wird 1922 in eine selbst├Ąndige ├Âsterreichische Aktiengesellschaft umgewandelt. Die gesamten Aktien bleiben in den H├Ąnden der Br├╝nner Muttergesellschaft.
1923 Publikation "Leistungsversuche an einer Gegendrucksturbine Bauart 'Br├╝nner Turbine' der Ersten Br├╝nner Maschinen-Fabriks-Gesellschaft" von Emil Josse und Aurel Stodola
1924 Die Ausnutzung von mehr als hundert Turbinenpatenten wird der im Jahre 1924 gegr├╝ndeten Gesellschaft "Turbo N.V. Amsterdam" ├╝bertragen.
1924 Die Gesellschaft fusioniert mit der "A.-G. f├╝r Maschinenbau vorm. Brand & Lhuillier" in Br├╝nn, und zwar werden den Aktion├Ąren f├╝r 3 Aktien dieser Gesellschaft mit Kupons f├╝r das Gesch├Ąftsjahr 1924 2 Aktien der Br├╝nner Maschinenfabrik ebenfalls mit Kupons f├╝r 1924 gegeben.
1924 Vergabe einer Lizenz zum Bau von Dampfturbinen an "A. Borsig, Berlin"
1925 Besonderer Markstein im Turbinenbau ist die erste H├Âchstdruck-Turbine (100 at├╝, 500 ┬░C, 20 000 kW; viergeh├Ąusig)
1925 Bau des ersten Hochdruckkessels mit 30 at├╝ f├╝r die Papierfabrik Eichmann in Arnau, bald darauf mit der BKM und Skoda Bau der ersten 64-at├╝-Kessel f├╝r das Heizkraftwerk Br├╝nn.
1926 Die wirtschaftliche Lage des Unternehmens verschlechtert sich trotz technischer H├Âchstleistungen entscheidend. Unter der F├╝hrung des Generaldirektors Pauker und des Pr├Ąsidenten der Wiener L├Ąnderbank und Aufsichtsratsvorsitzenden Rotter ist die Firma dem Zusammenbruch nahe. Eine Wende bahnt sich im Jahr 1926 an, als Anton H├Âdl zum Generaldirektor bestellt wird. H├Âdl, in Innsbruck geboren und in Prag und J├Ągerndorf aufgewachsen, hatte an der T.H. Wien studiert, war vor dem Ersten Weltkrieg in Wien, M├Ąhrisch-Ostrau und Berlin t├Ątig gewesen und hatte den Ersten Weltkrieg, zuletzt als Hauptmann, auf verschiedenen Kriegsschaupl├Ątzen mitgemacht. Vor seinem Eintritt in die Erste Br├╝nner war er Direktor der Witkowitzer Eisenwerke und Zentraldirektor der Lapp-Finze AG in Graz.
01.01.1926 bis 07.05.1945 1926 bis zum Ende des Zweiten Weltkrieges setzt sieht die lebhafte Entwicklung des Turbinenbaus fort. Die kombinierte und mehrgeh├Ąusige Bauart bis zu den h├Âchsten Leistungen, Dr├╝cken und Temperaturen, aus einem St├╝ck geschmiedete L├Ąufer, die Ausbildung des Niederdruckteils gro├čer Kondensationsturbinen, der Bau von Mehrfachentnahme-Turbinen, Gegendruck-Turbinen und Turbinen f├╝r Drehzahlen bis 15.000 U/min nach Professor R├Âder kennzeichnen den hohen technischen Stand des Turbinenbaus der Ersten Br├╝nner, der bis zum Kriegsende in den H├Ąnden von Direktor Krischker, Oberingenieur Stratil, Oberingenieur Imm, Oberingenieur Lechky, Oberingenieur Novotny und Dr. Radovanovic lag. Um diese Zeit liefert die Erste Br├╝nner Turbinen weit ├╝ber das Inland hinaus nach ├ľsterreich, Rum├Ąnien, Ungarn, Polen und Ru├čland, nach Errichtung des Protektorats auch nach dem Altreich. Besonders erw├Ąhnt seien die gr├Â├čten gebauten Turbinen von 56 000 kW f├╝r 70 at├╝ und 485 ┬░C.
1927 Die Erste Br├╝nner Maschinenfabrik baut f├╝r das Kraftwerk der Witkowitzer Steinkohlengruben eine Gleichdruck-Kondensationsturbine f├╝r 3000 U/min mit einem Dampfdurchsatz von 80 t/h, die eine Leistung von 18.000 PS erreicht.
1928-1929 In den Jahren 1928/29 werden ├╝beralterte Hallen eingerissen und eine neue Maschinenfabrik mit neuen Werkzeugmaschinen, Montagehallen und Pr├╝fst├Ąnden errichtet.
1928 Bau eines 64-at├╝-Kessels f├╝r die Papierfabrik Spiro in Krumau. Die inzwischen ins Leben gerufene Abteilung f├╝r Speisewasser-Aufbereitung kann das vorerst durch die schlechte Wasserbeschaffenheit gegebene Risiko abwenden.
1930 Das Wannieck-Werk wird stillgelegt und der Betrieb in das Luz-Werk verlegt, dessen Einrichtungen wesentlich erweitert und ausgestaltet werden.
1935 S├Ąmtliche Aktien des "Paukerwerks", Wien, gehen von der Muttergesellschaft "Erste Br├╝nner" in den Besitz der "├ľsterreichischen Industriekredit A.-G." in Wien ├╝ber.
um 1936 Abtretung des Wiener Paukerwerkes an die Simmeringer Maschinenfabrik gegen die "Br├╝nn-K├Ânigsfelder Maschinen- und Waggonfabriks AG". - Der Wiener Hausbank der Simmeringer (die Creditanstalt?) mi├čfiel die Finanzierung der K├Ânigsfelder in der Tschechoslowakei, und der Wiener Bankdirektor wendet sich an seinen Prager Kollegen Dr. Feilchenfeld mit der Anregung, die Simmeringer in Wien und die "Erste Br├╝nner" sollten ihre respektiven Auslandsbeteiligungen tauschen. Die Direktion der Simmeringer in Wien und der sehr selbst├Ąndige Direktor der K├Ânigsfelder in Br├╝nn, Herr Pilny, widersetzen sich vergeblich mit allen Mitteln diesem Tauschgesch├Ąft.
um 1936 ├ťbernahme der "Br├╝nn-K├Ânigsfelder Maschinenfabrik" im Tausch gegen das Paukerwerk in Wien. - Die "K├Ânigsfelder" geh├Ârte der Simmeringer Maschinenfabrik in Wien, ihre Werkst├Ątten liegen in einem Vorort von Br├╝nn.
1936 Verkauf des R├Âck-Werks (seit 1912 als Zweigwerk in Budapest) an die Maschinenfabrik L├íng, Budapest. - Herr L├íng trat mit Anton H├Âdl ├╝ber Herrn Farkas in Verbindung, er m├Âchte sein Unternehmen durch Erwerb von R├Âck verst├Ąrken. Die beiden Unternehmen wurden in sehr angenehmen Verhandlungen, teils in Br├╝nn, teils in Budapest, einig, und die "Erste Br├╝nner wird um einige Millionen liquider.
1937 Das aus Rationalisierungsgr├╝nden inzwischen stillgelegte Wannieckwerk wird an die Waffenwerke Br├╝nn verkauft.
1940-1941 In den Jahren 1940 und 1941 bem├╝ht sich Generaldirektor H├Âdl beim Reichsluftfahrtministerium in Berlin um Beteiligung an der Gasturbinenentwicklung, die in Deutschland durch die Luftfahrt einen starken Auftrieb erhalten hatte. Das RLM kommt diesem Wunsche nach, indem es eine Entwicklung f├Ârdert, die auf dem Gebiet der Hochtemperatur-Gasturbine von der Luftfahrtforschungsanstalt Braunschweig betrieben wird. Der Leiter dieser Entwicklung ist Professor Dr.-Ing. Ernst
Schmidt, ein weltweit anerkannter Thermodynamiker. Sein engster Mitarbeiter auf diesem Gebiet ist Kollege Professor Dr.-Ing. K. Bammert.
01.07.1942 Mitte 1942 erh├Ąlt die Erste Br├╝nner einen Konstruktions- und Fertigungsauftrag vom RLM, der von E. Schmidt und K. Bammert betreut wird Die Erste Br├╝nner bildet eine Gasturbinengruppe, die von Oberingenieur Lechky geleitet wird und der die Kollegen Sch├Âllhammer und Prause als verantwortliche Mitarbeiter angeh├Âren. Es wird eine vierstufige Gasturbine entworfen, die mit wassergek├╝hlten Leit- und Laufschaufeln ausgestattet ist. Als Antriebstemperatur f├╝r die Gasturbine sind bis zu 1200 ┬░C vorgesehen. Nach vielen Diskussionen und Besprechungen wird die Turbinenkonstruktion genehmigt, und die einzelnen Teilzeichnungen werden gefertigt.
27.07.1942 Letzte ordentliche Hauptversammlung bis 1943/44
1943 Ab 1943 beginnt die Fertigung der Gasturbine. Es handelt sich um einen recht komplizierten Trommell├Ąufer mit Innenk├╝hlung sowohl der Laufschaufeln als auch der rotierenden Trommel. Die Regelung des Wasserringes ist verwickelt, f├╝r die Lebensdauer der Turbine aber von entscheidender Bedeutung. Der Stator mit den Leitschaufeln ist ebenfalls wassergek├╝hlt.
01.07.1944 bis 31.12.1944 In der zweiten H├Ąlfte des Jahres wird mit dem mechanischen Probelauf des Gasturbinenl├Ąufers begonnen, um die Laufeigenschaften und die K├╝hlwasserregelung zu ├╝berpr├╝fen. Der L├Ąufer wird mit Dampf angetrieben.
Anfang 1945 Anfang 1945 wird die Gasturbine von Br├╝nn nach Braunschweig verfrachtet und in der Luftfahrtforschungsanstalt aufgebaut. Der wassergek├╝hlte Leitapparat soll nachgeliefert werden, bleibt aber im M├Ąrz 1945 auf dem Transport in Br├╝x liegen. Nach Kriegsende wird die Anlage auf Gehei├č der Alliierten nach England transportiert.
17.04.1945 Generaldirektor H├Âdl verl├Ą├čt am sp├Ąten Abend mit Frau und Chauffeur seine Wohnung, Schreibwaldstra├če 156, in Richtung Iglau, und erreicht die (arisierte) Fabrik vormals L├Âw in Helenental. - Die Flucht geht am folgenden Tage weiter ├╝ber Budweis, Passau nach Kitzb├╝hel zum Wohnsitz der Tochter Mariandl, das am 21. April erreicht wird. Im Denzember 1946 siedelt die Familie nach Bozen um.
19.04.1945 Als am 19. April die Fliegeralarm-Anlage durch Bomben zerst├Ârt wird, erfolgt keine Warnung mehr; es gibt bereits viele Verwundete im Werk, das Chaos wird immer gr├Â├čer.
Ende April 1945 Generaldirektor H├Âdl h├Ąlt unter dramatischen Umst├Ąnden mit einem kleinen H├Ąuflein seiner Getreuen eine letzte Mitarbeiter-Konferenz ab, wobei er alle Anwesenden jeder weiteren Verpflichtung enthebt. Er stellt Geld und Fahrzeuge zur Verf├╝gung und verl├Ą├čt gleichzeitig mit Direktor Krischker das Werk. (Version [Festschrift Erste Br├╝nner (1973)])
01.02.1972 Tod des neunzigj├Ąhrigen Generaldirektors der "Ersten Br├╝nner Maschinenfabrik" (1926-1945) H├Âdl in Bozen. - Er und seine Ehefrau Mariann Elisabeth, geb. Fillunger (*19.11.1891 + 19.07.1971) sind in Sarnthein begraben.
25.05.1973 bis 26.05.1973 Das erste Mal nach 27 Jahren treffen sich die Kolleginnen und Kollegen der ehemaligen Ersten Br├╝nner Maschinenfabriks-Gesellschaft im "Dachauer St├╝berl" in M├╝nchen.




Produkte

Produkt ab Bem. bis Bem. Kommentar
automatische Kettenrostfeuerungen 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598] 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598]  
Brikettpressen     1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598]  
Dampfkessel 1872 Beginn (Fusion) 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598] Kessel aller erprobten Bauarten bis 120 bar, "Babcock & Wilcox" (um 1894 bekannt), Steilrohrkessel "Lopulco-Strahlungskessel", Gro├čwasserraumkessel, Abhitzekessel
Dampfmaschinen 1872 Beginn (Gr├╝ndung) 1935 [Industriekompa├č (1935/36)] 1935: liegend, stehend, raschlaufende Ventilmaschinen Patent "Erste Br├╝nner-Gutermuth", Einzylinder- und zweistufige Entnahmenmaschinen Patent "Erste Br├╝nner-Patsch"; auch mit Farcot-, Meyer-, Corliss-, Zvonicek-, Collmann-, Lentz- und
Dampfspeicher 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598] 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598]  
Dampfturbinen 1902 Beginn 1945 Ende der Firma Fertigung im Wanniek-Werk. 1935: aller Gr├Â├čen: Kondensations-, Gegendruck, Zweidruck, Abdampf-, Anzapf- und Kleinturbinen
Dieselmotoren 1911 Beginn 1918 Ende nach Sulzer-Lizenz
Exzenterpressen 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598] 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598]  
Friktionspressen 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598] 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598]  
Gasturbinen 1942 Beginn (Fertigungsauftrag Mitte 1942) 1945 Ende der Firma  
hydraulische Pressen 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598] 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598]  
Hei├čdampf-Lokomobile 1922 [Stumpf: Gleichstromdampfmaschine (1922) 277] 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598] auch Gleichstrom-Lokomobilen
keramische Maschinen 1893 Beginn (anstelle der Textilmaschinen) 1935 [Industriekompa├č (1935/36)]  
Kapseldampfmaschinen 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598] 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598]  
K├Ąlte- und Kunsteisanlagen     1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598]  
Kesselspeisepumpen 1890 Beginn (System Voit-Hooker)      
Kolben- und Rotationskompressoren 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598] 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598]  
Kreiselpumpen   ab Anfang der 1890er Jahre      
Lochmaschinen 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598] 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598]  
Luftfileranlagen 1935 [Industriekompa├č (1935/36) ] 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598]  
Maschinen zur Schrauben- und Nietenerzeugung 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598] 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598]  
Richt- und Biegemaschinen 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598] 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598]  
schwungradlose Dampfpumpen 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598] 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598]  
Steinbrecher     1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598]  
Textilmaschinen     1893 Ende  
Zentrifugal-, Achsila- und Kreiselluftpumpen 1935 [Industriekompa├č (1935/36) ] 1935 [Industriekompa├č (1935/36) 598]  




Betriebene Dampfmaschinen

Bezeichnung Bauzeit Hersteller
Dampfmaschine vor 1879 Erste Br├╝nner Maschinenfabriks-Gesellschaft
Dampfmaschine vor 1879 Erste Br├╝nner Maschinenfabriks-Gesellschaft
Dampfmaschine vor 1896 Erste Br├╝nner Maschinenfabriks-Gesellschaft




Maschinelle Ausstattung

Zeit Objekt Anz. Betriebsteil Hersteller Kennwert Wert [...] Beschreibung Verwendung
1894 Dampfkessel 2   Erste Br├╝nner Maschinenfabriks-Gesellschaft Heizfl├Ąche 43 qm System Babcock & Wilcox  




Firmen-Änderungen, Zusammenschüsse, Teilungen, Beteiligungen


Zeit = 1: Zeitpunkt unbekannt

Zeit Bezug Abfolge andere Firma Kommentar
1872 Zusammenschlu├č, neuer Name zuvor Thomas Bracgirdle & Sohn Bracegirdle + Luz = 1. Br├╝nner
1872 Umbenennung zuvor H. A. Luz in Br├╝nn [Beitr├Ąge Gesch Technik (1913) 237] - nachlesen!




Allgemeines

ZEIT1943
THEMAOrgane und Kapital der Gesellschaft
TEXTVerwaltungsrat: Dr. Guido Schmidt, Generaldirektor der A.-G. Reichswerke "Hermann G├Âring", Berlin, Vorsitzer; Gustav Overbeck, Bankdirektor, Vorstand der Dresdner Bank, Berlin, stellv. Vorsitzer; Dr. Karl Reissig, stellv. Vorsitzer. Mitglieder: Josef Barton-Doben├şn, Gesellschafter der Firma Josef Barton u. S├Âhne, Nachod; Dr. Jaroslav Charv├ít, Generaldirektor der K├Ânigshofer Cementfabrik A.-G., Prag; Dr. Friedrich Freiherr v. Herring-Frankensdorf, Gesellschafter der Koh-i-noor Bleistiftfabrik L. & C. Hardtmuth, Budweis; Dipl.-Ing. Anton H├Âdl, Generaldirektor der Ersten Br├╝nner Maschinen-Fabriks-Gesellschaft, Br├╝nn; Dipl.-Ing. Stanislaus Krumpholz, Br├╝nn; Heinrich Kunert, Gesellschafter der Firma Kunert & S├Âhne, Warnsdorf; Hans Graf Larisch-M├Ânnich jun., Karwin (Oberschles.); Reinhold Freiherr v. L├╝dinghausen, Direktor der B├Âhmischen Escompte-Bank, Prag; Walter Pohle, Direktor und Vorstandsmitglied der B├Âhmischen Union-Bank, Prag; Dr. Julius Roesler, Vorstandsmitglied und Direktor der Reichenberg-Maffersdorfer und Gablonzer Brauereien A.-G., Maffersdorf; Dr. Walter Schmidt, Verwaltungsratsmitglied der "Tebas" Industrielack A.-G., Prag; Gauk├Ąmmerer Josef Strasser, Wien. Generaldirektor: Dipl.-Ing. Anton H├Âdl, Br├╝nn. Gesch├Ąftsjahr: 1. Januar bis 31. Dezember. Hauptversammlung (Stimmrecht): 10 Aktien 1 Stimme. Reingewinn-Verwendung: 1/20 des Gewinnes wird dem Reservefonds zugef├╝hrt, bis dieser 10 % des Grundkapitals erreicht hat, 5 % Dividende, 10% Tantieme; der Rest kann, wenn die Generalversammlung nichts anderes beschlie├čt, als Superdividende ausgegeben werden. Grundkapital: nom. K 65.000.000,00 Stammaktien in 325 000 St├╝cken zu je K 200,00.
QUELLE[Handbuch Akt.-Ges. (1943) 5063]


ZEIT1943
THEMAZweck und Gegenstand des Unternehmens
TEXTGegenstand des Unternehmens: Errichtung und Erwerb sowie der Betrieb von Fabriken f├╝r den Bau von Maschinen aller Art, Kesseln, Apparaten, Rohrleitungen, Eisenkonstruktionen usw., ferner Fabrikation aller zum Bau und Betrieb und zur Einrichtung von Eisenbahnen geh├Ârenden Requisiten; weiter Hersteilung von Waren aus Eisen, Kupfer und anderen Metallen. Die Gesellschaft ├╝bernimmt auch die Einrichtung von industriellen Etablissements, insbesondere von Anlagen zur Energieerzeugung, von Kunsteisbahnen und sonstigen K├Ąlteanlagen.
QUELLE[Handbuch Akt.-Ges. (1943) 5063]


ZEIT1943
THEMABeteiligung an folgenden Unternehmens
TEXTBeteiligungen (s.d.): 1. Br├╝nn-K├Ânigsfelder Maschinen- und Waggon-Fabriks A.-G., Br├╝nn, Beteiligung: fast 100 %; 2. BRUNA Maschinenbau G. m. b. H., Br├╝nn, Beteiligung: Zusammen mit der Br├╝nn-K├Ânigsfelder Maschinen- und Waggon-Fabriks A.-G. 100 %; eine Interessengemeinschaft besteht mit der Br├╝nn-K├Ânigsfelder Maschinen- und Waggon-Fabriks A.-G., die auf Produktionsteilung basiert; 3. Gefia A.-G. f├╝r industrielle Anlagen, Prag-Br├╝nn, Beteiligung: Majorit├Ąt.
QUELLE[Handbuch Akt.-Ges. (1943) 5063]


ZEIT1926
THEMAWirtschaftskrise und Bilanzf├Ąlschung
TEXTIm Fr├╝hjahr brachten die B├Ârsenteile der tschechoslowakischen, ├Âsterreichischen und auch von ausl├Ąndischen Bl├Ąttern alarmierende Ger├╝chte ├╝ber die Erste Br├╝nner Maschinenfabriksgesellschaft. Dieses Unternehmen, eine der ├Ąltesten und ber├╝hmtesten Maschinenbauanstalten der gewesenen Monarchie, stand unter Leitung des Herrn Pauker, der sein "Paukerwerk" in Wien an die EB verkauft und sich gleichzeitig die Leitung des gesamten Unternehmens als Generaldirektor und Vizepr├Ąsident mit fast unbegrenzten Vollmachten gesichert hatte. Beim kreditgew├Ąhrenden Bankenkonsortium gingen die Schuldsalden st├Ąndig in die H├Âhe, da Banken niemals dicht halten, sickerten Ger├╝chte durch, und der Kurs der "Ersten Br├╝nner" an der Prager und Wiener B├Ârse fiel. Dann h├Ârten die Eingeweihten, da├č die Banken nach schweren Widerst├Ąnden des Pauker eine Revision durch ihren Beauftragten durchgesetzt h├Ątten ? der Kursverfall ging in einen Kurssturz ├╝ber. Als die Banken, noch nicht die ├ľffentlichkeit, einen Einblick in die vorliegenden Bilanzf├Ąlschungen hatten, mu├čten sie sich um einen Nachfolger f├╝r Pauker umsehen. Eines sch├Ânen Tages rief mich Rothschild-Polak, den ich mit Recht fr├╝her als meinen v├Ąterlichen Freund bezeichnet habe, in Graz an und ersuchte mich, am n├Ąchsten Sonntag zu ihm nach Wien zu kommen. Ich ahnte, um was es ging, und beschlo├č, meine Forderungen hoch anzusetzen. In seinem B├╝ro lie├č mich Polak allein mit dem aus Prag gekommenen Dr. Otto Feilchenfeld, dem Vorsitzenden des Vorstandes der B├Âhmischen Escomptebank und Creditanstalt in Prag. Nach eingehenden Verhandlungen einigten wir uns auf f├╝r mich sicher sehr g├╝nstige Bedingungen: Jahresgehalt 1 Mio. techische Kronen, sp├Ątere Erh├Âhung abh├Ąngig vom Gewinn, Kauf einer Einfamilienvilla als Wohnhaus f├╝r mich, Eintritt in den Verwaltungsrat des Unternehmens, sobald das Gelingen der Sanierung durch Beschlu├č dieser K├Ârperschaft festgestellt werden wird. Alle materiellen Leistungen unter schriftlicher Garantie der Bebca (B├Âhmische Escomptebank und Creditanstalt). Ein Konsortium, bestehend aus der B├Âhmischen Escomptebank und Creditanstalt (Bebca) Prag, der M├Ąhrischen Escomptebank Br├╝nn, der B├Âhmischen Unionbank (BUB) Prag und den beiden L├Ąnderbanken in Prag und Wien befriedigte die immer h├Âher ansteigenden Kreditw├╝nsche des Generaldirektors Pauker. W├Ąhrend fr├╝her die EB ein Unternehmen der Wiener L├Ąnderbank war, hatten sich nach dem Weltkrieg die tschechoslowakischen Banken, vor allem die Bebca Prag und die M├Ąhrische Escomptebank Br├╝nn in immer st├Ąrkerem Ma├če bei diesem "gl├Ąnzenden Gesch├Ąft" engagiert. Als nun etwa ein bis zwei Jahre vor den Vorf├Ąllen bei der EB die Bebca Prag die M├Ąhrische Escomptebank Br├╝nn im Fusionsweg aufgenommen hatte, war der Gesamtkredit, den die fusionierte Bank zu tragen hatte, bedenklich angewachsen und wuchs st├Ąndig weiter. Die Bank verlangte Durchf├╝hrung einer Revision durch ihre Organe, Pauker lehnte diesen Mi├čtrauensbeweis entr├╝stet ab, mu├čte aber dann unter Androhung der Kreditsperre nachgeben; es erschien der Direktor-Stellvertreter Novotny von der Bebca Prag ? und das Unheil nahm seinen Lauf. Pauker und sein kaufm├Ąnnischer Direktor Weinerth hatten durch Jahre die Bilanzen gef├Ąlscht, indem sie fast wertlose Vorr├Ąte, dann von den Kunden bestrittene Forderungen unter die Aktiva einsetzten. Pauker hatte sich bei diesen Machenschaften offenbar darauf verlassen, da├č die L├Âsel-Dampfturbine einen Siegeszug um die Welt antreten und er dann alle L├Âcher mit Leichtigkeit zustopfen werde. L├Âsel, bestimmt ein hervorragender Ingenieur und Konstrukteur, hatte eine Dampfturbine hohen Wirkungsgrades entwickelt, die von anderen erstklassigen Dampfturbinenfirmen wegen ihrer geringen Betriebssicherheit abgelehnt wurde. Tats├Ąchlich gab es bei diesen L├Âsel-Turbinen immer wieder Schaufelsalat. Dar├╝ber hinaus wurden die von L├Âsel garantierten Dampfverbrauchszahlen nie erreicht, und L├Âsel half sich, indem er bei den Messungen des Dampfverbrauches genau so schwindelte wie sein Herr und Gebieter Pauker bei den Bilanzen. L├Âsel zapfte den verbrauchten Dampf, das hei├čt das zur Messung gelangende Kondensatwasser, vor der Messung ab, so da├č ein geringerer Dampfverbrauch aufschien. Mehrere seiner Pr├╝fraumingenieure, die mit L├Âsel diesen Schwindel durchf├╝hren mu├čten, haben mir sp├Ąter, als sie als gew├Âhnlich recht f├Ąhige Ingenieure treu und redlich mit mir arbeiteten, die Manipulation, die sich normalerweise im Kondensationskeller abspielte, im Detail erkl├Ąrt... F├╝r seine "Epochemachende Konstruktion" hatte L├Âsel ? und gleichzeitig Pauker ? die W├╝rde eines Dr. Ing. h.c. erhalten, soviel mir erinnerlich der erstere von der TH Prag, der zweite von Br├╝nn. An die Aufdeckung der Bilanzf├Ąlschungen schlo├č sich f├╝r mich ? aus Gr├╝nden der Erhaltung des technischen Ansehens der EB bei gleichzeitiger m├Âglichster Verheimlichung vor der ├ľffentlichkeit ? die Erkenntnis von der Einseitigkeit der L├Âsel'schen Konstruktionen. Nun war aber der Dampfturbinenbau die tragende S├Ąule unter den Erzeugnissen der EB. Kesselbau, Zuckerfabrikseinrichtungen, keramische Maschinen, ein klein wenig Motorenbau waren Fertigungszweige, die von anderen konkurrierenden Maschinenfabriken ebenso gut auf den Markt gebracht wurden. Ich stand im wahrsten Sinn des Wortes vor einem Alteisenhaufen: Alle Werkst├Ątten mit vielleicht einziger Ausnahme der Kesselschmiede kl├Ąglich veraltet, der Werkzeugmaschinenpark unmodern, die Vorr├Ąte zu einem gro├čen Teil ungangbar, Schulden bis ├╝bers Dach. Und das f├╝r den Aufbau der Zukunft Bedr├╝ckendste war, da├č die Hoffnung auf die epochale Neukonstruktion bei mir und bei einer Gottlob nur kleinen Zahl von Eingeweihten zusammengebrochen war.
QUELLE[H├Âdl, Anton: Erinnerungen (http://www.joern.de)]


ZEIT1926
THEMAFinanzielle Sanierung durch H├Âdl, Reissig und Feilchenfeld
TEXTDas Dr├╝ckendste waren die Schulden. Au├čer den Verpflichtungen gegen├╝ber den Banken war da noch eine im Jahr 1925 oder 1926 aufgenommene Obligationenschuld von vier Millionen US-Dollar. Diese Anleihe war auf Grund eines Revisionsgutachtens des angesehenen Buchpr├╝fers Price Waterhouse von einer kleinen New Yorker Brokerfirma beschafft und von dieser in den USA, angeblich vorwiegend bei tschechischen Emigranten, untergebracht worden. B├Âse Zungen sagten nachher, da├č das Bankenkonsortium Prag-Wien lediglich den Abschlu├č der Dollaranleihe, und damit eine starke Saldo-Erleichterung abgewartet, und einige Wochen sp├Ąter die Revision bei der EB erzwungen habe, wissend, da├č es dann ein b├Âses Erwachen geben werde. Von dieser Dollar-Schuld und den offenen Bankschulden ausgehend, mu├čte eine Absch├╝ttelung der untragbaren Lasten erreicht werden. Ich z├Ąhle auf, zu welchen wichtigsten Ergebnissen wir kamen: Die vier Millionen Dollar grundb├╝cherlich eingetragene Obligationenschuld. In z├Ąhen und langdauernden Verhandlungen, unterst├╝tzt von dem von den Gl├Ąubigern bestellten Sachverst├Ąndigen, dem MP (membre of parliament, Mitglied des Unterhauses) Sir Philip Dawson, war es gelungen, zu einem gerichtlichen Vergleich zu kommen. Danach wurden die Obligationen zum Kurse von 45 Prozent des Nennwertes durch unser inl├Ąndisches Bankenkonsortium r├╝ckgekauft, wobei die EB an die alten, amerikanischen Besitzer dieser Obligationen noch ┬╗Besserungsscheine┬ź von f├╝nf Prozent des Nominales ausgab, die bei Aufnahme der Dividendenzahlungen durch das Unternehmen in Jahresraten f├Ąllig werden sollten. Mein sp├Ąterer Freund, der Bankdirektor Otto Feilchenfeld, nannte diese Scheine den ┬╗Regenbogen┬ź, weil sie immer nur in unerreichbarer Ferne gl├Ąnzen w├╝rden. Mit Recht kann man mich fragen, wieso denn Obligation├Ąre in den Vereinigten Staaten auf mehr als die H├Ąlfte des ihnen grundb├╝cherlich zustehenden Betrages verzichten konnten? Nur durch die immer wieder ausgesprochene Drohung "Sonst gehen wir eben in Konkurs" und durch die von Sir Philip unterst├╝tzte Behauptung, da├č dann noch weniger ├╝brig bleiben w├╝rde. N├Ąchster Punkt: das Bankenkonsortium mu├čte die Obligationen zum Kurs von 45 Prozent ├╝bernehmen, was wegen der Unstimmigkeiten unter den Banken geduldige Verhandlungen erforderte. Weiter: Das Aktienkapital mu├čte radikal, soviel mir erinnerlich im Verh├Ąltnis zehn zu eins, zusammengelegt und dann wieder aufgef├╝llt werden. Da vorauszusehen war, da├č nur sehr wenige Aktion├Ąre von ihrem Bezugsrecht Gebrauch machen w├╝rden, mu├čten die Banken die ├ťbernahme der Aktien garantieren. Von da an befand sich fast das gesamte Aktienkapital der EB beim Bankenkonsortium unter F├╝hrung der Bebca ? bis die Reichswerke Hermann G├Âring alles ├╝bernahmen, wor├╝ber noch viel sp├Ąter zu sprechen sein wird. Noch ein wichtiger Punkt unserer Sanierung und recht schwierig zu meistern: Auch der tschechoslowakische Fiskus mu├čte Opfer bringen. Wir beriefen uns auf die Tatsache, da├č das Unternehmen durch Jahre Steuern gezahlt hatte von betr├╝gerisch vorgespiegelten Gewinnen. Wir mu├čten durch Generalversammlungsbeschl├╝sse unsere Bilanzen auf Jahre zur├╝ckrevidieren, wiesen statt der Gewinne Verluste aus und unterbreiteten das ganze dem damaligen tschechoslowakischen Finanzminister Englis pers├Ânlich. Englis war Professor an der tschechischen Universit├Ąt in Br├╝nn, kannte also die Situation. Wir drei Bittsteller, unser inzwischen zum Pr├Ąsidenten emporgestiegener Ehrentscheche Petr, unser Rechtsanwalt Dr. Carl Reissig [oder Rei├čig?] und ich hatten einen sehr ungn├Ądigen Empfang beim Herrn Minister ? aber wir erreichten die Gutschrift von erklecklichen Millionen. Ich war der Leiter eines v├Âllig ausgebluteten Unternehmens, das nun erst technisch saniert werden sollte ? in seinen Werkst├Ątten, in seinen konstruktiven Leistungen, besonders was die Hauptabteilung, den Dampfturbinenbau, anbelangte. Bei der Sanierungsaktion hatte ich unendlich viel gelernt, und zwar vor allem von unserem hervorragenden Anwalt Dr. Carl Reissig, der die Materie juristisch und kommerziell souver├Ąn beherrschte und dementsprechend bei den Verhandlungen mit den Banken fast immer auch deren Zustimmung fand. Dr. Reissig wurde nach kurzer Zeit nicht nur mein Berater auch in laufenden Gesch├Ąftsangelegenheiten, sondern mein um zwanzig Jahre ├Ąlterer Freund. ├ťber Antrag des Dr. Feilchenfeld als dem Repr├Ąsentanten des Bankenkonsortiums ├╝bernahm Reissig sp├Ąter das Pr├Ąsidium unseres Verwaltungsrates und blieb unser Pr├Ąsident bis zur Macht├╝bernahme durch den Nationalsozialismus.
QUELLE[H├Âdl, Anton: Erinnerungen (http://www.joern.de)]


ZEIT1927
THEMASanierung der Turbinenabteilung durch H├Âdl
TEXTEin mich geradezu pers├Ânlich bedr├╝ckendes Problem war die ungekl├Ąrte Lage im Dampfturbinenbau. Dr. Ing. h. c. L├Âsel war technischer Direktor dieser Abteilung. Die von ihm entwickelte Dampfturbine hohen Wirkungsgrades wurde jedoch von anderen erstklassigen Dampfturbinenfirmen wegen ihrer geringen Betriebssicherheit abgelehnt. Sein Widerpart war Ing. Karl Krischker, der Verkaufsdirektor der Dampfturbinenabteilung, der rund heraus erkl├Ąrte, die L├Âsel-Turbinen seien ob ihrer Betriebsunsicherheit, ihrer ├ťberschreitungen der Dampfverbrauchsgarantien usw. unverk├Ąuflich, wir betr├Âgen die Kunden. Ich wu├čte, da├č L├Âsel nicht im Unternehmen bleiben k├Ânne, konnte mich aber zu einer br├╝sken Entlassung nicht entschlie├čen. Wahrscheinlich ├Ąu├čerte sich hier die Tatsache, da├č ich selbst zu wenig von Dampfturbinen verstand, um mir ein sicheres eigenes Urteil bilden zu k├Ânnen ? und auf Urteile, die mir eingeredet wurden, verlie├č ich mich ungern. Da kam L├Âsel mir zuhilfe: Er hatte sich eine Berufung als Professor an die Technische Hochschule Wien "gerichtet" und erschien eines sch├Ânen Tages bei mir, um seine kurzfristige Entlassung zu erbitten. Sie wurde ihm mit allen ├Ąu├čeren Ehren bewilligt. Ich war der Meinung, da├č Krischker allein die Dampfturbinenabteilung nicht werde leiten k├Ânnen, und engagierte als technischen Direktor den Dr. Ing. Radovanovic, der von unserer sch├Ąrfsten Konkurrenz, Brown Boveri Schweiz, kam. Radovanovic war der Sohn eines vor Jahrzehnten an der Prager Technischen Hochschule lehrenden, sehr angesehenen Professors. Der Sohn war leider [gestrichen: eine Niete] nicht der Vater; Er hatte keine eigenen Ideen, die unserem Dampfturbinenbau Fortschritte gebracht h├Ątten. Als er nach Jahren ging, ├╝bertrug ich Krischker die gesamte Leitung der Dampfturbinenabteilung, Technik und Verkauf.
QUELLE[H├Âdl, Anton: Erinnerungen (http://www.joern.de)]


ZEIT1927
THEMASanierung der Maschinenbauabteilung durch H├Âdl
TEXTDa war vor allem der Bestellstand, der durch die Krise schwer gelitten hatte. Wer bestellt Maschinen bei einer Fabrik, von der in der Zeitung steht, da├č sie vielleicht in einem Monat ihre Tore wird schlie├čen m├╝ssen? Die erste gr├Â├čere Bestellung kam von der K├Ânigshofer Zementfabrik, Dreh├Âfen und Kugelm├╝hlen, gro├če Blecharbeiten f├╝r unsere Kesselschmiede; Zentraldirektor Blaschczik dieses sehr gut gef├╝hrten Unternehmens blieb auch sp├Ąter unser wertvoller Gesch├Ąftsfreund. Im Kesselbau mu├čte der uralte Direktor Bock ersetzt werden, ich zog aus Witkowitz den Stellvertreter des Abteilungschefs her├╝ber, Ing. Kulka. Gewisse pers├Ânliche Schwierigkeiten gab es auch in der Abteilung f├╝r Zuckerfabrikseinrichtungen dadurch, da├č Pauker kurz vor seinem Abgang die auf Zuckerbau spezialisierte Maschinenfabrik Brand und L'Hullier fusioniert hatte und dadurch zuviel Direktoren da waren. Zwei wurden abgebaut, einer behalten! In der Werkst├Ątte hatte Pauker nur Meister geduldet, von denen der eine oder andere zum "Betriebsleiter" aufger├╝ckt war. Ich suchte einen Ingenieur als Werkst├Ąttenchef und wollte gleichzeitig dem berechtigten Verlangen der Tschechen entgegenkommen, da├č ein Tscheche der Direktion angeh├Âren m├Âge. So engagierte ich den t├╝chtigen, sehr rauhen, seine Leute oft hart anfassenden Ing. Pavel Simek . Er kam von der eskomoravsk├í-Kolben-Dank (KD), fr├╝her B├Âhmisch-M├Ąhrische Maschinenfabriken, und blieb mein getreuer Mitarbeiter, bis die Nazi seinen Abgang forderten. Er verlie├č seine engere Heimat, das "Protektorat B├Âhmen und M├Ąhren" und ging als Freiberufler nach Pre├čburg. Diese in eigentlich recht kurzer Frist vollzogene Sanierung wurde gekr├Ânt durch ein Wagnis, durch den vollkommenen Neuaufbau der Maschinenfabrik. Unter Zuziehung eines Berliner B├╝ros f├╝r industrielle Planungen, Ornstein und Rambuschek (?) entwarfen Simek und ich auf einem gro├čen Freigel├Ąnde ? das wertvollste, das Pauker uns hinterlassen hatte ? einen Fabriksneubau mit zwei hohen, weitgespannten Montagehallen und den parallel angeordneten Bearbeitungswerkst├Ątten in Shedbauweise. An der Stirnseite werden diese Hallen durch einen breiten Transportgang mit Normalgleisen verbunden, neben dem, also auch senkrecht zu den Werkst├Ąttenhallen, ein Stockwerksbau l├Ąuft, mit Zentralmagazin unten und den technischen und Konstruktionsb├╝ros oben. Rambuschek stellte einen Ingenieur ganz zu uns ab, der sp├Ąter in unsere Dienst trat, Aberle. In die neuen Werkst├Ątten kamen fast nur neue Maschinen ? denn hier war und ist noch heute der Erfolg einer Rationalisierung zu suchen. Fast zu jeder Leipziger Messe fuhr ich damals mit Simek, wir besichtigten, und vor allem er studierte alle Neuerscheinungen. Der Verwaltungsrat unseres Unternehmens stellte stimmeneinhellig fest, da├č die Sanierung gelungen sei, und ich wurde, meinem Vertrag entsprechend, in diese K├Ârperschaft kooptiert.
QUELLE[H├Âdl, Anton: Erinnerungen (http://www.joern.de)]